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Geld gegen Essen – Acacia (Münster)

Posted in Geld gegen Essen - Restaurantnörgeleien on 7. Juni 2015 by Herr Grau

(aus Übersichtsgründen vorgezogenes) Prädikat: Einen Besuch wert

Ich liebe Sushi, ich glaube, darüber habe ich mich ausreichend ausgelassen. Umso glücklicher war ich, als ich neben den vielen Utility-Sushi-Restaurants, die für mich einfach meistens eher eine Übung in Gleichmut denn Anlass zum Genuss sind, ein hochqualitatives, gut geführtes japanisches Restaurant gefunden habe. Es liegt extrem versteckt am Friedrich-Ebert-Platz, also da, wo sich Friedrich-Ebert-Straße und Theißingstraße teilen. Ich hätte es ohne das Internet im Leben nicht entdeckt, auch von außen praktiziert es typisch japanisch Bescheidenheit und Demut – vermutlich zu ihrem direkten Schaden, aber so ist es nun mal mit Prinzipien. Ich hoffe, dass sie auf die dadurch ausbleibende Kundschaft nicht angewiesen sind.

Hat man das Acacia einmal reserviert, gefunden und betreten, so stellt man erst einmal zufrieden fest, dass sich hier ein geschmackvoller Innenarchitekt mit einem vernünftigen Budget austoben durfte und das Restaurant nicht die Verwirklichung von Eile durch einen Gastrogroßzulieferer war, wie es bei asiatischen Restaurants nur zu oft der Fall ist. Dass der Laden ein bisschen arg zwischen einem Izakaya und einem formalen Restaurant zwittert, sieht man ihm gerne nach. Man kann entweder an der Bar sitzen und direkt am Koch essen oder sich ganz entspannt in eines der baulich clever abgetrennten Séparées setzen und dort genau das richtige Maß an Gemütlichkeit und Privatsphäre genießen. Die Auswahl wechselte zwischen meinen Besuchen deutlich; ob die Karte einfach überarbeitet wurde oder ob tatsächlich fortlaufend saisonal gearbeitet wird, vermag ich nicht zu sagen. Ich habe beide Male Sushi gegessen und das übrige Essensangebot ignoriert. Das mag ein Fehler gewesen sein, auch das kann ich nicht beurteilen. Sushi allerdings, soviel darf verraten werden, kann das Acacia. Es ist ohne große Anstrengung das beste Sushirestaurant, in dem ich in Deutschland bis jetzt gewesen bin.

Die Atmosphäre ist sehr angenehm, das Essen wirklich gut, der Service war zügig und freundlich (man ruft den Kellner mit einem Knopf auf dem Tisch, eine Einrichtung, die sich unbedingt überall durchsetzen sollte). Für die Kombination bezahlt man dann auch nicht unbedingt wenig. Für den kleinen Snack zwischendurch ist das Acacia sicherlich nichts, auch Pfennigfuchser sollten sich den Besuch zweimal überlegen. Ich finde aber, dass der Aufenthalt seinen Preis jedes mal wert war. Ich werde fraglos wiederkommen – zu gegebenem Anlass.

Wertung:
Essen: 9/10
Service: 9/10
Sauberkeit: 10/10
Preisgestaltung: 7/10
Ambiente: 9,5/10

Gesamtergebnis: 5 von 5 Vanilleeiskugeln mit Senf und Gürkchen


Acacia

Friedrich-Ebert-Platz 2
48153 Münster

Telefon: 0251-527995

Öffnungszeiten:
Dienstag und Mittwoch 12:00 bis 14:00 und 18:00 bis 22:00 Uhr
Donnerstag bis Samstag: 18:00 bis 22:00 Uhr

Geld gegen Essen – Les Cedres (Münster)

Posted in Allgemein on 7. Juni 2015 by Herr Grau

lescedres(aus Übersichtsgründen vorgezogenes) Prädikat: Ausgezeichnet

Ich ärgere mich sehr häufig über Restaurants, wenn ich das Gebotene besser, schneller und günstiger zuhause hätte machen können. Diese Gefahr besteht bei diesem libanesischen Restaurant wirklich nicht: Das Hauptaugenmerkt liegt auf Mäsa, der libanesischen Spielart von Meze. Es kommen zahlreiche kleine Teller mit Spezialitäten – wollte man das zuhause nachkochen, hätte man den Tag nichts mehr vor. Die Karte enthält eine große Auswahl kalter und warmer Kleinigkeiten, einige Hauptgerichte und drei Varianten der Mäsa, wovon eine vegetarisch und damit uninteressant ist. Primär kann man die Mäsa, die offensichtlich das Hauptgeschäftsmodell bilden, in normal (Lubnanieh) und luxus (Les Cédres) bekommen. Wir haben mit drei Personen zwei der normalen Varianten und einige zusätzliche Sachen bestellt, was eine sehr gute Idee war; so bekamen wir zusätzlich zu Hummus, Labne, Mtabbal, frittierten Hefetaschen, Hühnerflügel und verschiedensten Salaten auch die extrem empfehlenswerten Falafel und das Lammtartar, ohne das ich jetzt auch nie wieder nach Hause gehen kann. Die geschmorten Lammzungen waren gut, sind aber beim nächsten mal verzichtbar. Dass es soviel Brot dazu gibt, wie man essen kann, versteht sich von selbst. Wenn man mit den Mäsa durch ist – und man schon ziemlich satt ist – passieren noch zwei erwähnenswerte Dinge: Erstens kann man nachbekommen, die Kellner ermutigen einen geradezu. Das gehört zum Konzept und natürlich bezahlt man das mit, aber man fühlt sich trotzdem gut behandelt. Und zweitens hat man im Normalfall übersehen, dass noch eine große Platte mit Fleischspießen kommt. Die Orgie hat gerade erst begonnen.

Günstig ist die Nummer nicht. Dafür ist die Qualität der Speisen durchgehend sehr hoch, alles schmeckt ganz ausgezeichnet, der Service ist schnell und sehr nett und man hat im Normalfall noch genug Essen für eine weitere Mahlzeit, das natürlich gern eingepackt wird. Ich fühlte mich nicht einen Moment, als hätte ich für irgendwas zuviel bezahlt. Ich werde auf jeden Fall wiederkommen –  das nächste mal mit noch mehr Leuten, damit wir noch mehr kleine Köstlichkeiten probieren können.

Eine Reservierung ist schon empfehlenswert, der Laden ist meistens voll.

Wertung:
Essen: 9,5 /10
Service: 9,5 /10
Sauberkeit: 9 /10
Preisgestaltung: 8 /10
Ambiente: 8 /10

Gesamtergebnis: 5 von 5 Vanilleeiskugeln mit Senf und Gürkchen

Restaurant Les Cedres

Warendorferstraße 161
48145 Münster
Telefon: 0251-9226629

Öffnungszeiten: Täglich 17:30 – 24:00Uhr

Die Nummer mit dem Pesto – Bärlauchpesto selbst gemacht

Posted in Essen & Trinken on 14. April 2015 by Herr Grau

Seit einigen Tagen sprießt wieder in rauen Mengen der Bärlauch, sodass man – wenn man denn weiß, wo – gar nicht so viel pflücken kann, wie nachwächst. Ich habe beschlossen, auch noch einen Beitrag zu schreiben, um mal richtig zu zeigen, wie man mit Pesto kocht. Man kann vergleichsweise viel falsch machen und das ist wirklich schade um das liebevoll handgemachte oder teuer gekaufte Pesto.

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Ich mache Pesto größtenteils nach Gefühl, aber es kommt auf etwa anderthalb Teile Bärlauch (oder Basilikum) zu je einem Teil Käse und Pinienkernen aus. Als Käse kann man nur geriebenen Parmesan oder gleiche Teile Parmesan und Pecorino nehmen – in meinem Fall gab’s nur Parmesan. Pinienkerne kann man zu Teilen relativ ungestraft durch Cashews ersetzen. Schlagt mich ruhig, der Unterschied im Geschmack ist recht gering, die Ersparnis gewaltig. Wir sind ja nicht alle Krösus. Ich mag die Nüsse übrigens in Pesto ungeröstet lieber, aber das kann man halten wie die Dachdecker.

Das Ergebnis wird tatsächlich besser, wenn man es im Mörser zubereitet. Mixer geht zwar, aber den Unterschied schmeckt man tatsächlich: Nüsse und Blätter werden ganz anders aufgeschlossen, die Konsistenz des Endprodukts wird anders. Pro ca 75g Blätter werden also etwa 50g Pinienkerne mit 50ml gutem Olivenöl und einer Zehe Knoblauch und und einem Teelöffel Salz im Mörser zerstoßen. Dann mit einer Gabel den geriebenen Käse untermischen und noch deutlich mehr Olivenöl zugeben, bis die Konsistenz stimmt.

Bärlauch sollte man nicht mit Maiglöckchen verwechseln, sonst gibt es Vergiftete. Blatt anbrechen und riechen ist eine absolut sichere Probe.

Die meisten Rezepte hören an dieser Stelle fatalerweise auf. Hier wird es aber richtig wichtig! Anders als bei anderen Saucen werden die Nudeln nicht im Pesto zuende gekocht, denn Pesto darf nicht stark erhitzt werden. Daher Nudeln nicht wie gewohnt unterkochen, sondern auf den Punkt al dente. Und jetzt ganz wichtig: Pastawasser auffangen und mit ca anderthalb bis zwei EL Pesto p. P. zu einer cremigen Sauce anrühren. Es gibt nichts traurigeres als gutes Pesto, das trocken unter Nudeln gerührt wird. Salzen und pfeffern nicht vergessen.

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Als Nudeln bieten sich Spaghetti, Linguine oder die traditionellen Trofie an. Ich hatte nur Marfaldine und es ist Sonntag. Also die, schmeckte auch gut. Ich mag es, Nudeln mit Pesto mit gerösteten Semmelbröseln zu bestreuen.
Guade!

Paté de Atum

Posted in Essen & Trinken on 13. April 2015 by Herr Grau

Seit zwei meiner Freunde aus dem Portugal-Urlaub Paté de Atum, also Thunfisch-Pâté, mitgebracht haben, zog mich eine unsichtbare Kraft immer wieder in die Küche, um mich wieder und wieder an der Herstellung zu probieren. Das Internet war leider wenig Hilfe, die Rezepte laufen immer auf „mische Thunfisch, Zwiebeln und Mayonnaise“ raus. Danke, so weit war ich auch schon. Jetzt bin ich endlich bei einem Rezept angekommen, das ich guten Gewissens an die Wand nageln kann – was dadurch bewiesen wird, dass das Pâté ständig auf mysteriöse Weise aus dem Kühlschrank verschwindet…

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Dose Thunfisch in Öl (abgegossen)
1 Schalotte (oder sehr kleine Zwiebel)
1 Zehe Knoblauch
1 sehr weich gekochtes Ei
3-4 EL Miracle Whip (Tötet mich nicht, es schmeckt besser als mit Mayo! Ich wollte es doch selbst nicht glauben…)
1EL Pflanzenöl
2TL Sojasauce
1TL Mittelscharfer Senf
Spritzer Balsamicoessig
Spritzer Maggi
Spritzer Wochestershiresauce
Messerspitze Pimenton
Salz, Pfeffer
Petersilie

Zubereitung:
Topf mit ausreichend Wasser füllen, Ei hinein, Deckel drauf und Hitze voll auf. Sobald es kocht, Hitze aus, Topf vom Feuer ziehen und viereinhalb Minuten mit geschlossenem Deckel ziehen lassen. Ei abschrecken, pellen und mit allen anderen Zutaten außer der Petersilie pürieren, bis es seidig glatt ist. Dann Petersilie zugeben und kurz unterpürieren. Abschmecken.

Guten Appetit!

Hinweise zum Kauf von Messern für Metzgerei und Fischzerlegung

Posted in Scharfe Messer, smile and look alive on 7. April 2015 by Herr Grau

Ich bekomme immer wieder Fragen zu Zerlegemessern, die von meinem Artikel zum Küchenmesserkauf nicht abegedeckt sind. Deshalb hier mal der Versuch einer Antwort auf die meisten dieser Fragen – aus Faulheitsgründen eine direkte Kopie einer meiner Forenbeiträge.

Ich trenne immer zwischen Koch- und Fleischermesser, weil die Anforderungsprofile grundsätzlich gegensätzlich sind. Bei einem Kochmesser suche ich ein härteres, möglichst dünnes Messer mit einem schönen Griff; ich schneide hauptsächlich Gemüse und greife im Zangengriff (Pinch Grip). Beim Zerlegen von Fleisch und Fisch sieht alles ganz anders aus. Die Klingen müssen viel aushalten, weshalb ich einen zähen, nicht besonders harten Edelstahl bevorzuge. Sie sollten deshalb auch nicht dünn sein – bei Fleisch sowieso irrelevant – sondern gerne recht solide. Weiter muss der Griff, der mit der ganzen Faust umschlossen wird, sehr sicher in der Hand liegen und gut abwaschbar sein. Ich bevorzuge daher für dieses Feld Zerlegemesser von Dick, Giesser oder Victorinox. Da diese Messer quasi nichts kosten, kann man sie mit einem sehr aggressiven Stahl auf Gebrauchsschärfe halten und kauft eben neue, wenn sie ausgezehrt sind. Also: Statt neues Messer einen Sieger Longlife oder einen Stahl mit Diamant- oder Saphirzug kaufen und kräftig wetzen.

dickergoNoch ein Spökskes, weil es meinen Punkt schön untermauert:
Warum für Fleischerei – und dazu gehört auch Fischzerlegen – günstige, solide, rostfreie Messer meines Erachtens die richtige Wahl sind, wird hiervon gut illustriert: Einer der besten, wenn nicht der beste „Fish Butcher“ auf der Bildfläche, Justo Thomas von La Bernadin, benutzt rostfreie deutsche Messer. Der Mensch filletiert am Tag 350 bis 500 Kilogramm Fisch. Wenn er im Urlaub ist, müssen drei gut ausgebildete Sous Chefs einspringen, um seine Arbeit zu schaffen. Bourdain schreibt zu seinen Messern in dem fantastischen Kapitel „My Aim Is True„*:

Zu Deutsch:

Unterwegs mit Kymco Zing II und Daelim Daystar Classic

Posted in Getestet, smile and look alive on 4. April 2015 by Herr Grau

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Wenn man ein armer Student ist oder just erst war, sieht man sich selten im Besitz großer Töpfe Gold, die man laut jodelnd Motorzweiradfachverkäufern zwecks Erwerb glänzender neuer Fahrapparate ganz nach Gusto an den Kopf werfen könnte. Für die allermeisten ist das Motorrad nicht primär Mittel zum Zweck Transport, sondern die Antwort auf einen dringenden Ruf nach Freifühlen der alltagsmaledeiten Seele. Oder wie mein Vater sagen würde: Gefährlicher Schwachsinn.

Jetzt sind die Worte Gefahr und Schwachsinn für des Sagenden Mund zwar als Warnung gegen solcherlei Aktivität gedacht, in meinen Ohren entfalten sie jedoch prädikativen Charakter. Große Tasse Spaß, lecker. Ja, nach einer längeren, sehr liebevollen Liason mit einer historischen Zündapp M50 Bergsteiger (Zugelassen: 1967) in meiner Jugend musste jetzt endlich wieder ein Mopped her. Das beherzte Knacken der Sparsau enthüllte hochkantig und für den gedankenlosen Prass gedacht drei Groschen, ein Assortment schöner Laubbaumblätter und eine rostige Fahrradklingel. Positiv gesprochen nahm mir das einen großen Teil der kniffeligen Entscheidungsfindung ab – Hurra!

Eine 125er hat einige Vorteile. Der größte und wichtigste ist: Sie ist günstig. Günstig zu kaufen, zu reparieren und zu versichern, Steuern zahlt man gar keine. Nachteilig sind Saftmangel über das gesamte Drehzahlband und die erdbebenfeste Verachtung jener ganz besonders talentierten Spezies, die glaubt, die Güte eines Motorradfahrers machte sich am Hubraum und nicht an Fahrfähigkeit und Lebenseinstellung fest. Diese Clevernis wollen wir nicht mal mit einer Skalierung der Magnitude meiner aktiven Indifferenz gratifizieren: Die können mich mal lecken wo ich schön bin, ich will Mopped fahren.

Meine Vorstellung von gutem Motorradfahren ist, irgendwo zwischen 80 und 100 eine ausreichend kurvige Landstraße runterzukacheln, rechts und links blühende Felder, die Sonne im Gesicht und das Wildleben in den Zähnen. Ich kann auf Leistung größtenteils gut verzichten – auf passende Bequemlichkeit des Untersatzes aber umso weniger. Dass ich mit meiner rapide auf die erste Midlife Crisis zulaufenden Figur wie Einstellung auf einer 125er Crossmaschine nicht nur milde fehl am Platze wäre, darüber brauchen wir nicht viele Worte verlieren. Der Anforderungskatalog lässt wenig Platz für Fantasie: Ein Cruiser musste her.

Es gibt einige Möglichkeiten, diese Idee zu realisieren. Eine 125er Virago, Intruder oder Shadow wäre beispielsweise möglich, alle drei sind aber erstens recht teuer, da Markenware, und zweitens mit zwei 67ml-Töpfen noch alberner als ein 125er Cruiser sowieso schon ist. Nene, luftgekühlter Einzylinder, alles andere ist Firlefanz. Außerdem immer das Budget oder eben die ernüchtende Abwesenheit desselben im Auge behalten. Der Fokus wird klarer: Es wird wohl eine koreanische Maschine. Hyosung, Kymco und Daelim stehen alle in dem Ruf, grundsolide Brot-und-Butter-Motorräder zu bauen, die günstig zu kaufen und danach nur schwer wieder kaputt zu kriegen sind. Um etwa 3000€ neu und ab 1000€ gebraucht bekommt man alles was man braucht plus eine Menge verchromtes Plastik, auf das ich persönlich gut hätte verzichten können, aber wer will schon mosern.

In meinen Augen sieht die Daelim Daystar sehr ordentlich aus. Es gibt recht viele davon, sodass es kein Problem war, eine besonders katastrophale Baustelle ausfindig zu machen, in die ich dann nach dem posttransaktionalen zweiten Blick mehr Perlen und Geschmeide versenken musste, als jeder vernunftsbegabter Mensch je bereit gewesen wäre. Im Kopf eines guten Freundes spielte sich der genau gleiche Denkprozess ab, nur fanden die an besagtem Kopf montierten Augen die Kymco Zing II gefälliger und er entschied sich für die Neuvariante, wodurch er auf die ganzen wertvollen Erfahrungen verzichten musste, die meinen Charakter derweil stärkten. Ich hatte ausführlich Gelegenheit, beide Maschinen zu bewegen und will mich an einem vergleichenden Bericht der beiden Gehhilfen versuchen.

kymcoTief eingesessen stellt man auf der Daystar erstmal fest, dass das Leben schön ist. Man sitzt äußerst bequem, das Mopped hat einen unwahrscheinlich tiefen Schwerpunkt, was augenblicklich Sicherheit vermittelt. Tatsächlich lässt die Maschine sich mit einer Gutmütigkeit in die Kurven drücken, dass es ein rechtes Fest ist. Die Stiefel nehmen auf Trittbrettern Platz, wo linksseitig vermittels Chopperschaltung in den Gängen gerührt wird. Ich halte das für einen klaren Pluspunkt, Chopperschaltungen sind schlichtweg viel bequemer und entspannter zu bedienen als die klassische Lösung, die einem obenrum das Tretleder ruiniert. Allerdings ist das Bremspedal rechts für meinen Geschmack zu nah, sodass man unergonomisch erst den Fuß darüber heben muss, sollte man sich in der unvorstellbaren Situation befinden, die Bremse mal benutzen zu wollen. Einen weiteren Punkt Abzug gibt es für den manuellen Benzinhahn – das hätte wirklich nicht Not getan. Der Motor dreht willig hoch – ist der Vergaser gut eingestellt und Aeolus einem hold, läuft sie durchaus über 100. Wobei dem Tacho nur so weit zu trauen ist, wie man einen Kühlschrank werfen kann. Wenn man hinter sich einen Sozius in Form einer gut gebauten Frau platziert, stellt man mit Erstaunen fest, dass die Kraft weiter reicht als gedacht, denn das Brett macht immer noch erstaunlich Meter. Apropos Sozius.

Wo dieser zumindest bei vertretbarer Figur auf der Daystar eine recht würdige Existenz genießt, gerät das Geschäft des Beifahrens auf der Kymco zu einer Übung in Sachen Demut. Nicht nur ist nämlich das Kissen sehr kurz und dezent nach hinten abschüssig, sodass der Körper einem ständigen Trend talwärts unterliegt, nein, die Fußrasten sind so lächerlich hoch angebracht, dass die achtjährige Tochter meines Kumpels genau perfekt darauf passt. Sollte man aber die Impertinenz besitzen, größer als 1,40m zu sein, hat man alsbald seine Knie unterm Kinn hängen, während man sich panisch an den Fahrer klammert, um nicht spontan nach hinten abzugehen und gleichzeitig versucht, die Schmerzen der völlig verdrehten Hüftgelenke wegzuhassen. Das, liebe Kymco-Ingenieure, kann man so echt nicht machen. Auf dem von Gott vorgesehenen Platz an Gas und Lenkung aber ist die Zing auch durchaus bequem, wobei man mit normalen Fußrasten und Schaltung vorlieb nehmen muss. Der Schwerpunkt des Hobels ist merklich höher, weshalb sie sich zwar agiler, aber auch etwas hibbeliger fährt. Bleibt aber völlig im Rahmen, auch die Kymco lässt sich da platzieren, wo man sie haben will. Der Motor der Maschine macht Anfangs mehr Dampf als das Konkurrenzaggregat, hat aber bei höheren Geschwindigkeiten und Zuladungen fühlbar weniger Druck, was sich gerade bei Steigungen als deutlich weniger Höchstgeschwindigkeit Gehör verschafft. Die Daelim zieht mich ohne Mucken die Berge hoch, die Kymco kämpft, während sich hinter einem die Autos sammeln. Dafür klingt die Kymco besser, zumindest untenrum – bei höheren Drehzahlen klingen beide Maschinen unüberhörbar nach Rasenmäher. Liegt fraglos in der Natur der Sache, dem kann auch der cleverste Ingenieur nicht beikommen.

Die Kymco wird immer noch mit Vergaser gebaut, die Daystar hat seit einigen Jahren Einspritzung. Ich habe eine alte Maschine mit Vergaser gekauft, weil Reparaturen daran deutlich günstiger sind. Ist das Steuergerät einmal kaputt, muss man es austauschen, und das kommt auf über 400€ aus, weiterhin gibt es keinen Kickstarter für den unglücklichen Fall einer toten Batterie mehr – ich war in der Situation schon mal und war ewig dankbar für den Kicker. Dafür gibt es mit Einspritzung weder Kaltstartmucken noch die nagende Frage, ob der Vergaser richtig eingestellt ist und das Mopped nicht eigentlich noch besser laufen könnte. Was man da bevorzugt, ist eine Frage des persönlichen Geschmacks.

Zusammenfassend fühlen sich beide Räder erstaunlich wertig an, sind bequem und machen den Job des Cruisers insgesamt absolut zufriedenstellend. Beide machen glücklich. Auf Grund des kräftigeren Motors, der Chopperschaltung und der Soziustauglichkeit würde ich mich aber wieder für die Daystar entscheiden – auch, weil sie in meinen Augen immer noch besser aussieht.

Geld gegen Essen – Bun Bites Beef (Münster)

Posted in Geld gegen Essen - Restaurantnörgeleien on 16. März 2015 by Herr Grau

BBBmsWer würde nicht ein paar Euro mehr ausgeben, um den Sprung vom Fast-Food-Burger zum liebevoll handgemachten Burger aus regionalen Zutaten zu machen? Gutes Fleisch, Galloway-Rind optional, lokales Gemüse, münsteraner Bäcker, die meisten Saucen im Haus gemacht? Hör mal! Bei so einer Einleitung, was soll schon schief gehen? Wer dieses Blog liest, weiß, dass diesem Satz zuverlässig Katastrophen folgen.

Wir waren mit sechs Leuten in der relativ frisch in Münster etablierten Burgerschmiede. Reservierung ist unverzichtbar, wie auch das erste Projekt der Besitzer, Teilchen & Beschleuniger, ist der Laden zu allen brauchbaren Zeiten mit jungen Leuten überfüllt, die mit „hip“ sehr wohlwollend umschrieben sind. Macht ja nichts, ich bin alt und verbittert, das kennen wir schon. Um diese lohnende Demographie anzusprechen, braucht es fraglos ein besonderes Händchen, besonders bezüglich der Erwirkung von Atmosphäre durch Dekoration. Im Fall des Bun Bites Beef heißt das weitgehender Verzicht auf Innenausbau, wie Kollege bic_mac trocken bemerkte. Ja, man starrt auf unverputzte Wände und unverkleidete Verrohrung, das ganze wird dann mit leicht abgerocktem Holz und bauhausigem Glas ausstaffiert. Geschmacksverirrte Justadolszente mögen das für fantastischen postmodernen Architekturstrich halten, ich nehme das Gesamtwerk als notwendiges Übel hin und hoffe, dass die Einsparungen an der Verstuckung an den Kunden weitergegeben werden. Ich muss da ja nicht wohnen. Solange der Rest stimmt, soll mir das reichlich wurscht sein.

Und da hapert es dann leider doch. Zwar sind die Burger gut durchdacht und gemacht, die einzigen Kritikpunkte sind, dass sie einen Tick zu klein sind und dass die Kellnerin zwar fragt, ob man seinen Patty medium oder well done haben will, die Antwort aber keinen Unterschied macht – in keinem der vier medium georderten Burger war auch nur ein Deut Rosa zu sehen. Die Fritten sind aber leider ein Totalausfall. Sie sehen sehr appetitlich aus, dunkelröstbraun, aber da hört es leider auch schon auf. Sie sind kein bisschen kross, sondern völlig labberig – was alleine schon eine ausreichende Totsünde ist – und auch noch völlig übersalzen. Ich bin ein erklärter Fan des Natriumchlorids, aber das war unvertretbar. Noch übler als die normalen Fritten waren die Süßkartoffelfritten versalzen, sie qualifizierten sich als schlicht unessbar.

Der Service, soviel kann man berichten, ist nett und zügig. Auch muss man sowohl Servierkraft als auch Küche das Kompliment machen, dass die deutlich verspätete letzte Teilnehmerin sowas von zackzack ihren Burger bekam, dass man dafür Extrapunkte vergeben muss. Allerdings wurde so gut wie nicht auf unsere Kritik eingegangen und für die drei vollständig liegen gebliebenen Süßkartoffelfritten-Portionen nicht angeboten, dass sie nicht bezahlt werden mussten. Bitter, da gehen sie wieder hin, die Punkte.

Unterm Strich stimmen zwar viele Sachen im Bun Bites Beef, der gewaltige Fehltritt mit den Fritten hat dem Essen aber leider seinen Stempel aufgedrückt. Ich habe inzwischen auch mit Bekannten gesprochen, die an einem anderen Tag da waren und genau die gleiche Erfahrung gemacht haben. Ich möchte das Bun Bites Beef mögen, wirklich, es macht mit seinem regionalen Ansatz und seiner In-House-Herstellung vieles genau richtig. Es ist sympathisch, weil es aus der Münsteraner Gemeinschaft heraus gewachsen ist. Aber wenn man nur Burger und Fritten macht, dann sollte man verdammtnochmal sicher stellen, dass beides sehr gut ist. Fritten gehören außen kross und innen fluffig. Punkt. Zu wenig Salz ist nicht gut, aber dreitausend mal besser als zu viel. Ausrufeschiffshorn. Wer nicht weiß, wie man Fritten richtig macht, der hat es doch nach einer Minute im Internet herausgefunden: Die richtige Kartoffel schneiden, halbe Stunde wässern und zweimal bei 130-140° und 170-180° frittieren. Wie schwer ist das denn bitte! Gottnocheins. Ne, ich bin regelrecht sauer. Ich wollte sie doch mögen…

Wertung:
Essen: Burger 8 /10, Fritten -13 / 10
Service: 8 /10
Sauberkeit: 9 /10
Preisgestaltung: 8 /10
Ambiente: 4 /10

Gesamtergebnis: 2,4 von 5 Vanilleeiskugeln mit Senf und Gürkchen

Bun Bites Beef
Wolbecker Straße 50
48155 Münster
Telefon: 0162-5128161

Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 12 – 24Uhr

Messerreview: Masamoto HC Gyuto 21cm

Posted in Scharfe Messer, smile and look alive on 12. März 2015 by Herr Grau

Eine ungeschriebene Regel der Kaufberatung besagt, möglichst nur Empfehlungen zu Messern abzugeben, die man selber kennt, daher haben wir beschlossen, in unregelmäßigen Abständen untereinander Kochmesser zu verleihen, um nicht jedes Messer von Interesse kaufen zu müssen. Wie hier angekündigt, gibt es fünf Meinungen zu einem Messer, von Amateuren als auch von Profiköchen.IMAG0455IMAG0457

Das erste Messer, das ich im Rahmen dieses Messerzirkels reviewt habe, ist eines, das ich mit großer Ungeduld erwartet habe: Das Masamoto HC ist das hochwertigste Messer im westlichen Stil, das der Traditionshersteller in Carbonstahl anbietet. Masamoto hat den Ruf, exzellent ausbalancierte Messer ohne spezifische Schwächen herzustellen; andererseits hatte die Firma zeitweise Probleme mit der Qualität des Finishs. Es ist also höchst spannend, wie dieses Messer sich in der Praxis zeigt.

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Review aus 5 Blickwinkeln: Misono UX10 24cm Gyuto

Posted in Scharfe Messer, smile and look alive on 11. März 2015 by Herr Grau

Eine ungeschriebene Regel der Kaufberatung besagt, möglichst nur Empfehlungen zu Messern abzugeben, die man selber kennt, daher haben wir beschlossen, in unregelmäßigen Abständen untereinander Kochmesser zu verleihen, um nicht jedes Messer von Interesse kaufen zu müssen. Wie hier angekündigt, gibt es fünf Meinungen zu einem Messer, von Amateuren als auch von Profiköchen.

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Das UX10 war lange Zeit ein mythisches Tier, das nie jemand in deutschen Landen auch nur zu Gesicht bekommen hatte. Aber: The times, they are a-changing. Hiroshi Horie vom japan-messer-shop hat das Messer inzwischen im Sortiment, das die oberste Kategorie in Misonos Sortiment bildet. Und glücklicherweise hat einer unserer sympathischen Wahnsinnigen ihn auch mit sehr viel Geld beworfen um sich in den Besitz eines solchen Messers zu setzen, sodass ich es jetzt ausgiebig auf der Hausstrecke testfahren konnte. Ich war sehr interessiert, wieviel Gegenwert das Einhorn für seinen doch recht ausartenden Preis (240€ für ein 21cm Gyuto, 285€ für das hier getestete 24cm-Messer) bietet. Zeit zum Anblasen.

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Review aus 5 Blickwinkeln: Tadafusa Santoku 165mm

Posted in Scharfe Messer, smile and look alive on 9. März 2015 by Herr Grau

Eine ungeschriebene Regel der Kaufberatung besagt, möglichst nur Empfehlungen zu Messern abzugeben, die man selber kennt, daher haben wir beschlossen, in unregelmäßigen Abständen untereinander Kochmesser zu verleihen, um nicht jedes Messer von Interesse kaufen zu müssen. Wie hier angekündigt, gibt es fünf Meinungen zu einem Messer, von Amateuren als auch von Profiköchen.

IMAG1086Ich mochte Tadafusa nie. Ich finde zur Show aufgebrachte Hammerschlagoptik nicht begeisternd und auch Holzzwingen chronisch hässlich. Von den Klingen hatte ich aber viel Gutes gehört. Jetzt musste ich mir die Frage gefallen lassen, ob ich das Messer weiter furchtbar finden durfte oder dieser Tage an mit gespaltenem Herzen würde leben müssen.
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