Tarte Tartin – Hilfe für Backlegastheniker

Posted in Essen & Trinken, smile and look alive on 11. April 2020 by lookalivecontest

Ich bin bekanntlich kein großer Zuckerbäcker. Manchmal muss man aber einen Kuchen produzieren, weshalb ich langsam aber sicher ein paar Idiotensichere Backprojekte sammele – Bagels & Beans Cheesecake ist mein Standard wenn ich etwas abliefern muss. Oder eben Tarte Tatin. Das Prinzip ist einfach: Butterkaramell machen, Obst hinein, Blätterteig drauf, backen und stürzen. Was kann schon schief gehen?

IMG_20200109_204556_786

Erstmal schön zwei Ladungen Karamell versauen für den Anfang. Ich musste mich fragen, ob es um meine geistige Gesundheit noch halbwegs brauchbar steht. Nach viel Fluchens hatte ich schließlich endlich ein schönes Karamell mit ordentlich Normandie-Butter abgelöscht. Hinein kamen eine Vanilleschote, aufgeschnitten und ausgekratzt, ein paar Streifen Orangenzeste, ein halber Sternanis und eine halbe Stange Zimt. Darauf aufgeschnitten zwei Pink Lady Äpfel in Achteln – ein Apfel oder sogar zwei mehr wären hier ohne weiteres drin gewesen. Das ganze wird für ungefähr fünf Minuten gekocht, dann kommt ein Deckel aus Blätterteig darüber, den man am besten aus einem Block auf ca 1cm Dicke herunter rollt und dann rund schneidet. Der Profi faltet den Rand nach innen ein, ich hatte Angst, mich in meinem sehr müden Zustand zu verbrennen und hab es sein gelassen. Mit dem Messer ein paar Schlitze in den Teig stechen, sodass Dampf entweichen kann und dann ca 20-30 Minuten in der Gusspfanne bei 200°C O/U backen. Ein paar Minuten in der Pfanne kühlen lassen und auf einen Teller stürzen. Ein herrliches Dessert für backbehinderte Menschen wie mich.

Spaghetti al limone

Posted in Essen & Trinken, smile and look alive on 30. Dezember 2019 by Herr Grau

IMAG9444

Es gibt ein paar Klassiker im Repertoire der italienischen Küche, die man fast immer aus dem Hut ziehen kann. Ich habe gerade festgestellt, dass ich aus unerklärlichen Gründen noch nie über Spaghetti al limone geschrieben habe. Dabei gibt es wenige Dinge, die so einfach und befriedigend gleichzeitig sind. Dieses Rezept ist ohne jede Hyperbole besser als alle Versionen, die ich je in Restaurants gegessen habe. 

Von einer unbehandelten Zitrone ein zwei breite Streifen Zeste abziehen, das Weiße komplett abschneiden und feine Julienne daraus schneiden. Spaghetti in stark gesalzenem kochendem Wasser aufsetzen. Pro Person 80 ml Sahne mit dem Abrieb einer halben bis einer Zitrone erhitzen und ca. 40 g kalte Butter in kleinen Stücken hinein emulgieren. (Ja, dieses Rezept ist genau die richtige Diätkost zwischen Weihnachten und Silvester.) Eine Kelle Pastawasser und die abgetropften Nudeln zugeben und mit einer Handvoll fein geriebenem Parmesan durchschwenken. Saft einer halben Zitrone unterziehen und mit S&P abschmecken. Mit der geschnittenen Zeste und Pfeffer garnieren. Dann muss man nur noch nicht vergessen, dieses Gericht nicht jeden Tag zu essen. 

lastminute.de – Der pinke Betrug

Posted in Getestet, Probleme des Lebens on 27. November 2019 by bic_mac

Ich gestehe: Ich habe einen Fehler gemacht. Hätte ich doch nur auf Vati gehört. Der sagt immer: „Junge, billiges können wir uns nicht leisten!“ Diese von mir ursprünglich als etwas hochmütig empfunde Weisheit holt mich in meinem adoleszenten Leben ein ums andere mal ein. Jüngstes Beispiel: Ich lies mich von den grellen pinken Lichtern und den scheinbar günstigen Preisen von lastminute.de blenden und lief den Betrügern ungebremst ins Messer. Weiterlesen

Pizza – Noch einmal alles.

Posted in Essen & Trinken, smile and look alive on 1. September 2019 by Herr Grau

IMG_20190317_184617_621

Seit zwölf Jahren habe ich durchgehend einen Pizzaofen in meiner Wohnung. Der unterschwellige Geruch von verbranntem Mehl verfolgte meine Latifundien durch mein gesamtes Studium und Arbeitsleben und hängt in jeder meiner Küchen wie ein unsichtbares Spruchband, das fürderhin von meinem Wahnsinn erzählt. In der Zwischenzeit habe ich mich von einem schinkenfäustigen Backcretin immerhin so weit entwickelt, dass ich eine ganz gute Übersicht darüber habe, von wie manigfaltigen Facetten des Bäckerhandwerks ich keine oder deutlich zu wenig Ahnung habe. Aber ich habe entlang meiner Obsession zumindest in einzelnen Nischen ganz brauchbare Fähigkeiten entwickelt. Natürlich habe ich mein Halbwissen in bester Tradition dieses Blogs auch in zig buntwortige Artikel mit unterschiedlichem Anspruch auf Vollumfänglichkeit und Richtigkeit umgesetzt (Una Pizza, per favore, No Knead Pizza Nummer eins und Nummer zwei, Pizza fritta, Galerie Pizza aus dem Effeuno). Es war scheinbar nicht genug – ich setze noch einmal an. Weiterlesen

Wichtige Worte: Harry Rowohlt #1

Posted in German Heaven, smile and look alive on 31. August 2019 by Herr Grau

Wissen Sie, wie wir Säufer Silvester nennen? Die lange Nacht der Amateure.

Einfaches Kimchi – Mak-Kimchi – 막김치

Posted in Essen & Trinken, smile and look alive on 8. August 2019 by Herr Grau

IMAG8590

Ich habe schon einiges an Kimchi in Deutschland probiert. Leider fehlt es mir an koreanischen Freunden, sodass es alles aus den Experimenten von Enthusiasten stammt und deshalb eine recht große Streuungsbreite hatte. Das ganze kratzt zugegebenermaßen nicht mal an der Oberfläche. Es gibt mindestens so viele unterschiedliche Kimchirezepte, wie es Koreaner gibt, und beileibe nicht nur den hier bekannten Stil von scharfem, knoblauchintensivem Kimchi. Man kann jedes Gemüse fermentieren und das ganze in eine Unzahl geschmackliche Richtungen bringen. Woran der weiße Gringo trotz aller kultureller Fortbildung trotzdem sofort immer denkt, ist das leuchtend rote Geschmackswunder mit genug Knoblauch, um sich und seine Familie dauerhaft vor selbst den mächtigsten Vampiren zu schützen – was ergo auch das war, was ich als erstes angegangen bin. Und das Ergebnis war das beste, was ich bis jetzt gegessen habe.

Mak-Kimchi heißt soviel wie einfacher Kimchi und bezieht sich darauf, dass man den Kohl nicht wie beim Original (Tongbaechu-Kimchi) am Stück lässt und die Würzung aufwändig zwischen die Blätter massiert. Alles kommt in einen Topf und fertig ist die Laube. Die ganze Unterfangung ist ziemlich zügig erledigt, der größte Aufwand ist das Schälen von Knoblauch und Ingwer. Ich weiß sowieso nicht, was ich mit ganzen Kohlbollen anfangen sollte im Moment. Für meine Zwecke ist diese Variante ideal. Das Rezept ist weitestgehend von David Chang abgeschrieben und wurde nur an ein paar Stellen geändert  und ergänzt. Wichtig anzumerken sind nur drei Dinge: Die meisten Kimchis arbeiten mit einer Reispaste. Im direkten Vergleich finde ich, dass das ein leicht schleimiges Mundgefühl verursacht und verzichte darauf. Zweitens ist Chili nicht gleich Chili – was mit meinem Gochugaru eine sehr angenehme Schärfe ergeben hat, kann mit anderem mörderisch sein. Probieren ist also angesagt. Und bitte denkt daran, dass das ganze nur ein Vorschlag ist. Andere Gemüse lassen sich genauso gut fermentieren. Wenn man (wie ich) mehr Frühlingszwiebeln mag oder weniger Rettich oder größere Stücke Karotte oder oder oder – immer wacker voran!

1 mittelgroßer Chinakohl, geputzt
1 Daikon-Rettich
Lake aus 3L Wasser und 200g Salz
135g Puderzucker
20 Knoblauchzehen, fein gehackt oder zerdrückt
100g Ingwer, fein gehackt
120ml Gochugaru (Koreanische Chiliflocken, kaum zu ersetzen)
60 ml Fischsauce
60 ml Usukushi (light soy sauce, kann durch normale Sojasauce ersetzt werden)
2 EL eingesalzene Shrimps
1½ Bünde Frühlingszwiebeln in Ringen
1-2 Karotten in Julienne

IMG_20190714_225731_518

Kohl und Daikon in mundgerechte Stücke schneiden und anderthalb Stunden in der Lake einlegen. Danach ordentlich abwaschen. Zucker, Knoblauch, Ingwer, Gochugaru, Fischsauce, Sojasauce und gesalzene Shrimps mit ein wenig Wasser ordentlich pürieren, dann Frühlingszwiebeln und Karotten hinein mischen und mit Kohl und Rettich vermischen. In einem nicht gasdichten Gefäß, in das keine Fliegen hinein kommen, fermentieren lassen. Nach zwei bis drei Tagen ist er so, wie ich ihn mag, man kann ihn aber auch noch deutlich mehr Charakter entwickeln lassen. Danach kommt er in den Kühlschrank und hält sich dort sehr lange.

IMG_20190714_225731_516

Das Pizzabrötchen – Von der Beilage zur Hauptspeise

Posted in Essen & Trinken on 2. August 2019 by bic_mac

Prolog: Ich habe (hier) länger nichts verfasst. Leider war ich durch zahlreiche Nebenprojekte sehr gebunden, so dass an ein Verfassen qualitativer Texte nicht zu denken war. Die Nebenprojekte gehen jetzt allerdings in die Kita und schicken sich an trocken zu werden, so dass ich von nun an und für immerdar Besserung gelobe!

Der (durch den Genuss starker Alkoholika nach links und rechts) geneigte Leser fragt sich nun: Warum zur Hölle meldet er sich mit einem Bericht über eine belanglose Beilage zurück? Darauf will ich antworten:

Weiterlesen

Wichtige Worte – Binging with Babish #1

Posted in Essen & Trinken, Mixed Feelings, smile and look alive on 14. Juli 2019 by lookalivecontest

There’s a romance in people who make alcohol.
They know they’re making an indulgence for some, a vice for others – and a luxury for all. A thing of time, patience and skill, whose reward is something no one ever really needs but everyone really wants.

– Andrew Rea

10 Jahre manierierter Unsinn. Hurra.

Posted in German Heaven, smile and look alive on 1. Juli 2019 by Herr Grau
aged

This is a cake.

Am heutigen heiligen Tag vor just zehn Umrundungen der Sonne durch unseren muckligen kleinen Weltraumfelsen wurde aus einem vagen Konzept durch meine unstete Hand ein noch vageres Unterfangen. Bis heute liest die about. Seite:

Könige. Die Tiefe des Raumes. Ein Sammelbecken für Ergüsse.
Mal sehen, was passiert.

Mit dieser zielsicheren Präzision hat sich das Blog auch entwickelt: Ikonische Artikel wie die berühmte Meditation über Mettbrötchen, jahrelange Laborierungen am Wiener Schnitzel sowie westfälische Träumereien über Grünkohl stehen neben überraschenderweise tatsächlich praktisch hilfreichen Artikeln wie unserem Messerratgeber, Reiseberichten – Rom, Vietnam, Lissabon, Mallorca Teil 1 & Teil 2 und Sardinien – und sympathisch rufschädigenden Polemik-Manifesten aus wütend brennender Feder. Sie zeichnen eine lange Reise nach, die für die Autoren – wenn auch nicht für den geschätzten Leser – mehr als aufregend war. Das einzige, was unverkennbar geblieben sein sollte, ist unser charakteristischer Stil der Verbindung des Angenehmen mit dem Nutzlosen und des Albernen mit einer Plethora aus Fehlinformationen und Halbwahrheiten. Das kann einfach niemand so schön. Das muss man schon zugeben. Da darf man stolz drauf sein. Euch, unseren werten Lesern, gebührt all der Dank: Ohne Euch ließe sich das Geschäft des regelmäßigen Schreibens mehrere Prozent weniger unterhaltsam und sinnbehaftet an. Wir lieben Euch! Auf eine sozialverträgliche, vollständig ununangenehme und kinderfreundliche Art und Weise natürlich. Bleibt doch noch ein bisschen hier – ein paar Jahrzehnte haben wir noch in uns.

Keep taking the beatings like they’re your favorite candy. Keep swinging. Give as good as you got. Steady. And always smile, you fucking pussy – Smile and Look Alive.

 

Auf dem Donneresel quer durchs Paradeis – Sardinien mit BMW F800GS und KTM Adventure 790R

Posted in Essen & Trinken, Getestet, smile and look alive on 9. Juni 2019 by Herr Grau

IMAG8255_1

Ende letztens Jahres hob ich meine gesalbten Hände gen Himmel und schwor, alsbald auf dem Rücken eines Motorrads nach Mallorca zurückzukehren. In die festgemeißelten Pläne schlich sich aber schon bald ein kleines Zweifelchen und nagte fürdahin am Fundament: Warum nochmal die selbe Insel, wenn ich seit Jahren nach Sardinien will und es nie geschafft hatte? Die große Insel im tyrrhenischen Meer (natürlich habe ich das nachgeguckt, jetzt gucken Sie nicht so pikiert) soll auch ein Paradies für Mopedfahrer sein. Irgendwann hatte es mich dann so weit – die wohlfeilen Pläne wurden mit Anlauf aus dem Fenster gefeuert. Sardegna, you’re gonna be quite the show. Weiterlesen