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Messervorstellung: Herder 1922 Kochmesser

Posted in Getestet, Scharfe Messer, smile and look alive on 20. Januar 2010 by Herr Grau

Ich will in Zukunft einige empfehlenswerte Messer vorstellen. Den Anfang macht heute ein Schmalkropf-Kochmesser von Herder aus der 1922 Serie. Es ist eins der wenigen europäischen Kochmesser, die ich kenne, die aus Kohlenstroffstahl erhältlich sind. Desweiteren ist es in bester Herder-Tradition dünngeschliffen und blaugepliestet.
Ich habe es wie immer beim Messerkontor gekauft, Claudia kümmert sich vorbildlich um ihre Kunden. Mir hat sie extra ein neues 1922 von Herder bestellt, damit ich mit dem Exemplar zufrieden bin.

Die technischen Daten:

210 mm Klingenlänge
43 mm Klingenbreite hinten
3,2 mm Rückenstärke am Klingenanfang
127 mm Grifflänge

195g Gesamtgewicht

Schneidenwinkel ca 20° – 25° mit kleiner Schneidfase
Material: C75W1 im Gesenk geschmiedet
Griff: Kirschholz mit Messingnieten

(frei von albino aus dem Messerforum geklaut, habe keine Messerwerkzeuge hier)

Der Erfahrungsbericht:

Klinge: 98 Punkte
An der Klinge gibt es wirklich nichts auszusetzen, sie ist verzugfrei und gerade, offensichtlich gut verarbeitet und vorbildlich dünngeschliffen. Der Kropf ist der schönste, den ich bis jetzt an einem Messer gesehen hab, genau richtig dimensioniert. Das Material ist vernünftig, es wären noch zwei Punkte Spiel nach oben für etwas längere Standzeit.

Schärfe und Schnitthaltigkeit: 90 Punkte
Das Messer ist scharf und es hält auch die Schärfe. Wenn man als Referenz ein japanisches Messer nimmt, ist der Unterschied aber deutlich. Der Dünnschliff macht beim Schneiden selbst aber die fehlende Schärfe mehr als wett.

Griff: 85 Punkte
Die klassische Fehlerdisziplin von Herder. Wie schon geschrieben, hat Claudia das Messer extra handselektiert, damit es nicht wiederkommt. Trotzdem ist die Verarbeitung nicht perfekt. Die Nieten sind etwas unschön versenkt, es stehen noch ein paar Fasern raus, an der einen Seite gibt es eine Verfärbung im Holz und geringe Spalte sind von oben zu sehen. Allerdings weit besser als die Katastrophe bei meinem Grand Moulin. Ich kann mit diesem Griff leben. Er liegt gut in der Hand.

Im Messerforum wird empfohlen, den Griff mit Öl oder flüssigem Wachs zu vakuumisieren. Ich hatte keinen Zugang zu einem Vakuumgerät, daher konnte ich das bis jetzt noch nicht tun. Diese Maßnahme dürfte die Lebenserwartung des Griffs deutlich erhöhen.

Balance: 98 Punkte
Das Messer ist vorbildlich ausbalanciert.

Gesammteindruck: 95 Punkte
Rechnerisch käme man auf 93 Punkte, aber das Messer ist mehr als die Summe seiner Teile. Es schneidet wirklich vorbildlich, besser als alle anderen europäischen Kochmesser der großen Firmen, die ich kennenlernen durfte.
Man nimmt es einfach gerne in die Hand, es arbeitet sich damit einfach, gut und schnell. Wenn man sich nicht mehr wünscht, ist man wohl zufrieden, oder?
Ich würde es jederzeit wieder kaufen und werde es ab jetzt jedem, der ein Kochmesser im europäischen Stil sucht, als Kochmesserreferenz empfehlen.

Jetzt einige Impressionen.
Vorher muss ich anmerken, dass ich das Messer ausprobiert habe, wobei es schon Patina angenommen hat. Ich habe diese so gut wie es ging auf dem 10.000er Stein wieder runterpoliert, auf dem ich auch die Schneide noch mal feiner gezogen habe, aber dennoch ist die Klinge jetzt nicht mehr so schön, etwas wolkig und ungleichmäßig. Die Tropfen darauf sind Kamelienöl, von dem ein bisschen viel an der Klinge war.
Als es kam, war es perfekt.

Messer in der Kiste

Schneidfase

Fluchtung:

Griff von der Seite & Kropf

Griff von der Seite, ganz

Griffspalte, sehen aber auf diesem Foto wirklich schlimmer aus, als sie sind:

Griffspalte näher, das tut dem ganzen mehr recht

Griffspalte unten, im Prinzip nicht vorhanden:

Und noch einmal die Größe im Vergleich zu meiner Hand

Brüssel sehen… und saufen.

Posted in Essen & Trinken, Getestet, smile and look alive on 10. September 2009 by hoegi

For herrgrau writing every one of his cocktail reviews bilingual, I decided to make this one a bilingual post too. Drinking is international.
—Scroll down for english version—

Äußerst verspätet und daher auch nur mit geringsten Erinnerungen an die diversen Geschmackserlebnisse kommt hier ein kurzer kulinarischer Bericht aus der selbsternannten Biermetropole Brüssel.

Fangen wir mit einem Exoten an. Das „Bellevue Extra Kriek“ erinnert höchstens entfernt an Bier im klassischen Sinne. Im Zuge des Brauprozesses werden diesem Bier Kirschen zugefügt, die sich fast gänzlich lösen und dem Bier eine dunkelrote Trübe verpassen.
Geschmacklich erinnert das Bier stark an eine frische Kirschlimonade; der Bieraspekt ist nur wenig bis gar nicht vorhanden, dennoch schmeckte mir das Bier vom Fass außerordentlich gut. In Deutschland ist das Bier gelegentlich auch in Flaschen erhältlich, aber es schmeckt so nicht annähernd so gut, wie frisch vom Fass.

Rodenbach. Wenn ich diesen Namen höre, bekomme ich leichten Brechreiz. Auf der Bierkarte (ja, soetwas gibt es in Brüssel) las sich die Beschreibung lecker: Es handele sich um eine Mischung aus „frischem“ Bier und 6 Monate (glaube ich) in Eichen- (oder Buchen?)fässern gelagerten und gereiftem Bier. Da ich für solche Experimente offen bin/war bestellte ich also ein Rodenbach.
Das Bier schmeckte nach Verwesung. Ich bildete mir ein, dass das einfach nur schlecht schmeckt weil ich zuvor das Kirschbier hatte… Weit gefehlt. Auch die nächsten Schlücke gestalteten sich als ekelig. Mit jedem Schluck wurde der Brechreiz größer. Eine fürchterliche Erfahrung. Ob ich das Bier wirklich getrunken habe, erfahrt ihr weiter unten.

Das Primus-Bier ist ein sehr unspektakuläres aber gut trinkbares Bier. Ich meine mich erinnern zu können, dass es sehr süffig und mild war. Daher gut trinkbar. Für den Rest des Abends war dies das Bier der Wahl für die gesamte Runde.

Leffe ist das berühmteste Bier Belgiens und entstammt der größten Brauerei des Landes. Da Leffe ein Kloster ist/war, schmeckt das Bier so, wie die meisten Klosterbiere schmecken. Es hat eine leichte pilsige Frische mit einem stark hefigen, vollmundigen Abgang. Wer etwas handfestes trinken möchte, ist mit Leffe gut beraten.
Btw: Dieses Glas hat in dem Restaurant 6,50€ gekostet! Kein Wunder, dass auf der Karte keine Preise standen.

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Bellevue Extra Kriek

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Rodenbach

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Primus

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Leffe

Pretty late and for that reason only with vague memories: My small report of a more or less tasteful journey to the wannabe-beer-capital Brussels.

Let´s start with the most exotic beer. The „Bellevue Extra Kriek“ only reminded me barely of beer as we know it. In the process of brewery, cherries are added and dissolve nearly completely in the beer, which leads to a crimson-like color.
It tastes mostly like a fresh cherry lemonade, than everything else. Despite that, I liked that „beer“ a lot. Sometimes you can buy that stuff bottled, but it tastes not as half as good as when it comes directly from the tap.

Rodenbach. Hearing this name, first thing I´d like to do is to vomit. The beer menu (yep, there really is a beer menu in Belgium) made me wanna try that one for it´s description. Rodenbach would be a mixture from fresh and mature beer. It was more mature than I could even imagine but at that point I just didn´t know yet. The beer tasted like rotten food. Maybe even worse. Every sip made me want to puke even more. I would not even make my nemesis drink that stuff. If I really succeded in finishing that piece of hell? Scroll down for an answer.

The primus beer is a very unspectacular but nonetheless well drinkable beer. I think that I remember that it was really smooth and süffig (look it up, theres no comparable word in english except for „quaffable“…) For the rest of the evening this beer was our first choice.

Leffe is the most famous beer of Belgium and it stams from the largest brewery of the country. For Leffe is/was an abbey, the beer tastes like you want an abbey-beer to taste. With a hint of lager in the first place, and a wheat-beerish finish. If you want a real mouthful of beer: Take this one.
By the way: This beer cost us 6,50€!

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Geschafft. I did it.

Fast-Food-Check

Posted in Getestet on 30. Juni 2009 by hoegi

Die ersten 18 bis 19 Jahre des durchschnittlichen menschlichen Lebens in unseren Breitengraden verlaufen mit Ausnahme von einigen mehr oder weniger intensiven Schwankungen relativ unspektakulär. Man wird geboren, man wird in den Kindergarten gesteckt, man wird eingeschult, man besucht eine weiterführende Schule (idealerweise sollte es das Gymnasium sein) und dann hat man Abitur.
Diese gesamte Zeitspanne wird im Regelfall von einigen Konstanten begleitet die man eigentlich nicht missen möchte.
Zu nennen wären hier: Die Wäsche ist gewaschen, der Kühlschrank ist immer voll (mehr oder minder), man vergisst keine Geburtstage, man wird im Krankheitsfall gepflegt und am Allerwichtigsten: Mittags steht immer Essen auf dem Tisch.
(Der geneigte Leser wird an dieser Stelle feststellen: Eigentlich dreht sich alles nur um die Services einer Hausfrau oder einer Haushälterin.)

Doch was passiert, wenn man in die große weite Welt hinauszieht und sich all diese Dinge nicht mehr von selbst erledigen? Im Falle völliger persönlicher Inkompetenz verkommt man, die Bude müllt zu und nach rund 4 Monaten wird man verwest in der eigenen Wohnung aufgefunden.
Selbstverständlich kommt man seinen neu erworbenen Pflichten natürlich weitestgehend nach und so gesellen sich zu den Aufgaben die das Leben so mit sich bringt (Uni, Behördenkrams, das Leben an sich) noch die gesammelten Haushaltsaufgaben. Widerwillig werden sie sporadisch erledigt, doch auf die Dauer gesehen wünscht man sich schon, diese Arbeiten outsourcen zu können. Leider liegt eine Haushälterin meist nicht im Budget eines Studenten und so beschränkt sich die outsourceabilty (ein schönes Wort btw) aufs Essen.
Persönlich koche ich recht gern, doch der damit verbundene Aufwand steht nicht immer im Verhältnis zum Ertrag und so ergibt es sich, dass ich mich gelegentlich in Fresstempeln wiederfinde um mich dann schlussendlich zu fragen: Warum bin ich überhaupt hier?

Dieser Frage komme ich im Nachfolgenden weitestgehend nach, indem ich die 5 größten deutschen Fast-Food-Ketten aus meiner Sicht bewerte.
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