Archiv für Demokratie

Das große Menscheln

Posted in The Hawthorne Catalyst with tags , , , , , , , on 30. Januar 2014 by J

Die Frau sah aus wie ein wuchtiges Denkmal alimentärer Lebensbewältigungsstrategien – mit Kurzhaarschnitt. Nun hielt es offenbar irgendjemand für opportun, diese wandelnde Kampagne gegen – oder für die Totsünde der Völlerei nicht nur in parteifarbendes, frohes Tuch zu wickeln, nein, sie gleich zur Staatssekretärin für Gesundheit, Emmanzipation, Kastration und verbale Euthanasie (oder so ähnlich) zu erheben. Das wirft natürlich die Frage auf: Wie kam es dazu? Am äußeren Schein lag es nicht.

Vielleicht also an ausgefeilter Rhetorik? Mit großen Worten nichts zu sagen ist schlussendlich Pflichtfach und ungekrönte Paradedisziplin eines jeden Volksbetrügers – und hat so manchem Meinungshehler schon an kalten Tagen ein warmes Essen beschert. Nun war ihre Wortgewandheit tagesformbedingt nicht ganz en par mit Seneca und Cicero. Vielmehr gab sie nach zwei mehrfach durch Ratlosigkeit am Wort unterbrochenden Sätzen offen zu, etwas unvorbereitet Oden aus fremder Feder vorzutragen. Leider wollte ihr auch das nicht so recht gelingen.

Nun denn. Kompetenz? Ich möchte hier zum einen aus Rücksicht auf eine etwagige Leserschaft darauf verzichten, im einzelnen auf die in ihrer sachlichen Richtigkeit äußerst gewagten, zumindest aber in ihrer Gesamtheit stark Besorgnis erregenden Aussagen (Highlights: die Vorzüge der Minderheitsregierung: ‚Nur da geht es um die Sache‘, Patientenselbstbestimmung als größtes Problem des Gesundheitswesens im 21. Jhdt) einzugehen, zum anderen gebietet es die Fairness, die Frau Staatssekretärin nicht an Thesen zu richten, an deren Entstehung sie nicht beteiligt war – und zu deren Darbietung sie aufgrund mangelnder alternativer Manuskripte gezwungen war.

Bleibt noch die Küngelei. Nun, die Resonanz ihrer Vorstellung erreichte nicht ganz die menschelnde Euphorie eines JFK. Doch möchte ich einer jeden Person jegliches zwischenmenschliches Verständnis absprechen, deren einzige Reaktion – trotz dreifachem Zeiteinsatzes – von ein paar wirklich masochistischen Wählern abgesehen, darin bestand – nun, ich will es so sagen: Hätte der Mob auch nur über eine einzige Mistgabel verfügt, so hätte die gute Frau den Tag auf einem brennenden Heuhaufen beendet.

Fazit: Wer Staatssekretär(in) werden will, muss einen verdammt guten Kaffee kochen.

Wednesday, November 24, 2010

Erkenntnisse aus der Maybrit Illner Show

Posted in The Hawthorne Catalyst with tags , , , , , , , , on 30. Januar 2014 by J

Chem Özdemir’s ebenso schmerzhafte wie zahlreiche Vergleiche mit der beliebten Komperativ plus „wie“ Satzfigur prügelten den Zuhörer fast zum Abschalten, als ich seine folgende, das ganze opportunische Gefasel in sich vereinende Forderung vernahm:

„Wir müssen unsere Kranken besser ausbilden!“

Das ist natürlich mehr als nur ein Versehen. Das ist vor allem richtig! Nur am Krankenbett ist der Bundesbürger noch bildungsfauler als daheim bei Wein und Weib, wo der Allgemeinheit – nebenbei bemerkt – auch die bezahlte Abwesenheit von Gesell- und Wirtschaft deutlich billiger kommt.

Hiermit möchte ich öffentlich (zumindest theoretisch kann es jeder lesen!) drohen, die Ergüsse dieses derzeitig auf gleich diversen Planken torkelnden Sozialdemokraten und Hobbygenetikers zu lesen – so denn es mir jemand zur Verfügung stellt und ich mit Obamas Ferienlektüre fertig bin (in dem urbanen Englisch amerikanischer Großstädte werde ich mich nie wohlfühlen). Ich möchte wissen, was das für ein bewußtseinserweiternder Nimbus ist und wie man sich einen solchen aus Wort und Schrift erheben läßt, dass einem die Muse so dermaßen das Hirn rausvögelt.

Dann war da noch ein Schweizer, der vergeblich versuchte, dem zusammengepferchten Einbildungsbundesbürgertum das mit der freien Meinungsäusserung sinnvollerweise einhergehende Konzept der Diskussion zu erklären. Resignierend erklärte er den sich in einkonditionierten rhetorischen Reflexen bis zur Taubheit Verhedderten, die Republik sei ja schliesslich auch noch recht jung. Das ist beruhigend. Ich dachte immer wir seien (um es mit den unsterblichen Worten meines Lateinlehrers zu sagen) schlicht zu blöd.

Thursday, September 2, 2010