Was ich in zehn Jahren in der Medizin über Ernährung & Gesundheit gelernt habe

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Welchen Einfluss die Ernährung auf die Gesundheit hat, ist ein nie endendes Thema. Jeder interessiert sich ein Stückweit dafür – und entsprechend groß ist der Markt für Coaching, Literatur und Zaubermittelchen oder schlicht Leuten, die anderen ihre Meinung aufdrücken wollen (also .. ich). Erschwerend hinzu kommt, dass das Angebot an wissenschaftlichen Daten ein schier undurchschaubares Flickwerk ist; denn konklusive Ernährungsstudien sind aufgrund der riesigen Menge an beeinflussenden Faktoren bei der Analyse vorliegender Daten und der Unmöglichkeit kontrollierter Studien an Menschen im ausreichend großen Stil so derart schwierig, dass es kaum belastbare Aussagen gibt.

Ich bin jetzt seit über zehn Jahren in der Medizin und aufgrund meiner offensichtlichen Begeisterung für Essen an dem Thema natürlich sehr interessiert. Hier ist mein Zwischenfazit ohne Anspruch auf wissenschaftliche Beweisbarkeit:

1. Je weniger industriell verarbeitet desto besser. Je mehr man selbst aus Rohzutaten herstellt desto besser. Natürliche Fermentation scheint hilfreich, insbesondere bei Brot.

2. Jede Art von radikaler Ernährung ist schlecht. Zu viel ist einfach zu viel. Zu viel Alkohol, Fett, Fleisch, Salz, Zucker, Glutamat, Fertigessen, Essensmenge, ect. pp. Völliger Verzicht ist fast nie hilfreich. Man sollte sich nichts verbieten und gelegentlich auch schlemmen, aber sonst einfach bescheiden sein mit dem, was wir offensichtlich im Überfluss haben.

3. Zu fett sein ist sehr ungesund. „Fat Acceptance“ ist das letzte, was unsere Welt braucht. Ein kleines bisschen auf den Rippen ist nicht schlimm, aber nicht merklich zu viel. Die gesundheitlichen Konsequenzen sind mannigfaltig, durchschlagend und sie kommen absolut sicher und schneller als man denkt. Wenn es soweit ist, ist dann die Diagnostik und Behandlung bei Fettleibigkeit massiv erschwert. Schon ein bisschen Sport regelmäßig ist sehr hilfreich.

4. Zu oft übersehen: Glücklich sein, nicht zu viel Stress haben, Zeit mit Freunden und Familie verbringen, ist außergewöhnlich gesund.

5. Jede Wunderlösung ist gelogen. Jede. Quadratgelogen, wenn sie Geld kostet.

6. Jede Schlagzeile mit „Studie findet heraus…“ einfach nicht lesen. Mit Sicherheit, zumindest in der dargestellten Form, Mumpitz.

4 Antworten to “Was ich in zehn Jahren in der Medizin über Ernährung & Gesundheit gelernt habe”

  1. Sebastian Says:

    Kurz, informativ und prägnant. Besonders schön und anschaulich, wenn zeitgleich die Werbung „eines seltsamen Tricks, den die Abnehmindustrie hasst“ darunter blinkt. Gerne mehr davon

  2. Scherenhand Says:

    Adblock regelt. Ich sehe die Werbung zumindest nicht. Ich glaube auch nicht an die Heilsversprechungen diverser Diäten, aber hast du zufällig die Geschichte mit Jordan Peterson mitbekommen? Er hat erzählt, dass er seit ca. 3 Monaten nur noch Fleisch ist und sonst nichts und seine Gingivitis sich zurückgebildet habe und eine nicht näher spezifierte Autoimmunerkrankung sich ebenfalls verbessert hätte. Ist natürlich kein Beweis für irgendwas, sondern bestenfalls eine nette Anekdote, aber ich wollte es nicht unerwähnt lassen.

    • lookalivecontest Says:

      Hallöchen. 🙂
      Die Welt ist voll mit fantastischen Geschichten von erstaunlichen Einzelfällen. Ich kenne gleichzeitig einen Haufen Leute, die von zu viel rotem Fleisch Darmkrebs und Gicht haben. Ich kenne zwei Leute, die Krebs im Endstadium überlebt haben, der sich spontan zurück gebildet hat. Und tausende, die daran gestorben sind. Einzelfälle sind die schlechteste Art von Evidenz.

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