Archive for the smile and look alive Category

Wichtige Worte: Schillers Tell #5

Posted in smile and look alive on 5. Februar 2010 by Herr Grau

Ihr seid auch Männer, wisset eure Axt
Zu führen, und dem Mutigen hilft Gott!

DIY-Lautsprecher – ADW Duetta – oder: Wie man es nicht macht.

Posted in Angewandte Wissenschaft, smile and look alive on 2. Februar 2010 by Herr Grau

Man könnte es eine Neurose nennen, dass ich lieber lange auf das Beste spare, als irgendetwas Halbgares zu kaufen – ich halte es für eine wichtige Art von Konsequenz. Gerade für einen Studenten ist das ein episches Vorhaben und wenn sich dazu auch noch der Wunsch nach einer Hifi-Anlage gesellt, dann kann es enorm flott extrem teuer werden. Schnell liegen die Preise der Komponenten hinter der Grenze des Bezahlbaren, durch die Traumwiesen hindurch noch hinter den Bergen, im Land des schlechten Geschmacks. Fakt ist, dass die Komponenten ab einem gewissen Punkt nicht mehr besser werden. Etwas anderes als Mundorf-Kondensatoren und Eton-Chassis bekommt man auch im hohen Dukatensegment nicht und auch Boxen sind nach wie vor aus Holz, das mit dem Holz im Baumarkt recht eng verwandt ist. Viele „Verbesserungen“, die im Premiumsegment eingeführt werden, dienen einzig und allein dem Zweck, dass sowohl Verkäufer als auch Käufer des Nachts besser schlafen. Letzterer, weil ihn keine Zweifel mehr plagen und ersterer, weil sein Kissen so gut gepolstert ist. Diese .. ich nenne sie jetzt mal Ende-Der-Fahnenstange-Kompontenen kann aber auch ein Du und ein Ich beim Elektronikfred unseres gemeinsamen Vertrauens käuflich erwerben. Zum hochgradig kostensparenden Selbstbau fehlt (nur) noch das essentielle Bindeglied, jene sphärisch-unfassbare Kraft, deren Quelle selten gestreute Fachleute sind und die vom Vorsitzenden des Elite-Sachen-gebacken-Krieger-Weltverbands Hannibal Smith mit einem Wort zusammengefasst wird: Plan.

Im Selbstbau von Boxen kommt man an ein paar Wahrheiten nicht vorbei. Eine davon ist, dass man früher oder später bei Udo Wohlgemuth (Acoustic Design Wohlgemuth) landet. Er vereint Kompetenz, Kundenbetreuung, Freundlichkeit und gutes Aussehen auf ein Weise, dass man sich wünscht, es gäbe eine Art ihn in anderen Branchen ebenfalls. Dazu kommt, dass die Erfolge seiner Produkte für sich sprechen. Wer sich nicht auf Internetzgeblöke verlassen will, der spannt den Karren an und greift auf Qualität 2 und 3 von Udo zurück, in diesem Fall in der Form der Möglichkeit, ihn nach kurzer Absprache im Prinzip zu jeder unmöglichen Zeit zum Probehören besuchen kommen zu können. Hier setzt meine kleine Geschichte auch an. Wurde auch Zeit, werden Sie sagen, nach so vielen Buchstaben. Also los.

Ich sitze also in dem kleinen Tüftlerkabuff in Bochum auf einer abgewetzten Couch und versuche, in kurzer Zeit so viel Wohlgemuth wie möglich aufzusaugen. Er hat nicht alles parat, aber einen soliden Querschnitt seines Sortiments kann man probehören. Stoisch erträgt er meiner CD- und Plattensammlung, wechselt die Lautsprecher, lässt mich weiter hören. Nebenbei lässt er wie nebensächlich wichtige Ratschläge und lustige Anekdoten fallen. Interessiert begutachtet er Incubus und Audiovent, sowie Ray LaMontagne und merkt schließlich bescheiden an, dass ihm in dieser Musik die Dynamik fehle (nicht wirklich verwunderlich, muss die Abmischung doch auch ihrer Verwendung als Disko-Musik Rechnung tragen). Ich wechsle also auf Led Zep und Dusty in Memphis, was sein Gemüt schon etwas erhellt, schließlich kann er aber doch nicht umhin, bei der Präsentation seines Meisterstücks, der Duetta, auch selber noch mal in die Kiste zu greifen und Monty Alexander in Montreaux und Ella & Louis aufzulegen – beide musste ich mir übrigens dringend sofort auch zulegen, wobei letztere schon länger auf meinem Wunschzettel stand. Die Boxen faszinierten mich dabei so derartig, dass ich sie vom Fleck weg kaufe, das heißt: Ich kaufte die Bausätze.

An dieser Stelle vielleicht ein paar kleine Details zur Duetta für alle, die die Box nicht kennen. Zu aller erst gibt einen Artikel dazu in Udos Magazin (hier). Es handelt sich um eine zweiteilige Standbox, die komplett mit Chassis von Eton/Ulm bestückt ist. Diese gehören mit zu dem Besten, was es überhaupt für Geld und gute Worte zu kaufen gibt. Zumindest aber den – zugegebenermaßen nicht gerade günstigen – Hochtöner ER4 halte ich für den besten im Moment verfügbaren Vertreter seiner Zunft überhaupt. Und auch der 7-360/37 Hex und der 11-581/50 Hex brauchen sich vor keinem ihrer Mitbewerber verstecken. Der Aufbau erfolgte bei mir aus 22er MDF, wie von Udo vorgeschlagen. Hier ist der Bauplan (klick zum Vergrößern):

(Es finden sich noch einige Echos zu der Box, eine kleine Auswahl hier: #1, #2. #3, #4, #5, #6, #7. Wenn man noch etwas sucht, findet man sicher noch mehr.)

Seit dem Abend in Bochum sind einige Monate vergangen. Kommen wir zum Gehäusebau, den man auch eine Aneinanderreihung von Fehlern nennen könnte:

Erster Fehler: Ich kaufte mein MDF beim lokalen Baumarkt zu überteuerten Preisen und stellte zuhause fest, dass der Zuschnitt nicht präzise war. Für das Geld hätte ich es auch vom Tischler holen können, dafür aber richtig zugesägt.

Zweiter Fehler: Ich kaufte die Schallwände CNC-gefräst zu, da ich Schiss vor dem Ausfräsen der Löcher für den ER4 hatte. Merke: Will man furnieren, dann tut man das erst und fräst dann. Löcher überzufurnieren und dann auszuschneiden ist Masochisten-R&R und wird nie gut, wieviel Mühe man sich auch gibt.

Fehler Nummer 3: Ich kaufte mein Furnier bei Schorn&Groh. Das war eine ziemlich blöde Idee, aber das konnte ich nicht wissen. Die Furniere sind aus sehr schmalen Streifen zusammengesetzt, was auf größeren Flächen (Duettaseiten) wirklich bescheuert aussieht. Die Lieferung dauerte ewig und dann war die Hälfte der gelieferten Furniere falsch. Was ich merkte, als mein Tischler sie aufgeklebt hatte.

Fehler 4: Ich vergaß, die Gehäuse innen mit Dämpfungsmaterial zu bekleben, was schon zu empfehlen ist. Als sie zusammengeklebt waren, wollte ich mir das gynäkologische Gemache dann auch nicht mehr antun und habe es einfach sein gelassen.

Womit wir beim finalen Fehler wären: Ich hatte Angst, das teure Furnier zu ruinieren und gab die Boxen daher zu einem Tischler. Ich übersah die Möglichkeit, dass ein Mensch, der super nett ist und sonst spitzen Arbeiten macht, möglicherweise keine Ahnung vom Furnieren haben könnte. Jetzt wirft das Furnier überall Blasen, so genannte „Kürschner“, ein so gut wie nicht zu korrigierender Fehler. Derart große Flächen sollte man nicht mit Kontaktkleber zu furnieren versuchen, da man eh nicht so flächig gleichmäßig genug Druck aufbringen kann, sondern beide Teile einleimen, den Leim trocknen lassen und dann das Furnier mit einem Bügeleisen aufbügeln.

Man könnte sagen, ich habe eine teure Lektion gelernt. Einer der werten Autorenkollegen meinte in Anlehnung an gängige Euphemismen, ich hätte eben „besondere“ Gehäuse. Ich versuche das Beste daraus zu machen, denn ich habe weder Zeit, noch Geld oder Nerven, das ganze noch einmal von vorne anzufangen. Solange es klingt, werde ich mich jetzt darüber freuen.

Die Weichen waren schnell zusammengedübelt. Ich sollte vielleicht an dieser Stelle einen kleinen Dankesgruß an meinen Vater in den Äther beten, der Tatsache bezüglich, dass ich bereits mit zehn Jahren löten gelernt habe. Aber ein Weichenbau ist wirklich keine große Übung: Wer die Glühbirne in der Klospülung wechseln kann und weiß, wie man Kolbenrückholfedern nachspannt, hat mit sowas auch keine Probleme.

Die Gehäuse werden mit Ausnahme des Bereichs über den Reflexkanälen locker mit Dämmstoff gefüllt, auf die Hinterwand der Kammer des ER4 wird jeweils eine Moosgummiplatte geklebt. Die Löcher für die Kabel des Hochtöners werden mit Wachs verschlossen. Die Löcher für die Schrauben werden vorgebort.

Dann stehen sie irgendwann und spielen.

Tja, was soll ich sagen? Hat sich das viele Geld, die Mühe und der Ärger gelohnt?

Definitiv. Nach etwa fünfzig Stunden Einspielzeit verschwindet die anfängliche Schärfe aus den Höhen und es bleibt ein wunderbares Klangbild übrig, das schön die Musik projiziert, nichts überartikuliert, knackig trockene Bässe und glasklare, nie nervige Höhen liefert. Desweiteren ist die Dynamik wahnsinnig und die Auflösung haarscharf. Man hört Dinge, die man vorher noch nie wahrgenommen hat. Man ‚hört‘ den Lautsprecher überhaupt kaum, was ich sehr großartig finde.

Ich will die Klangbeschreibung nicht ausdehnen, sowas wird doch sehr schnell zur Floskelschlacht: Man weiß spätestens, wenn man beim ersten Weinen einer Les Paul Gänsehaut bekommt, dass alles an der richtigen Stelle sitzt.

Ich habe viele Lautsprecher gehört, davon einige im fünfstelligen Eurosegment, wovon ich keinen der Duetta unbedingt vorziehen würde.


Messervorstellung: Watanabe Santoku

Posted in Getestet, Scharfe Messer, smile and look alive on 2. Februar 2010 by Herr Grau

Als ich vor Jahren das erste richtige Japanmesser kaufen wollte, stolperte ich neben allen in Deutschland angebotenen Messern über eine kleine Schmiede in Japan, Watanabe Blade. Der Sohn dieser Messermacherfamilie, Shinichi Watanabe, ist Vorsteher der Schmiede und Kontaktmann und sehr bald stellte sich heraus, dass es der netteste und umsichtigste Kontakt war, den ich mit einem Hersteller vermutlich je gehabt habe. Nachdem er mich umfassend beraten hatte, bestellte ich ein Santoku aus der Standardserie mit gebranntem Haselnussgriff. Das Messer selbst kostet 90$, dazu kamen 10$ für den Griff und 12$ für Versand, was 112$ macht. Inzwischen sind Messer und Versand etwas teurer geworden, aber mit 125€ ist man immer noch dabei. Die Bezahlung erfolgte problemlos via Paypal. Nach nur zwölf Tagen traf das Messer bei mir ein.

Technische Daten

169mm Klingenlänge
47mm Klingenbreite an der breitesten Stelle
1,6mm Klingenstärke in der Mitte
128mm Grifflänge
22mm Griffdicke aufrecht, Griff asymetrisch

Stahl: Weißer Papierstahl (Shirogami) zwischen zwei Eisenlagen

Gesamtansicht:

Klinge:

Griff:

Unterschrift des Schmieds:

Klinge: 93 Punkte

Fehlerfrei gearbeitete Klinge, sehr gute Geometrie, das heißt weder zu dünn und sensibel, noch zu dick und grob. Die Klinge ist verzugsfrei, die Form sehr gut. Punkte werden hier abgezogen, weil die Klinge an der Angel nicht ideal gearbeitet ist, desweiteren ist die Gestaltung relativ 08/15.

Schärfe: 95 Punkte

Die inneren Werte der Klinge überzeugen dafür umso mehr. Meinen Informationen nach lässt Watanabe seine Messer extern härten. Dieser externe Anbieter versteht sein Handwerk offenbar, denn die Klinge ist hart, nicht zu spröde und sehr schnitthaltig. Der Shirogami ist natürlich ein von Natur aus ziemlich genialer Stahl, aber das heißt nicht, dass man mit der Wärmebehandlung nicht noch einiges versauen könnte. Die schneidfreudige Geometrie hilft beim Schneiden. Die Schärfe ist insgesamt schon sehr groß und für einige Leute sogar schon angsteinflößend. Wie bereits gesagt ist die Standzeit recht hoch, bei ersten Anzeichen von Stumpferwerden gehe ich damit über meinen Honyama, nach etwa einer Minute Arbeit auf dem Stein ist es wieder wunderbar.

Balance: 90 Punkte

Das Messer ist klingenlastig, der Griff sehr leicht. Ich finde diese Verteilung sehr gut zum Arbeiten, daher die Punkte. „Ausbalanciert“ im Sinne von gleicher Gewichtsverteilung kann man das allerdings nicht nennen.

Griff: 90 Punkte

Die Holzarbeit selber gefällt sehr gut, der asymetrische Griff fasst sich wunderbar, er ist weder zu lang, noch zu kurz. Das Holz (Burnt Chestnut) ist eine Sonderoption und hübsch, griffig und sehr haltbar. Leider ist die Zwinge aus Plastik, was etwas billig wirkt, und die Stirnseite des Griffs ist nicht besonders hübsch.

Gesamt: 92 Punkte

Man könnte sicher ein besseres Messer machen als dieses. Aber es leistet sich keine ernstzunehmenden Schwächen, lediglich kleinere Äußerlichkeiten, und ist ein absolutes Schnäppchen für das Geld, das es kostet. Bis ich mal Geld für ein Sirou Kamo übrig habe, bin ich mit diesem Messer mehr als glücklich.

Wichtige Worte: Schillers Tell #4

Posted in smile and look alive on 28. Januar 2010 by Herr Grau

Der kluge Mann baut vor.

Messervorstellung: Herder Grandmoulin Olive

Posted in Getestet, Scharfe Messer, smile and look alive on 26. Januar 2010 by Herr Grau

Dies ist das letzte fehlende Messer, das ich unbedingt noch haben wollte: Ein Herder Grandmoulin mit Olivenholzgriff.
Und weil ich ja ein guter Mensch bin (*hust*), lasse ich euch alle an meinem Eindruck teilhaben. Das Messer wurde beim Messerkontor gekauft, die Abwicklung lief super freundlich und extrem zügig.

Jetzt zu dem Messer.
233mm Klingenlänge
42mm Klingenbreite an der breitesten Stelle
1,8mm Klingenstärke
136mm Grifflänge
19mm Griffdicke
178g Gewicht

Metall: Der ordinäre rostfreie Solinger Messerstahl.
Schneide: Handpolierter 8mm Wellenschliff
Griff: Freigeschliffenes Olivenholz, vernietet

Das Grandmoulin kommt in einer schmucken Schachtel daher:

Schachtel auf und da liegt das gute Stück:

Das Holz ist wirklich wunderschön gemasert.

Die Klinge ist blau gepließtet, was eine sehr feine Politur bedeutet.
Ich habe hier versucht, einmal die Klinge frontal und einmal im Glanzwinkel zu treffen. Man kann sich auf jeden Fall darin spiegeln!


Eindruck: Ich wollte dieses Messer schon immer. Ich finde es wunderschön, es ist meiner Meinung nach die gelungenste Kreation des Hauses Herder. Also hab ich mir, nachdem nach Weihnachten mal das Geld nicht ganz so klamm wie im Restjahr war, mir endlich ein Herz gefasst und mir diesen Traum erfüllt.

Klinge: 93 Punkte
Die Klinge ist vom Schliff her absolut top. Jede einzelne Welle ist perfekt und glänzt bis in den hintersten Winkel. Die Form ist einfach genial, sie sieht einfach großartig aus und ist zum Schneiden genau richtig.

Volle Punktzahl gibt es nicht wegen minimalem Verzug nach rechts:

Desweiteren hätte man für den letzten Punkt (von 99 auf 100 :-P) die Klingenoberseite auch noch perfekt polieren müssen, was Herr Fehrekamp wohl aus Zeitgründen einfach nicht machen kann…

Schärfe 92 Punkte
Wie beurteilt man die Schärfe eines Brotmessers?
Es schneidet alles sanft und einfach, es bröselt kaum. Was kann man sich mehr wünschen?
Über die Standzeit kann ich noch nichts sagen. Also greife ich einfach mal in die Kiste und sage 92..

Balance 99 Punkte
Nichts zu wünschen übrig. Liegt toll in der Hand, zum dahinschmelzen.

Griff 60 Punkte
Man sollte das aufgliedern:
Auf der einen Seite die Form und die Haptik: Klasse.
Liegt satt in der Hand, einen besseren Messergriff habe ich selten gesehen. Dazu das Holzaussehen, das wirklich sehr hübsch ist – ich muss zugeben, ich bin in Olivenholz hoffnungslos verliebt.
Auf der anderen Seite aber die Verarbeitung.
Hier lasse ich erst einmal Bilder sprechen:

Mein persönliches „Lieblingsbild“:

Das ist mal ganz billig und an für sich schockierend. Das darf an einem 140€ teuren Messer einfach nicht passieren! Spalte, durch die man durchgucken kann und dann, was ich persönlich als Affront empfinde, derartig dilletantisch aufgefüllt?!

Entschuldigung Herder, aber wir sind der Meinung, das war SCHEI**E!

Anzufügen ist, dass keiner mit solchen Spalten leben muss. Claudia vom Messerkontor hat sich redliche Mühe gegeben, das ganze zu regeln. Ich wollte die Griffschalen aber nicht gegen ungesehene (wg. Maserung) austauschen lassen, sondern wollte, dass sie nachgepasst werden. Herder hat dies nicht getan. Statt dessen haben sie ein Schreiben geschickt, mit einer Rechtfertigung statt einer Entschuldigung. Und diese Rechtfertigung, nämlich dass das anders bei Olivenholz nicht ginge, ist himmelschreiend falsch und für mich, der ich selber Messer mit Olivenholz gemacht habe, schon fast beleidigend. Aber wie gesagt, im Prinzip kann man so oft zurück schicken, bis man ein spaltfreies Exemplar erwischt.

Nach Adam Riesling würde das einen Bestwert von 86 Punkten machen.
Ich kann aber nicht anders, und sagen: Wenn man die Augen zu macht und nur schneidet, sind es mehr als 90.
Wenn dieser blöde Spalt am Griff nicht wäre, läge das Messer sehr sehr gut.
Daher, Ergebnis: 90 Punkte

Ich war aber darauf vorbereitet und bin bereit, diese Mängel in Kauf zu nehmen.
So ist das eben mit der Liebe…

Wichtige Worte: Schillers Tell #3

Posted in smile and look alive on 22. Januar 2010 by Herr Grau

Daß er sein bös Gelüsten nicht vollbracht,
Hat Gott und meine gute Axt verhütet.

Bericht zur Lage der Nation

Posted in smile and look alive on 20. Januar 2010 by hoegi

Überraschung! Dieser Blog ist doch keine One-Man-Show (das war auch eigentlich nie die Intention), nein: Ich melde mich auch mal wieder, heute mit einem kurzen Bericht zur Lage der Nation.

Deutschland ist langweilig. Das sage ich jetzt nicht, weil ich mich hier nicht amüsieren kann, keinesfalls. Aber seien wir mal ehrlich: Was macht Deutschland aus? Wir haben durchschnittlich viel Küste im Norden, eine durchschnittliche Menge durchschnittlicher Berge im Süden, ein durchschnittliches Klima, durchschnittliche Frauen, durchschnitts-Penisse und einen (mittlerweile) sehr durchschnittlichen Kulturausstoß. Ja, wir haben Bier. Und wir sind eventuell auch noch Exportweltmeister, wenn China uns da nicht auch schon gekriegt hat. Aber beklagen kann man sich eigentlich nicht in diesem Lande: Jeder Mensch hat eine soziale Grundsicherung, die meisten von ihnen haben Arbeit, einige von ihnen werden sogar sehr gut bezahlt, wir haben Gewerkschaften, Tariflöhne, gesetzliche Krankenversicherung, wir dürfen alle Jubeljahre mal die Namen an der Regierung ändern. Kurzum: Wir haben eigentlich alles, was man so zum Leben braucht. Aber was kommt noch? Wenn man Nachrichten und selbsternannten „Experten“ glauben schenken darf, sind wir in absehbarer Zeit entweder alle arm, alle arbeits- und obdachlos, alle überflutet oder alle tot. Wobei Letzteres wohl am wünschenswertesten wäre, schenkt man den Hellsehern der Moderne Glauben.
Klimawandel: Die Erde erwärmt sich in den kommenden xxx Jahren um 1,nochwas °C! Das wird unser Untergang! Pillepalle. Wissenschaftler sind sich immer noch nicht einig, ob die Naturschauspiele (ich nenns einfach mal nicht Katastrophen) die sich momentan ereignen, überhaupt im Zuge eines „Klimawandels“ ereignen, oder ob das nicht sogar vielleicht ganz normal wäre mit der Erwärmung. Ich möchte hier mal an die Eiszeiten erinnern. Und selbst wenn die Polkappen jetzt ein bisschen tauen. Bleibt zu hoffen, dass es genug ist um Holland zu fluten, dann hab ichs nicht mehr so weit bis ans Meer. Und mal ehrlich: Wer hätte nichts gegen ein paar Grad mehr im Sommer? Bis die Welt untergeht haben wir jedenfalls noch genug Zeit, dass auch unsere Enkel noch ein schönes Leben haben werden.
Arbeitslosigkeit: „Experten“ erwarten in den kommenden Monaten über 200000 neue Arbeitslose in Deutschland! Ein Trend zeichnet sich ab! Werden wir bald etwa alle arbeitslos sein? Meine Meinung: Das dauert noch mindestens so lange, bis wir Androiden erschaffen haben, die uns sämtliche Arbeit abnehmen können. Ich veranschlage das mal etwa fürs Jahr 2150. Wenn das überhaupt funktionieren sollte. Wenns denn schlecht läuft haben meine Ur-Ur-Ur-Ur-Enkel dann ein schlechtes Leben. Das ist natürlich hart.
Staatshaushalt: *hust* Jaa… hier sehe ich tatsächlich ein gewisses Problem auf uns zukommen. Unser Staat und insbesondere seine Repräsentanten, namentlich unsere aktuelle Regierung, hält es für eine gute Idee, immer weiter Schulden anzuhäufen. Hätten sie mal die Sendung vom Peter Zwegat gesehen, hätten sie gemerkt, dass man zwangsläufig in eine Schuldenfalle rennt, aus der man nicht mehr so schnell rauskommt. Aktuell werden 40% des Staatseinkommens für die Schuldentilgung ver(sch)wendet. Und wenn die Regierung den aktuellen Haushalt durchbringt, wirds über kurz oder lang auch noch mehr werden. Doch was tun? Klug reden können alle! Ich stell mich ja auch hin und sage: „Schulden machen ist scheiße.“, aber was ist die Alternative? Irgendwo muss das Geld ja herkommen. Es ist halt eine Sache für sich mit der Finanzpolitik. Meiner Meinung nach steuern wir langsam aber sicher auf eine Inflation zu. Das ist natürlich ziemlich kacke und ich hoffe, dass es anders kommt. Schließlich würden dann sämtliche Ersparnisse entwertet und wir hätten nüscht mehr viel. Das wäre schade. Idealerweise machen wir einfach unbehelligt weiter Schulden und hoffen, dass es erst Generationen trifft, die sich nicht mehr an uns erinnern können.

Fazit: Irgendwann ists vorbei mit dem angenehmen Leben. Vielleicht haben wir irgendwann die Wüste Gobi vor der Tür stehen, vielleicht klopft der Atlantik ans Wohnzimmerfenster, vielleicht wird Peter Zwegat Finanzminister, vielleicht sind wir in wenigen Jahren auch einfach alle tot, weil die Erde auf die Sonne zurast.
Mein Rat für alldiejenigen, die solange das Beste aus ihrem Leben machen wollen: Smile and look alive.

Messervorstellung: Herder 1922 Kochmesser

Posted in Getestet, Scharfe Messer, smile and look alive on 20. Januar 2010 by Herr Grau

Ich will in Zukunft einige empfehlenswerte Messer vorstellen. Den Anfang macht heute ein Schmalkropf-Kochmesser von Herder aus der 1922 Serie. Es ist eins der wenigen europäischen Kochmesser, die ich kenne, die aus Kohlenstroffstahl erhältlich sind. Desweiteren ist es in bester Herder-Tradition dünngeschliffen und blaugepliestet.
Ich habe es wie immer beim Messerkontor gekauft, Claudia kümmert sich vorbildlich um ihre Kunden. Mir hat sie extra ein neues 1922 von Herder bestellt, damit ich mit dem Exemplar zufrieden bin.

Die technischen Daten:

210 mm Klingenlänge
43 mm Klingenbreite hinten
3,2 mm Rückenstärke am Klingenanfang
127 mm Grifflänge

195g Gesamtgewicht

Schneidenwinkel ca 20° – 25° mit kleiner Schneidfase
Material: C75W1 im Gesenk geschmiedet
Griff: Kirschholz mit Messingnieten

(frei von albino aus dem Messerforum geklaut, habe keine Messerwerkzeuge hier)

Der Erfahrungsbericht:

Klinge: 98 Punkte
An der Klinge gibt es wirklich nichts auszusetzen, sie ist verzugfrei und gerade, offensichtlich gut verarbeitet und vorbildlich dünngeschliffen. Der Kropf ist der schönste, den ich bis jetzt an einem Messer gesehen hab, genau richtig dimensioniert. Das Material ist vernünftig, es wären noch zwei Punkte Spiel nach oben für etwas längere Standzeit.

Schärfe und Schnitthaltigkeit: 90 Punkte
Das Messer ist scharf und es hält auch die Schärfe. Wenn man als Referenz ein japanisches Messer nimmt, ist der Unterschied aber deutlich. Der Dünnschliff macht beim Schneiden selbst aber die fehlende Schärfe mehr als wett.

Griff: 85 Punkte
Die klassische Fehlerdisziplin von Herder. Wie schon geschrieben, hat Claudia das Messer extra handselektiert, damit es nicht wiederkommt. Trotzdem ist die Verarbeitung nicht perfekt. Die Nieten sind etwas unschön versenkt, es stehen noch ein paar Fasern raus, an der einen Seite gibt es eine Verfärbung im Holz und geringe Spalte sind von oben zu sehen. Allerdings weit besser als die Katastrophe bei meinem Grand Moulin. Ich kann mit diesem Griff leben. Er liegt gut in der Hand.

Im Messerforum wird empfohlen, den Griff mit Öl oder flüssigem Wachs zu vakuumisieren. Ich hatte keinen Zugang zu einem Vakuumgerät, daher konnte ich das bis jetzt noch nicht tun. Diese Maßnahme dürfte die Lebenserwartung des Griffs deutlich erhöhen.

Balance: 98 Punkte
Das Messer ist vorbildlich ausbalanciert.

Gesammteindruck: 95 Punkte
Rechnerisch käme man auf 93 Punkte, aber das Messer ist mehr als die Summe seiner Teile. Es schneidet wirklich vorbildlich, besser als alle anderen europäischen Kochmesser der großen Firmen, die ich kennenlernen durfte.
Man nimmt es einfach gerne in die Hand, es arbeitet sich damit einfach, gut und schnell. Wenn man sich nicht mehr wünscht, ist man wohl zufrieden, oder?
Ich würde es jederzeit wieder kaufen und werde es ab jetzt jedem, der ein Kochmesser im europäischen Stil sucht, als Kochmesserreferenz empfehlen.

Jetzt einige Impressionen.
Vorher muss ich anmerken, dass ich das Messer ausprobiert habe, wobei es schon Patina angenommen hat. Ich habe diese so gut wie es ging auf dem 10.000er Stein wieder runterpoliert, auf dem ich auch die Schneide noch mal feiner gezogen habe, aber dennoch ist die Klinge jetzt nicht mehr so schön, etwas wolkig und ungleichmäßig. Die Tropfen darauf sind Kamelienöl, von dem ein bisschen viel an der Klinge war.
Als es kam, war es perfekt.

Messer in der Kiste

Schneidfase

Fluchtung:

Griff von der Seite & Kropf

Griff von der Seite, ganz

Griffspalte, sehen aber auf diesem Foto wirklich schlimmer aus, als sie sind:

Griffspalte näher, das tut dem ganzen mehr recht

Griffspalte unten, im Prinzip nicht vorhanden:

Und noch einmal die Größe im Vergleich zu meiner Hand

Wichtige Worte: Schillers Tell #2

Posted in smile and look alive on 19. Januar 2010 by Herr Grau

Ist keine Hülfe gegen solchen Drang?
Nein, eine Grenze hat Tyrannenmacht:
Wenn der Gedrückte nirgends Recht kann finden,
Wenn unerträglich wird die Last – greift er
Hinauf getrosten Mutes in den Himmel,
Und holt herunter seine ew’gen Rechte,
Die droben hangen unveräusserlich
Und unzerbrechlich wie die Sterne selbst

Messer schärfen – Der Schärfvorgang und Schärfetests

Posted in Angewandte Wissenschaft, Scharfe Messer, smile and look alive on 19. Januar 2010 by Herr Grau

Nachdem wir uns also Schleifsteine gekauft und diese möglicherweise gewässert haben, geht es ans Schärfen.

Ich hätte ja jetzt ein Video gemacht, wie man richtig schärft, aber besser als in diesem Video hätte ich es auch nicht demonstrieren können:

Der Koch zeigt eine perfekte Schärftechnik, die wichtigen Punkte werden kurz erklärt: Mit der einen Hand wird der Winkel gebildet, die andere bewegt sich mit dem Schleifbereich, stabilisiert und reguliert den Druck. Das Messer wird immer gleich von vorne nach hinten geschärft, damit überall der Abtrag gleich ist.

Man muss natürlich den Winkel der Schneidfase treffen. Dieser lässt sich für den Anfänger bestimmen, indem man mit einem Edding über die Schneide geht und dann ein paar Streiche auf dem Stein macht. Dann kann man sehen, ob man korrigieren muss oder ob der Winkel stimmte. Der Fortgeschrittene, gerade der, der die Schneidfase seiner Messer von vorneherein selber aufgebaut hat, kennt natürlich den Winkel seiner Messer, aber das braucht Training. Prinzipiell unterscheiden muss man zwischen beidseitig und einseitig angeschliffenen Messern. Bei normalen Messern mit doppelseitigem Anschliff wird von beiden Seiten gleich viel gearbeitet. Man erkennt sie daran, dass sie von beiden Seiten gleich aussehen. Einseitig angeschliffene Messer sehen von der einen Seite so, von der anderen dagegen glatt aus. Geschliffen wird bei solchen Messern zu 90% auf der ersteren Seite, danach wird die glatte Seite flach auf den Stein gelegt und der Grat mit wenigen Zügen abgezogen. Das deckt den ersten Punkt ab: Richtiger Schleifwinkel.

Der zweite Punkt ist dann die Frage, wie lange geschärft werden muss. Jeder Stein hinterlässt mikroskopische Schleifriefen in der Klinge. Der nächst feinere Stein muss also so lange benutzt werden, bis diese gröberen Riefen komplett entfernt und durch die feineren Riefen jenes Steins ersetzt worden sind. Man kann dies mit einer Lupe kontrollieren, man kann durch das Streichen mit dem Fingernagel auf der Gegenseite zur Schneide hin überprüfen, ob das Schleifen schon einen Grat aufgeworfen hat. Beides führt mehr oder weniger zum Ziel. Man kann es aber auch fühlen, was sicher nur durch Training erreichbar ist und am Anfang mit einer der ersten Methoden kombiniert werden sollte. Das Gefühl einer Klinge ändert sich auf dem Stein, wenn sie glatt geschliffen ist. Ein bisschen zu viel ist übrigens nicht wirklich schlimm, also gilt hier eher ein paar Züge zu viel als zu wenig. Das ist der zweite Punkt: Wie lange man schleift.

Der letzte Punkt ist die Kontrolle der Schärfe. Es gibt verschiedene Verfahren. Das Rasieren des Unterarms ist beliebt, sagt aber nicht viel aus. Aussagekräftiger ist die so genannte Nagelprobe: Man stellt das Messer auf den schräg gehaltenen Nagel. Bleibt es hängen, ist das ein Zeichen für gute Schärfe. Eine ähnliche Probe, die noch mehr Schärfe erfordert, ist das Stellen der Klinge auf eine schräge Kopfpartie mit Haaren. Wenn die Klinge dort stehen bleibt, ist sie wirklich scharf. Es ist ein Äquivalent zum Haarspalttest (ein ausgerissenes Haar 1cm über dem Haltepunkt frei schwebend durchtrennen), geht nur schneller, finde ich. Man muss natürlich bei beidem sehr vorsichtig sein. Ersteres ist übrigens die tatsächliche „Nagelprobe“; ob eine Klinge „nagelgängig“ ist, kann man auch mit dem Nagel prüfen; damit der Begriff „Nagelprobe“ aber nicht doppelt belegt ist, wird dies zumeist aber „Ringprobe“ genannt, da ein Schleifer sie auf dem Prüfring am Daumen ausführt (weil er sonst auf die Dauer seinen Nagel ruinieren würde). Diese ist ein Kontrolltest für die Güte des Dünnschliffs, nicht für die Schärfe. Ein frei gehaltenes Blatt Papier zu schneiden ist auch ein valider Test für die Schärfe. Je dünner das Blatt ist, desto schärfer muss die Klinge sein. Eine Tomate auf die Klinge fallen zu lassen ist ein klassischer „Show off“-Test. Da die Tomate gespalten und nicht geschnitten wird, ist es mehr eine Aussage über die Klingengeometrie als über die Schärfe der Schneide.

Eine letzte Anmerkung sei mir noch erlaubt: Das Abziehen von Messern auf Lederriemen bringt überhaupt nichts. Das hat irgendwann mal jemand von den Rasiermessern übernommen, ohne zu wissen, was es überhaupt tut. Bei diesen zieht man absichtlich einen Schneidgrat aus, der mit dem Leder aufgerichtet wird. Ein Küchenmesser hat nach dem richtigen Schleifen keinen solchen Grat. Wenn man irgendwelche abrasiven Pasten oÄ drauftut, macht es zwar das Messer etwas schärfer, aber da wäre ein feiner Stein ebenfalls die bessere Wahl, da er planer ist und daher nicht die Schneide ballig zieht. Diesem Problem kann man natürlich mit einem Stoßriemen wieder beikommen, aber ernsthaft: Kauft euch lieber einen schönen Finishstein, wenn ihr die Endschärfe wollt, das ist doch besser als Autopolitur.

Und jetzt geht los und probiert es aus. Es ist wirklich alles nicht so schwer, wie es scheint.