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Bau eines endgültigen Röhrenverstärkers – 1.1 – Welche Röhre?

Posted in Angewandte Wissenschaft, Röhrenverstärker, smile and look alive on 7. Dezember 2009 by Herr Grau

Was macht einen Röhrenverstärker aus? Klar, die Röhren. Damit beginnt die Faszination. Da stellema uns janz dumm und frare: Wat isse ne Elektronenröhre?

Erstmal ein Glaskolben mit einem Vakuum drin. Darin befinden sich noch: Zwei Platten und dazwischen ein Gitter. Zwischen den Platten legen wir eine Spannung an, sodass ein elektrisches Feld entsteht. Wenn wir jetzt irgendwie (wir machen das mit einer Heizung) Elektronen da hinein bringen, so werden sie sich in Richtung der positiven Platte bewegen. Mittels Spannung am Gitter dazwischen können wir das ganze ein bisschen steuern. Zu unserem Glück steht das, was am Gitter passiert am Ende mit dem, was an der Anode passiert, in direktem Verhältnis, deshalb können wir die Röhre als verstärkendes Bauelement nutzen. So viel dazu.

Erstens bin ich nicht besonders gut im erklären und zweitens fehlt mir dazu das wirkliche Verständnis der Materie. Das genaue Prinzip einer Röhre und die Konstruktion eines einfachen Verstärkers wird bei Boozhound Labs sehr einsichtig und verständlich beschrieben.

An erster Stelle steht für mich stets die Wahl der Endröhre.

Gerade hier ist es besonders wichtig, sich zuerst einen Überblick über das Angebot zu verschaffen: Welche Röhrentypen noch hergestellt werden, ist in meinen Augen ein entscheidendes Kriterium. Ich halte nichts von der Idee, die beste Röhre für den Job zu finden, diese dann aber für hunderte von Euro und unter Aufwand vieler Stunden in Altbeständen suchen zu müssen. Nicht, dass Altbestände schlecht wären; nach wie vor sind die besten Röhren Westwelt-NOS (new old stock). Aber meiner Meinung nach sollte man davon unabhängig sein und lieber leichte Abstriche machen. Außerdem gibt es für die populären Röhrentypen viel mehr fertige, gute Schaltungen.

Die wichtigsten Endstufenröhren sind grob:

EL34, EL84, 6C33C, 2A3, 6L6, 6V6, KT66, KT88, 300B

Der zweite wichtige Punkt: Man sollte die Röhren, die für einen in Frage kommen, probehören. Das ist nicht immer ganz einfach, da Schaltung und Vorröhren ebenfalls einen großen Einfluss auf den Klang haben – findet man aber etwas, das einem sehr gefällt, spricht auch nichts dagegen, sowohl die Schaltung als auch die Bestückung sofort zu übernehmen. Versuchen sollte man es auf jeden Fall. Und mit der Zeit bekommt man eine Idee, was bestimmte Röhren leisten.

EL 34 und EL 84 sind keine schlechten Typen und sehr geeignet für Anfänger. Es gibt günstige Röhren, Netzteile, Übertrager, Platinen und Teilesätze (mit dem Plan von Loetstelle.de lässt sich für 150-200 Euro ein solider Stereoverstärker bauen). Aber für den endgültigen Verstärker schienen sie mir nicht geeignet. 6L6 und 6V6 kenne ich gut und würde sie jederzeit für einen Gitarrenverstärker nehmen. Meines Erachtens gibt es für Hifi aber Besseres. Z.B. KT66 und KT88. Die Charakteristik der beiden Röhren ist ähnlich, es handelt sich um kräftige Röhren mit gutem Klang, die KT88 hat etwas mehr Bumms als ihre kleine Schwester. Einziger Konkurrent in meinen Augen war die 300B, die ebenfalls eine sehr gute Hifiröhre ist und entsprechend oft in High-Class-Verstärkern Verwendung findet. Die 6C33C und 2A3 kenne ich nicht und konnte sie auch nicht in einem sinnvollen Zeitrahmen probehören.

Am Ende entschied wie immer das Bauchgefühl: In meiner Endstufe sollte die KT88 arbeiten. Sie ist gut verfügbar, kräftig und klingt. Was in der Vorstufe steckte, war mir zunächst relativ gleich, was nicht unbedingt eine gute Einstellung ist. Die 6SN7, auf die die Wahl schließlich fiel, standen in der Schaltung, haben sich rund um die Welt bewährt, sind stabil, wohlklingend und ebenfalls gut verfügbar. Zu anderen Vorstufenröhren findet sich im Netz eine Menge, es handelt sich dabei noch viel mehr um eine Wissenschaft, als bei Endstufenröhren. Unter den bekannten Typen sind mir aber keine wirklich unempfehlenswerten bekannt.

Bau eines endgültigen Röhrenverstärkers – Einleitung

Posted in Angewandte Wissenschaft, Röhrenverstärker, smile and look alive on 7. Dezember 2009 by Herr Grau

Wenn man Musik gerne hat, tolle Boxen schon besitzt, gerne Kram selber baut und nicht zuletzt ein klein wenig am Gear Acquisition Syndrome leidet, kommt man früher oder später auf die Idee, sich einen Verstärker selber zu bauen. Hier und hier habe ich bereits gezeigt, wie man einen exzellenten Transistor-Verstärker für relativ wenig Geld realisiert. Die Monos haben ihren Platz in der Welt gefunden – allerdings nicht bei mir. Man kann auch nicht sagen, dass ich unteramplifiziert wäre – ich nenne einen NAD C372 mein Eigen. Aber irgendwann hört man mal einen Röhrenverstärker und dann ist der Schaden angerichtet. Zurück geht nicht mehr. Nur nach vorne. Ins heilige Land.

Ich will auch mit dieser Artikelserie zeigen, dass es nicht schwierig ist, gute Hifi-Komponenten selber zu bauen.

In dieser Einleitung werden die einzelnen Schritte in kurzer Form dargestellt, die jeweils in späteren Artikeln einzeln vertieft werden. Dabei soll klar werden, worauf man achten sollte und wo etwaige Stolperfallen liegen. Gleichzeitig werde ich meine eigenen Entscheidungen vorstellen und erklären. Dies gibt dem Anfänger gleichzeitig auch ein „Kochrezept“ mit an die Hand, das ohne Hintergrundrecherche nachbaubar ist und auf jeden Fall zum Erfolg führt.

Im Progress der Serie werden die folgenden Punkte alle verlinkt werden.

Schritt 1 – Was brauche ich, was will ich?

An erster Stelle steht die Überlegung, was man überhaupt will.

Welche Röhren?

Welche Betriebsart?

Welche Features brauche ich?

Welche Adressen muss ich kennen?

Schritt 2 – Die Schaltung

An zweiter Stelle steht das Finden einer passenden Schaltung.

Schritt 3 – Auswahl der Bauteile

– Ausgangsübertrager

– Netztransformator

– Koppelkondensatoren (Herstellung guter und günstiger Koppelkondensatoren hier)

– Bauteile der Siebkette

– Widerstände

– Röhren und Zubehör

– Draht, Buchsen, Gehäuse

Schritt 4 – Gehäusebau

…wird hier beschrieben

Schritt 5 – Verkabelung

Schritt 6 – Euphoria

Wir bauen uns einen High-End-Verstärker – Eine Schritt-für-Schritt-Anleitung – 2. Akt

Posted in Angewandte Wissenschaft, smile and look alive on 7. Dezember 2009 by Herr Grau

Dies ist der Folgeartikel zum 1. Akt, in dem ich zeigte, wie man einen SymAsym auf einer Platine aufbaut.

Ich hatte ja versprochen zu zeigen, wie die Amps aussehen, wenn sie fertig sind. Folgende Arbeiten mussten noch erledigt werden:

1. Gehäuse bauen – Dafür habe ich Lochbleche von ProKilo verwendet (der Verstärker ist 20x20x10 cm³ (BxTxH) groß). Diese habe ich mit einfachen Messingwinkeln und Uhu Endfest 300 verklebt bzw. verschraubt. Eigentlich sollte auch noch Holz an die drei Blechseiten des Verstärkers kommen, aber ich kann erstens im Moment nicht über die nötigen Werkzeuge verfügen und zweitens wollte ich mich dabei nach dem Farbwunsch des zukünftigen Besitzers richten.

2. Löcher im Kühlkörper bohren (2,5mm) und mit einem 3mm Gewinde versehen. Transistoren mit Wärmeleitpaste versehen und montieren.

3. Netzteil bauen – Trafos einschrauben, Schalter und Netzbuchse einbauen und mit der Primärseite des Trafos verbinden, Sekundärseite an Gleichrichter anschließen. Gleichrichter mit Elkos verbinden. Elkos mit Platine verbinden. (Plan für Netzteil hier)

4. Cinch-Eingangsbuchse und Polklemmenterminal (Ausgang) montieren und mit der Platine verbinden.

5. Ruhestrom einstellen – Das Potentiometer so einstellen, dass über einem der beiden 0,22Ohm-Widerstände 12mV anliegen.

6. Anschließen. Anschalten. Musik hören.

Ich habe von den Arbeiten keine Bilder, aber es gibt zumindest eine Aufnahme der fertigen Monoblöcke:

Das schließt dieses Kapitel ab. Ich hoffe, es war aufschlussreich.

Wir bauen uns einen High-End-Verstärker – Eine Schritt-für-Schritt-Anleitung – 1. Akt

Posted in Angewandte Wissenschaft, smile and look alive on 14. Oktober 2009 by Herr Grau

Meine Herangehensweise an viele Dinge ist die eines waschechten DIYers (DIY = Do It Yourself).

Einrichtungsgegenstände, Möbel, Computer, Hifi-Geräte – es liegt nicht nur daran, dass ich konstant über meinen Verhältnissen lebe und deswegen sparen muss, wo ich kann, ohne auch nur einen Deut Abstriche an der Qualität zu machen bereit zu sein, ich empfinde es als großartig, etwas mit seinen eigenen Händen erschaffen zu haben. Mit Recht ist der Erschaffer stolz auf sein Werk und stellt sich so bewusst abseits des Prahlers, dessen einziger Verdienst der Kauf ist.

Einmalig, günstig und hochqualitativ? Mach es Dir selbst.

Gerade im Hifi-Bereich lässt sich richtig Geld sparen. Wer sich ein gutes Paar Boxen selber baut, braucht sich über dieses Thema nie wieder Gedanken zu machen. Ein Design z.B. von Udo Wohlgemuth mit Eton-Chassies wird selbst von pekuniär weit fünfstelligen Modellen des Fertigmarktes kaum übertroffen werden – denn die Chassies und Bauteile werden ab einem bestimmten Punkt nicht mehr besser. Und wie viele zehntausend Euro man investieren kann und will für das bisschen Mehr Design, für unter Wasser von Zen-Mönchen mit dem privaten Gourmet-Deluxe-Wachsvorat ausgestorbener Bienenköniginnen blank gewichstes Holz, das bleibt dann am Ende Geschmackssache.

Auch bei Verstärkern kann man mächtig Geld retten. Gute Bauteile und ein solides Schaltungsdesign an der Hand, lässt sich für etwa 150€ ein Verstärker realisieren, der sich auch vor zehnmal so teuren Exemplaren nicht zu verstecken braucht. So einen Verstärker wollen wir heute bauen. Ich möchte hiermit eine Anleitung an die Hand geben, mit der jeder, der zwei Dräte zusammenlöten kann, einen hervoragenden Verstärker bauen kann. Kein Fachgesabbel – bzw. nur so viel wie nötig. Ich setze lediglich die Fähigkeiten zu Lesen und etwa 14cm weit zu denken, sowie das Vorhandensein eines Lötkolbens samt Lötzinn und eines Multimeters voraus. Kochrezept in Reinkultur.

Was zum SymAsym zu sagen ist, findet sich gebündelt hier. In aller Kürze: Es handelt sich um ein Monoblockdesign einer ClassAB-Endstufe mit etwa 100W pro Kanal an 4Ohm bzw. 60W an 8Ohm. Monoblock heißt, dass eine vollständige Kanaltrennung stattfindet. Rechter und linker Kanal bekommen jeweils einen kompletten eigenen Verstärker mit eigenem Netzteil. Das ist High-End, denn besser geht es nicht. So machen es auch die ganz Großen. Wenn man eine Festhalle beschallen will, muss man die Sache natürlich etwas anders angehen, aber für das heimische Wohnzimmer ist 100W selbst an Lautsprechern mit schlechtem Wirkungsgrad mehr als genug.

Also los.

Schritt 1

Alle hier aufgeführten Teile bei Reichelt zusammensuchen. Trafo gibt es bei Kessler Elektronik (Artikelnr. TRT 225VA 2X24V). Dazu kommen noch zwei Cinch-Buchsen und vier Bananensteckerbuchsen. Woher man die nimmt, ist egal. Außerdem sollte man sich noch zwei Lochrasterplatinen im Euroformat und zwei Kühlkörer bei Reichelt mitbestellen. Und wenn man will noch zwei LEDs (mit Vorwiderstand -> Google), Schalter und Kaltgerätebuchsen mit Sicherungshalter. Achso, eine Rolle 0,6er Silberdraht nicht vergessen. Jetzt aber los.

Schritt 2

Wenn man alles richtig gemacht hat, liegen jetzt Bauteile im Wert von etwa 50€ plus zwei Trafos für je 40€ vor einem auf dem Tisch.


Den Kram ordnet man nach Widerständen, Kondensatoren, Transistoren und anderem Zeug:

Den Besteckungsplan für die besagte Euro-Lochrasterplatine von CNet gibt es leider nicht mehr. Wir müssen uns leider dieser Tage wieder mit dem Schaltplan behelfen: http://www.lf-pro.net/mbittner/Sym5_Webpage/Images/Symasym5_2_eagle.GIF

Allem voran steht der Entschluss, die Transistoren nicht zu matchen. Das ist zwar etwas schluderig, spart aber irre viel Arbeit. Wenn man den Verstärker eines Tages mal richtig High-Beendigen will, dann kann man es auch immer noch nachholen. Wie man das macht, steht auch hier.

Schritt 3

Jetzt kommt also die Fleißkärtchenarbeit, nämlich das Bestecken der Platine mit den angegebenen Bauteilen. Die Bauteile werden eingesteckt, eingelötet und verbunden. Ich habe das etappenweise gemacht, würde aber in Zukunft eher alle Bauteile zuerst einlöten und die Verbindungen später machen.

Hier einige Bilder aus dem Verlauf:


Bei dieser Arbeit ist vor allem darauf zu achten, die Elektrolytkondensatoren richtig herum zu polen. Normalerweise ist das Minus fett darauf makiert. Die Transistoren müssen auch dringend richtig herum gesteckt werden, genau wie auf dem Besteckungsschema angegeben. Kreuzende Leiterbahnen werden mit Kupferlackdraht ausgeführt, einem mit Lack isolierten Draht.

Die externen Lötpunkte sind dort wie folgt bezeichnet:

IN = Eingangssignal, das ist der Pimmel vom Cinchstecker

IGND = Erde des Eingangssignals, das ist der Metallring um den Cinchstecker

OUT = Positiver Pol des Lautsprechers, das rote Lautsprecherkabel, ein eigener Anschluss

OUT_GND = Negativer Pol des Lautsprechers, das schwarze Lautsprecherkabel, auch ein eigener Anschluss

V+ = Positive Netzteilspannung

V- = Negative Netzteilspannung

VGND = Erde des Netzteils

Ich habe diese Eingänge erstmal einfach als Lötfahnen ausgeführt, ebenfalls die Anschlüsse für das Potentiometer.

Die Bauteile für das Netzteil haben mich noch nicht alle erreicht, ebenfalls nicht die Teile für das Gehäuse. Aber die Verstärker selbst sind fertig. Das ganze hat mich drei Nachmittage gekostet. Geübte Elektroniker dürften mit einem oder zwei hinkommen, Ungeübte müssen vermutlich einen Nachmittag mehr einkalkulieren.

So sehen die fertigen Platinen aus:

So Kinder, das war der erste Akt.

Im nächsten Teil werde ich den fertigen Verstärker mit eigenem Gehäuse und vollständigem Netzteil zeigen.

UPDATE: Hier geht es zur Abschlussbetrachtung

Anmerkung: Für den völlig Unbedarften habe ich noch ein Video bei Youtube rausgesucht, das zeigt, wie Löten funktioniert:

How To Solder – Video

Wunderbare Wissenschaft: Hebelgesetze

Posted in Angewandte Wissenschaft on 6. Juli 2009 by Herr Grau

Da die Hebelgesetze nun schon mehrfach Thema waren, müssen diese natürlich auch ausreichend erklärt werden.

Archimedes sagte schon vor über 20 Jahren: „Gebt mir nur einen festen Punkt im All und ich hebe euch die Welt aus den Angeln!“

Was wusste der kluge Mann, was wir nicht wissen? Erstens deuchte ihm wohl das Dingen mit der Relativität aller Systeme bereits. Und zweitens wusste er, dass Kraft mal Kraftarm Last mal Lastarm ergibt. Aus Gründen der völligen Sinnlosigkeit will ich mal kurz ausrechnen, wie lang wohl der Hebel des guten Herrn hätte sein müssen. Dafür brauchen wir folgende Annahmen:

1. Das Gewicht der Erde lässt sich mit 5,97 Trilliarden Tonnen und 5 Gramm sehr gut annähern

2. Den Lastarm müssen wir schätzen. Um einen suffizienten Umlauffehler zu erzeugen, müssten wir etwa 1400 Meter vermuten

3. Archimedes Aussage war hochgradig männlich. Eine Frau hätte sich zu solcher Protzerei nicht herabgelassen, sondern es stillschweigend ausprobiert und die Erde vernichtet. Daraus folgern wir zweierlei: Erstens können wir die Kraft, die ein gut gebauter Mann aufwenden kann, mit 50kg, also etwa 500N schätzen und zweitens ist der resultierende Kraftarm als Archimedischer Penis zu nomenklatisieren.

FL x SL = FK x SK -> FL x SL / FK = Arichmedischer Penis

mit SL = 1400m und FK = 500N

Das einzige Problem, was sich mir gerade spontan gestellt hat, ist, dass die Erde ja nun nicht eine Gewichtskraft nach F = m x a mit a = ~10m/s² inne hat, vielmehr ist die Kraft der Erde ja Teil eines rotierenden Planetensystems. Ergo bewege ich mich jetzt auf gefährlich dünnem Eis in die Gefilde der Astrophysik. Wir gehen der Einfachheit davon aus, dass Archmedis die Erde von ihrer Bahn zwingen und somit die Zentripetalkraft überwinden muss.

Mit m v² / r und m = 5,97 x 10^24kg, v = 29780 m/s und r = 1,496 x 10^11m -> FL = 3,539 x 10^22N

Das ist eine gute Hand voll, 3,5×10^22N. Um das ganze anschaulich zu machen: Das ist in etwa die Kraft, die Antonio Banderaz aufbringen musste, um bei der Nacktszene in „Desperado“ nicht auszurasten. Aber es hat ja auch keiner gesagt, dass es einfach wird.

Nun können wir unsere Gleichung also lösen:

Archimedischer Penis = 9,9 x 10^22m, also etwa 10^20km oder anders gesagt zehn trillionen Kilometer. Das ist dreimal so groß wie Clint Eastwoods Eier. Fünfmal so groß wie eine aufgeblasene Erbse. Und 100 millionen Lichtjahre.

Wieder was gelernt.

Die Berechnung eines Hebels, der die Voraussetzung von ausreichender Handlichkeit und Stabilität erfüllt, überlasse ich mal generös dem Kollegen mit dem Ingenieur im Studientitel.

Merke:

1. Dem Inschenör ist nix zu schwör.

2. Mächtig ist des Schlossers Kraft, wenn er mit dem Hebel schafft.

Das Wort „Schlosser“ kann hierbei durch „Archimedes“ oder „Arschloch“ ersetzt werden. Womit dann auch endlich die Korrelation zum Vorpost hergestellt wäre.

Nachtrag – Der Ingenieur meldet sich zu Worte:
Die Durchbiegung am freien Ende unseres Balkens beträgt über den Daumen gepeilt Fl^3/(3EI). Wir haben also oben 10^22N multipliziert mit 10^69m³. Um mal beim Größenwahn zu bleiben, versorgen wir unseren Balken mit einem Querschnitt von 1km² und machen ihn der Einfachheit und der Anschaulichkeit halber mal quadratisch. Dann ergibt sich I (unser Flächenträgheitsmoment) zu 1/12km^4 oder aber auch 1/12*10^12 [m^4] (möglicherweise gehen bei meinen Rechnungen mal irgendwo ein paar Potenzen flöten, aber das macht den Kohl hier auch nicht mehr fett). Kürzen wir nun erst einmal die Meter gegeneinander weg sind wir angelangt bei einer Durchbiegung von (12*10^22N * 10^57)/(E*1m). Der E-Modul, der in unserer Gleichung noch fehlt, soll nun beliebig veränderbar sein. Damit sich jeder was darunter vorstellen kann, benutzen wir als Material erst einmal Stahl. Stahl hat einen E-Modul von 210000 N/mm². Das entspricht 0,21N/m². Einsesetzt in unsere Durchbiegungsformel etwa 5,7*10^60m. Ist für mich jetzt auch überraschend, aber scheinbar biegt sich unser Hebel unter so einer Lasteinwirkung weiter, als er überhaupt lang ist. Eine denkbare andere Variante wäre, dass ich einfach irgendwo 10^40 oder ähnliches erzeugt habe, man weiß es nicht.
Aber wenn Sie demnächst ein Haus gebaut haben möchten; ich bin Ihr Mann!

Angewandte Wissenschaft – Kronkorken öffnen

Posted in Angewandte Wissenschaft on 2. Juli 2009 by hoegi

Ein freundliches Hallo hier aus dem ingenieurwissenschaftlichen Versuchsstätten der Firma Happy Industries & Co. KG.
Heute möchte ich euch (insbesondere denen die es einfach nicht hinbekommen) das Prinzip des Kronkorkenöffnens darstellen und erklären. Möglicherweise hilfts; wahrscheinlich aber auch nicht. Grobmotoriker bleiben halt Grobmotoriker, da helfen keine Anleitungen und Erläuterungen.

Zuallererst müssen wir uns klarwerden, wie ein Kronkorken überhaupt konzipiert ist und welches Ziel wir -abgesehen davon, dass wir an den Inhalt der Flasche wollen- überhaupt verfolgen müssen. Hier also eine äußerst schematische Darstellung des Sachverhaltes.

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(Die Grafiken in diesem Post wurden in stundenlanger Schweißarbeit von unserem 4-Mann-Designstudio entwickelt.)

Wie der Name vermuten lässt hat der Kronkorken also die Form einer Krone, welche an ihrem Rand 21 Zacken besitzt, die widerum den abgerundeten Abschluss des Flaschenhalses umschließen und so jegliche Bewegung und damit auch Öffnung des Kronkorkens selber verhindern. Dadurch, dass der Zackenring die Flasche komplett umschließt ist zum Einen die Bewegung in Querrichtung behindert, dadurch, dass die Zacken beim Verschließen um den Flaschenhals gebogen werden wird die Bewegung des Korkens in vertikaler Richtung behindert. Doch eben diese Bewegung ist unser Ziel!
Wie trennen wir nun also den Kronkorken von der Flasche? Im Groben und Ganzen gibt es 2 Prinzipien die es zu beherrschen gilt.
Auf der einen Seite haben wir die stationäre Variante die keinerlei Werkzeug vom Nutzer erfordert, jedoch brauchbare Gegenstände in der näheren Umgebung erfordert, auf der anderen Seite ist da die häufiger genutzte Variante, die zwar Werkzeug erfordert, jedoch quasi allenorts Anwendung finden kann.
Beschäftigen wir uns zuerst mit der stationären Variante. Zur Veranschaulichung wieder eine Grafik aus unserem 12-Mann-Designstudio aus der schwedischen Tundra:
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In orange gehalten erkennen wir wieder unser Corpus Delicti. Neu und wichtig für diesen Versuch sind zuerst die rot eingezeichneten Kästen.
Übersetzen wir dieses Bild in die Praxis: Zuerst müssen wir einen rot schraffierten Quader finden. Sollte keiner zur Hand sein tun es auch jegliche sonstige Gegenstände mit möglichst rechtwinkligen, harten Kanten. Ideal und oft in der Nähe: Der Bierkasten.
Nun setzen wir den Kronkorken an einer Seite auf die Kante auf und bringen mit einer Hand, einem Handballen oder (bei ausreichender Größe) mit einem Penis eine Flächenlast auf die andere Seite der Flasche auf. Da der Kronkorken aus weichem Metall besteht wird er sich im Folgenden verformen, weil das Material den aufgebrachten Kräften nicht entgegenwirken kann. Diese Verformung beinhaltet zuerst eine Durchbiegung der im Bild befindlichen rechten Seite des Kronkorkens in Richtung des blauen Pfeiles, welche widerum eine geringe Querausdehnung des Kronkorkens in der Mitte mit sich bringt. So wird der Kronkorken-Flaschen-Verbund gleich an drei Stellen gelöst und die Flasche öffnet sich. Leider werden die Kronkorken bei diesem Verfahren unnötig penetriert und verformen sich dauerhaft mäßig bis stark. Außerdem erzeugt dieses Verfahren beinahe keine Geräusche und so wird der Nutzer beim Öffnen der Flasche nicht akustisch stimuliert.
Also wenden wir uns dem zweiten Verfahren zu. Ich verspreche bessere Resultate!

Zur Veranschaulichung gibt es auch hier wieder eine Grafik von unserer Designagentur SVEN, welche mit 34 Mann an der Produktion dieser Bilder beteiligt war.
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Hier haben wir den Kronkorken abgeschnitten und betrachten nur eine Seite, denn wichtiger als unser orangefarbener kleiner Feind ist hier die rote Apparatur.
Das kleine freischwebende Dreieck rechts vom Kronkorken stellt ein kleines Auflager dar, der dicke Pfeil weiter rechts ist die aufzubringende Kraft (F).
Bei diesem Verfahren wird Nutzen gezogen aus so ziemlich dem einfachsten physikalischen Prinzip: Dem Prinzip des Hebels.
Wie unschwer zu erkennen ist, befindet sich der Kronkorken deutlich näher am Auflager als unsere Einwirkende Kraft. Nehmen wir an, der Abstand vom Kronkorken zum Auflager sei 1 cm, der Abstand vom Auflager zur Wirkungslinie der Kraft sei 10cm. Nach Adam Riese verzehnfacht sich unsere Kraft also in diesem System. In unserem stationären Öffnungsverfahren hatten wir keinerlei Hebelarm, hier war Kraft die den Korken geöffnet hat gleich der Kraft die wir auch in das System eingebracht haben.
Eben in der Multiplikation unserer Kraft mit zunehmendem Hebelarm liegt der Spaßfaktor dieser Öffnungsvariante. Je mehr Hebelarm, desto mehr Kraft, desto mehr „Bums!“.
In der Praxis sieht das ganze wie folgt aus: Das Auflager ist in der Regel unser Mittelhandknochen des Zeigefingers der bierflaschenhalsumklammernden Hand (Anmerkung der medizinischen Fachabteilung: Proximale Phalange des Digitus Index). Empfehlenswert ist bei Rechtshändern die linke Hand; die Kraft der rechten Hand benötigen wir nämlich jetzt.
Mit dieser Hand nehmen wir uns nun ein längliches, weitestgehend stabiles Instrumentarium. In Fachkreisen sind Feuerzeuge meist das Mittel der Wahl.
Wir umschließen also das Feuerzeug in diesem Falle möglichst fest und legen es wie in der Abbildung gezeigt zwischen Zackenrand und Finger. Die Praxis zeigt, dass das Hebelinstrumentarium auch zwecks Verlängerung des Hebelweges angewinkelt angelegt werden kann, sprich: Das freie Ende befindet sich oberhalb des Niveaus des Kronkorkens. Befinden wir uns in der gewünschten Stellung gilt die volle Konzentration der Bewegung der hebelnden Hand. Sie sollte sich möglichst schnell, stark und ruckartig nach unten bewegen, wohingegen der Rest des Systems idealerweise völlig starr bleibt. Der Kronkorken sollte sich nun geräusch- und effektvoll von seinem ehemaligen Wohnort entfernen. Bei richtiger Anwendung ist akustische wie auch optische Stimulation garantiert.
Betrachtet man den abgefeuerten Kronkorken genauer, wird man feststellen, dass dieser praktisch keine Verformungen aufweist.
Unsere 1-Mann starke Laborbesatzung versucht dieses Phänomen wie folgt zu begründen: „Da Metall ein in geringen Teilen elastisches Material ist, begibt sich das Projektil unmittelbar nach Entfernung vom Flaschenhals in seine Ausgangsform zurück, da die Kraft nur für den Bruchteil einer Sekunde auf das Objekt einwirkt und dann unmittelbar die Relaxation eintreten kann.“

Ich hoffe, wir konnten euch das Faszinosum des Flaschenöffnens etwas näher bringen. Wenn nicht, dann nicht.
Guten Durst wünscht
hoegi