lastminute.de – Der pinke Betrug

Posted in Getestet, Probleme des Lebens on 27. November 2019 by bic_mac

Ich gestehe: Ich habe einen Fehler gemacht. Hätte ich doch nur auf Vati gehört. Der sagt immer: „Junge, billiges können wir uns nicht leisten!“ Diese von mir ursprünglich als etwas hochmütig empfunde Weisheit holt mich in meinem adoleszenten Leben ein ums andere mal ein. Jüngstes Beispiel: Ich lies mich von den grellen pinken Lichtern und den scheinbar günstigen Preisen von lastminute.de blenden und lief den Betrügern ungebremst ins Messer. Weiterlesen

Pizza – Noch einmal alles.

Posted in Essen & Trinken, smile and look alive on 1. September 2019 by Herr Grau

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Seit zwölf Jahren habe ich durchgehend einen Pizzaofen in meiner Wohnung. Der unterschwellige Geruch von verbranntem Mehl verfolgte meine Latifundien durch mein gesamtes Studium und Arbeitsleben und hängt in jeder meiner Küchen wie ein unsichtbares Spruchband, das fürderhin von meinem Wahnsinn erzählt. In der Zwischenzeit habe ich mich von einem schinkenfäustigen Backcretin immerhin so weit entwickelt, dass ich eine ganz gute Übersicht darüber habe, von wie manigfaltigen Facetten des Bäckerhandwerks ich keine oder deutlich zu wenig Ahnung habe. Aber ich habe entlang meiner Obsession zumindest in einzelnen Nischen ganz brauchbare Fähigkeiten entwickelt. Natürlich habe ich mein Halbwissen in bester Tradition dieses Blogs auch in zig buntwortige Artikel mit unterschiedlichem Anspruch auf Vollumfänglichkeit und Richtigkeit umgesetzt (Una Pizza, per favore, No Knead Pizza Nummer eins und Nummer zwei, Pizza fritta, Galerie Pizza aus dem Effeuno). Es war scheinbar nicht genug – ich setze noch einmal an. Weiterlesen

Wichtige Worte: Harry Rowohlt #1

Posted in German Heaven, smile and look alive on 31. August 2019 by Herr Grau

Wissen Sie, wie wir Säufer Silvester nennen? Die lange Nacht der Amateure.

Einfaches Kimchi – Mak-Kimchi – 막김치

Posted in Essen & Trinken, smile and look alive on 8. August 2019 by Herr Grau

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Ich habe schon einiges an Kimchi in Deutschland probiert. Leider fehlt es mir an koreanischen Freunden, sodass es alles aus den Experimenten von Enthusiasten stammt und deshalb eine recht große Streuungsbreite hatte. Das ganze kratzt zugegebenermaßen nicht mal an der Oberfläche. Es gibt mindestens so viele unterschiedliche Kimchirezepte, wie es Koreaner gibt, und beileibe nicht nur den hier bekannten Stil von scharfem, knoblauchintensivem Kimchi. Man kann jedes Gemüse fermentieren und das ganze in eine Unzahl geschmackliche Richtungen bringen. Woran der weiße Gringo trotz aller kultureller Fortbildung trotzdem sofort immer denkt, ist das leuchtend rote Geschmackswunder mit genug Knoblauch, um sich und seine Familie dauerhaft vor selbst den mächtigsten Vampiren zu schützen – was ergo auch das war, was ich als erstes angegangen bin. Und das Ergebnis war das beste, was ich bis jetzt gegessen habe.

Mak-Kimchi heißt soviel wie einfacher Kimchi und bezieht sich darauf, dass man den Kohl nicht wie beim Original (Tongbaechu-Kimchi) am Stück lässt und die Würzung aufwändig zwischen die Blätter massiert. Alles kommt in einen Topf und fertig ist die Laube. Die ganze Unterfangung ist ziemlich zügig erledigt, der größte Aufwand ist das Schälen von Knoblauch und Ingwer. Ich weiß sowieso nicht, was ich mit ganzen Kohlbollen anfangen sollte im Moment. Für meine Zwecke ist diese Variante ideal. Das Rezept ist weitestgehend von David Chang abgeschrieben und wurde nur an ein paar Stellen geändert  und ergänzt. Wichtig anzumerken sind nur drei Dinge: Die meisten Kimchis arbeiten mit einer Reispaste. Im direkten Vergleich finde ich, dass das ein leicht schleimiges Mundgefühl verursacht und verzichte darauf. Zweitens ist Chili nicht gleich Chili – was mit meinem Gochugaru eine sehr angenehme Schärfe ergeben hat, kann mit anderem mörderisch sein. Probieren ist also angesagt. Und bitte denkt daran, dass das ganze nur ein Vorschlag ist. Andere Gemüse lassen sich genauso gut fermentieren. Wenn man (wie ich) mehr Frühlingszwiebeln mag oder weniger Rettich oder größere Stücke Karotte oder oder oder – immer wacker voran!

1 mittelgroßer Chinakohl, geputzt
1 Daikon-Rettich
Lake aus 3L Wasser und 200g Salz
135g Puderzucker
20 Knoblauchzehen, fein gehackt oder zerdrückt
100g Ingwer, fein gehackt
120ml Gochugaru (Koreanische Chiliflocken, kaum zu ersetzen)
60 ml Fischsauce
60 ml Usukushi (light soy sauce, kann durch normale Sojasauce ersetzt werden)
2 EL eingesalzene Shrimps
1½ Bünde Frühlingszwiebeln in Ringen
1-2 Karotten in Julienne

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Kohl und Daikon in mundgerechte Stücke schneiden und anderthalb Stunden in der Lake einlegen. Danach ordentlich abwaschen. Zucker, Knoblauch, Ingwer, Gochugaru, Fischsauce, Sojasauce und gesalzene Shrimps mit ein wenig Wasser ordentlich pürieren, dann Frühlingszwiebeln und Karotten hinein mischen und mit Kohl und Rettich vermischen. In einem nicht gasdichten Gefäß, in das keine Fliegen hinein kommen, fermentieren lassen. Nach zwei bis drei Tagen ist er so, wie ich ihn mag, man kann ihn aber auch noch deutlich mehr Charakter entwickeln lassen. Danach kommt er in den Kühlschrank und hält sich dort sehr lange.

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Das Pizzabrötchen – Von der Beilage zur Hauptspeise

Posted in Essen & Trinken on 2. August 2019 by bic_mac

Prolog: Ich habe (hier) länger nichts verfasst. Leider war ich durch zahlreiche Nebenprojekte sehr gebunden, so dass an ein Verfassen qualitativer Texte nicht zu denken war. Die Nebenprojekte gehen jetzt allerdings in die Kita und schicken sich an trocken zu werden, so dass ich von nun an und für immerdar Besserung gelobe!

Der (durch den Genuss starker Alkoholika nach links und rechts) geneigte Leser fragt sich nun: Warum zur Hölle meldet er sich mit einem Bericht über eine belanglose Beilage zurück? Darauf will ich antworten:

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Wichtige Worte – Binging with Babish #1

Posted in Essen & Trinken, Mixed Feelings, smile and look alive on 14. Juli 2019 by lookalivecontest

There’s a romance in people who make alcohol.
They know they’re making an indulgence for some, a vice for others – and a luxury for all. A thing of time, patience and skill, whose reward is something no one ever really needs but everyone really wants.

– Andrew Rea

10 Jahre manierierter Unsinn. Hurra.

Posted in German Heaven, smile and look alive on 1. Juli 2019 by Herr Grau
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This is a cake.

Am heutigen heiligen Tag vor just zehn Umrundungen der Sonne durch unseren muckligen kleinen Weltraumfelsen wurde aus einem vagen Konzept durch meine unstete Hand ein noch vageres Unterfangen. Bis heute liest die about. Seite:

Könige. Die Tiefe des Raumes. Ein Sammelbecken für Ergüsse.
Mal sehen, was passiert.

Mit dieser zielsicheren Präzision hat sich das Blog auch entwickelt: Ikonische Artikel wie die berühmte Meditation über Mettbrötchen, jahrelange Laborierungen am Wiener Schnitzel sowie westfälische Träumereien über Grünkohl stehen neben überraschenderweise tatsächlich praktisch hilfreichen Artikeln wie unserem Messerratgeber, Reiseberichten – Rom, Vietnam, Lissabon, Mallorca Teil 1 & Teil 2 und Sardinien – und sympathisch rufschädigenden Polemik-Manifesten aus wütend brennender Feder. Sie zeichnen eine lange Reise nach, die für die Autoren – wenn auch nicht für den geschätzten Leser – mehr als aufregend war. Das einzige, was unverkennbar geblieben sein sollte, ist unser charakteristischer Stil der Verbindung des Angenehmen mit dem Nutzlosen und des Albernen mit einer Plethora aus Fehlinformationen und Halbwahrheiten. Das kann einfach niemand so schön. Das muss man schon zugeben. Da darf man stolz drauf sein. Euch, unseren werten Lesern, gebührt all der Dank: Ohne Euch ließe sich das Geschäft des regelmäßigen Schreibens mehrere Prozent weniger unterhaltsam und sinnbehaftet an. Wir lieben Euch! Auf eine sozialverträgliche, vollständig ununangenehme und kinderfreundliche Art und Weise natürlich. Bleibt doch noch ein bisschen hier – ein paar Jahrzehnte haben wir noch in uns.

Keep taking the beatings like they’re your favorite candy. Keep swinging. Give as good as you got. Steady. And always smile, you fucking pussy – Smile and Look Alive.

 

Auf dem Donneresel quer durchs Paradeis – Sardinien mit BMW F800GS und KTM Adventure 790R

Posted in Essen & Trinken, Getestet, smile and look alive on 9. Juni 2019 by Herr Grau

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Ende letztens Jahres hob ich meine gesalbten Hände gen Himmel und schwor, alsbald auf dem Rücken eines Motorrads nach Mallorca zurückzukehren. In die festgemeißelten Pläne schlich sich aber schon bald ein kleines Zweifelchen und nagte fürdahin am Fundament: Warum nochmal die selbe Insel, wenn ich seit Jahren nach Sardinien will und es nie geschafft hatte? Die große Insel im tyrrhenischen Meer (natürlich habe ich das nachgeguckt, jetzt gucken Sie nicht so pikiert) soll auch ein Paradies für Mopedfahrer sein. Irgendwann hatte es mich dann so weit – die wohlfeilen Pläne wurden mit Anlauf aus dem Fenster gefeuert. Sardegna, you’re gonna be quite the show. Weiterlesen

Tonkotsu Ramen – Weil man ein Prestigeprojekt braucht

Posted in Essen & Trinken, smile and look alive on 15. Mai 2019 by Herr Grau

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Wer dieser Tage im Internet bunte Bilder von Essen mit noch bunteren Formulierungen unterlegt und anlässlich dieser eher albernen Tätigkeit etwas auf sich hält, der kommt kaum daran vorbei, irgendwann Tonkotsu Ramen anzufertigen. Für den hippen Food-Blogeure ist dieses Projekt eine Conditio sine qua non, ein Aufnahmeritual in den Kreis der Wissenden und Erlauchten. Nun bin ich ja ungefähr so hip wie Schwarzbrot mit Griebenschmalz oder die Gartenbauausstellung Hönnepel-Niedermörmter und mit der Durchlauchung steht es auch nicht gerade atemberaubend – über dreißig ist der Abstieg auf der sozialen Leiter des Internets quasi fest besiegelt. Ärgerlicherweise esse ich aber unglaublich gerne Ramen und die einzige Variante, die man hier nirgendwo in ordentlich bekommt, ist natürlich auch die eine, von der mir am meisten vorgeschwärmt wird. Da es ja in großen, leuchtenden Lettern über dem Artikel prangt, ahnt der transfersleistungsstarke Leser bereits, wovon die Rede sein dürfte.

Woraus besteht Ramen? Detailschlacht.

Erstmal muss man jedoch mit dem langen Arm deutlich weiter ausholen und sich fragen, woraus sich eine gute Schüssel Ramen überhaupt zusammensetzt. Nicht dass ich meinen pädagogischen Anspruch hier zu hoch hängen wollte – mein Geschreibsel wird nur ohne diese Informationen zunehmend Kauderwelsch. Grundlage ist jeweils eine Brühe, diese kann aus Fisch, Fleisch oder Geflügel – oder einer Mischung daraus – bestehen und mit allen Kräutern, Gemüsen und Pilzen aromatisiert sein, die der liebe Herrgott hier hinterlassen hat.

Die Brühe wird in der Schüssel mit einer Würzsauce gemischt, die Tare heißt. Die häufigsten Varianten sind Shoyu (Sojasauce), Shio (Salz) und Miso, wobei es sich hierbei nur um die Hauptgeschmacksrichtung der Sauce handelt. Die Würzsaucen sind teils sehr komplex und liefern insbesondere Umami und Salz. Bei der Zubereitung gibt es myriaden Möglichkeiten, der Fantasie sind hier wenig Grenzen gesetzt. Als weitere Ergänzung des Geschmacks können Öle wie z.B. Kräuteröl, Chiliöl oder Knoblauchöl zum Einsatz kommen.

Ramen-Nudeln sind eine eigene kleine Wissenschaft. Es handelt sich um Weizennudeln, die mit einem alkalischen Salz und Wasser hergestellt werden, wodurch sie ihre charakteristische federnde Textur bekommen. Man kann sie getrocknet oder frisch kaufen – und man kann sie natürlich auch selbst herstellen. Die Nudeln sind eine echte Kavität, denn gute Nudeln sind in Deutschland nur schwer zu bekommen. Noch schlimmer wird es, wenn man feststellt, dass es etliche distinktive Stile von Nudeln gibt, die zu unterschiedlichen Ramenarten unterschiedlich gut passen.

Als Accoutrements kommen allerhand Dinge infrage. Ramen ist einer der kreativen Spielplätze der japanischen Gastronomie, ergo reichen die Tasten auf meiner Tastatur nicht, um alle Möglichkeiten aufzuzählen. Klassische Beigaben sind aber Chashu Schweinebraten – meist Schweinebauch geschmort in einer Sojabrühe -; Ramen Eier (Ajitsuke Tamago), die weichgekocht und dann in einer Sojamarinade eingelegt werden; Algenblätter (Nori), Frühlingszwiebeln, Pak Choi, Sesamkörner, Mais, Weißkohl, Fish Cakes…

Zurück zum eigentlichen Thema.

Tonkotsu – in der Provinz Fukuoka, aus der das Gericht stammt, auch Hakata genannt – ist im Kern eine lange gekochte Schweinebrühe. Bereits an diesem frühen Punkt hört es mit den inhaltlichen Sicherheiten aber auch schon auf. Einige Autoren kochen Huhn undoder Gemüse mit. Die besten Teile vom Schwein sind umstritten. Die Kochzeit schwankt zwischen 6 und 24 Stunden. Die einzige Konstante ist, dass das gewünschte Aussehen milchig-weiß und cremig ist, wofür die Knochen vorher sehr ordentlich gesäubert werden müssen.

Ich hatte mich bei meinem ersten Versuch nach einigem Querlesens auf das Rezept von SeriousEats als grobe Richtschnur eingeschossen. Dieses stellt auf Schweinefüße, Hühnerkarkassen und teils geröstetes Gemüse (Zwiebeln, Knoblauch, Ingwer, Frühlingszwiebeln) ab. Mehr als zehn Stunden Kochzeit war zeitlich bei mir nicht drin und wir ahnen auch schon, dass ich das Auslaugen des Blutes übersprungen habe. Die Brühe war sehr lecker, aber sie hatte einen Überhang an Gelatine und tendierte am Ende doch einen Ticken ins Bräunliche. Ich konnte mich auch des Eindrucks nicht erwehren, dass Huhn und Gemüse geschmacklich am Ende eher im Weg waren als alles andere. Ich hatte nicht gerade wenig vor meiner Unterfangung recherchiert, aber jetzt sah ich mich gezwungen, mich direkt an mehreren Fronten fortzubilden und einen Maßnahmenkatalog aufzustellen:

Brühe. 

Nach länglicher Recherche fand ich deutliche Parallelen zur medizinischen Fachliteratur: Alle schreiben von allen anderen ab. Ramenköche in Japan sind berühmt für ihre Verschwiegenheit. In englischer Sprache sind hauptsächlich zwei wirklich kompetente Leute gewillt, ihr Wissen zu teilen: Zum einen Ivan Orkin, der Besitzer von Ivan Ramen, der aber recht offensichtlich auch noch viel für sich behält. Zum anderen zeigen aber, wenn man die Fäden nur lang genug verfolgt, fast alle großen leuchtenden Pfeile auf einen Reddit-User namens Ramen_Lord, wohinter sich der obsessive Ramen-Enthusiast Mike Satinover verbirgt.

Dessen aktuelles Rezept (er arbeitet laut eigenen Angaben an einem Rezept mit mehrzeitigen Zugaben der Knochen) für Tonkotsu Brühe stellt ausschließlich auf Schwein ab und nutzt keinerlei Gemüse. Meine einzige Leistung wird hier die Übersetzung und Ergänzung von Maßen sein:

2,5kg Nackenknochen längs gespalten und 2,5kg Oberschenkelknochen entweder längs oder quer geschnitten vom Schwein 12-24h in kaltem Wasser im Kühlschrank auslaugen. Wer enthusiastisch ist, wechselt das Wasser einmal. Wasser abgießen und Knochen abwaschen. Mit kaltem Wasser gut bedecken, zum Kochen bringen und 15 Minuten kochen. Komplett abgießen, Knochen abspülen und mit einer frischen Bürste abbürsten. In einen 20l Topf die Knochen und 500g Rückenspeck geben und mindestens zu 3/4 mit Wasser füllen, Deckel drauf. Aufkochen. Wenn man das ganze über Nacht macht, darf die Brühe die ersten acht bis zehn Stunden auf niedriger Flamme simmern – danach sollte spätestens ein langsames rollendes Kochen begonnen werden. Nach insgesamt 12 bis 18 Stunden sollte sich das Fleisch komplett von den Knochen gelöst und der Speck sich aufgelöst haben. Eventuell muss zwischendurch Wasser aufgefüllt werden. Die Brühe sollte milchig weiß und seidig sein, darauf kann sich eine relevante Fettschicht ablagern. Das Endergebnis sollten nach dem Abseihen ca. 10l Brühe sein.

Tare.  

Ich habe für den Erstversuch Miso Tare nach Ivan Orkins Rezept gemacht (je 100g Miso weiß und rot, 30g Öl, 20g Zucker oder Honig, 30g Hühnerschmalz, alles kurz zusammen kochen). Am folgenden Tag habe ich nach einem guten Stück weiterer Recherche die Marinade des Chashu Bratens als einfache Shoyu Tare verwendet und mochte dies deutlich lieber. Mit ein bisschen Katsuobushi war es noch besser. Mir schwant daher, dass Mr. Satinover auch hier recht haben mag:

Shoyu Tare: Je 50 ml Sake und Mirin zusammen aufkochen und ca 5 min sieden lassen. 200 ml Sojasauce zugeben und einmal zum sieden bringen.

Dashi Tare: 5 Blätter Kombu ca. 8 x 8 cm mit Wasser bedecken (300-500 ml) und über Nacht in den Kühlschrank stellen. 1 EL Sesamöl erhitzen und ca. 200 ml Niboshi (getrocknete Sardellen) dazu geben. Leicht anbraten bis dezent gebräunt, 40-60s, nicht übertreiben. Kombu mit Einweichwasser zugeben und auf 80°C bringen (Thermometer benutzen!). Kombu entfernen und 250 ml Katsuobushi (geräucherter, getrockneter und dann dünn gehobelter Bonito) zugeben. 10 min bei 80°C halten. Durch ein feines Sieb ziehen.

Beide Tares 1 : 1 mischen und mit Salz abschmecken, bis sie knapp zu salzig sind.

Nudeln.

Die mit Abstand größte Enttäuschung waren die frischen japanischen Nudeln, die ich gekauft hatte. Sie fühlten sich verkocht an, selbst wenn man sie nur in der Brühe warm werden ließ. Absolut unbrauchbar. Hakata Nudeln haben einen ordentlichen Biss und das ist bei so einer charakterstarken Suppe auch notwendig. Ich werde ein paar Experimente mit bestellten Nudeln machen (insbesondere zu nennen: Hime und Hakubaku), aber mir schwant schon, dass ich da selbst ran muss.

Es gibt eine nicht endende Menge an Informationen zu Ramennudeln und viele hochwertige Videos. Viel mehr als ich hätte sichten können, selbst wenn ich wochenlang Zeit gehabt hätte. Der uns inzwischen wohlbekannte Ramen_Lord sagt in seinem Rezept (spreadsheet), dass Hakata Nudeln zuhause quasi nicht zu machen sind. Balls. Das Problem mit Nudeln mit mehr Biss ist die geringere Hydratation, was das Kneten und Ausrollen gleichermaßen erschwert. Man muss selbst schauen, wie weit man bei sonst gleichem Rezept (550er Weizenmehl, 1% Gluten, 1% gebackenes Backnatron, 1% Salz) die Hydratation von einer normalen Tokyo style Nudel mit 40% Hydratation in Richtung der 22% herunter bekommt, die eine Hakata style Nudel haben sollte. Je nach Equipment und Erfahrung peilt unsere ewige Quelle 30-36% an. 

Gemeinsam ist all den Rezepten die Verwendung von „baked baking Soda“, also gebackenem Backnatron. Es hat wider Erwarten der Autor keinen Schlaganfall, es handelt sich tatsächlich um ein überdurchschnittlich wichtiges Detail. Backnatron bei 120°C für eine Stunde zu backen, macht aus Natriumbicarbonat das deutlich alkalischere Natriumcarbonat. Dies ist ein Schritt, den man nicht sparen sollte.

Eine weitere Zutat, die in fast allen Rezepten auftaucht, ist Weizengluten. Der Grund ist, dass der Proteingehalt von selbst backstarkem Mehl nicht hoch genug ist. Wahrscheinlich muss man es im Netz bestellen.

Der Prozess der Herstellung ist wie folgt: Salz und Natriumcarbonat in Wasser auflösen. Mehl und Gluten mischen, Wasser nach und nach einarbeiten. Teig 30 min ruhen lassen, dann platt drücken und durch die ersten vier Dickeeinstellungen einer Pastamaschine laufen lassen, auf die Hälfte falten. Dieser Prozess wird zweimal wiederholt. Teig 30 min abgedeckt ruhen lassen, dann auf die gewünschte Dicke ausrollen (1 – 1,5 mm) und entweder mit dem Spaghettischneider oder einem Messer schneiden. Mit Stärke bestäuben und in Gefrierbeuteln min. 24h im Kühlschrank reifen lassen. Im Kühlschrank halten die Nudeln vier bis fünf Tage, eingefroren etliche Monate.

Nudeln sollten ca. 90 – 120s in ungesalzenem Wasser unter kräftigem Rühren gekocht werden, dann so gut wie möglich abtropfen.

Chashu Pork.

Ich glaube ehrlich gesagt, dass mein einziger Fehler mit meinem Chashu Braten war, dass er zu lange im Ofen war. Geschmacklich war er sehr ordentlich. 200 ml Sojasauce, je 400 ml Wasser, Sake und Mirin, 200 ml Zucker, einen Bund Frühlingszwiebeln grob gehackt, ein 7 cm Stück Ingwer, eine halbierte Knolle Knoblauch, ein Sternanis und zwei halbierte Schalotten mit Schale in einem Bräter aufkochen. Ein 1,5kg Stück Schweinebauch mit Schwarte zu einer Rolle schnüren, hinein geben und bei 140°C ca. 4h in den Ofen stellen. Der Deckel sollte minimal geöffnet sein und der Braten einige Male gewendet werden. Braten vor dem Schneiden im Kühlschrank abkühlen lassen.

Ramen Eier. 

Ich muss zugeben, dass ich noch nie Probleme mit der Herstellung eines weichgekochten Eis hatte, bis zu dem Tag, an dem ich mich anschickte, Ramen Eier (Ajitsuke Tamago) zu machen. Man soll Eier am Boden anstechen und 7 Minuten kochen, dann in Eiswasser abschrecken, schälen und marinieren. Vielleicht war ich zu vorsichtig mit dem Sieden meines Wassers, meine Eier waren kräftig unterkocht und sind beim Pellen zur Hälfte kaputt gegangen. Ich habe die traditionelle Methode gewählt und die Chashu Marinade zum Einlegen der Eier für 6h verwendet. Mike Satinover empfiehlt „equilibrium brining“, also eine weit weniger salzige Lake, die dafür das Ei komplett durchdringt. Hierzu werden die gepellten Eier mit Wasser bedeckt und je 10% des Gesamtgewichts von Eiern und Wasser in Sojasauce und Mirin zugegeben. Sie marinieren dann 48h im Kühlschrank.

Wenn man genau hin hört, kann man im Hintergrund „The Road Is Long“ spielen hören. Es gibt noch einiges zu tun und dieser Artikel ist mehr als andere nur eine Momentaufnahme meines Wissens. Ich fand diese Zusammenfassung meines jetzigen Wissensstandes trotzdem teilenswert – mir hätte sie noch vor wenigen Tagen sehr geholfen.

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Burnt Basque Cheesecake

Posted in Essen & Trinken, smile and look alive on 28. April 2019 by Herr Grau

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Es gibt nichts schöneres für eine Backniete wie mich als einen Kuchen, bei dem man quasi alles falsch machen kann oder sogar muss. Entsprechend kam mir dieser baskische Käsekuchen sehr recht, denn mit einer Ausnahme kann man einfach alles zusammen werfen und kann den Rest dem wilden Mechanieren des Universums überlassen. Es gibt keinen Boden und kein langwieriges Auskühlen im Ofen .. nicht dass ich mich jemals um Risse im Kuchen gekümmert hätte. Ich fühle mich zu der Präambel verpflichtet, dass ich persönlich den Bagels & Beans Cheesecake leckerer finde und mir dieser hier etwas zu eilastig ist. Anderen Leuten hat er aber ausgezeichnet geschmeckt.

26cm Springform fetten und mit gebuttertem Backpapier ausschlagen. Ofen auf 220°C vorheizen. 1kg Frischkäse, 300g Zucker, 1 TL Salz und 45g 405er Weizenmehl vermischen. 6 Eier eines nach dem anderen zugeben und einschlagen, immer erst vollständig einrühren, bevor das nächste kommt. Dann 480 ml Sahne und 1 TL Vanilleextrakt unterrühren. In die Form geben, kurz ein paar mal auf den Tisch klopfen, um große Luftblasen zu lösen und dann für ca. 60 min backen. Der Kuchen soll in der Mitte noch wabbeln, aber richtig kräftig braun sein.

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