Archive for the German Heaven Category

Le Lion – Bar de Paris

Posted in Geld gegen Essen - Restaurantnörgeleien, German Heaven, Getestet, Mixed Feelings, smile and look alive on 16. Januar 2011 by Herr Grau

Jörg Meyer ist in der Cocktailszene kein Unbekannter, im Gegenteil: Als Teilhaber der Firma The Bitter Truth, die auch exotischere Bitter wieder aufleben lässt, kennt man ihn, als „Travelling Mixologist“ und nicht zuletzt durch sein Barbau-Blog. Letzteres dokumentierte die Konzeption und den Bau einer Bar, die unter Cocktailenthusiasten inzwischen als die beste Bar Deutschlands gehandelt wird, unter allen Menschen aber, die ganzer Sätze und des aufrechten Ganges mächtig sind, weiterhin eher ein Geheimtipp ist:
Das Le Lion in der Hamburger Altstadt.

Als genereller Hedonist, höflich bestellter Aficionado und teilzeitbloggender Cocktailfreund hatte ich mir neben Weltherrschaft und der Züchtung blauer Chorzitronen natürlich das mittelfristige Lebensabschnittsziel gesetzt, dieses feine Etablissement einmal zu besuchen. Es hat gute zwei Jahre gedauert, bis mich der Wind des Schicksals einmal nach Hamburg geweht hat, sodass ich mir einen Haken hinter diesen Punkt setzen konnte. Das war gestern.

Abseits von Klischee und Kravall des Hamburger Nachtlebens findet sich das Le Lion in der Rathausstraße der Hamburger Altstadt. Es sind nur sechs Minuten, die einen S-Bahn-bewehrten Gast von der Reeperbahn trennen, aber das hat man bereits vergessen, wenn man vor der schweren, schwarzen Pforte der Bar steht, die aus dem Vollen gelutscht zu sein scheinenden Türgriffe und die Klingel im Art Déco Stil bestaunt und letztere schließlich zu drücken wagt. Es geschieht eine Zeit lang nichts, Spannung baut sich auf, schließlich öffnet sich das Portal, um hinter sich die freundliche Begrüßung durch den Chef persönlich freizugeben. Man lässt der Dame den Vortritt und folgt – folgt in einen Raum, dessen schöpfender Geist in einer strichsicheren Weiterführung jenes Art Déco offenbar unfehlbaren Geschmack bewiesen hat. Über die wunderbaren Tapeten, Tische und Sessel wird der Blick unweigerlich auf die Bar gezogen, das Herzstück des Le Lion. Wie schmückende Kristalle schimmern die beleuchteten Eiswürfel in der mittig thronenden Eiswanne, in der die Drinks gerührt werden und man kann sich schon an diesem Punkt des Eindrucks nicht erwehren, dass einen hier etwas Besonderes erwartet. Das subtile Gefühl, in einer anderen Welt angekommen zu sein, abseits vom Harm und Trubel der Welt, überkommt einen heimlich und Anspannung, von der man gar nicht wusste, fällt von einem ab.

Wir wurden zu unseren reservierten Plätzen geführt, zwei Sessel an einem größeren Mamortisch, dessen flankierende Bänke drei anderen Gästegrüppchen Platz boten. Zwar wäre ein bisschen mehr Privatssphäre nicht schlecht, aber gestört haben die anderen Gäste uns zu diesem Zeitpunkt noch nicht, nicht zuletzt wegen der angenehmen, Clubjazz-lastigen Musik, die genau die richtige Lautstärke hatte. Man konnte sich hervorragend unterhalten, die anderen Gäste gingen im Hintergrundgeräusch unter. Nachdem unsere Garderobe abgenommen worden war, offerierte der Chef uns Karten, die ich aber freundlich ablehnte und einen zwei zu eins Plymouth-Martini with a twist und einen French 75 bestellte – und haleluja! – man verstand mich! Man bekommt gutes, gefiltertes Wasser im Prinzip sofort, wenn man sich gesetzt hat und dieses Glas wird von dem umsichtigen Kellner stets voll gehalten. Alles ist darauf ausgelegt, dass man die Drinks, nämlich das, worum es im Le Lion geht, vollends genießen kann.

Wir blieben fast vier Stunden und tranken noch einen Ramos Gin Fizz und einen Gimlet und schließlich bat ich den Kellner, der Barkeeper möge mich mit einem Gincocktail überraschen. Wir kamen etwas ins Gespräch, ich erläuterte meine Ginvorlieben und er fragte, ob ich eine grundsätzliche Cocktailsklasse präferieren würde. Dabei zeigte er beeindruckendes Wissen über Cocktailhistorie, wusste um die Geschichte des Rezepts des Singapur Slings und etliches mehr, ließ mich schließlich durchaus beeindruckt zurück – und machte sich daran, mir persönlich einen Drink zu mixen, während der eigentliche Bartender sich anderen Aufgaben widmete. Schließlich servierte er mir einen wahnsinnig guten Tom Collins, den er kreativ mit einem Grapefruit-Twist versehen hatte. Ich habe lange nichts so leckeres mehr getrunken.

Ich bitte zu verstehen, dass folgende Kritik auf einem fast lächerlich hohen Niveau liegt, aber einige Sachen fielen doch auf: Der Martini war meines Erachtens nicht lang genug gerührt. Der Gimlet war etwas zu stark ausgelegt und ich bin mir relativ sicher, dass er nicht mit Rose’s Limejuice gemacht war, obwohl ich explizit darum gebeten hatte. Der Ramos Gin Fizz war zwar ausreichend geschüttelt, aber enthielt zu wenig Sahne. Der French 75 wurde in einem silbernen Julep-Cup serviert, anstatt in einer Champagnerflöte. Aber ich bin mir sicher, dass all dies Kleinigkeiten sind, die man durch kurzes Reden mit den Leuten hätte lösen können. Es kam generell das Gefühl herüber, dass man mehr als froh sei, wenn man Interesse an den Drinks und der praktizierten Kunst zeigte. Ich wollte allerdings meiner Begleitung nicht zumuten, mich noch in eine weitere, vermutlich noch umfangreichere Diskussion über Cocktails zu verstricken, anstatt meine Zeit dem offensichtlich richtigeren Zweck zu widmen. Deshalb und angesichts der durchgehend extrem hohen Qualität und beispiellosen, wenn auch nicht perfekten, Ausführung verzichtete ich auf jegliche Kritik, was leider später nicht mehr für alle Gäste galt – mit dem Kellner wurde an unserem Tisch für meinen Geschmack rüpelhaft gesprochen, ein probierter Drink wurde zurückgegeben, einfach weil er der Bestellenden nicht schmeckte; man muss glücklich über die Tür und den kontrollierten Einlass sein, aber allen Pöbel hält auch dies leider nicht fern, vor allem weil er sich in teuren Gewändern zu verbergen weiß.

Alles in allem war der Besuch eine großartige Erfahrung. Für die Drinks werden 12 – 15€ je aufgerufen, was ich für durchaus bezahlbar und angemessen halte. Ein Besuch im Le Lion ist, wie der Besuch in einem guten Restaurant, für mich als Student eben etwas Besonderes für seltenere Anlässe, auch wenn ich dort am Liebsten jede zweite meiner Nächte verbringen wollte. Doch das muss warten, bis ich reich und berühmt bin. Wiederkommen werde ich auf jeden Fall, dieses Niveau in allen Facetten ist weltklasse – und das Gefühl, dort zu sein, ist so angenehm, wie ich es bis jetzt noch nie vorher erlebt habe.

Bilder vom Inneren gibt es übrigens hier.

Le Lion – Bar de Paris
Rathausstraße 3
20095 Hamburg

Tel: 040 – 33 47 53 78 0
Website: http://www.lelion.net/

Stowa Antea Kleine Sekunde

Posted in German Heaven, Getestet, smile and look alive on 26. November 2010 by Herr Grau

Bilder anklicken – die größeren Ansichten sehen doch arg besser aus…

Mit Uhren ist es ja nu so, dass es dazu eigentlich nicht viel zu schreiben gibt. Entweder man hat den bescheuerten Drang, mehr als eine davon zu besitzen oder eben nicht. Und entweder man mag ein Design oder eben nicht. Qualitätsprobleme gibt es im Premiumsegment sowieso eigentlich nicht, unter anderem, weil sowieso alle mechanischen Kaliber mit gleichbleibender mechanischer Präzision von ETA stammen, natürlich mit der respektablen Ausnahme diverser Manufakturkaliber. Aber die Uhren, die Letzteren Behausung geben, sind dann doch noch in einem anderen Preisrahmen angesiedelt, als das hier heute vorgestellte Stück von Stowa.

Für denjenigen, der sich in den Gefilden der Horologie nicht auskennt – was wirklich nicht unbedingt ein Charaktermakel ist -, will ich kurz ein paar Worte verlieren: Stowa ist eine urdeutsche Firma aus Pforzheim, die Walter Storz dort 1927 gründete. Im großen Kriech war Stowa eine der wenigen Firmen, die die berühmten Fliegeruhren herstellen durfte. Oder musste. Nicht das Thema jetzt… Heute wird Stowa von dem bekannten und in Fachkreisen hoch geschätzten Uhrmacher Jörg Schauer geführt, der abseits seiner eigenen Marke mit Stowa in einem bezahlbaren Preissegment klassische Uhren wiederaufleben lässt, so unter anderem eine Linie Uhren im Bauhausstil (Antea), sowie Reproduktionen der Flieger- und Marineuhren. Ich kann nur sagen, dass man ihm dafür danken sollte.

Ich habe relativ schmale Handgelenke, deswegen kann ich keine Klötze am Arm tragen. Die Stowa Antea Kleine Sekunde ist das kleinste Modell der Antea-Reihe und mit 6,8mm auch erstaunlich und angenehm flach. Dies ist unter anderem dem großartigen Peseux 7001 zuzuschreiben, das der Uhr dieses angenehme tickende Geräusch verleiht. Sonst macht es nichts.

Die Uhr ist hervorragend verarbeitet und einfach sehr schön. Die Zeiger und Schrauben sind gebläut. Mit 480€ ist die Uhr mehr als bezahlbar, wesentlich eher als die Nomos Tangente, der sie sehr ähnlich sieht. Stowa hatte dieses Design jedoch wesentlich früher als Nomos und war eine der Schöpfungsmarken dieser Meilensteine herrlich schlichter Eleganz. Der einzige Nachteil an den Stowauhren ist, dass man auf sie nach Bestellung recht lange warten muss, was natürlich gerade dem freundlichen Impulskäufer von Nebenan ein dickes Minus ins Pflichtenheft zaubert.

Alles in allem bin ich aber extrem zufrieden mit der Uhr, sie macht sich als Alltagsuhr genauso gut, wie als Dresswatch, ist gut verarbeitet und alles, was eine Uhr sein sollte. Für den breiteren Männerarm empfiehlt sich allerdings ein größeres Modell der Antea-Reihe.

Zu bekommen nur im Direktvertrieb bei

Stowa
Gewerbepark 16
75331 Engelsbrand

Telefon: 0 70 82 – 9 30 60
Telefax: 0 70 82 – 9 30 62
E-Mail: info@stowa.de
www.stowa.de

German Heaven – Grünkohl: Ein westfälischer Traum

Posted in Essen & Trinken, German Heaven, smile and look alive on 13. November 2010 by Herr Grau

kohl

Ich bin nördlich des Grünkohläquators groß geworden, aber doch südlich jener Ortschaften, die sich als die Wiege des Grünkohls betrachten. Der Norddeutsche hat ja nicht viel, worauf er stolz sein kann, aber wenigstens den vitaminreichen Kohl hat er Deutschland schmackhaft gemacht. Wenn man in der Gastwirtschaft dieses doch recht designierte Winteressen bestellt, gibt es aber nur an einem Ort auf dieser Welt das beste Resultat auf dem kommenden Teller.

Und das ist Westfalen.

Das Land, wo Korn und Wacholder ganzjähig blühen, hat die Kohlkunst in neue Höhen geführt. Das weiß keiner so sehr, wie der Westfale selbst. Also ich. Und weil ich den Rest der Welt nicht im Dunkeln stehen lassen will, werde ich mich jetzt anlässlich meines ersten großen Grünkohlkochens heute nachmittag in meinem Schaukelstuhl zurücklehnen, einen Seufzer getaner harter Arbeit von mir geben, meine lange Stielpfeife stopfen und euch allen mal erzählen, worauf es im Leben wirklich ankommt. Oder so.

Die erste und wichtigste Wahl ist die des Kohls. Ich höre immer wieder, dass man den Kohl für das authentische Erlebnis frisch kaufen sollte. Tatsächlich ist es beim Grünkohl so, dass die Frischware in den allermeisten Fällen dem harten Urteil weniger gut standhalten kann, als man sich das wünschen würde. Gerade wenn man nicht in den Landstrichen lebt, wo fleißige Kinderhände den Grünkohl von den über dreißig Meter hohen Palmen ernten, an denen er dreimal pro Jahrelft wächst, sollte man zusehen, dass man lieber einen guten Kohl aus der Dose bekommt, der vor Ort direkt nach dem ersten Frost geerntet, gekocht und eingedost worden ist. Und da gibt es auch nur eine vernünftige Wahl: Heinrich Lüders Handgerupfte Stramme Packung. Die großen Dosen im 60er-Jahre-Design enthalten den allerfeinsten, sandfreien Kohl, der auf dem freien Markt für Geld und gute Worte überhaupt zu haben ist. Kühne und Konsorten sind nur ein schlechter Scherz dagegen. Und sollte man in der unglücklichen Situation sein, diese Konserven bei keinem seiner üblichen Marktschreier bekommen zu können, so bietet die Dosenfabrik Lubella – heil Fortuna! – den Kohl auch im Versand an. Die Dosen halten sich mindestens drei Jahre, es lohnt also, die innere Hürde der Versandkosten mit einer größeren Bestellung gewagt zu überspringen.
Nu habema ein Kohl voll Dose. Wat nu damit anjefangen?

Wir wollen pro Person und Portion etwa 200g Grünkohl, aber es macht Sinn, einen großen Topf Kohl zu kochen, da der Aufwand sich nur gering steigert, das Gericht sich gut im Topf hält und von Tag zu Tag besser schmeckt. Ich gehe im Folgenden von der 1700ml-Dose Lüderskohl aus, die Mengen können entsprechend angepasst werden.
Als erstes lassen wir in einem großen Topf ein gediegen Stück Butter zergehen, etwa 200g. Vier mittelgroße Zwiebeln werden grob gewürfelt und darin auf mittelkleiner Flamme langsam und vorsichtig in einen Zustand salivationsfördernder Transparenz gedünstet und dann mit einem guten Viertelliter Brühe abgelöscht. Hinein kommt dann unser Grünkohl, während wir unseren Herd moderat auffeuern. Da es sich um die traditionelle „Stramme Packung“ handelt, muss der Grünkohl jetzt erstmal mit unserem Rührinstrument kleingemacht werden. Hinein kommen überdies noch 200g gewürfelter Speck, zwei Esslöffel Löwensenf, sowie sieben bis acht geräucherte Mettendchen in Scheiben. Und viel Liebe, denn der Grünkohl will mindestens eine Stunde bei mittlerer Hitze gekocht und dabei mittels gewiefter Rührtechnik am Anbrennen gehindert werden. Dabei sollte der Scharfsinn des Kochs auf den Flüssigkeitsstand gerichtet sein. Im Kohl sollte stets eine vernünftige, dem Anfang ähnliche Flüssigkeitsmenge stehen, damit er überall schön durchkocht und unten nicht anbrennt. Ich benutze dabei Brühe und Wasser im Wechsel. Nach einer guten Stunde Kochzeit, mehr schadet auch nicht, geben wir dann gewürfelte, festkochende Kartoffeln dazu und zwar etwa die selbe Menge, wie wir Kohl hatten, in diesem Fall also etwa 1,5kg. Die Kartoffelstücke sollten etwa 2cm im Kubik sein, plus minus natürlich. Kartoffelstücke einrühren, Herd auf die niedrigste Stufe stellen, Deckel drauf und mindestens fünfundzwanzig Minuten, eher ein bisschen mehr, köcheln lassen, dabei von Zeit zu Zeit umrühren. Schließlich ordentlich mit Salz und Pfeffer würzen.

Das war es. Fertig. Euer ganz persönlicher, westfälischer Grünkohl. Nix Pellkartoffel dabei, nix Kassler, nix irgendwas. Lecker. Jetzt müsst ihr nie wieder darben.
Und immer dran denken: Aufgewärmt schmeckt er immer noch besser, deswegen möglichst immer am Tag davor kochen.

Worte und Dinge #3

Posted in German Heaven, smile and look alive on 1. September 2010 by Herr Grau

Die Menschen sind dumm. Und es ist gute deutsche Tradition, diesem Problem mit Regeln und Gesetzen zu begegnen.

German Heaven – Perfekter Burger

Posted in Essen & Trinken, German Heaven on 16. Dezember 2009 by Herr Grau

Wieee jezz? Burger in der German Heaven-Sektion? Ja genau. Die historische Diskussion über den Ursprung des Burgers ist nicht geklärt, aber jeder Mensch mit Verstand sieht die deutsche Handschrift auf jeder einzelnen Zutat. *hust* Auf jeden Fall teile ich heute mein persönliches Geheimrezept, was dem Ganzen auf jeden Fall den Stich deutsche Persönlichkeit einhaucht, den es braucht, um in dieser Kategorie erscheinen zu dürfen.

Nicht nur in Anbetracht dessen, was die Fast-Food-Ketten verzweifelt als Burger zu verkaufen versuchen, könnte man auf die Idee kommen, dass es bei der Zubereitung auf nichts Besonders ankäme. Das Gegenteil ist der Fall. Burger sind an einigen Eckpunkten kritisch und ich werde zeigen, was ich über Jahre im Selbstversuch lernen musste.

1. Fleisch

Hier lauern direkt mehrere Fehler auf den arglosen Carnivoren. Die Zusammensetzung des Hackfleischs ist essentiell, ebenso wie die Menge des Fleischs und der Verarbeitungsmodus.

Das Burgerfleisch sollte idealerweise aus Rinderfleisch und Schweinefleisch im Verhältnis 2:1 bestehen. Ein Schweineanteil wie im Halbundhalb macht zu siffige Fleischstücke. Die Qualität des Fleisches ist sehr wichtig für den Gesamtgeschmack des Burgers. Hüfte ist nicht gleich Hüfte, Filet nicht gleich Filet – der Gang zum Metzger des Vertrauens lohnt doppelt. Im Idealfall kommt der Anteil des Rindfleischs aus dem Roastbeef, das Schweinefleisch sollte nicht zu mager sein. Das gesamte Fleisch sollte möglich doppelt und dabei recht fein gewolft werden. Gewürzt wird das Fleisch nur mit Salz und Pfeffer, davon aber ruhig reichlich.

In Feldversuchen exzerpiert wurde die richtige Fleischmenge. Anfänger tendieren dazu, zu große Fleischberge auf die Burger zu packen, was das Gleichgewicht der Speise erheblich stört. Als ideal erwiesen hat sich für das 12cm-Format der klassische Quarterpounder, also 125 Gramm Fleisch.

Vor dem Braten sollte das Fleisch gefrostet werden. Dass das Fleisch gefroren in die Pfanne oder auf den Grill geht verhindert – warum auch immer -, dass die Patties „aufgehen“, sich also in der Mitte auswölben. Auch sehr wichtig für einen guten Burger.

2. Zutaten und Reihenfolge

Viele Leute meinen, dass das schöne am Burger sei, dass man ihn individuell zusammensetzen könne. Ich bin von dieser Idee abgekommen. Der Grund ist, dass eine bestimmte Zusammensetzung von Zutaten in einer bestimmten Reihenfolge einfach wesentlich besser als alles andere funktioniert. Diese Erfahrung wurde von vielen Leuten bestätigt.

Wir brauchen: Burgerbrötchenunterseite, normalen Ketchup, Eisbergsalat, Burgerfleisch, Cheddarkäse, Bacon, Zwiebeln, Röstzwiebeln, dänische Remoulade und Burgeroberseite. Und zwar genau in dieser Reihenfolge.

Um einen Richtfaden für die Menge der Zutaten zu geben (und natürlich um allen den Mund gediegen wässerig zu machen), habe ich eine schöne Bilderserie zusammengestellt.

Um ein perfekt getoastetes Brotergebnis zu erhalten, muss man seinen Backofen kennen; meiner braucht auf 200°C Umluft etwa vier bis viereinhalb Minuten (vorgeheizt). Ich nehme die großen Burgerbrötchen von Golden Toast.

Der Ketchup sollte, wie die Remoulade auch, noch verstrichen werden.

Zur Besseren Verteilbarkeit und damit er sich nicht so aufbiegt, lohnt es, den Eisbergsalat kurz etwas zu hacken.

Fleisch braten muss einfach gekonnt sein; 2 Minuten pro Seite reichen aus; dabei wird darauf geachtet, dass der Patty gedreht wird, sobald er sich von selbst vom Rost/Pfannenboden löst. Der Käse wird nach dem letzten Wenden aufgelegt und sollte möglichst etwas schmelzen. In der Pfanne nicht so einfach…

Röstzwiebeln am besten auf die Remoulade streuen, so halten sie. Bacon natürlich vorher anbraten.

Go. Do it.

German Heaven – Matjesbrötchen

Posted in Essen & Trinken, German Heaven on 9. Dezember 2009 by Herr Grau

Original mit Rundstück oder Schrippe, bei mir eher mit Brötchensurrogatersatzextrakt von Aldi.

Hälften buttern, dann Salat, Matjes, Zwiebeln. Von allem reichlich. Absolut wunderbar. Gibt wenig Besseres.

German Heaven – Currywurst

Posted in Essen & Trinken, German Heaven on 29. November 2009 by Herr Grau

Ich weiß nicht mal, ob es in anderen Ländern Currywurst gibt. Eins steht aber auf jeden Fall fest: Erfunden wurde die Currywurst im Berlin der Nachkriegsjahre. Es ist ein bisschen wie mit der Erfindung des Rades, um deren Patentrechte ja auch immer noch ein heftiger Streit zwischen Diplom-Hausverwalter Heinrich-Erwin Kowastzki aus Gelsenkirchen, dem erfolgreichen Fantasyautor aus Englisch-Amerika Stephen Hawkins und Reinhold Messner in der Position des Erbverwalters seiner Vorfahren tobt: Keiner weiß genau, wer das erste mal Currypulver auf Ketchup auf Wurst gemacht hat. Selbst der CIA gibt sich in dieser Frage geschlagen. First Lieutenant John Henry Gray, offizieller Sprecher in Wurstfragen der amerikanischen Hitschmiede, gibt zu:

Wir können nur mit Sicherheit behaupten, etwa 60% der gesamten Wurst-Aktivität im Berlin der Jahre 1945-50 beweissicher dokumentiert zu haben. Es ist uns peinlich, durch diese lückenhafte Überwachung Zusammenarbeit mit den Bürgern die Aufklärung dieser historisch wichtigen Tatsache nicht mit ausreichend statistisch verwertbarem Material untermauern zu können. Wir arbeiten aber ernsthaft an diesem Missstand und sind zuversichtlich, sehr bald ein flächendeckendes Wurst-Monitoring garantieren zu können.

Wichtig ist an dieser Stelle aber vorderranging der kulturelle und kulinarische Wert einer guten Currywurst. Der arglose Endverbraucher wird aber einmal mehr von den Volksverblödungsdistributoren dem hochqualitativen Bildungsfernsehen im Stich gelassen in seinem Streben nicht weiter bestärkt. Wer einmal versucht hat, Tim Mälzers Currysauce nachzukochen, weiß um die rücksichtslose Protektoratspolitik der Imbissbudensyndikate. Auch im Internetz finden sich für dieses Kernstürk der Currywurst kaum brauchbare Rezepte.

Wir haben eins. (natürlich geklaut.)

Currysauce àla Admin (Grillsportverein):

2 Gläser Ketchup
1 TL Chilipulver
3 EL Worcestershire-Soße
3 EL Sojasauce
1 Glas Fleischbrühe
1 EL Paprika süß
und natürlich mindestens 2 EL Curry, abhängig
von der Schärfe des Pulvers.

Ketchup erwärmen, Brühe angießen. Gewürze einrühren. Warm werden lassen. Nicht zu sehr dran rumfuddeln, das Rezept funktioniert hervoragend.

Das ganze plantiert man auf dem Bratling seines Vertrauens – stilecht sind feine Brühwürste mit und ohne Darm. Ich mag sie ohne lieber, so wie Vaddi auch getan hat. Diverse Paraphernalia bieten ihr Dazugereichtwerden an, Fritten, Kroketten, Kartoffelsalat, und selbst sautiertes Sukuma Wiki.

Das ganze ergibt ein schnelles, enorm leckeres und natürlich kompromisslos gesundes Fair-Trade-Fitness-Essen. Ausprobieren lohnt sich. Manchmal auch direkt zweimal nacheinander.

German Heaven – Mettbrötchen

Posted in Essen & Trinken, German Heaven on 28. November 2009 by Herr Grau

Ich möchte diese exzellente Kategorie mit einem Beitrag eröffnen, der mir sehr am Herzen liegt. Es geht darum, die wunderbaren Seiten der ja teils unerträglichen urdeutschen Art zu zeigen. Dinge, die hier erfunden wurden, hier hin gehören oder die es nur hier gibt. Und was wäre dafür besser geeignet als das Mettbrötchen?

Gerade durch mein Studium mit Leuten aus anderen Ländern ist mir klar geworden, wie viel wir daran haben, dass wir Deutschen die Wunder des Metts früh entschlüsselt und unserem nationalen Gedächtnis zugeeignet haben. Viele dieser armen Seelen kennen die Genüsse gar nicht, die ihnen ihrer Unkenntnis wegen verschlossen bleiben. Deshalb will ich hier die Montage eines korrekt assemblierten Mettbrötchens demonstrieren. Richtig zubereitet ist es eine einfach anzufertigende Delikatesse, die sich auch vor dem gourmetsianischen Niveau eines getrüffelten Weinberg-Schneckerichs im flambierten Aprikosenespuma nicht verstecken braucht. Bei erneutem Lesen meines Satzes dämmert mir, dass es dessen kulinarischen Wert sogar um Welten ausstechen dürfte.

Also, frisch ans Werk!

Schritt 1:

Ein Weizenbrötchen seiner Wahl vorbereiten.

Schritt 1.2 (optional):

Sich ärgern, was Aldi für unterirdisch grausame Aufbackbrötchen für den arglosen Konsumenten bereitstellt.

Schritt 2:

Jetzt kommt’s drauf an! Gutes Mett ist von nöten. Also entweder den Metzger seines Vertrauens konsultieren oder aber zum Geheimtipp, dem Tip-Schinkenmett von Real greifen.

Absolut essentiell ist das Brötchen/Mett-Verhältnis. Unser allseits beliebter Universalexperte Professor Felicius A. Grau des Instituts für Ontoidetik der Universität Uppsala erklärt:

Was uns hier begegnet, ist ein klassisches Sättigungsproblem, bei dem das System ‚Brötchen‘ möglichst nah an seine optimale Sättigung gebracht werden muss. Sinkt die Sättigung auf unter 80%, so überwiegt die hygroskopische Wirkung des Krumenmaterials, bei zu hoher Sättigung kommt es zu einem Interferrenzproblem an dem Palatenkomplex und schließlich sogar zur Trennung von Metteinheiten vom Gesamtkontinuum Speise. Der Genuss als Funktion der Sättigung beschreibt dabei eine, oft nach ihrem Erstbeschreiber Freddi Gauß benannte, glockenförmige Kurve.

Damit der ahnungslose Heimanwender nicht völlig im Regen steht, haben wir eine kleine Fotoserie zusammengestellt.

FALSCH:

BESSER, ABER AUCH FALSCH:

Fehlt noch Schritt 3:

Mett kräftig mit frisch gemalenem schwarzen Pfeffer .. pfeffern und mit gediegenen Zwiebelringen garnieren und schon ist das Ergebnis

RICHTIG:

(Achtung! Das Mett geht dezeptiv in die Tiefe des Brötchens weiter! Es ist mitnichten dünn.)

Wunderbar! Guten Appetit.