Archive for the Angewandte Wissenschaft Category

„There, I fixed it!“ – Der wackelige Schreibtisch

Posted in Angewandte Wissenschaft, Probleme des Lebens on 6. Juni 2011 by hoegi

Seit über einem Jahr wohne ich in meiner aktuellen Wohnung und seit über einem Jahr wackelt der damals neu zusammengeschraubte Schreibtisch wie eine Grünunke kurz vor der Balz. Also schon ziemlich.
Fast genau so lange hatte ich mir vorgenommen, dieses Problem anzugehen und den Schreibtisch irgendwie zu stabilisieren.
Die Lösung des Problems war und ist eine einfache Diagonalstrebe, wie man sie in jedem rahmenbasiertem Bauwerk wie z.B. in einem Parkhaus zuhauf findet.
Das echte Problem waren aber die runden Tischbeine, wie man sie in jedem Baumarkt für ne schmale Mark bekommt. Wie soll ich an lackierte, glatte und wie gesagt runde Beine so eine doofe Strebe befestigen? Die zündende Idee kam mir irgendwann, ich vermute mal beim Kacken: Schlauchklemmen.
Im ersten dahergelaufenen Baumarkt bekam ich dann für rund 4€ zwei dieser Dinger. Die Maße meiner Beine musste ich spontan abschätzen, da ich den Baumarktbesuch gar nicht von langer Hand geplant hatte, aber glücklicherweise passten die gekauften Dinger dann wie angegossen.
Als Strebe dient in meinem Falle ein entbehrliches Stabilisierungskreuz von dem Ikea-Regal IVAR. Leider sind die vorgebohrten Löcher am Stabilisierungskreuz zu klein gewesen für die der Klemmen beigelegten Schrauben, also mussten dafür auch Neue her. Weil damit auch das Gewinde der Schlauchklemme wegignoriert wurde, brauchte ich noch passende Muttern für die Schräubchen und weil die Schraubenköpfe zu klein waren für die Halterung an der Klemme mussten auch noch Unterlegscheiben her. Schlimm das.
Alles in Allem kostete die Aktion 10€, dafür habe ich jetzt aber auch genug Schrauben. Und Muttern. Und Unterlegscheiben.
Und einen stabilen Tisch.

Recherchiert: F. Dick Messer stauchgeschmiedet

Posted in Scharfe Messer on 4. April 2011 by Herr Grau

Es tut schon fast ein bisschen weh, diesen Artikel schreiben zu müssen, aber wat mutt dat mutt. Ein authorisierter Dick-Fachhändler bestätigte mir jetzt schriftlich, was ich nach genauer Ansicht schon geahnt hatte:

Friedrich Dick benutzt ebenfalls das Stauchschmiedeverfahren.

Wo die Rohlinge hergestellt werden, ist allerdings ein Firmengeheimnis. Da das Stauchschmieden von der
Fa. Zwilling J.A. Henckels patentiert ist, steht es entweder zu erwarten, dass der mir bis jetzt doch liebe Traditionshersteller aus Deizisau die Rohlinge von dort zukauft oder sie in Lizenz selbst herstellt. Da aus letzterem aber vermutlich kein Geheimnis gemacht werden würde („Fertigung im eigenen Hause“), darf man Ersteres getrost annehmen.

Dick ist durch diese Art von Irreführung als Messerempfehlung für mich dann auch gestorben. Ich habe meinen Kaufratgeber entsprechend angepasst.

Ich rate hiermit klar von dem weiteren Kauf von Friedrich Dick-Messern ab.
Wer auf sein Messer „geschmiedet“ draufschreibt und die Klinge stanzt, ist ein Betrüger. Dass die Materialeigenschaften dadurch weniger ideal sind, ist die eine Seite. Dass die Firma die Leute für dumm verkauft, ist die andere, die für mich persönlich genauso wichtig oder sogar wichtiger ist.

Over and out.

Recherchiert: Victorinox Gran Maitre

Posted in Scharfe Messer on 16. März 2011 by Herr Grau

Es gibt zwei Schmieden europäischer Küchenmesser, von denen ich nicht wusste, woher ihre Rohlinge kommen: Victorinox und Friedrich Dick.

Ich habe jetzt recherchieren können, dass die Rohlinge der Küchenmesser des schweizer Traditionsunternehmens ebenfalls von Julius Kirschner & Sohn in Solingen im Gesenk handgeschmiedet werden und nicht der Zwilling’schen Stauchschmiedebetrügerei entspringen.
Damit bleiben sie auf meiner Liste der Empfehlungen in meinem Messerratgeber.

Howto: Alpenföhn Groß Clock´ner einbauen

Posted in Angewandte Wissenschaft on 15. Januar 2011 by hoegi

Ich hatte es mir lange vorgenommen, aber immer aufgeschoben, aber jetzt habe ich mir endlich mal einen neuen CPU-Kühler zugelegt.
Meine Wahl fiel auf den EKL Alpenföhn Groß Clock´ner (Revision B), hauptsächlich wegen des niedrigen Preises. Bedenken bezüglich der nicht ganz kompakten Ausmaße schob ich beiseite, notfalls kann man sowas ja zurückschicken.

Schon beim Auspacken überkam mich ein leichter Schock; das Teil ist wirklich groß. Versuche, mir diesen Trümmer in meinem Gehäuse vorzustellen, scheiterten am Fehlen weiterer räumlicher Dimensionen in meiner Vorstellung. Nun gut, EKL wird schon keinen Kühler vertreiben, der in ein normales Midi-Case (in meinem Falle ein Antec Three Hundred) nicht reinpasst. Also ran an die Arbeit.

Natürlich muss zu allererst der alte boxed Kühler entfernt werden, was mittels einfachen Klammersystems kein Problem darstellte. Verblendet von der Einfachheit des erstmaligen Einbaus des boxed Lüfters ging ich auch dieses Mal wieder davon aus, den Kühler einfach aufzusetzen, irgendwie zu verzurren und „fertig ist die Laube“. Denkste. Für den Einbau muss das Mainboard entfernt werden. Da die mitgelieferte „Anleitung“ nicht sonderlich ergiebig war und ich im Internet auf die schnelle kein Tutorial finden konnte, versuche ich mich jetzt mal daran.

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Produktwarnung: Ontario-Messer / Wie pflegt man ein Carbonstahlmesser?

Posted in Getestet, Probleme des Lebens, Scharfe Messer on 5. Oktober 2010 by Herr Grau

Normalerweise tute ich nicht in mein Sturm-und-Not-Horn, wenn nicht Sturm oder Not sind. Respektive: Wenn ich die Scheiße, vor der ich warne, nicht selber erlebt habe. Diesmal will ich eine Ausnahme machen. Ich wurde von einem Mitglied des für alle kulinarisch Interessierten empfehlenswerten GSV-Forums kontaktiert und um Hilfe gebeten. Aber fangen wir vorne an.

Er hatte sich das in diesem Forum empfohlene Butcher Knife von Ontario zugelegt. Da dies ein Messer mit nicht-rostfreier Klinge ist und ihm die Erfahrung mit diesen fehlte, fragte er mich, ob es bei der Pflege etwas zu beachten gäbe. Was ich ihm antwortete, will ich hier schnell zusammenfassen, damit jeder, der über die Anschaffung eines solchen Messers nachdenkt, es nachlesen kann:

Ja, Messer aus nicht-rostfreiem Carbonstahl bedürfen etwas besonderer Aufmerksamkeit: Das Messer sollte nach jeder Schneidaufgabe, nach der es länger als ein paar Minuten nicht gebraucht wird, kurz gesäubert werden. Dazu ziehe ich es von beiden Seiten über den feuchten Küchenlappen und dann über das Geschirrtuch: Sauber und trocken. Dieser Zustand reicht bei einem normalen Stahl völlig aus, ich behandle einige Messer so. Sie werden, wenn sie sich im täglichen Gebrauch befinden, in diesem Zustand gelagert. Ölen muss man die Klinge nur, wenn man sie längere Zeit nicht braucht.

Diese einfachen Regeln gab ich auch dem Fragenden mit. Nach zwei Wochen (!) kontaktierte er mich wieder und sagte, sein trocken (!) gelagertes Messer habe erheblich Rost angesetzt und schickte mir folgendes Bild:

Da ich nicht sicher war, ob es sich um Narben oder eine optische Täuschung durch Öl handelte, empfahl ich ihm, das ganze mit Scheuermilch anzugehen. Dies ist auch die Methode der Wahl, sollte sich mal ein Flugrostfleck auf ein solches Messer stehlen. Die Bilder, die er mir darauf hin zusandte, zeigen das Messer nach eingehender Behandlung mit Scheuermilch; es ist deutlich zu sehen, dass es tatsächlich tiefe Rostnarben sind:

Mich haben diese Bilder ernsthaft erschreckt. Ich habe Dolche gesehen, die Dekaden in feuchten Kellern gelagert haben und ähnlich aussahen. Nicht einmal unlegiertes Eisen rostet so schnell. Es gibt nur eine Erklärung:

Der Stahl ist von extrem minderwertiger Qualität; durch metallurgische Fehler bei der Herstellung sind Sauerstoff und Wasser darin eingeschlossen oder gelöst, was den Stahl erheblich rostanfällig macht.
Ich kann nur stark empfehlen, die Finger von diesen Messern zu lassen. Ich kann zwar nicht sagen, ob es sich hier nur um ein Los handelt, aber solange der Hersteller den Zulieferer nicht wechselt, besteht diese Gefahr stets.

Review: Suppo Audio GV-1

Posted in Angewandte Wissenschaft, Getestet, Röhrenverstärker on 22. Juni 2010 by Herr Grau

Ich hatte hier bereits einmal auf einen in amerikanischen DIY-Foren viel besprochenen Geheimtipp im Röhrenverstärkersegment hingewiesen, den Suppo Audio GV-1. Jetzt habe ich ihn selber hier gehabt, um die Koppelkondensatoren für einen Freund auszutauschen. Im folgenden will ich daher ein kleines Review präsentieren.

Der kleine Verstärker ist ein 6P15 Push-Pull mit Autobias, der pro Kanal etwa 8W auf die Beine stellt. Der springende Punkt: Er kommt von Suppo Audio/China und ist inklusive Versand für 145€ zu haben. Die Verpackung ist absolut vorbildlich, der Versand flott und problemlos und der Kontakt mit Joe von Suppo sehr nett. Für dieses Geld kann man natürlich keine Boutique-Komponenten erwarten, die Röhren sind chinesisches No-Name-Surplus und auch Schlüsselkomponenten wie die Übertrager, die Koppelkondensatoren und das Lautstärkepotentiometer sind No-Name-Teile; der Verstärker selbst aber ist solide aus dickem Alu gebaut, die Platine scheint durchdacht, er kommt mit einem Ringkerntrafo und Anschlüssen für 4 und 8Ohm Lautsprecher und vor allem: Er klingt ziemlich gut. Ich habe schon, so wie er ist, wenig an dem Verstärkerklang auszusetzen und er reicht auch locker, um meine unempfindlichen Duettas weit über Zimmerlautstärke zu treiben. Recht hübsch ist er auch noch.

Der DIYer sieht natürlich in in einem solchen Verstärker vor allem das Potential, das einige wenig aufwendige Modifikationen bieten: Der Austausch des Potentiometers gegen eine Version von Alps zum Beispiel, was 20€ und einen Lötaufwand von fünf Minuten bedeutet. Ein Wechsel auf gute Röhren, wobei man beim GV-1 ein wenig Vorsicht walten lassen muss: Er ist zwar als EL84-Verstärker ausgewiesen, verträgt sich aber nicht mit allen EL84. Man muss sicherstellen, dass Pin1 der Röhre mit keinem anderen Pin verbunden ist. Erfüllen tut diese Voraussetzung z.B. die EL84 von JJ, die ich deshalb an dieser Stelle empfehle. Als Vorstufenröhren empfehlen sich 6CG7 (=6FQ7), entweder von Electro Harmonix oder, wenn man sie kriegen kann, NOS-Röhren von RCA. Eine auf Grund des geringen Kapitaleinsatzes dringend zu empfehlende Modifikation ist der Tausch der Koppelkondensatoren. Wie schon häufiger beschrieben, verwende ich die preisgünstigen Styroflex-Kondensatoren von Oppermann Elektronik. Sie kommen als 47nF/600V für 2,65€ á 10 Stück. Der Versand ist also wesentlich teurer, als die Kosten für die Neuausrüstung eines Amps, denn in diesem Fall brauchen wir nur 100nF, also zwei Stück, pro Koppelpunkt, insgesamt also acht Kondensatoren. Die Chassis- und Platinendemontage ist schnell gemacht, man kann die Modifikation ausführen, ohne die Platine auszulöten. Da die Platine doppelseitig ist und die Bohrungen sehr klein sind, habe ich mit einem Stück Durchstoßdraht gearbeitet, um sicheren Kontakt zu gewährleisten. Hier ein Bild von den Innereien mit den neuen Koppelkondensatoren:

Die neuen Koppelkondensatoren scheinen vor allem der Auflösung des Amps zugute zu kommen. Man kann die Instrumente klarer differenzieren und genauere Facetten der Musik hören.

Eine beliebte Modifikation, die aber mit etwas mehr Arbeitsaufwand verbunden ist, ist das s.g. „Triode Strapping“, also das Anbinden des oberen Gitters an die Anode, um damit aus der Pentode eine Art Triode zu machen. Hierbei verliert man allerdings Leistung, sodass man vermutlich  Dynamik gegen Klangqualität eintauscht. In diesem Threat im DIYaudio.com-Forum wird der Mod genau beschrieben.

Ebenfalls genannt wird der Austausch des Gleichrichters gegen diskrete Dioden und der Austausch der Netzteil-Kondensatoren gegen höherwertige Exemplare. Ich persönlich würde mir das Gefummel mit den Dioden nicht antun, ich glaube nicht, dass der Unterschied hörbar ist. Der Austausch der 150uF Filterelkos dagegen mag sinnvoll sein, aber bis jetzt gibt es noch keine Erfahrungswerte über deren Haltbarkeit.

Den Schaltplan gibt es übrigens hier.

Fazit:

Für so wenig Geld, dass man in Europa dafür nicht mal einen Amp selber bauen könnte, bekommt man einen Verstärker, der schon im Ausgangszustand hervorragend funktioniert und nebenbei noch eine gute Basis für Modifikationen bietet. Absolute Empfehlung.

Bau eines endgültigen Röhrenverstärkers – O/Netics Ausgangsübertrager

Posted in Röhrenverstärker on 16. Februar 2010 by Herr Grau

Wier ich hier bereits beschrieben habe, war die Wahl des Ausgangsübertragers keine einfache. Mir war klar, dass ich auf jeden Fall etwas Gutes kaufen und nicht auf den letzten Taler gucken wollte, da die Qualität dieses Bauteils wirklich etwas ausmacht. Die Auswahl ist nicht gerade gering, AE und Tribute aus Holland machen Highend-Produkte, Hashimoto, Tamura und Lundahl sind verfügbar und auch Sowter kann man bekommen. Dazu kommen noch eine Menge lokaler Namen, die man noch schwerer einschätzen kann.

Über das DIY-audio.com-Forum stieß ich auf die Beiträge von Bud Purvine, dessen kleine Firma O/Netics (Kontakt) in Washington lokalisiert ist. Alles, was er schrieb, klang sehr fundiert und elaboriert, seine Produkte bekamen umfänglich sehr gute Bewertungen. Was die Entscheidung am Ende tatsächlich gemacht hat, ist wohl, dass ich es sehr respektiere, wenn jemand anderen Leuten hilft, ohne ständig mit dem großen Finger auf sich selbst zu zeigen. Auch der Kontakt gestaltete sich mehr als angenehm – Bud empfahl mir nicht das Teuerste, sondern das Günstigste aus seinem Programm. Auch das ein dicker Punkt auf der positiven Seite.

Die Übertrager kommen in verschiedenen Qualitätsstufen, wobei sich der Grundpreis von einer Stufe zur nächsten etwa verdoppelt. Ich stelle mir das ganze ein bisschen wie die Komplikationen bei Uhrmachern vor, komplexere Zusammensetzung der Dielektrika und komplexere Wickelungen, sowie besseres Kernmaterial kosten Geld. Ich entschied mich aus den drei offerierten Stufen für die Mittlere, damit der kleine Das-Beste-Schreihals in meinem Kopf die Klappe hält. Mehr war geldmäßig einfach nicht drin, da zu den Kosten der Transformatoren auch noch hundert Dollar Versand kommen. Bud sagte 8 Wochen Produktionszeit voraus und war fast auf den Tag genau fertig – wenn man deutsche Handwerker gewohnt ist, eine erfrischende Neuerung.

Die Übertrager wurden nach meinen Spezifikationen für KT88 im Push-Pull-Betrieb mit Ultralinear-Anzapfungen gewickelt. Mit 100W wurden sie ausreichend überdimensioniert. Das Kernmaterial ist M3 Silikateisen, auf amorphe Kernmaterialen wird absichtlich verzichtet – warum, erklärt Bud sehr umfänglich in mehreren Posts hier. Auch andere Firmen wie z.B. Hashimoto verzichten aus diesen Gründen auf die Verwendung von amorphem Kernmaterial. Der Spulenkörper ist allerdings wie bei vielen anderen Highendherstellern nicht aus Pappe, sondern aus Plastik. Dazu schrieb mir Bud:

I am using the chopped glass fiber filled Nylon bobbin as the basis for creating a dielectric circuit. There are two wraps of Mylar film, 0.005″ thick that are the final wrap. Within this enclosure, made of material with a dielectric constant of 3.5 are windings that are potted with a polyester resin also with a dielectric constant of 3.5. At the antenna barriers, from primary to secondary, you would find a Nomex / Mica  paper dielectric barrier with a dielectric constant of 2.2. Building in this fashion forces the motile electrons out of the primary and secondary winding bodies and causes them to accumulate at the antenna barrier instead. This in turn allows for a much more complete E Field information transform across those barriers. This is that odd „charging“ period you are about to experience. I do this to force the transformer to retain and transform more information than a typical audio transformer will allow.This combined with our core construction method that provides a large measure of passive demagnetization for after a B Max saturation point allows the core to track the back half of the wave form, rather than sit in saturated polarization until an opposite H force is applied. Transformers built in this fashion have no crossover distortion and are flat i phase and frequency response to beyond 40 kHz at any power level. I do mean flat, + / – 0 db from 20 to 40 kHz. They also have smooth impedance characteristics below 20Hz and will not oscillate, ever.

Zu deutsch:

Ich benutze mit gehackter Glasfaser gefüllte Nylon-Wickelkörper als Basis zur Herstellung eines dielektrischen Bauelements. Es gibt zwei Wicklungen aus Mylar-Film, 0,13mm dick, als Endwicklung. Innerhalb dieser Abtrennung aus einem Material der Dielektrizitätskonstante 3,5 sind die Windungen in Polyesterkunstharz eingebettet, das auch eine Dielektrizitätskonstante von 3,5 hat. An den Antennenbarrieren, zwischen primärer und sekundärer Wicklung, findet sich dielektrische Barriere aus Nomex/Glimmer-Papier der Dielektrizitätskonstante 2,2. Diese Art der Konstruktion zwingt die motilen Elektronen, die primären und sekundären Windungen zu verlassen und sich statt dessen an der Antennenbarriere zu akkumulieren. Dies wiederum sorgt für eine viel vollständigere Übertragung der E-Feld-Informationen über diese Barrieren. Dies macht sich als komisch klingende „Einspielzeit“ bemerkbar, die Du feststellen wirst. Ich tue dies, um den Übertrager dazu zu zwingen, mehr Informationen zu erhalten und zu transportieren, als dies in der Regel möglich wäre. Kombiniert mit unserer Kernkonstruktionsmethode, die eine große Menge passiver Demagnetisierung hinter dem Punkt der B max Sättigung erlaubt, wird erreicht, dass der Kern die hintere Hälfte der Wellenform verfolgt, anstatt gesättigt herumzusitzen, bis eine entgegengerichtete H-Kraft anliegt. Transformatoren, die auf diese Weise gebaut werden, besitzen keinerlei crossover-Verzerrung und besitzen eine flache i-Phasen- und Frequenzantwort bis über 40kHz auf jedem Leistungsniveau. Und damit meine ich flach, also +/- 0 dB von 20 bis 40kHz. Sie haben ebenfalls eine sehr sanfte Impedanzcharakteristik unterhalb von 20Hz und werden niemals oszilieren.

Als letztes einige Bilder der Übertrager, so wie sie aus der Schachtel kommen. Die Glocken sind dafür vorgesehen, nachlackiert zu werden. Besonders bemerkenswert finde ich die Stoffummantelung des Kerns, die ich .. traue ich mich, das zu sagen? – durchaus sexy finde.

Antwort auf die Frage: „Welches Messer soll ich kaufen?“

Posted in Scharfe Messer, smile and look alive on 10. Februar 2010 by Herr Grau

15. Revision, 13.09.2015

Lieber Leser,
wenn man wie ich in Foren aktiv ist und Menschen gerne hilft, trifft man ab und zu auf wiederkehrende Fragestellungen. Keine Frage wird dabei so oft gestellt wie:
„Welches Messer soll ich mir kaufen?“
Nicht, dass diese Frage nicht bereits hundertfach beantwortet worden wäre – die Antworten liegen nur in unzähligen Posts versteckt. Und auch wenn dieser Versuch, diese Frage ein für alle mal zu beantworten, vielleicht hie und da zu kurz greift, so mag er doch zumindest helfen, die Beratungen einfacher und fokussierter zu machen.

An erster Stelle steht eine einfache Einsicht: Auch die besten Messer werden stumpf. Wer sich nicht um das Schärfen kümmert, hat auch von den besten Messern nach ein paar Wochen nichts mehr. Messer in Härtebereichen bis etwa 60° HRC kann man zwar mit einem Wetzstahl relativ lange scharf halten, aber auch sie müssen irgendwann nachgeschliffen werden. Wer also lange Freude an seinen Messern haben will, sollte sich den richtigen Gebrauch eines Wetzstahls und das Schärfen aneignen, ansonsten sind neue Messer unsinnig.
( → Einleitung Schärfen, Wahl des Schleifsteins, Schärfvorgang)
Und nur um noch mal die Grundregeln zu wiederholen:
Nie auf Glas, Keramik, Metall oder Stein schneiden! Klinge von Knochen fernhalten! Messer gehören nicht in die Spülmaschine!

Genug der Vorrede. Es ist erstaunlich, wie sehr die Beantwortung weniger grundsätzlicher Fragen die Auswahl von „unüberschaubar“ auf „ein paar wenige“ reduziert. Diese Fragen lauten:

1. Welcher Aufgabenbereich?
Es gibt eine Vielzahl spezialisierter Messer, Messersätze enthalten häufig zehn Messer oder mehr. Das meiste ist überflüssig. Ein Kochmesser, ein Schälmesser und ein Brotmesser sind die Austattung, die man braucht. Wenn dann wirklich etwas fehlen sollte, kann man es noch nachkaufen. Das ist aber erfahrungsgemäß unwahrscheinlich. Es gilt: Weniger kaufen, dafür gut. Als Schälmesser haben sich die dünngeschliffenen kleinen Herdermesser bewährt. Mit etwa 10€ kosten sie nicht die Welt und sind im Prinzip die ideale Lösung für diese Aufgabe. herderBrotmesser sind Sägen. Ist der Wellenschliff stumpf, kann er nur von einem Fachmann nachgeschliffen werden. Die scharfen Zähne reißen mehr als dass sie schneiden, daher tut es für diese Aufgabe im Prinzip jedes Messer. Hier zählen vor allem ästhetische und haptische Vorlieben. Persönliche Empfehlungen sind die Victorinox Konditorsäge im günstigen Bereich und für etwas mehr Geld das Herder Grandmoulin oder das MAC Superior Brotmesser. Aber auch jedes andere Messer erfüllt den Zweck wenigstens zufriedenstellend. Im Folgenden geht es also nur noch um das große Kochmesser. Guck an, das ging schnell.

2. Welche Form?
Dies ist einfach eine Frage von Erfahrungen und Vorlieben. Die klassischen europäischen Formen sind für den Wiegeschnitt ausgelegt. Man differenziert die deutsche Form mit hochgezogener Spitze und großem Bauch und die französische Form mit in die Mitte oder sogar tiefer gezogener Spitze und häufig insgesamt schmalerer Klinge:messerformenDie Japaner kennen mehr als eine Universalmesserform. Das Gyuto ist die jüngste Form und entspricht dem europäischen Kochmesser zumeist französischer Form:

suien

Das Santoku ist tendentiell kürzer und höher: Die Frage, ob man lieber ein Kochmesser/Gyuto oder ein Santoku möchte, ist eine des persönlichen Geschmacks. Ich empfehle dem, der diese Erfahrung nicht hat, die klassische Kochmesserform. Sie eignet sich besser für den Wiegeschnitt, durch die ausgeprägtere Spitze besser zum Parieren von Fleisch und durch ihre größere Länge auch besser zum Zerteilen von Fleisch und Fisch.

Abseits dessen gibt es noch einige „Exotenformen“: Die Kenyo-Form, vor allem durch Sirou Kamo in Europa bekannt, die ich für zu schmal für ein Universalmesser halte, und das auf George W. Sears Outdoormesser zurückgehende Nessmuk, das aber keine festgelegte Form darstellt. Messer dieses Formenkreises sind selten. Ausnahmen mit dieser Kontur bilden das Tosa Bunkaboocho, das weiter unten abgehandelt wird, und das Nesmuk® von Lars Scheidler, das man getrost als gut gelaufenes Marketingkonzept abhaken kann. Und schließlich hat es noch das traditionelle chinesische Hackmesser. Gerade für Leute, die viel Gemüse verarbeiten und denen andere Messerformen zu schmal sind, sind diese Messer eine ernsthafte Überlegung wert. Es handelt sich um sehr dünne Messer, die ihr martialisches Auftreten Lügen strafen. Beste Wahl: Suien oder Sugimoto.

3. Wie viel Geld will ich ausgeben?
Diese Frage muss man sich natürlich auch stellen. Zu einem traditionellen Japanmesser gehört zumindest ein Schleifstein oder, wenn ein Stein absolut nicht Frage kommt, ein Schleifsystem (Spyderco, Lansky, Edge Pro Clone). Zu allen anderen Messern kommt zusätzlich mindestens ein günstiger Keramikwetzstab, das sollte immer berücksichtigt werden.

4. „Rostfrei“ oder Carbonstahl? Was ist Geometrie?
Rostträger Stahl („Edelstahl“, „Rostfrei“) bildet große Chromkarbide. Man kann sich das wie große, widerstandsfähige Körner im Stahl vorstellen. Ein gröberes Korn heißt eine geringere mögliche Schärfe. Dafür sind rostträge Stähle tendenziell zäher und haben bei gleicher Härte eine längere Standzeit, sind aber auch schwerer zu schärfen. Carbonstähle dagegen werden dank ihres feinen Korns schärfer und sind auch einfacher zu schärfen, halten diese Schärfe dafür bei gleicher Härte weniger lange. Es gibt exzellente Messer aus Carbonstahl, aber durchaus auch viele großartige Klingen aus rostträgem Stahl. Solange dieser richtig ausgewählt und wärmebehandelt wird, ist das fraglos möglich. Wichtiger als der Stahl ist das Messer als Ganzes. Entscheidender als der Stahl und dessen Härte ist nämlich die Geometrie der Klinge. Ein dickes fettes Messer will einfach nicht leger durch die Karotte. Der Großteil des subjektiven Gefühls eines guten Messers entsteht durch leichtes Schneiden auf Grund einer dünnen Klinge – und zwar vor allem dünn direkt über der Schneide. Ich bin der festen Überzeugung, dass Stahl, Wärmebehandlung und Härte auf eine möglichst ideale Geometrie hin gewählt werden sollten und keinstenfalls anders herum. Macht man die Messer zu dünn oder zu hart für ihre Dünne, werden sie zu empfindlich. Die Balance zu treffen und dann handwerklich makellos auszuführen, ist alles andere als trivial. Schleifautomaten können bis heute nicht das, was ein Schleifer von Hand tut. Daher sind gute handgemachte Messer industriell hergestellter Ware tatsächlich merklich überlegen.

Ein kurzes Wort zu der Pflege von Carbonstählen: Ich arbeite seit Jahren mit solchen Messern; nach dem Schneiden einmal kurz mit dem feuchten Spüllappen abwischen, am Geschirrtuch abtrocknen, das kostet ein paar Sekunden. Dass sich saures Schneidgut verfärbt, passiert auch nur, bis die Klinge vernünftig Patina angenommen hat.

5. Härte als Organisationsfaktor – Systematik, Härten und Schaubild erklärt
Der Messerkauf ist vor allem deshalb ein solches Problem, weil es schwierig ist, den Markt zu überschauen und dann in eine sinnvolle Systematik zu bringen. Nach reiflicher Überlegung habe ich mich dazu entschieden, den Weg über die Härte des Schneidenstahls zu gehen, denn diese hat die größte Relevanz, um verschiedene Gruppen zu trennen. Ich habe den Markt – soweit er mir bekannt ist – nach dieser Systematik in ein Schaubild gegossen, in dem jedes Messer mit einem kurzen Kommentar versehen ist. Weiter habe ich die Messer nach Preis sortiert, in die Kategorien empfehlenswert, bedingt empfehlenswert und nicht empfehlenswert gegliedert – farblich gekennzeichnet natürlich -, persönliche Favoriten markiert und die Messer mit Fünf-Blickwinkel-Reviews kenntlich gemacht und diese verlinkt. Außerdem werden Carbonstahl und rostträge unterschieden. Bei allen Messern, die dies nötig haben, wurden Bezugsquellen angefügt. Ich habe alle Preise von Importmessern als deutsche Endpreise nach Versand und Zoll ausgerechnet.

Im Folgenden werde ich kurz die Vor- und Nachteile der einzelnen Kategorien darlegen, weitere Informationen zu den Messern sowie die Legende finden sich in dem Schaubild.

Sehr weicher Stahl (~ 53 – 54° HRC) findet sich traditionell bei den französischen Sabatier-Kochmessern aus der Messerstadt Thiers. Diese müssen häufig auf dem Stahl gewetzt werden, da sie die Schärfe nicht lange halten. Dafür sind sie auch bei dünnen Geometrien sehr unempfindlich und werden sehr schnell wieder sehr scharf.
Die nächst härtere Kategorie (~ 55-56° HRC) bilden die deutschen Kochmesser. Diese sind ebenfalls sehr unempfindlich und können auf dem Wetzstahl lange scharf gehalten werden, allerdings sind die meisten dieser Messer dank Maschinenschliff so dick, dass sie wenig Freude bereiten.
Die inzwischen größte und beliebteste Kategorie bilden die Messer mittelhoher Härte (~ 58 – 61° HRC). Diese Messer sind hart genug, um eine gute Standzeit zu gewährleisten, aber noch nicht so hart, dass ihre Sprödigkeit sehr dünne Schneiden unmöglich macht, weshalb viele – ich auch – sie als goldene Mitte ansehen. Diese Kategorie wird primär von den japanischen Firmen bedient, die sie auch erschlossen haben, es gibt aber einige Ausnahmen. Hier kommen verschiedene Stahlgüten zum Einsatz. Das untere Ende des Spektrums bildet der Chrom-Molybdän-Standardstahl. Er kommt bei den meisten günstigeren Messern zum Einsatz und hat die geringste Standzeit. Vergleichbar sind günstige Carbonstähle wie bspw. SK4, die aber fast allesamt aufgrund ihrer hohen Reaktivität nicht zu empfehlen sind. Besser sind Messer aus weniger hoch gehärteten Papierstählen (hauptsächlich Weißpapierstahl) und schwedischen rostträgen Stählen von Sandvik und Uddeholm. Diese werden bei richtiger Wärmebehandlung erstaunlich scharf und haben eine sehr gute Standzeit. Auch am Markt aber zunehmend weniger genutzt sind die Takefu Goldstähle (VG), die häufig in Mehrlagenmaterialen vorkommen. Vor allem VG10 ist auf Grund seiner schweren Schärfbarkeit und Sensitivität auf falsche Wärmebehandlung mit Vorsicht zu genießen. Der Großteil der Messer dieser Kategorie kann auch auf dem Wetzstahl scharf gehalten werden.
Schließlich bilden die traditionellen japanischen Messer aus Weiß- oder Blaupapierstahl die härteste Kategorie (~ 62 – 65° HRC) konventioneller Stähle. Sie werden extrem scharf und halten diese Schärfe auch lange, dafür sind dünne Geometrien schwierig zu realisieren, da mit der Härte auch die Sprödigkeit steigt, wodurch die Schneiden ab einer bestimmten Dünne zu empfindlich werden. Es gibt Dreilagenkonstruktionen, entweder aus fertigem Walzlaminat (günstiger) oder von Hand verschweißt (Warikomi, teurer), und komplett aus Papierstahl gefertigte und dann im Lehmmantel differenziell gehärtete (Honyaki, sehr teuer) Messer. Alle Messer müssen auf Steinen scharf gehalten werden, Wetzstähle richten hier Schaden an.
Die höchste Härtekategorie (>63° HRC) bilden Messer aus pulvermetallurgischem Stahl. PM-Stahl ist sehr schwer zu schärfen und nur wenige Firmen haben das Know-How, den richtigen Stahl so zu verarbeiten, dass er nicht grauenvoll zum Ausbrechen neigt. Ich habe alle diese Messer als bedingt empfehlenswert markiert, da ich niemandem ein solches Messer ans Herz legen würde, der nicht genau weiß, worauf er sich einlässt.

Hier ist das Schaubild:
(Anmerkung: Da die Bilddatei über hundert mal so groß ist, habe ich das PDF-Format gewählt. Es wird daher ein PDF-Reader benötigt.)

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So, das ist es. Wer Fragen hat, kann mich gerne anschreiben. Im Messerforum wird auch noch jedem geholfen. Wer nichts gefunden hat, dem kann glaube ich auch nicht mehr geholfen werden.

Bau eines endgültigen Röhrenverstärkers – 4 – Gehäusebau

Posted in Angewandte Wissenschaft, Röhrenverstärker, smile and look alive on 9. Februar 2010 by Herr Grau

Wie auch immer das individuelle Gehäuse aussieht, die wenigsten Menschen werden in den Genuss kommen, für ihr Projekt bereits vergebohrte Chassis bekommen zu können. Daher gilt es, nachdem man sich ein Layout überlegt hat (worauf man dabei achten sollte, werde ich im nächsten Kapitel erklären), die entsprechenden Löcher für Fassungen und Buchsen zu schaffen. Dabei kann einem das Wissen um wenige grundsätzliche Dinge viel Leid ersparen.

Löcher sollte man generell auf einer Standbohrmaschine mit einem Schälbohrer machen. Normale Bohrer schaffen nie so saubere Löcher wie ein Schälbohrer, desweiteren braucht es häufig Löcher in seltsamen Größen, für die es nicht einmal Bohrer gäbe. Schälbohrer sind konisch und können damit jede beliebige Lochgröße schaffen. Gebohrt wird immer von der Seite, die am Ende zu sehen ist. Leider sind Blechschälbohrer mit ~40€ nicht unbedingt günstige Werkzeuge.

Eckige Aussparungen kann man am besten mit einem Dremel machen. Meine Löcher sind vergleichsweise hässlich, weil ich seit Jahren schon nicht mehr mit diesem Werkzeug gearbeitet habe. Ein paar Minuten Übung und sie wären wesentlich besser geworden. Ein Dremel findet sich fast in jedem Bekanntenkreis, die Schneidscheiben kosten nicht viel.

Eine Regel, die ich auch jedes Mal vernachlässige und immer den Preis bezahle, ist, dass man beim Arbeiten stets alle Flächen mit Malerkrepp abkleben sollte. Auf den Bildern sind wieder einige Kratzer zu sehen, die durch unvermeidliche Unvorsichtigkeiten entstanden sind. Diese werde ich mit Lackreiniger auspolieren müssen.

Anzeichnen kann man am besten mit einem sehr weichen Bleistift. (Ein Talkumstift, wie ihn Schmiede benutzen, wäre ideal, aber wer hat sowas schon im Haus…)

Als ewiges Opfer meiner Umstände musste ich mich mit dem abgeben, was gerade greifbar war, in diesem Fall in Form einer Wolfcraft-Bohrmaschinen-Einspannung (sollte man vermeiden, wenn es nur irgend geht). Dieses großartigen Geräts wegen sind die Löcher auch auf wenige Zentimeter genau zentriert:

Ein Dremel ist für die meisten Gehäusearbeiten unverzichtbar:

Die Kanten der Ausschnitte sieht man zum Glück am Ende nicht. Die Kaltgerätebuchsen werden zum besseren Halt sowieso eingeklebt:

Die eigentliche Montage geht recht flott. Schrauben sind aus Messing, da Schwarz und Gold zusammen einfach schick aussieht. Messing ist sehr empfindlich, die Löcher müssen also sehr sauber entgratet sein. Die Senkkopfschrauben für die Neutrik-Cinchterminals fehlen noch:

Wer Angst vor diesen Arbeiten hat, den kann ich schon verstehen. Allerdings sollte sich in jedem Bekanntenkreis jemand finden, der die handwerklichen Fähigkeiten dazu mitbringt und sich für eine Kiste Bier dazu bereit erklärt. Insgesamt ist sowas bei konzentrierter Arbeit (…wo wächst das eigentlich?) in einer Stunde zu schaffen.

Update:

Bleche sind eingetrudelt. Ein großes, um das Chassis zu verstärken und die Transformatoren voreinander zu schützen und drei kleinere als Schirmbleche, damit das Netzteil, also vor allem Versorgungstransformator und Drossel, nicht blöd in die Signalwege einstreuen. Der ganze Bumms wurde mittels Uhu Endfest 300, Stuhlwinkeln, Hammerit und viel gutem Willen zusammengedengelt. Unter dem Transformator ist eine vibrationsdämpfende Schicht Schaumstoff platziert.

Gute Bilder von den Trennblechen habe ich nur zusammen mit dem halbwegs fertigen Netzteil:

Die Schirmbleche müssen natürlich vernünftig geerdet sein (Schutzleiter, nicht Signalmasse!), damit das ganze Sinn macht. Ich habe das durch *hust* fachgerechten *hust* Aufbau versucht, sicherzustellen.

DIY-Lautsprecher – ADW Duetta – oder: Wie man es nicht macht.

Posted in Angewandte Wissenschaft, smile and look alive on 2. Februar 2010 by Herr Grau

Man könnte es eine Neurose nennen, dass ich lieber lange auf das Beste spare, als irgendetwas Halbgares zu kaufen – ich halte es für eine wichtige Art von Konsequenz. Gerade für einen Studenten ist das ein episches Vorhaben und wenn sich dazu auch noch der Wunsch nach einer Hifi-Anlage gesellt, dann kann es enorm flott extrem teuer werden. Schnell liegen die Preise der Komponenten hinter der Grenze des Bezahlbaren, durch die Traumwiesen hindurch noch hinter den Bergen, im Land des schlechten Geschmacks. Fakt ist, dass die Komponenten ab einem gewissen Punkt nicht mehr besser werden. Etwas anderes als Mundorf-Kondensatoren und Eton-Chassis bekommt man auch im hohen Dukatensegment nicht und auch Boxen sind nach wie vor aus Holz, das mit dem Holz im Baumarkt recht eng verwandt ist. Viele „Verbesserungen“, die im Premiumsegment eingeführt werden, dienen einzig und allein dem Zweck, dass sowohl Verkäufer als auch Käufer des Nachts besser schlafen. Letzterer, weil ihn keine Zweifel mehr plagen und ersterer, weil sein Kissen so gut gepolstert ist. Diese .. ich nenne sie jetzt mal Ende-Der-Fahnenstange-Kompontenen kann aber auch ein Du und ein Ich beim Elektronikfred unseres gemeinsamen Vertrauens käuflich erwerben. Zum hochgradig kostensparenden Selbstbau fehlt (nur) noch das essentielle Bindeglied, jene sphärisch-unfassbare Kraft, deren Quelle selten gestreute Fachleute sind und die vom Vorsitzenden des Elite-Sachen-gebacken-Krieger-Weltverbands Hannibal Smith mit einem Wort zusammengefasst wird: Plan.

Im Selbstbau von Boxen kommt man an ein paar Wahrheiten nicht vorbei. Eine davon ist, dass man früher oder später bei Udo Wohlgemuth (Acoustic Design Wohlgemuth) landet. Er vereint Kompetenz, Kundenbetreuung, Freundlichkeit und gutes Aussehen auf ein Weise, dass man sich wünscht, es gäbe eine Art ihn in anderen Branchen ebenfalls. Dazu kommt, dass die Erfolge seiner Produkte für sich sprechen. Wer sich nicht auf Internetzgeblöke verlassen will, der spannt den Karren an und greift auf Qualität 2 und 3 von Udo zurück, in diesem Fall in der Form der Möglichkeit, ihn nach kurzer Absprache im Prinzip zu jeder unmöglichen Zeit zum Probehören besuchen kommen zu können. Hier setzt meine kleine Geschichte auch an. Wurde auch Zeit, werden Sie sagen, nach so vielen Buchstaben. Also los.

Ich sitze also in dem kleinen Tüftlerkabuff in Bochum auf einer abgewetzten Couch und versuche, in kurzer Zeit so viel Wohlgemuth wie möglich aufzusaugen. Er hat nicht alles parat, aber einen soliden Querschnitt seines Sortiments kann man probehören. Stoisch erträgt er meiner CD- und Plattensammlung, wechselt die Lautsprecher, lässt mich weiter hören. Nebenbei lässt er wie nebensächlich wichtige Ratschläge und lustige Anekdoten fallen. Interessiert begutachtet er Incubus und Audiovent, sowie Ray LaMontagne und merkt schließlich bescheiden an, dass ihm in dieser Musik die Dynamik fehle (nicht wirklich verwunderlich, muss die Abmischung doch auch ihrer Verwendung als Disko-Musik Rechnung tragen). Ich wechsle also auf Led Zep und Dusty in Memphis, was sein Gemüt schon etwas erhellt, schließlich kann er aber doch nicht umhin, bei der Präsentation seines Meisterstücks, der Duetta, auch selber noch mal in die Kiste zu greifen und Monty Alexander in Montreaux und Ella & Louis aufzulegen – beide musste ich mir übrigens dringend sofort auch zulegen, wobei letztere schon länger auf meinem Wunschzettel stand. Die Boxen faszinierten mich dabei so derartig, dass ich sie vom Fleck weg kaufe, das heißt: Ich kaufte die Bausätze.

An dieser Stelle vielleicht ein paar kleine Details zur Duetta für alle, die die Box nicht kennen. Zu aller erst gibt einen Artikel dazu in Udos Magazin (hier). Es handelt sich um eine zweiteilige Standbox, die komplett mit Chassis von Eton/Ulm bestückt ist. Diese gehören mit zu dem Besten, was es überhaupt für Geld und gute Worte zu kaufen gibt. Zumindest aber den – zugegebenermaßen nicht gerade günstigen – Hochtöner ER4 halte ich für den besten im Moment verfügbaren Vertreter seiner Zunft überhaupt. Und auch der 7-360/37 Hex und der 11-581/50 Hex brauchen sich vor keinem ihrer Mitbewerber verstecken. Der Aufbau erfolgte bei mir aus 22er MDF, wie von Udo vorgeschlagen. Hier ist der Bauplan (klick zum Vergrößern):

(Es finden sich noch einige Echos zu der Box, eine kleine Auswahl hier: #1, #2. #3, #4, #5, #6, #7. Wenn man noch etwas sucht, findet man sicher noch mehr.)

Seit dem Abend in Bochum sind einige Monate vergangen. Kommen wir zum Gehäusebau, den man auch eine Aneinanderreihung von Fehlern nennen könnte:

Erster Fehler: Ich kaufte mein MDF beim lokalen Baumarkt zu überteuerten Preisen und stellte zuhause fest, dass der Zuschnitt nicht präzise war. Für das Geld hätte ich es auch vom Tischler holen können, dafür aber richtig zugesägt.

Zweiter Fehler: Ich kaufte die Schallwände CNC-gefräst zu, da ich Schiss vor dem Ausfräsen der Löcher für den ER4 hatte. Merke: Will man furnieren, dann tut man das erst und fräst dann. Löcher überzufurnieren und dann auszuschneiden ist Masochisten-R&R und wird nie gut, wieviel Mühe man sich auch gibt.

Fehler Nummer 3: Ich kaufte mein Furnier bei Schorn&Groh. Das war eine ziemlich blöde Idee, aber das konnte ich nicht wissen. Die Furniere sind aus sehr schmalen Streifen zusammengesetzt, was auf größeren Flächen (Duettaseiten) wirklich bescheuert aussieht. Die Lieferung dauerte ewig und dann war die Hälfte der gelieferten Furniere falsch. Was ich merkte, als mein Tischler sie aufgeklebt hatte.

Fehler 4: Ich vergaß, die Gehäuse innen mit Dämpfungsmaterial zu bekleben, was schon zu empfehlen ist. Als sie zusammengeklebt waren, wollte ich mir das gynäkologische Gemache dann auch nicht mehr antun und habe es einfach sein gelassen.

Womit wir beim finalen Fehler wären: Ich hatte Angst, das teure Furnier zu ruinieren und gab die Boxen daher zu einem Tischler. Ich übersah die Möglichkeit, dass ein Mensch, der super nett ist und sonst spitzen Arbeiten macht, möglicherweise keine Ahnung vom Furnieren haben könnte. Jetzt wirft das Furnier überall Blasen, so genannte „Kürschner“, ein so gut wie nicht zu korrigierender Fehler. Derart große Flächen sollte man nicht mit Kontaktkleber zu furnieren versuchen, da man eh nicht so flächig gleichmäßig genug Druck aufbringen kann, sondern beide Teile einleimen, den Leim trocknen lassen und dann das Furnier mit einem Bügeleisen aufbügeln.

Man könnte sagen, ich habe eine teure Lektion gelernt. Einer der werten Autorenkollegen meinte in Anlehnung an gängige Euphemismen, ich hätte eben „besondere“ Gehäuse. Ich versuche das Beste daraus zu machen, denn ich habe weder Zeit, noch Geld oder Nerven, das ganze noch einmal von vorne anzufangen. Solange es klingt, werde ich mich jetzt darüber freuen.

Die Weichen waren schnell zusammengedübelt. Ich sollte vielleicht an dieser Stelle einen kleinen Dankesgruß an meinen Vater in den Äther beten, der Tatsache bezüglich, dass ich bereits mit zehn Jahren löten gelernt habe. Aber ein Weichenbau ist wirklich keine große Übung: Wer die Glühbirne in der Klospülung wechseln kann und weiß, wie man Kolbenrückholfedern nachspannt, hat mit sowas auch keine Probleme.

Die Gehäuse werden mit Ausnahme des Bereichs über den Reflexkanälen locker mit Dämmstoff gefüllt, auf die Hinterwand der Kammer des ER4 wird jeweils eine Moosgummiplatte geklebt. Die Löcher für die Kabel des Hochtöners werden mit Wachs verschlossen. Die Löcher für die Schrauben werden vorgebort.

Dann stehen sie irgendwann und spielen.

Tja, was soll ich sagen? Hat sich das viele Geld, die Mühe und der Ärger gelohnt?

Definitiv. Nach etwa fünfzig Stunden Einspielzeit verschwindet die anfängliche Schärfe aus den Höhen und es bleibt ein wunderbares Klangbild übrig, das schön die Musik projiziert, nichts überartikuliert, knackig trockene Bässe und glasklare, nie nervige Höhen liefert. Desweiteren ist die Dynamik wahnsinnig und die Auflösung haarscharf. Man hört Dinge, die man vorher noch nie wahrgenommen hat. Man ‚hört‘ den Lautsprecher überhaupt kaum, was ich sehr großartig finde.

Ich will die Klangbeschreibung nicht ausdehnen, sowas wird doch sehr schnell zur Floskelschlacht: Man weiß spätestens, wenn man beim ersten Weinen einer Les Paul Gänsehaut bekommt, dass alles an der richtigen Stelle sitzt.

Ich habe viele Lautsprecher gehört, davon einige im fünfstelligen Eurosegment, wovon ich keinen der Duetta unbedingt vorziehen würde.