Kurz nach der Veröffentlichung meiner lange beackerten Listen mit guten Dingen kam mir im Gespräch mit einer Freundin die Idee, das, was ich über das Bauhandwerk über der Renovierung meines eigenen Hauses und der Baustellen meiner Freunde und Familie über die Jahre gelernt habe, auch zu Papier zu bringen. Man ertappt sich ja doch dabei, die selben G’schichde immer wieder zu erzählen. Mein Kompetenzniveau ist hier fraglos niedriger als bei der Beurteilung von Kartoffelchipse, aber wenn ich eine Sache in meiner Arbeit gelernt habe, dann dass die Grenzen zu Fachwissen aller Waffengattungen völlig willkürlich und absolut durchgängig sind. Nur weil irgendwas nicht Dein Yop ist, heißt das nicht, dass Du Dich damit nicht gut auskennen kannst, darfst oder solltest.
Neugierig sein, recherchieren und vergleichen Das ist dann auch ein perfekter Einstieg (fast als ob ich das schon mal gemacht und so beachtsichtigt hätte), denn die wichtigste Doktrin in allen Dingen Bau ist: Informiert sein ist Trumpf. Wo der Schaden überschaubar ist, wenn man die falsche Gartenschere kauft, so geht es hier doch oft um Magnituden von möglichem Schaden in Geld und Ärger einerseits und erstreitbarer Lebensqualität andererseits, die einen problemlos den Rest seines Lebens verfolgen können. Um Lammbock zu bemühen: So ein Schritt will sorgsam geplant sein. Und wer dumm ist, muss alles glauben. Man sollte niemals eine größere Entscheidung auf die Schultern von nur ein oder zwei Meinungen stellen. Es gilt, Angebote und Erfahrungen von so vielen Leuten wie möglich einzuholen und dann mit dem Lineal eine sinnige Linie darüber zu ziehen. Insbesondere die Internetforen zu Bau (besonders das Fachwerk Forum) sind dringend empfohlen. Aber auch der große Bekanntenkreis, alle Handwerkermeinungen und sogar die KI sollten ausgeschöpft werden. Je früher man lernt, ohne Scham nachzufragen, bis man wirklich alles verstanden hat, und sich nicht von Handwerkersprech einschüchtern zu lassen, desto mehr Probleme vermeidet man an dem Punkt, wo es am meisten zählt – nämlich bei der Planung.
Im Folgenden touchiere ich die diversen Facetten eines Gebäudes und sage dazu, was ich weiß. Es ist ein Flickenteppich. Ich weiß über alles nur Bruchstücke und ich gebe nichts weiter, worüber ich mir nicht ausreichend sicher bin. Zwecks doppelter Sicherung habe ich den ganzen ersponnenen Zinnober auch noch von Autorenkollege hoegi gegenlesen lassen, der kaiserlich bestellter Bauingenieur ist und davon sogar gelegentlich Gebrauch macht.
In dieser Liste findet sich all das außergewöhnliche Werkzeug, das über die Jahre durch meine Hände gegangen ist. Die anderen Listen finden sich hier: Allgemeines, Küche und Essen & Trinken.
In der Hitparade der aufgeschobenen Artikel steht auf dem unangefochtenen Platz 1 dieser hier: Meine Liste der guten Dinge, die es gegen Schekel und Schandtaten kommerziell zu erkaufwerben gibt. Da ich wirklich sicher nur bis drei zählen kann, kann ich nicht zuverlässig sagen, wie oft ich ihn schon angefangen habe. Pi? Drölf? Tausendmillionardentrilliorden? Möglich. Bestimmt. Das Eichamt weigert sich leider aber verständlicherweise inzwischen, meine Anfragen zu beantworten.
Gerade in unserem Zeitalter gallopierender Enshittification ist es umso wichtiger, die Produkte herauszustellen, die sich diesem satanischen Trend widersetzen und einfach dauerhaft überragend gut sind. Und ja, natürlich habe ich die Idee vom ultimativen Pornoheftchen der Besserverdiener, dem Manufactum Katalog geklaut – zumindest unterbewusst. Aber einerseits lege ich großes Augenmerk auf Preis/Leistung und zweitens ist es doch viel schöner, wenn ein richtiger Mensch mit einem Koffer voll Lebenserfahrung und einem beängstigenden – nennen wir es mal nicht Talent – Trieb zu Recherche und Überoptimierung aller Lebensbereiche dafür verantwortlich zeichnet statt einer gesichtslosen und kommerziell motivierten Firmenredaktion. Von dem tosenden Meer moralbefreiter und bezahlter Influencer brauchen wir gar nicht erst sprechen. Wie ich mich von denen absetze? Festere Hosen. Und ich habe mit diesem Blog bis heute nur Geld verloren, so there’s that. Nicht ein afilliate link in Sicht.
Der Übersichtlichkeit halber habe ich die Liste in vier Teile geteilt:
Und jetzt gilt es mir eigentlich nur noch, darauf hinzuweisen, dass diese Listen fortlaufend geupdatet werden – und dann endlich das Geblubber einzuenden und die Güte ihre Wirkung tun zu lassen.
Ich habe ein Problem. Ich mag Armbanduhren. Das ist aus mehreren Gründen ungünstig: Einerseits weil es weder einen Endpunkt noch eine Begrenzung dessen gibt, was man für so einen Apparat ausgeben kann. Im Raum wabert die absurde Fabel der „Grail Watch“, der Uhr, die die Lust auf mehr endlich befriedet, aber das ist natürlich das vom Wahnwitz geschüttelte Gelalle von Süchtigen. Es gibt genauso wenig die Uhr, die das Sammelfieber beendet, wie es den letzten Schuss gibt, der so gut ist, dass man es endlich sein lassen kann. Es endet, wie alles endet, wenn das Licht ausgeht. Andererseits schlecht ist, dass ich eigentlich gegen die gemeine Sammelidiotie immun bin. Ich habe viele Dinge – mutmaßlich sogar zu viele – und das auch gerne, aber ich sammele nichts um der Sammlung willen. Das ganze Konzept hatte für mich noch nie einen erkennbaren Sinn, Dinge müssen einen Zweck haben. An und für sich halte ich das Massieren von alten Blechschildern, Ü-Ei-Figuren oder Gartenzwergen für die publikumswirksame Vergeilung des hauptsächlich männlichen Imponiertriebs – und zwar derart, dass er am Ende das genaue Gegenteil des zugrunde liegenden Strebens erwirkt, nämlich das krachende Ausbleiben jeglichen Geschlechtsverkehrs. Yet – here we are.
Als ich dereinst in mein heutiges Leben als so aktiver wie wohlgelaunter Berufstäter eintrat, war ich nicht nur noch etwas feucht hinter den Ohren, sondern auch insgesamt morgens schlecht trocken gelegt. Denn die Frottierlappen, die mir elternseits zugeeignet worden waren, persistierten in meinem Hausstand – und die waren schon als ich sie Richtung Studentenwohnung aus dem heimischen Wäscheschrank entführte fortgeschritten gerupft gewesen. Meine geliebten Erzeuger genießen das Gesamterlebnis, das sich nur authentisch erzeugen lässt, wenn man deutlich zu kleine Handtücher über Jahre ohne Weichspüler und mit der absoluten Mindestdosis Waschmittel in sehr hartem Wasser wäscht und dann aushängt. Der lange Flor des Textils härtet so mit vernehmlichen Stoßgebeten an Edward Vickers und Stanley Rockwell in biblischer Gänze aus und kann dann so beim Abreiben des postbalnealen Menschenkörpers am Grundtuch abgebrochen werden, sodass dann endlich das finale Schleifvlies der CAMI Körnung 6-8 erzeugt ist, das seinen weiterhin in die Lande getragenen Namen „Handtuch“ mehr mit nachdrücklicher Häme als mit Aufricht trägt. Ich, so ahnt der verhaltensvoyeuristische Leser mutmaßlich bereits, teile diese Begeisterung für die Hausdesscation mittels Scheuer- und Schmirgellappen im Taschentuchformat – nicht.
Ich habe seither auch aufgegeben, meine Eltern von Gegenteiligem überzeugen zu dünken. Mit der Kraft, die nur alternde teutonische Verbohrung in Unsitten allein zu entwickeln weiß, verteidigen sie ihre masochistische Fehlinterpretation wichtiger Kulturgüter mit ehernem Eifer. Es bringt nichts als meinen Blutdrock hoch. An deren statt lenke ich also absehbarerweise meinen Effort auf die breite Öffentlichkeit. Denn als ich da stand in meiner ersten Wohnung als Erwerbtuender und die möglichst effektreiche Verdampfung meines Soldes erwog, da war das von mir ersuchte Themenfeld ein gutes – was ich jetzt, zehn Jahre später, mit ausreichender Sicherheit sagen kann.
Mein Grundgedanke war, dass es sich dort löhne zu investieren, wo man möglichst oft davon etwas hätte, namentlich bei all den Dingen, die man jeden Tag benutzt. Von einem guten Rasierpinsel hat man rein statistisch gesehen mehr Gesamtnutzleistung, also p(geil) = Nutzen x Zeit, als von einem hochpreisigen Fondue-Set. Ein Federbett von Meisterhand macht mehr gut als ein Windsurfbrett. Und zu den Dingen, die wir wirklich jeden Tag mindestens einmal nutzen, und deren Qualität sich direkt in Lebensqualität niederschlägt, gehören insbesondere eben Handtücher.
Bei meinen Recherchen ergab sich, dass die deutschen Textilwarenhersteller zwar größtenteils gute Qualität liefern, aber auch dies nicht völlig zuverlässig. So setzte ich mich beispielsweise in den Besitz einer Kombination von Saunahandtuch und Bademantel aus der Eden Serie der bekannten Marke Möve von unterdachs der großschönauer Firma Frottana für ein schweres Säckel Dukaten, deren Säume sich bereits nach der zweiten Wäsche aufzulösen anschickten. Man kann zumindest nicht alles ungesehen kaufen, sondern muss vorher die angepeilte Serie unter Zuhilfenahme des Internetzes nahbelupen. Für die aufgerufenen Preise finde ich das eher unerbaulich, profilieren besagte Firmen sich doch als Premiumhersteller und rufen entsprechende Courtagen auf. Immer wieder hörte ich Gutes über das deutsche Wäschehaus Erwin Müller, das seine Hausmarke zwar nicht selber herstellt, aber offenbar mit großer Sorgfalt kuratiert. Es gibt bestimmt viele Hersteller, die gutes Tuch weben und zu Handtüchern konfektionieren – nachdem ich meinen Erstbestand seit nunmehr zehn Jahren nutze und ebendie auch vielen ebenfalls zufriedenen Freunden und Bekannten empfohlen habe, habe ich meine Hausmarke gefunden: Die Serie Konstanz von Erwin Müller. Sie kommen mit einer Grammatur von 650g/m² daher, das Hautgefühl ist klasse, die Trocknungsfähigkeit hoch und der Stoff ist sehr beständig. Auch nach zehn Jahren der nebenbei einzigen richtigen Instandhaltungsart von Handtüchern, namentlich Kochwäsche mit Wasser+ und natürlich ohne Weichspüler – denn Weichspüler ist essentiell Fett und das hintert Stoff dann doch an der Wasseraufnahme – und anschließendem Trocknern sind die guten Stücke nicht auf. Man merkt ihnen ihr Alter erst langsam an, sodass ich sie vermutlich bald auf die Reservebank ins Wochenenddomizil schicken werde, aber das drängt nicht wirklich. Es ist einfach, um den alltäglichen Genuss wieder auf das Maximum zu bringen. Der Leben, der große Löffel, Sie verstehen.
Sich in warmflauschige, wohlduftende, schwere und saugstarke Frottierwaren hüllen zu können, ist eine sehr basale, geradezu primale aber extrem befriedigende Angelegenheit. Jeden Tag. Es fasst einem die Seele und umarmt sie liebevoll. Ich kann diese Aufwertung jeder morgendlichen Dusche und jeder Badewanne nach einem Tag nur herzlichst empfehlen. Wenige Dinge bereiten mir so konstant so viel Wohlbehagen. Ich trachte danach, mein Wohlbehagen mit der Welt zu teilen. Lassen Sie uns gemeinsam den Flausch der Zivilisation genießen.
Schläft ein Lied in allen Dingen
die da träumen fort und fort,
und die Welt hebt an zu singen,
triffst du nur das Zauberwort.
Joseph von Eichendorff
Vorspiel
Als ich fünfzehn Jahre alt war, spielte mir das breit grinsende Schicksal einen hochwertigen alten Telefunken Receiver aus dem Hausstand meiner Großmutter in die Hände. Im eher pflichtschuldigen Versuch, etwas sinnvolles Ganzes daraus zusammen zu wurschteln, kratzte ich meine spärlichen Pennäler-Groschen zusammen und kaufe nach einiger Recherche ein paar unverschämt günstige Dali Standboxen aus dem Ausverkauf eines insolventen Hifi Händlers aus Berlin. Nachdem noch ein alter CD Player angeklemmt ward, wurde schlagartig offensichtlich, dass mein Hirn mit diesen verbesserten Eingangssignalen große Dinge anfangen konnte. Ich erinnere mich an kaum etwas so von den Jahren unverklärt klar wie an die ersten Takte von Keziah Jones ‚Where’s Life‘ auf dem schicksalsschwangeren neuen Spielzeug. Die Welt im Hintergrund wurde leise und verschwand sodann völlig. Plötzlich war alles Musik. Es schlug laut vernehmlich Kugelblitze und Lichtbögen auf meiner Synapsenklaviatur, als ein Dopamin-Tsunami der Sumatra-Klasse unvorbereitet an sie anbrandete und mein ganzes Hirn einfach überspülte. Nur 4:51 Minuten später war ich hoffnungslos süchtig. Nicht nach Musik per se, Musik war schon immer unverzichtbar für mich gewesen – sondern nach einer Wiedergabe, die der Musik wirklich angemessen ist. Die sie ihr Potential entfalten lässt. Von einer Zusammenstellung demiarkaner elektromechanischer Bauteile, die aus nettem Geklimper ein einmaliges Erlebnis zaubern kann, das alle Sinne berauschen, einen aus der Welt reißen und auf eine Reise in den Mittelpunkt seiner selbst und an den Rand des Kosmos schicken kann, wie sonst nichts anderes auf dieser Welt. Heroin vielleicht mal ausgenommen.
Ich gestehe: Ich habe einen Fehler gemacht. Hätte ich doch nur auf Vati gehört. Der sagt immer: „Junge, billiges können wir uns nicht leisten!“ Diese von mir ursprünglich als etwas hochmütig empfunde Weisheit holt mich in meinem adoleszenten Leben ein ums andere mal ein. Jüngstes Beispiel: Ich lies mich von den grellen pinken Lichtern und den scheinbar günstigen Preisen von lastminute.de blenden und lief den Betrügern ungebremst ins Messer. Weiterlesen →