Almanach der Ratschläge – Bauhandwerk
Kurz nach der Veröffentlichung meiner lange beackerten Listen mit guten Dingen kam mir im Gespräch mit einer Freundin die Idee, das, was ich über das Bauhandwerk über der Renovierung meines eigenen Hauses und der Baustellen meiner Freunde und Familie über die Jahre gelernt habe, auch zu Papier zu bringen. Man ertappt sich ja doch dabei, die selben G’schichde immer wieder zu erzählen. Mein Kompetenzniveau ist hier fraglos niedriger als bei der Beurteilung von Kartoffelchipse, aber wenn ich eine Sache in meiner Arbeit gelernt habe, dann dass die Grenzen zu Fachwissen aller Waffengattungen völlig willkürlich und absolut durchgängig sind. Nur weil irgendwas nicht Dein Yop ist, heißt das nicht, dass Du Dich damit nicht gut auskennen kannst, darfst oder solltest.

Neugierig sein, recherchieren und vergleichen
Das ist dann auch ein perfekter Einstieg (fast als ob ich das schon mal gemacht und so beachtsichtigt hätte), denn die wichtigste Doktrin in allen Dingen Bau ist: Informiert sein ist Trumpf. Wo der Schaden überschaubar ist, wenn man die falsche Gartenschere kauft, so geht es hier doch oft um Magnituden von möglichem Schaden in Geld und Ärger einerseits und erstreitbarer Lebensqualität andererseits, die einen problemlos den Rest seines Lebens verfolgen können. Um Lammbock zu bemühen: So ein Schritt will sorgsam geplant sein. Und wer dumm ist, muss alles glauben. Man sollte niemals eine größere Entscheidung auf die Schultern von nur ein oder zwei Meinungen stellen. Es gilt, Angebote und Erfahrungen von so vielen Leuten wie möglich einzuholen und dann mit dem Lineal eine sinnige Linie darüber zu ziehen. Insbesondere die Internetforen zu Bau (besonders das Fachwerk Forum) sind dringend empfohlen. Aber auch der große Bekanntenkreis, alle Handwerkermeinungen und sogar die KI sollten ausgeschöpft werden. Je früher man lernt, ohne Scham nachzufragen, bis man wirklich alles verstanden hat, und sich nicht von Handwerkersprech einschüchtern zu lassen, desto mehr Probleme vermeidet man an dem Punkt, wo es am meisten zählt – nämlich bei der Planung.
Im Folgenden touchiere ich die diversen Facetten eines Gebäudes und sage dazu, was ich weiß. Es ist ein Flickenteppich. Ich weiß über alles nur Bruchstücke und ich gebe nichts weiter, worüber ich mir nicht ausreichend sicher bin. Zwecks doppelter Sicherung habe ich den ganzen ersponnenen Zinnober auch noch von Autorenkollege hoegi gegenlesen lassen, der kaiserlich bestellter Bauingenieur ist und davon sogar gelegentlich Gebrauch macht.
Planung und Raumaufteilung
Auch wenn man das meiste in Eigenleistung macht, so ist es manchmal ziemlich sinnvoll, einem Architekten seine Pläne zur Raumaufteilung vorzulegen. Blickachsen und Lichtverteilung und die daraus folgende Raumwirkung zu verstehen, ist keine Fähigkeit, die jedem guten deutschen Christen einfach inhärent ist, vielmehr tut sich damit fast jeder schwerer als er denkt.
Offene Küchen-Wohnzimmer sind nicht umsonst schon länger in Mode. Sie sind eine sehr gute Idee, kombinieren sie doch die Hauptlebenspunkte der Familienmitglieder außerhalb der geschlossenen Privatsphäre. Die Wirkung auf die Familiendynamik ist nicht zu unterschätzen. Außerdem entsteht so häufig aus zwei bis drei eher beengten Räumen ein luftiger, großzügiger Raum.
Fußböden
Die durchschlagende Wirkung des Fußbodens auf die Wohnatmosphäre kann nicht überbetont werden. Ich selbst komme aus einem Elternhaus, das mit weißen 30×30 Schlachterfliesen kunstvoll vermochte, überall wetterfest den Charme einer teutonischen Waschküche zu verankern. Es gibt hier einen ästhetischen und einen taktilen Effekt – anders gesagt: Aussehen muss es, aber sich an den Füßen gut anfühlen auch. Das heißt, dass je mehr Naturmaterial und je weniger Plastik desto gut. Und wenn man dann noch nicht ausrutscht, wenn et nass ist, gibt’s hundert Punkte. Die wichtigste Erkenntnis für mich war, dass das Verlegen der Hauptaufwand ist und ein schlechtes Material zu einem ziemlich guten aufzuwerten kaum Geld kostet. Zwei der schönsten denkbaren Bodenbeläge, Eichenparkett und Travertin Stein, gibt es um 35€/m2, wenn man weiß, wo man guckt. An diesen Stellen lohnt es sich sehr, spezifisch zu werden:

Bei Parkett kommt es auf folgende Qualitäten an: Die Nutzschicht sollte so dick wie möglich sein, defintiv mindestens 3 mm, damit man sie mehrfach abschleifen kann. Die Oberfläche sollte roh oder vorgeölt sein, auf gar keinen Fall lackiert. Lackieres Holz fühlt sich nicht nur räudig an und atmet nicht richtig, es sieht auch sehr schnell schäbig aus und Macken und andere Schäden können nicht repariert werden. Geöltes Holz kann man kurz abschleifen und neu ölen, kein Problem. Deutschlands größter Parketthersteller, Haro, ist bei verschiedenen Händlern (mein Haus- und Hoflieferant ist Casando, aber ich habe hier keinerlei Markentreue; wer am günstigsten anbietet, bekommt mein Geld) fast immer in der ein oder andere Art Haro 4000 als B-Ware zu haben. Auch ihre Hausmarke Hori gibt es bei Casando eigentlich fast dauerhaft reduziert. Bei den rustikalen, astigen Sortierungen, die ich empfehle, weil sie ein lebendigeres Raumbild generieren, ist B-Ware völlig egal. Ob da jetzt ein paar Astlöcher oder Fehler mehr oder weniger im Holz sind, tut gar nichts. Man sollte 5 Prozent mehr Verschnitt mehr einplanen, aber damit hat es sich. Ich mag besonders gebürstete Landhausdielen aber auch geschliffen kann sehr gut aussehen. Geschliffen kann auch später noch mit einer Maschine vor Ort gebürstet werden. Eine umlaufende Mikrofase ist empfehlenswert. Ein geöltes Eichenparkett für 30-40€/m2 ist wirklich geradezu albern bezahlbar und kostet kaum mehr als ein ordentliches Laminat oder Vinyl. Ist halt nur tausend geiler. Ich empfehle, wenn irgend möglich, das Parkett zu verkleben statt schwimmend zu verlegen. Das verhindert Geknarze und Fugenbildung. Massivholzdielen kosten übrigens kaum mehr. Es gibt auch 20 mm Eichendielen um 40€/m2 (zB bei Holzprofi24). Sockelleisten finde ich am sympathischsten aus Massivholz, diese gibt es stand jetzt für 5,80€/m bei Holzbarmen. Man kann aber auch um 3€/m was furniertes nehmen – nur geölt sollte es sein. Sowohl Parkett als auch 20 mm Dielen kann man über Fußbodenheizung verlegen.

Travertin ist einer der schönsten Natursteine überhaupt und wenn man ihn mit getrommelter Oberfläche kauft, gibt es auch wenig angenehmeres am Fuß. Es handelt sich um einen porösen Sandstein, der nach dem Verlegen mit Fugenmasse dicht gezogen wird. Kann man gut selbst machen und dabei Geld sparen. Es gibt verschiedenste Farben von silberweiß bis kupfergold meliert. Sowohl die Farbsortierung Klassik als auch das hellere Ivory Cream gibt es bei Jonastone im Dauersonderangebot für ca. 35€ den qm, egal ob römischer Verbund, 30,5 x 30,5 oder 40,6 x 61 cm. Wenn man das mit dem Preis ordentlicher Feinsteinfliesen vergleicht, dann habe ich wirklich überhaupt gar keine Ahnung, warum sich jemand gegen Naturstein entscheidet. Die Wertigkeit ist eine ganz andere. Das Gefühl unter den Füßen ist kaum zu schlagen. Nicht nur, aber insbesondere mit Fußbodenheizung. Absolut fantastisch.

Fliesenspiegel
Man sollte sich hauptsächlich überlegen, ob man wirklich überall in Bädern und Küchen Fliesenspiegel braucht. Konventionelle Empfehlungen für Badezimmer scheinen davon auszugehen, dass mit einer gewissen Regelmäßigkeit Seekämpfe ausgetragen werden, die von hochfrequent rotierendem ballistischem Brülldurchfall kontrapunktiert werden. Meine Lebensrealität gibt das nicht wieder. An den meisten Badwänden tut es auch eine leicht wasserfeste Wandfarbe. Wenn man eine grobe Vorstellung hat, wie Küchen benutzt werden, stellt man schnell fest, dass an vielen Wänden Spritzer nicht wahrscheinlicher sind als im Schlafzimmer. Das ja auch nicht standardmäßig ausgeklinkert wird. Also.
Bezüglich der Fliesen würde ich einerseits wiederum Richtung Naturstein schauen, insbesondere im Badezimmer – die Aufwertung hierdurch ist enorm. Es gibt aber andererseits auch sehr bezahlbare schöne Terrakottafliesen. Trotz Landhaus mit Holzbalken habe ich persönlich das Problem in der Küche aber am Ende mit Metrofliesen gelöst. Die sind enorm günstig, sehen sehr schick aus und sind aufgrund des großen Farbspektrums für fast alle Anwendungsfälle spinbar. Man sollte sich insbesondere bei diesen Fliesen die Fugenfarbe gut überlegen – eine Kontrastfarbe ist hier teilweise sehr kleidsam. Die KI Ihres Vertrauens zeigt Ihnen gerne unendliche Vorschläge.
Heizung und Isolierung
So eine kleine Überschrift, so ein Brocken von einem Thema. Dass die Höhle warm bleibt, ist unabdinglich. Am Ende ist das Thema zu komplex und vor allem zu individuell, als dass man es einfach mit Standardantworten totschlagen könnte. Noch mehr als bei anderen Themen ist es hier wichtig, gut zu recherchieren und genau zu überlegen. Prinzipiell ist Isolieren natürlich eine sehr gute Idee, aber nicht um jeden Preis. Ob es sich lohnt, kann man meist erst nach einer Heizlastberechnung bzw Wärmeverlustmessung wirklich ausrechnen. Die Hilfe eines entsprechender Arkania verständigen Menschen in Anspruch zu nehmen, lohnt sich üblicherweise vielfach, weshalb in vielen KfW Paketen die Beratung obligat mit eingebaut ist.

Tendenziell geht der Trend allenthalben zu Wärmepumpen. Insgesamt ist das schon eine faszinierende Technik, setzt sie doch vermittels fortgeschrittener physikalischer Zauberei ein Stück Strom in ein Vielfaches an Wärmeenergie um. Es werden gerne Pakete aus PV und Wärmepumpen verkauft und schöngerechnet. Die Erfahrung zeigt leider das, was der skeptische Menschenverstand schon vermuten ließ: Im Winter scheint die Sonne nicht. Wenn man in den Tiefen der Heizperiode 10 Prozent der Nominalleistung aus seiner PV Anlage bekommt, dann ist das schon gut. Am besten kalkuliert man die Heizung ohne umsonsten Strom, dann wird man nicht enttäuscht.
Was dafür mit schon ein bisschen PV quasi umsonst ist, ist Warmwasser, zumindest ein Dreiviertel vom ganzen Jahr. Insgesamt hat sich der Leitsatz KISS (Keep it simple, stupid) selten so stark bewährt wie bei der Auslegung von Wärmepumpen. Kann man dem Rohrmeister faustweise Krügerrand ins gierende Portrait pfeffern, damit er eine komplexe Anlage aufbaut, die alles über eine Wärmepumpe löst? Klar. Und man kann dat Haus auch durch den Briefkastenschlitz streichen. Je einfacher das System ist, desto verständlicher, günstiger und weniger fehleranfällig ist es auch. Wasserleitungen durch ein Haus zu legen ist viel günstiger als Kühlmittelleitungen, also sollte man eine Monoblockanlage nehmen, die das warme Wasser direkt vor Ort erzeugt. Heizwasser und Nutzwasser kann man aufwändig trennen und speichern – das zusätzliche Zeug kostet aber Geld, macht das System komplexer und die sporadischen Spitzen bei der Nutzwassererzeugung fallen einem in die Berechnung der Dimensionierung (möglicherweise die singulär wichtigste Frage an einer Wärmepumpe) recht dümmlich von der Seite rein. Denn wenn man viel Nutzwasser benötigt, muss das Gerät das obenauf zum Heizbedarf zusätzlich leisten können. Das Mehr an nötiger Maximalleistung sorgt dafür, dass sie dann im Normalbetrieb im schlechtesten Fall viel takten muss, was es zu vermeiden gilt. Im Idealfall läuft eine Wärmepumpe eigentlich immer durchgehend mit voller Leistung. (Dieses Problem ist nicht an den Haaren herbei gezogen, sondern schmerzhaft gelernt. Das kostet Geld. Und Haltbarkeit.) Einfacher ist es, sich für gerade mal 1700€ eine separate Nutzwasserwärmepumpe (Preisbeispiel LG Thema V mit 200l Tank, die im Netz als gute Idee gilt) hinzustellen und mit dem Thema durch zu sein. Nutzwasser und Heizwasserkreis müssen nichts mehr miteinander zu tun haben. Keine Umschalter, kein Geeier, mehr Modularität, im Zweifel geringere Reperaturkosten. Technisch gesehen braucht man jetzt nur noch für jede Wärmepumpe ein Zuwasser- und ein Heißwasserrohr. Und der Stecker muss in die Steckdose. Einfach. Durchschaubar. Verständlich. GÜNSTIG ZU REALISIEREN. Bezüglich des Herstellers selbst – viele Töchter haben reiche Mütter. Eine Sache, die man sich mal angucken sollte, ist Wolf. Sie sind zwar formal kein selbständiges deutsches Unternehmen mehr, aber das ursprüngliche Unternehmen in Mainburg existiert in seiner ursprünglichen Form weiter, entwickelt und baut in Deutschland – und ist dafür ziemlich bezahlbar. Die Wärmepumpen werden oft als nicht nur gut und solide, sondern auch leicht verständlich und steuerbar bezeichnet. Apropos: Von den vielen tollen Förderungen stecken sich die Heizungsbauer fast alles mit Stumpf und Stiel in die eigene Tasche. Seriöse Kalkulationen legen ein Niveau irgendwo 50 bis 100% über dem europäischen Umland nahe. Je einfacher die Anlage ist, desto weniger unsinnige Kosten können die Rohrlümmel halbglaubhaft in der Kalkulation verstecken. Je mehr der nötigen Arbeiten von ungeschultem Personal gemacht werden kann, desto besser. Betonsockel gießen, Kernbohrungen machen, alles vorbereiten – dafür braucht man kein Heizabitur. Und zu allerletzt verkaufen die Genossen dann auch gerne noch für viel Geld jährliche „Wartungen“. Was das sein soll, ist völlig unklar. Wärmepumpen sind quasi wartungsfrei. Gelegentlich sollten die Lamellen auf Schmutz und Laub kontrolliert werden; Kondensatablauf und Sicherheitsventil angucken, ob sie detoniert aussehen. Schmutzabscheider nach Bedarf kontrollieren. Das ist auch mit mittlerer Reife und einem Führerschein der Klasse 3 zu bestreiten und muss nicht hundert Flocken im Jahr kosten.
Wer eine Luft-Wasser-Wärmepumpe hat, der hat im besten Falle auch Flächenheizung. Je geringer man die Vorlauftemperatur halten kann, also die Temperatur, die das Heizungswasser am Auslass der Pumpe hat, desto effizienter wird die Energiezauberei. Und je größer die Heizfläche, desto geringer muss diese Temperatur eben sein. Man kann auch die alten Heizkörper nutzen und die Temperatur kräftig hoch drehen – das rechnet sich üblicherweise aber schnell nicht. Zwar ist die Renovierung von Fußböden und Einbau einer Fußbodenheizung prinzipiell als notwendige Umfeldmaßnahme förderfähig, aber erstens ist die Förderung gedeckelt und zweitens will man einfach nicht unbedingt alle seine Fußböden raus stemmen. Wer neu baut, für den sieht das anders aus – aber wer tut das heute noch. Die meisten renovieren. Wenn Fliesen und Dielen eh neu sollen und genug Aufbauhöhe (oder Einfrästiefe) da ist, gibt es kein Problem. Für alle anderen hat der liebe Herrgott Wand- und Deckenheizungen erfunden. Dies sind wirkliche gute Alternativen im Bestand, die man meist günstig im Trockenbau versenken kann. Ängste bezüglich heißen Köpfen bestätigen sich allenthalben nirgendwo. Bei der Kalkulation kann man getrost nicht nur das Geld rechnen, sondern auch, dass Flächenheizungen insgesamt eine angenehmere Wärme produzieren.

Doch egal, ob Fußboden, Wand oder Decke – Vorsicht ist geboten bei der Wahl des Materials. Viele Leute wollen gerne Plastikrohre verkaufen, weil sie günstiger und einfacher zu verlegen sind. Hiervon ist dringend abzuraten. Denn sie sind zwar rein formalrechtlich sauerstoffdicht – das ist aber was anderes, als TATSÄCHLICH dicht zu sein. Die Foren sind voll von nicht nur Leuten, die über Versagen durch Alterung berichten (eine wunderbare Vorstellung bei einer Fußbodenheizung), sondern vor allem von Verschlämmung durch chronische Diffusion. Will man wirklich alles nicht. Am liebsten will man das die nächsten hundert Jahre nicht anfassen müssen. Die Antwort ist natürlich Kupfer. Kupfer ist teuer, aber unverwüstlich. Für Fußbodenheizung heißt das erektionsförderliche Material Cuprotherm, für Wand oder Decke gibt es Cufix (Fertigpanel), Ripal und Janßen (Wärmeleitbleche). Man darf sich auf zwischen 55 und 75€ pro qm einstellen.

Für wen aufgrund seiner Gegebenheiten keine dieser Lösungen in Frage kommt, für den sind eventuell Luft-Luft-Wärmepumpen eine super Option. Nicht unähnlich wie Klimaanlagen bestehen sie aus kleinen Wandgeräten und Außengeräten und wärmen nur die Luft. Befürchtungen bezüglich trockenem Klima sind nicht völlig ungerechtfertigt, allenthalben wird dieses aber als weit weniger problematisch beschrieben als gedacht. Die Physik ist nicht schwierig – Luft verliert Feuchtigkeit, wenn man sie abkühlt. Wenn man sie erwärmt, ergibt die selbe Menge an Wasser in der Luft eine geringere relative Luftfeuchtigkeit. Das betrifft aber jede Heizung gleich. Insgesamt ist dies die mit Abstand günstigste und unkomplizierteste Art, an Wärmepumpen zu kommen. Zusätzlich kauft man den Vorteil ein, dass man auch direkt alles mit Klimaanlagen ausgestattet hat, was in Altbauten im Sommer ein enormes Argument sein kann. Man sollte dieser Variante mehr als eine gute Überlegung zubilligen.
Trockenbau
Ich mag wenige Gewerke so wenig wie Trockenbau. Ich mag die Arbeit nicht, ich mag die meisten Trockenbauer nicht. Ein Tipp, den ich mitgeben kann, ist, über Lehmbauplatten anstatt Rigips nachzudenken. Sie sind zwar vier bis fünf Mal so teuer, aber sie regulieren das Raumklima viel besser und dämpfen auch Lautstärke besser. Ich bin bei Claytec hängen geblieben. Natürlich muss man sowas mit atmungsaktiven Farben streichen.

Streichen
Auch so eine Arbeit, die ich am liebsten nie wieder machen möchte. Meine Handvoll Tipps: Wo immer möglich, sollte man atmungsaktive Farben nutzen. Das ist aber nicht schwarz weiß (haha, Farbwitz): Normale Dispersionswandfarben sind mittelgradig diffusionsoffen. Maximale Offenheit bekommt man mit Kalk-, Lehm- und Silikatfarben. Latex und Acryl sind außerhalb von dezidierten Sonderanwendungen so gut als möglich zu vermeiden. Einfach immer denken: Kein Plastik an den Wänden. Im Bereich der normalen Dispersionsfarben bin ich extrem überzeugt von Brillux. Das Malerweiß 956 ist quasi die Ideallösung für ein wohnliches, leicht abgetöntes Weiß. Und ja, Brillux ist teuer, aber das Zeug DECKT. Selbst auf bescheidenen Untergründen streicht man einmal, fertig ist dat Gartenhaus. Wenn man die Kosten im Kopf zusammen knotet, muss man auch Arbeit und Material rechnen, wenn man mit minderwertigen Farben mindestens zweimal drüber muss. Ich hab es ausgerechnet. Lohnt nicht.

Klassischerweise werden Farben aufgerollt. Wenn man größere Flächen zu machen hat, lohnt es sich stark, sich ein professionelles airless Spritzgerät (hihi) zu mieten. Man sollte nach Graco oder Wagner SuperFinish suchen. Das Rumgeeier mit Billigwerkzeug ist Trottelgehopse und muss gar nicht erst angefangen werden. Die Investition in das Profigerät lohnt unbedingt. Für diese Systeme muss sehr gut abgeklebt werden. Wenn das aber dann mal fertig ist, geht es derart zackig von statten, dass man das Jauchzen und Johlen kaum unterdrücken kann. Abkleben ist im Gegensatz zu Streichen ein Sport, zu dem man Freunde gut überreden kann und wofür man keinerlei Vorkenntnisse benötigt. Die meisten Farben muss man vorher sieben, insbesondere Kalk und Silikat. Brillux natürlich nicht. Brillux ist zu geil. Mit dem Gerät arbeiten stellte sich nach kurzem Betrachten einer YouTube Anleitung als völlig unproblematisch heraus und war auch von mir ohne jegliche Vorbildung in Lackierkunst wunderbar zu bestreiten. Filtermaske ist natürlich Pflicht.

Elektrik
Im Gegensatz zu fast allen anderen Bauthemen begibt man sich auf dünnes Eis, wenn man Leuten hier DIY nahelegt. Alles nicht erlaubt natürlich. Ich beschränke mich daher pflichtschuldig auf tageslichttaugliche Empfehlungen.

Falls zwei Kabel aneinander müssen, sollte man Wagoklemmen zur Hand haben. Zweier und Dreier in den beliebten Geschmacksrichtungen temporär und dauerhaft gehören in jeden Haushalt. Dieses Rumgefuddel mit Lüsterklemmen ist wirklich menschenunwürdig und auch von der Haager Landkriegsordnung mit Ächtung belegt. Wir als Homo sapiens sind einfach weiter als das. Wenn man die Hebelklemmen benutzt, müssen Litzen weder verzinnt, noch aderbehülst werden, was wirklich irre ist. Die Dauerklemmen können Litze nicht ohne weiteres.
Wenn man mit Altbauten zu tun hat, muss nicht jede neu gelegte Leitung geschlitzt unter Putz verlegt werden. Textilumsponnene Kabel mit porzellanen Haltenorpeln laden ein, das Bug der Aufputzverlegung zu einem attraktiven Feature zu machen. Gibt’s alles bei AliExpress zu kaufen. Auch von AliExpress und deutlich kostspieliger sind überstreichbare Flachkabel. Sie mögen teuer erscheinen – aber Wände schlitzen ist dann doch fast immer die schlechtere Alternative. Man sollte hierüber zwar nicht unbedingt den 3kW Heizlüfter laufen lassen – aber für Beleuchtung, die dieser Tage ja nur noch eine Handvoll Wätte braucht, ist das eine absolut viable Lösung.

Man sollte sich wirklich gut überlegen, wie viele Steckdosen und vor allem Schaltkreise man wirklich braucht. Elektriker lieben es, mehr Schaltkreise zu verkaufen. Stuff. Dimmer. Krempel. Nicht alles ist unsinnig, aber bevor man irgendwelche Aufträge verteilt, sollte man ein klares Verständnis erworben haben, was mit Smart Lighting möglich ist. Smart Home, so sehr ich dieses Konzept hasse, ist an kaum einem Punkt so sinnvoll wie beim Licht. Wenn man die Möglichkeiten von einer Handvoll zigbee Birnen mit konventioneller Installation abbilden möchte, steigen die Kosten schnell in die Tausende.
Apropos Krempel, den einem Elektriker gerne an die Backe labern wollen: Die VDE beschließt regelmäßig, dass Elektriker den ganzen Schaltschrank neu machen müssen, sobald sie auch nur irgendwas anfassen. Es hilft hierbei zu begreifen, dass die VDE de facto der Verband der deutschen Elektriker ist. Ein Branchenverein. Die haben nicht das Wohl des Endverbrauchers, sondern hauptsächlich das ihrer Handwerker im Sinn. Ehrlicherweise ist seit Abschaffung der klassischen Erdung (Erde liegt zentral auf Null) und der Etablierung von FI Schaltern nichts von Sinn mehr dazu gekommen. Und das, liebe Freunde der fließenden Elementarladung und BAP, ist schon verdamp lang her, verdamp lang.. .. verdamp lang her. Die Menge an gequirltem Lastquark, die ich Elektriker arglosenen Endverbrauchern habe an die Backe salbadern hören, um sie davon zu überzeugen, dass der Schrank neu muss, füllt inzwischen Pferdezuber. Das ist zwischen uns, dem Herrjott und Rudi Völlers Locken Verhalten, das gleiche Gewichtsanteile Ehr-, Würde- und Anstandslosigkeit enthält. Lassen Sie sich nichts andrehen. Ein FI Schalter reicht. Schmelzsicherungen sind völlig in Ordnung. Da ist noch genug Platz im Schrank. Wärmepumpen kann man an ganz normale Sicherungen anklemmen. Nur wenn man eine große PV Anlage installiert, dann kommt man vermutlich an den Raubrittern nicht vorbei und darf dann direkt ein paar tausend Euro zusätzlich für diese Arbeiten einkalkulieren, die zu Dreivierteln überflüssig sind.
Licht
Apropos Licht. Noch über den Fußböden auf der Liste der chronisch unterschätzen essentiellen Faktoren für Raumgefühl, Atmosphäre und Wohnqualität steht fraglos die Beleuchtung. Ich weiß das, weil ich selbst die Personifikation dieses Problems bin. Obwohl ich zunehmend begreife, wie Licht unser gesamtes Leben ist (kleines Hutlupferle an die Monet Ausstellung), weil unsere Wahrnehmung von der gesamten dinglichen Welt davon final geprägt ist, wie sie vom Licht berührt wird – aber diese Erkennis in die Praxis umzusetzen, war und ist ein langer und wirklich nicht stringenter Weg. Dieser Punkt wird in recht scharfen Fokus gerückt, wenn man hört, dass in der hochwertigeren Architektur für ein Einfamilienhaus ein Minimum von 30k imperialen Credits für Beleuchtung allein veranschlagt werden. Ich sage nicht, dass man das ausgeben sollte, keine Sorge. Ich will damit sagen, wie groß die Menge an Gedanken sein sollte, die ich sich hierzu zu machen empfehlen würde. Keine Menge an Inneneinrichtung kann schlechte Beleuchtung kompensieren. Vielleicht ist das deutlich mehr das, wo man sich Ideen von anderen aus Film, Print, Pinterest und Expertenmund holen sollte. Eventuell ist tatsächlich auch ein Lichtdesigner gut angelegtes Geld, der einen ein Konzept erarbeitet, das man dann selbst umsetzen kann.
Der erste Schritt, unglaublich viel Geld zu sparen, ist wie gesagt, sich mit Smart Lighting auseinander zu setzen und zu durchsteigen, was damit alles möglich ist. Was man mit Uhrzeiten, Szenen und so weiter realisieren kann, geht weit über das hinaus, was sich die meisten gottesfürchtigen Leut vorstellen können. Dimmer braucht man eigentlich kaum. Schalter braucht man eigentlich kaum. Nur Strom braucht man überall. Eine Stunde mit Lighting Tutorials auf YouTube können einem tausende an Euro und eine Welt voll Frust sparen. Und: Im Schlafzimmer und Bad sollte man defintiv RGB einplanen. Es kommt defintiv der Tag, wo man dafür dankbar sein wird.

Für Lampen sollte man sich auf AliExpress umschauen und sich ein Bild von dem ungefähren Angebot schaffen. Es ist mit ‚gewaltig‘ vorsichtig umschrieben. Es gibt viel billigen Schrott, aber auch viele echt schicke Dinge. Und es gibt auch das gesamte Spektrum an Preisen. Man muss wissen, dass, wenn man ein deutsches Lampenhaus betritt, im Normalfall raptusartig die Taschen aufgehen und rhythmisch die Sechstausend-Euro-Scheine heraus zu stürzen beginnen. Generell ist das nicht unbedingt eine erfreuliche Erfahrung. Noch schlimmer wird es, wenn man dort Dinge findet, die man nirgendwo sonst beziehen kann und die einfach PERFEKT für genau DA sind. Ich kann das nicht empfehlen. Unwissen ist manchmal ein Segen. Und solange man weiß, von wo nach wo welches Licht fallen soll, kann man das auf enorm viele Arten realisieren.
Bäder
Dass Fußbodenheizung hier besonders schön ist, ist nicht aufregend. Dass hier Travertin besonders schön ist, ist nicht überraschend. Dass ich so viel Meinung zur modernen Dusche habe, dass ich mal einen Artikel dazu schreiben musste, der mich fast eine Freundschaft gekostet hätte – da kommt schon ein bisschen mehr Leben in die Bude. Den Krieg gegen die Klarglasscheibe habe ich wohl verloren, aber für Türen an den Duschen und vor allem Schwellen davor ziehe ich immer noch laut krakeelend durch die Lande. Es hatte tatsächlich nach meinem Brandpamphlet nicht lange gedauert, bevor im Freundeskreis die ersten ebenerdigen Duschen überliefen und Flurparkett überschwemmten. Wie weltfremd man sein muss, um am Gesamt-Genus Dusche schon mal erlebt zu haben, wie durchaus auch eine handtiefe Duschtasse in kürzester Zeit mal voll laufen kann, wenn der Abfluss mal gerade nicht so will, weil nur ein paar Haare zu viel drin lassen, dem sollte eigentlich glasklar sein, dass man wenigstens eine Schwelle von 8 – 10 cm an den Eingang mauern lassen sollte. Ja, zusätzlich zu dem eingefliesten Gefälle. Nein, glauben Sie niemandem, der das Gegenteil behauptet. Die Erfahrung ist inzwischen stärker als das fahle Verkäufer-Gewäsch. Und wo wir gerade dabei sind: Große Duschen machen nur dann Spaß, wenn nicht alle, die nicht gerade direkt unter der Brause stehen, sofort auskühlen. Beispielsweise weil es aus ZTYL0R Gründen keine Tür gibt und sich keine warme Dampfatmosphäre in der Kabine bilden kann. Grundschulphysik, aber ich tanze es gerne nochmal vor.

Nachdem ich meinen Blutdruck jetzt wieder auf gesunde 270 zu 690 runter geprügelt habe, können wir uns den schöneren Seiten des Lebens widmen: Dem Boiler. Unter dem Namen ‚Catalano Sfera‘ findet man den besten Flutstuhl, den ich bis jetzt ausfindig machen konnte. Es handelt sich um ein spülrandloses Wasserclosett, das nicht nur formschön und enorm komfortabel daher kommt, sondern ohne jegliches unzivilisierte Spritzen oder Rauschen einen Mahlström Wagner’scher Abmaße generiert, der bar jederlei Federlesens jede nur menschliche Substanzentäußerung unwiederbringlich in die Tiefe reißt. Man kann nicht überbetonen, wie beeindruckt ich von diesem Stück Hydrodynamikkunst bin.
Fast jede Badewanne ist für Normdeutsche nicht tief genug. Es sei verlautbart, dass es extra tiefe Wannen gibt und das noch nicht mal schlimm teuer.
Wer aus Gründen, die sich mir IMMER NOCH NICHT GANZ ERSCHLIEßEN, ähhäm, kein getrommeltes Travertin als Badfliese möchte, der möge sich auf Fliesen in Holzdielenoptik hingewiesen finden, die insbesondere mit Skandi Stil recht gut harmonieren. Schiefer kann ich aus schmerzlichen eigenen Erfahrungen gar nicht empfehlen. Unter im Bad durchaus schon mal vorkommenden Bedingungen wird er seifig rutschig und hätte auf diese Weise schon mal fast mein zartes Leben gekostet.

Nachdem ich Jahrelang dachte, dass die traditionelle englische Armatur mit getrenntem Kalt- und Warmwasserhahn an Dümmlichkeit nicht zu übertreffen wäre, hat die pathologische Überkomplizierung im Geiste der Geldernte jetzt auch auf dieses Themenfeld mobil gemacht. Man sollte sich nicht nur fragen ‚macht es ein Ohhhh-Ahhh Gefühl für drei Sekunden im Show Room?‘ sondern ‚wie ist es zu reinigen?‘, ‚ist es wirklich besser als ein normaler Wasserhahn‘ und ‚wieviel komplizierter ist wohl die Mimik in dieser abgedrehten Kontraption als ein normales Ventil?‘. Eine hübsche Ikea Armatur kostet 60€ und hält bei guter Pflege über 30 Jahre. Ich habe verkünstelten Unsinn für das achtfache erlebt, der nach keinen drei Jahren eingeknickt ist. Das Duschmofa braucht kein Tourbillon mit ewigem Kalender und guillochierter Unterseite. Ach, und noch ein kleiner Nachsatz: Ich habe auch enorm viele Duschen kennen gelernt, die in der Konstruktion offenbar keinerlei Gedanken daran verschwendet haben, wo man das Duschzubehör lagert. Aus ästhetischen Gründen. Straight to jail, everyone around.
Küche
Der Raum, in dem ich mich eigentlich am meisten aufhalte und mich daher am besten auskennen sollte. Es verwundert niemanden, dass man am besten vorher wissen sollte, wie die Küche aussehen wird, wenn man den Bau plant. Insbesondere die Führung vom Strom sollte vorher gut überlegt sein. Ansonsten sind meine Hinweise überraschend generisch: Küchenstudios sind enorm teuer. Ich bin ein riesiger Freund der Ikea Küche. Der Schritt nach oben von hier sollte meines Erachtens nicht der Gang zum Raubritterstudio sein, die einem auch nur Systemkrempel verkaufen, der tendenziell qualitativ eher auf gleicher Höhe wie Ikea ist – nur natürlich für den fünffachen Preis -, sondern zum Schreiner. Ich habe nicht wenige Leute erlebt, die für eine handwerklich hergestellte Küche am Ende sogar günstiger weg gekommen sind. Meine Sensibilitäten sind bekannt: Wenn ich in die Vollen greifen würde, dann, um massive Eiche zu bekommen. Wer zu viel britische Home Improvement Serien guckt, hat irgendwann die Hots für Traditional Joinery. Für lackierte Hochglanzfronten braucht man das Ganze kaum machen, die sehen eh überall gleich aus. Es ist im übrigen auch erlaubt, Lösungen zu mischen: Man kann Ikea Corpusse nehmen und den Schreiner Fronten und Verkleidung erhobeln lassen.

Und for the love of all that’s gratinated and holy – Finger weg von automatisch öffnenden Schränken. Hierzu der gerne erzählte Schwank: Ich war vor ein paar Jahren mal in einem Küchenstudio, in dem sowas von einem der teuren namhaften Hersteller ausgestellt war. Neben der aktuellen Schauküche, in der sich meine Begleitung für die BZZZT Schränke begeisterte, stand die Küche von letzter Saison. Hier waren die Mechanismen schon am Kaputtgehen. Kostenpunkt? 3000 Eier pro Schrank. Dafür geht es auch wenigstens langsamer als normale Scharniere und hat keinerlei Vorteile. Außer BZZZT natürlich. Aber auch die gewaltvollste Frontalhirnatrophie muss mal irgendwo ihre Grenzen finden. Wir sind nicht mehr vier Jahre alt. Ikea Scharniere kosten 15€ pro Tür und halten bei meinen Eltern in einer richtig viel benutzten Küche seit 30 Jahren. Sie fühlen sich an wie taufrisch.
Arbeitsplatten. Dealers choice. Massivholz kostet ungefähr ab 130€ den Meter, ordentlicher Quarzit (Caesarstone) ab 300€ den Meter, Granit geht auch irgendwo in der Ecke los – und dann quasi frei nach oben, wenn man gerne auf irgendwas schneiden will, aus dem auch die Kronjuwelen der Queen gebrochen worden sind. Alles hat seine Vor- und Nachteile. Stein braucht fraglos weniger Pflege, ist aber auch nicht völlig unzerstörbar. Hitze kann ihn zum Platzen bringen, Öl zieht ein und ist dann nicht mehr raus zu bekommen. Massivholz kann Flecken bekommen und muss regelmäßig geölt werden. Ich habe nichts gegen Holz mit Charisma, aber jeder muss das selbst entscheiden. Billigen Quarzit, laminierte oder furnierte Holzplatten und natürlich Plastikpressspahn würde ich wirklich nicht nehmen. Das ist was für lange, was man viel benutzt. Geld ist hier gut angelegt.

Kücheninseln sind extrem praktisch. Ich würde weniger denken ‚möchte ich das?‘ und mehr ‚kann ich das irgendwie in meinem Küchenentwurf unter kriegen?‘.
Kochfelder mit Touch Bedienung lösen in mir fast ähnliche Hassgefühle aus wie die gleichzeitige Darbietung von Geleebananen und der Ballermann Hits 26. Die meisten funktionieren überhaupt nicht. Der Rest funktioniert leidlich. Und ich kenne sie inzwischen eigentlich alle. Sobald Fett oder Flüssigkeit im Spiel ist, geht die Show schnell zuende. Das ganze ist natürlich wieder hauptsächlich eine ästhetische Entscheidung. Das ist ungefähr die gleiche Sache, wie alle Knöpfe im Auto in den Touchscreen zu integrieren: Zum gewaltvoll in die Tischplatte Beißen bescheuert. Die Technik ist ausgereift: Nichts geht schneller und zuverlässiger als ein Drehknebel. Miele stellt ein Induktionskochfeld mit Drehknebeln her, das auf den Namen KM 7174 FR hört. Nachdem ich wochenlang Erfahrungen damit im Internet nachgelaufen war, stellte sich heraus, dass mein Bruder eines besaß. Er hatte den exakt selben Gedankenprozess durchlaufen wie ich. Wir sind am Ende doch vom gleichen Stück Stoff herunter geschneidert. Das Kochfeld funktioniert für uns beide seit Jahren wunderbar und ist fast uneingeschränkt empfehlenswert. Einziger kleiner Wermutstropfen ist, dass es ein bisschen schlechter zu reinigen ist als eine reine Glasplatte. Sei’s drum. Das ist mir den Komfort hundert mal wert. Es gibt inzwischen auch ähnliche Produkte von Gaggenau, Küppersbusch und Ilve.

Abzugshauben unter Tisch funktionieren, aber sind teuer. Und häufig gibt es sie nur in Verbindung mit einem schwachsinnigen Tatschefeld. Bora baut für sehr viel Geld eine Lösung mit digitalen Knebeln an der Frontblende. Elica hat eine günstigere Alternative im Programm. Immer noch nicht so gut wie ein analoger Schalter, aber ein gangbarer Kompromiss – und muss man sich leisten wollen.
Ausziehmülleimer in Schränken sind zu klein. Immer. Nein, Sie haben das nicht richtig gehört – IMMER. Es sieht nicht ganz so windschnittig aus, aber man sollte Standmülleimer fest einplanen. Es gibt da durchaus gut designte Modelle. Ich mag bekanntlich simplehuman, aber es gibt auch viele andere gute Hersteller. Aber – wir sagen es zusammen – natürlich ohne Sensorunsinn. Fußhebel hatten dieses Problem schon vor 80 Jahren perfekt gelöst.
Keramikwaschbecken sehen toll countryhausig aus, aber sind nicht nur empfindlich für hinein fallende Gegenstände, sondern wider Erwartens auch in der Lage, Flecken zu bekommen, wenn man mal Krempel darin etwas stehen und fermentieren lässt. Flecken, die man nie wieder raus bekommt. Ask me how I know. Waschbeckenarmaturen sollten ausziehbar sein. Das ist irre praktisch. Ich plane seit längerer Zeit, am Herd einen Topffüller zu montieren, kann dazu aber noch nichts sinnvolles sagen außer: Es gibt sowas.
Sicherheit
Die meisten Schlösser haben technisch gesehen Schwachstellen. Wendeschlüsselzylinder lassen zB enorm viel Raum zum Manipulieren. Die Liste ginge weiter, aber man kann unter das Thema einen schnellen Punkt machen. Der Zylinder ist fast nie der Angriffspunkt bei Einbrüchen. Die Tür selbst und die Fenster sind die Schwachstellen – direkt nach an offensichtlichen Stellen versteckten Schlüsseln und nicht abgeschlossenen Türen. Die Polizei bietet fast überall Beratung bezüglich einbruchshemmenden Maßnahmen kostenlos an. Das kann man absolut in Anspruch nehmen. Für Wohnungen ist die Sache einfach, dort braucht man hauptsächlich eine sichere Wohnungstür – so kein Balkon einfach erreichbar ist.

Sicherheitsglas funktioniert. Bei meinen Eltern haben mehrfach Einbrecher versucht, die Fenster mit Nachdruck einzuschlagen. Das Klasse B Sicherheitsglas hatte kein Interesse daran, aufzugeben. Wir haben danach mal versucht, die bereits kaputte Scheibe mit einem Vorschlaghammer klein zu kriegen – ohne Erfolg. In vielen Fällen bei Häusern ist das Ersetzen aller Fenster im Erdgeschoss nicht wirtschaftlich stemmbar. In solchen Fällen – oder vielleicht sogar insgesamt? – sind Alarmanlagen häufig die bessere Alternative. Nichts wollen Einbrecher so wenig wie große lautstarke Finger, die auf sie zeigen. Es empfiehlt sich, ein smartes System ohne Abo Modell zu kaufen. Ring ist zwar gut, zieht einem eben aber auch monatlich die Kohle aus der Tasche. Eufy wäre vermutlich meine Wahl. Und ja, ich weiß, dass solche Amateursysteme ebenfalls offensichtliche Schwachstellen haben, aber das ganze ist ein Statistikspiel.
Apropos: Etliche Einbrüche sind nicht zufällig, sondern zielen auf bestimmte Beute. Wer Menschen wissen lässt, dass er was zu stehlen hat, der lebt gerne gefährlich. Besonders beliebt sind natürlich Bargeldreserven, Schmuck und Uhren, weil sie leicht zu verbergen und zu tragen sind. Bei mir zum Beispiel haben mögliche Diebe ein schwereres Leben, weil meine Wertgegenstände 60kg schwere Verstärker und 110kg schwere französische Herde sind. Gelegenheitskriminalität ist übrigens nicht zu unterschätzen – ich kenne einige Fälle, wo nach Parties Geld aus den Portmonees oder Uhren fehlten. Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste. Kameras sind gut – wegschließen vermutlich besser. Tresore in Privatwohnungen sind meinem Gefühl nach zu 98 Prozent gegen Gelegenheitskriminalität und nur zu 2 Prozent gegen Einbrecher. Sie sind halt wie Fachbücher: Haben alleine nützt nichts, man muss sie auch nutzen. Ich habe hier die Fluchregel: Wenn man dabei flucht, den Tresor in die Wohnung zu bekommen, dann wird er weder mitgenommen noch vor Ort geknackt. Alles, was leichter ist, muss verankert werden, weil es sonst das erste ist, was mitgenommen wird.
Photovoltaik
Kein großes Gerechne: Wenn es mehr werden soll als eine Steckersolaranlage – einfach das ganze Dach vollmachen. Alle Leute, die das einigermaßen ernsthaft nachgerechnet haben, sind sich da einig. Panels kosten nicht viel. Spannend ist hauptsächlich die Frage der Speichergröße. Hier lohnt die Bedarfsmessung und der Einsatz des kostenfreien PVtool Rechners von Akkudoktor. Es ist defintiv besser, dem Solateur genau sagen zu können, was man möchte – sonst macht er einem den Elektriker und verkauft einem einen toten Esel mit Turbolader.

Bei Steckersolar lohnt sich für die meisten Leute, so nah wie möglich an die erlaubten 2kWp ran zu gehen und das ganze mit Hoymiles Mikrowechselrichtern zu wandeln. Dann muss man genau schauen, ob sich ein Speicher lohnt. Der Hoymiles eigene Speicher ist eine Möglichkeit, den perfekten Kleinspeicher gibt es aber leider nicht. Sie haben alle ihre Macken.
Alles andere
Wenn der Boden passt, sind Erdschraubenfundamente eine super Sache für Gartenprojekte. Man kann sich das Rumgefudger mit Beddong sparen, also Arbeit und Geld. Wir haben sowohl eine Terrasse als auch eine Sauna damit gegründet und beides hält bombenfest.

Fass-Saunen sind eine super Sache. Es gibt nur eine höchst beknackte Eigenheit, nämlich dass wenn man eine längere Sauna kauft meist der Vorraum statt dem Saunaraum größer wird. Und die meisten dieser Saunaräume sind zu knapp bemessen. Die Sauna mit dem Namen ‚Jona‘ ist die einzige, die ich gefunden habe, die einen größeren Saunaraum hat. Man sollte den Ofen mit 9kW ordentlich dimensionieren. Es gibt nichts traurigeres als eine Sauna, die nicht richtig hin kriegt. Ich habe mich für den Harvia Glow entschieden und diese Wahl nicht bereut. Der kleine Footprint ist ideal für Heimsaunen und keine andere Bauart hat mehr Steine, die vermittels thermische Masse auch bei wiederholten Aufgüssen die Temperatur konstant halten. Achso: Alles in Saunen muss hitzefest sein. Mir kam diese Erkenntnis zu spät. Lampen. Birnen. Kabel. Schalter. Das Dichtsilikon. Alles alles alles.

Man kann zu Steinbrüchen und Sägemühlen als Endkunde hinfahren und Dinge bestellen. Ich wäre auf diese Idee nie gekommen und bin aus allen Wolken gefallen, als ich das festgestellt habe. Die Preise sind natürlich entsprechend meistens sehr gut.
Zementdachpfannen sind Murks, Finger weg. Schiefer ist das beste, kann sich aber keiner mehr leisten. Eine gute Tonengobe ist das Mittel der Wahl. Wir haben Nelskamp, auf die mein Dachdecker schwört. Es gibt aber viele gute Möglichkeiten, glaube ich.
Zum dauerhaften Einlassen von Holzoberflächen empfehle ich eine Mischung aus 1/3 Tungöl oder Leinöl, 1/3 Limonenterpen und 1/3 Bienenwachs.
Gutes Werkzeug bezahlt sich meistens zigmal selbst, zumindest, wenn man seine gesparte Zeit grob in Lohn umschlägt. Die Ergebnisse werden besser. Und teilweise kommt sogar statt Frustration richtig Freude bei der Arbeit auf. Meine Empfehlungsliste wurde natürlich gelesen – jetzt fragt man sich, wie man das alles stemmen soll. Die Antwort lautet: Man kauft Werkzeug nicht alles auf einmal, um ‚gut ausgestattet‘ zu sein, sondern dann, wenn man es braucht. Dann aber auch gut. Über so ein Fleißbienenleben staut sich dann nach und nach eine ordentliche Ausstattung an.

Hinterlasse einen Kommentar