Archive for the smile and look alive Category

Bau eines endgültigen Röhrenverstärkers – 1.3 – Welche Features brauche ich?

Posted in Angewandte Wissenschaft, Röhrenverstärker, smile and look alive on 7. Dezember 2009 by Herr Grau

Es ist wichtig, grundsätzliche Eckpunkte früh festzulegen. Folgende Dinge erachte ich als wichtig:

Meiner Meinung nach ist es wichtig, einen Röhrengleichrichter zu verwenden. Man spart die Einschaltautomatik und kauft sich klangliche Vorteile mit ein: Röhren haben anders als Halbleiter keinen Punkt, an dem sie einfach anfangen oder aufhören, sondern weiche Übergänge. Das wird allgemein als positiv gewertet.

Die Siebung der Betriebsspannung sollte mit einem LC-Filter passieren (effektiver), der erste Kondensator sollte 30uF nicht überschreiten, da sonst die Gleichrichterröhre überlastet werden kann.

Ich will vollständige Kanaltrennung, also plante ich wieder Monoblöcke. Wenn man sowieso komplett neu baut, warum nicht gleich das Beste machen?

Ich brauche weder Quellenwahl, noch Lautstärkeregler, das übernimmt alles die passive Stufe meines alten NADs, bis ich einen kleinen passiven Pre zusammengeschustert habe. Wer Quellenwahl und Lautstärkereglung braucht, sollte sie direkt mitplanen, es sind etwa 80€ mehr (ALPS 100k Stere0potentiometer: 19€, ELMA 04 6 Quellen: 59,90€), die dann im Budget sein müssen. Eingänge werden ganz klassisch Cinch-Buchsen, Ausgänge Polklemmen-Terminals. XLR ist technisch gesehen besser als Cinch, wie auch SpeakOn besser als Polklemmen sind. Ich hab mit beidem nichts am Hut, es ist im Hifibereich wenig gebräuchlich. Es würde nur neue Kabel und neue Stecker bedeuten, mit bei meiner Anwendung ungewissem Nutzen. Aber wer’s mag, soll’s ruhig machen.

Auf Elkos wollte ich aller Möglichkeit nach verzichten. Sie produzieren deutliche Verzerrungen, haben eine begrenzte Haltbarkeit und mikrophonieren stark. Diese Entscheidung kostet bares Geld, denn entsprechende Ölpapier- oder Folienkondensatoren sind um ein vielfaches teurer. In meiner Schaltung finden sich, mit einer kleinen, später erklärten Ausnahme, keine Elkos.

Was das Gehäusematerial angeht, gibt es auch sehr verschiedene Meinungen. Es gibt einige Leute, die sagen, dass Metallgehäuse den Klang negativ beeinflussen. Ich kann es nicht erklären, aber es sind so viele, die diese Erfahrung berichten, dass es wohl stimmen muss. Diese Leute bauen dann Holzgehäuse und freuen sich, bis das erste Taxi vorbeifährt und man den Funk in seinen Boxen hören kann. Dann isolieren sie ihr Holzgehäuse wieder mit Metall. Ich finde das sinnlos. Ich wollte von Anfang an ein Stahlgehäuse, massiv und in der Lage, die Schaltung vollständig vor elektrischen Feldern zu schützen.

Ideal ist es, die Netzteile auszulagern. Ich habe mir das verkniffen, um Stecker, Kabel und Gehäuse zu sparen. Einige Bleche werden im Inneren meiner Chassis Netzteil – also vor allem Netztrafo – und Verstärker trennen und von einander abschirmen.

Bau eines endgültigen Röhrenverstärkers – 1.2 – Welche Betriebsart?

Posted in Angewandte Wissenschaft, Röhrenverstärker, smile and look alive on 7. Dezember 2009 by Herr Grau

Der Titel ist etwas irreführend, gibt es doch mehrere Betriebsarten festzulegen:

„Single Ended oder Push-Pull? Das ist hier .. auch so eine Frage..!“ Eine der Fragen nämlich, an denen sich die Geister scheiden. Single Ended bedeutet, dass eine Endröhre das gesamte Signal übernimmt. Viele behaupten, dies habe mehr Qualitätspotential, als wenn man das Signal irgendwie trennt, aber relativ wenig Leistung. Letzteres wäre im Prinzip egal, denn für das Wohnzimmer reicht eigentlich auch ein 5W-Röhrenverstärker. Hafler erklärte allerdings einmal in einem Artikel, ein Verstärker brauche gediegene Leistungsreserven, um für sich plötzlich ändernde Dynamik genug in der Hinterhand zu haben. Ich glaub’s ihm. Unser Ohr hört logarithmisch, daher bedeuten auch subjektiv geringe Lautstärkeänderungen eine erhebliche Schwankung der dahinter steckenden Leistung. Zumindest das weiß ich als Mediziner.

Ich wollte etwas mehr Bumms. Etwas mehr Reserven. Mehr Dynamikpotential. Also habe ich Push-Pull genommen. Bei dieser Art der Schaltung übernehmen zwei Endröhren jeweils die Hälfte der Arbeit. Selbst mit guter Messtechnik kann man bei einer vernünftigen Schaltung keine Qualitätseinbußen feststellen.

Von Stan White findet sich folgende Begründung, warum Push-Pull vom physikalischen Standpunkt Single Ended überlegen sein soll:

In operation, the plate voltage on the output tube(s) varies, as does the current through the tube(s). The plot of voltage Vs current produces a continuous line on a graph called the load line. Examination of this graph shows that the load line from one tube is less linear than the load line from push-pull tubes. Interpretation of the graph from a distortion standpoint reveals that the straighter the load line, the lower the output distortion from the tube(s). It can also be shown that the LONGER the load line is the lower the distortion from the tube(s). Cursory comparison of single-ended output Vs push-pull output reveals that push-pull load line is more linear. Further, not only is the load line more linear, it is longer with two tubes in push-pull. The combination of greater linearity combined with a longer load line produces superior results when output tubes are examined.

Zu deutsch:

In Applikationen, in denen sich die Anodenspannung an den Ausgangsröhren ändert, wird sich auch der Strom in den Röhren ändern. Trägt man Spannung gegen Strom auf, entsteht eine kontinuierliche Linie namens Arbeitslinie. Untersucht man diesen Graphen, so findet man, dass die Arbeitslinie einer Röhre weniger linear ist, als die von push-pull-Röhren. Von einem Verzerrungen analysierenden Standpunkt aus betrachtet zeigt sich, dass die Ausgangsverzerrung geringer ist, je gerade die Linie ist. Es kann ebenfalls gezeigt werden, dass die Verzerrung abnimmt, je LÄNGER die Linie ist. Ein Vergleich von Single Ended gegen Push-Pull zeigt, dass die Arbeitslinie von push-pull-Konfigurationen linearer ist, und nicht nur das, sie ist auch länger. Die Kombination aus größerer Linearität kombiniert mit der längeren Arbeitslinie von Push-Pull resultiert in überlegenen Ergebnissen in der Analyse von Ausgangsröhren.

(Quelle)

Ebenfall großen Einfluss auf den Klang hat die Entscheidung, wie die Röhren beschaltet sein sollen. Trioden wie die 2A3 oder die 300B kann man nur als Triode nutzen, Pentoden oder Beam Power Tetroden wie meine KT88 kann man als Pentode, als Triode oder Ultralinear beschalten. Dabei ist die Leistung der Triode am geringsten, dann kommt Ultralinear, am meisten Leistung erzeugt Pentodenbetrieb. Zuerst entschied ich mich für Ultralinearbetrieb wegen seines Mittelwegcharakters, inzwischen habe ich eine interessante Untermauerung für meine Wahl gefunden, die Stan White in seiner Kritik des ursprünglichen Williamson-Verstärkers beschrieben hat:

Power triodes are voltage amplification devices. They try to amplify voltage. With an output resistive load, this presents no problem to the load line. By contract, power pentodes or beam power tubes try to present a constant current to an output load. With a resistive load, this also presents no problem to the load line.
The problem is that loudspeakers (the intended load of the output transformer) are not a resistive load at most of the used frequencies of a loudspeaker. When a loudspeaker is attached to an output transformer instead of a resistive load, the load line of the output tubes goes crazy, whether the tubes are triode or pentode connected. Neither triode or pentode mode operate well with loudspeakers. This is why all performance tests are carried out with resistive loads.
Keroes and Hafler invented the tapped screen mode of operation of output tubes. By connecting the output tube screens to a tap at an appropriate winding location, the output tubes put out constant power into a load, rather than either constant voltage or constant current.

Zu deutsch:

Leistungstrioden sind Spannungsverstärker. Sie versuchen, Spannung zu verstärken. Mit einer ohmschen Last ist dies kein Problem für die Arbeitsgerade. Aus ihrer Natur heraus versuchen Pentoden und Beam Power Tetroden, an der Ausgangslast einen konstanten Strom zu präsentieren. Mit einer ohmschen Last ist auch dies kein Problem für die Arbeitsgerade. Das Problem ist, dass die Lautsprecher (die geplante Last der Ausgangsübertrager) für die allermeisten genutzten Frequenzen keine ohmsche Last sind. Wenn ein Lautsprecher anstelle eines Widerstands an einen Übertrager angeschlossen wird, spielt die Arbeitslinie völlig verrückt, egal, ob man die Röhren als Triode oder Pentode beschaltet hat. Weder Trioden-, noch Pentodenbetrieb arbeiten gut mit Lautsprechern zusammen. Dies ist der Grund, warum alle Tests der Hersteller mit ohmschen Widerständen durchgeführt werden. Keroes und Hafler erfanden eine Art, Schirmgitteranzapfungen zu benutzen, um Ausgangsröhren zu betreiben. Durch den Anschluss der Schirmgitter der Ausgangsröhren an eine Anzapfung an der richtigen Stelle der Windung des Übertragers erzeugt die Röhre eine konstante Leistung in der Last anstatt eines konstanten Stroms oder einer konstanten Spannung.

(Quelle)

Desweiteren muss man sich für Auto- oder Fixed-Bias entscheiden. Bias bezeichnet den Ruhestrom, der den Arbeitspunkt der Röhre einstellt. Diese Grafik von SYclotron.com illustriert die schaltungstechnischen Unterschiede: Klick

Anschaulich wird beim Fixed Bias der Ruhestrom (meist mittels Potentiometer) „fix“ eingestellt. Bei Cathode Bias „zieht“ sich die Röhre den gebrauchten Strom selbst. Für Anfänger ist eine Auto-Bias-Schaltung sicher die bessere Wahl. Es entfällt die Einstellung des Ruhestroms und die gesamte zusätzliche Stromversorgung. Für Fortgeschrittene ist aber Fixed Bias dringend anzuraten, nicht nur können so unterschiedliche Röhren verwendet werden, ohne die Schaltung ändern zu müssen, es ist auch technisch besser, da bei höherem Röhrenstrom nicht auch der Ruhestrom erhöht wird. Ich habe mich also klar für Fixed entschieden.

Bau eines endgültigen Röhrenverstärkers – 1.1 – Welche Röhre?

Posted in Angewandte Wissenschaft, Röhrenverstärker, smile and look alive on 7. Dezember 2009 by Herr Grau

Was macht einen Röhrenverstärker aus? Klar, die Röhren. Damit beginnt die Faszination. Da stellema uns janz dumm und frare: Wat isse ne Elektronenröhre?

Erstmal ein Glaskolben mit einem Vakuum drin. Darin befinden sich noch: Zwei Platten und dazwischen ein Gitter. Zwischen den Platten legen wir eine Spannung an, sodass ein elektrisches Feld entsteht. Wenn wir jetzt irgendwie (wir machen das mit einer Heizung) Elektronen da hinein bringen, so werden sie sich in Richtung der positiven Platte bewegen. Mittels Spannung am Gitter dazwischen können wir das ganze ein bisschen steuern. Zu unserem Glück steht das, was am Gitter passiert am Ende mit dem, was an der Anode passiert, in direktem Verhältnis, deshalb können wir die Röhre als verstärkendes Bauelement nutzen. So viel dazu.

Erstens bin ich nicht besonders gut im erklären und zweitens fehlt mir dazu das wirkliche Verständnis der Materie. Das genaue Prinzip einer Röhre und die Konstruktion eines einfachen Verstärkers wird bei Boozhound Labs sehr einsichtig und verständlich beschrieben.

An erster Stelle steht für mich stets die Wahl der Endröhre.

Gerade hier ist es besonders wichtig, sich zuerst einen Überblick über das Angebot zu verschaffen: Welche Röhrentypen noch hergestellt werden, ist in meinen Augen ein entscheidendes Kriterium. Ich halte nichts von der Idee, die beste Röhre für den Job zu finden, diese dann aber für hunderte von Euro und unter Aufwand vieler Stunden in Altbeständen suchen zu müssen. Nicht, dass Altbestände schlecht wären; nach wie vor sind die besten Röhren Westwelt-NOS (new old stock). Aber meiner Meinung nach sollte man davon unabhängig sein und lieber leichte Abstriche machen. Außerdem gibt es für die populären Röhrentypen viel mehr fertige, gute Schaltungen.

Die wichtigsten Endstufenröhren sind grob:

EL34, EL84, 6C33C, 2A3, 6L6, 6V6, KT66, KT88, 300B

Der zweite wichtige Punkt: Man sollte die Röhren, die für einen in Frage kommen, probehören. Das ist nicht immer ganz einfach, da Schaltung und Vorröhren ebenfalls einen großen Einfluss auf den Klang haben – findet man aber etwas, das einem sehr gefällt, spricht auch nichts dagegen, sowohl die Schaltung als auch die Bestückung sofort zu übernehmen. Versuchen sollte man es auf jeden Fall. Und mit der Zeit bekommt man eine Idee, was bestimmte Röhren leisten.

EL 34 und EL 84 sind keine schlechten Typen und sehr geeignet für Anfänger. Es gibt günstige Röhren, Netzteile, Übertrager, Platinen und Teilesätze (mit dem Plan von Loetstelle.de lässt sich für 150-200 Euro ein solider Stereoverstärker bauen). Aber für den endgültigen Verstärker schienen sie mir nicht geeignet. 6L6 und 6V6 kenne ich gut und würde sie jederzeit für einen Gitarrenverstärker nehmen. Meines Erachtens gibt es für Hifi aber Besseres. Z.B. KT66 und KT88. Die Charakteristik der beiden Röhren ist ähnlich, es handelt sich um kräftige Röhren mit gutem Klang, die KT88 hat etwas mehr Bumms als ihre kleine Schwester. Einziger Konkurrent in meinen Augen war die 300B, die ebenfalls eine sehr gute Hifiröhre ist und entsprechend oft in High-Class-Verstärkern Verwendung findet. Die 6C33C und 2A3 kenne ich nicht und konnte sie auch nicht in einem sinnvollen Zeitrahmen probehören.

Am Ende entschied wie immer das Bauchgefühl: In meiner Endstufe sollte die KT88 arbeiten. Sie ist gut verfügbar, kräftig und klingt. Was in der Vorstufe steckte, war mir zunächst relativ gleich, was nicht unbedingt eine gute Einstellung ist. Die 6SN7, auf die die Wahl schließlich fiel, standen in der Schaltung, haben sich rund um die Welt bewährt, sind stabil, wohlklingend und ebenfalls gut verfügbar. Zu anderen Vorstufenröhren findet sich im Netz eine Menge, es handelt sich dabei noch viel mehr um eine Wissenschaft, als bei Endstufenröhren. Unter den bekannten Typen sind mir aber keine wirklich unempfehlenswerten bekannt.

Bau eines endgültigen Röhrenverstärkers – Einleitung

Posted in Angewandte Wissenschaft, Röhrenverstärker, smile and look alive on 7. Dezember 2009 by Herr Grau

Wenn man Musik gerne hat, tolle Boxen schon besitzt, gerne Kram selber baut und nicht zuletzt ein klein wenig am Gear Acquisition Syndrome leidet, kommt man früher oder später auf die Idee, sich einen Verstärker selber zu bauen. Hier und hier habe ich bereits gezeigt, wie man einen exzellenten Transistor-Verstärker für relativ wenig Geld realisiert. Die Monos haben ihren Platz in der Welt gefunden – allerdings nicht bei mir. Man kann auch nicht sagen, dass ich unteramplifiziert wäre – ich nenne einen NAD C372 mein Eigen. Aber irgendwann hört man mal einen Röhrenverstärker und dann ist der Schaden angerichtet. Zurück geht nicht mehr. Nur nach vorne. Ins heilige Land.

Ich will auch mit dieser Artikelserie zeigen, dass es nicht schwierig ist, gute Hifi-Komponenten selber zu bauen.

In dieser Einleitung werden die einzelnen Schritte in kurzer Form dargestellt, die jeweils in späteren Artikeln einzeln vertieft werden. Dabei soll klar werden, worauf man achten sollte und wo etwaige Stolperfallen liegen. Gleichzeitig werde ich meine eigenen Entscheidungen vorstellen und erklären. Dies gibt dem Anfänger gleichzeitig auch ein „Kochrezept“ mit an die Hand, das ohne Hintergrundrecherche nachbaubar ist und auf jeden Fall zum Erfolg führt.

Im Progress der Serie werden die folgenden Punkte alle verlinkt werden.

Schritt 1 – Was brauche ich, was will ich?

An erster Stelle steht die Überlegung, was man überhaupt will.

– Welche Röhren?

– Welche Betriebsart?

– Welche Features brauche ich?

– Welche Adressen muss ich kennen?

Schritt 2 – Die Schaltung

An zweiter Stelle steht das Finden einer passenden Schaltung.

Schritt 3 – Auswahl der Bauteile

– Ausgangsübertrager

– Netztransformator

– Koppelkondensatoren (Herstellung guter und günstiger Koppelkondensatoren hier)

– Bauteile der Siebkette

– Widerstände

– Röhren und Zubehör

– Draht, Buchsen, Gehäuse

Schritt 4 – Gehäusebau

…wird hier beschrieben

Schritt 5 – Verkabelung

Schritt 6 – Euphoria

Wir bauen uns einen High-End-Verstärker – Eine Schritt-für-Schritt-Anleitung – 2. Akt

Posted in Angewandte Wissenschaft, smile and look alive on 7. Dezember 2009 by Herr Grau

Dies ist der Folgeartikel zum 1. Akt, in dem ich zeigte, wie man einen SymAsym auf einer Platine aufbaut.

Ich hatte ja versprochen zu zeigen, wie die Amps aussehen, wenn sie fertig sind. Folgende Arbeiten mussten noch erledigt werden:

1. Gehäuse bauen – Dafür habe ich Lochbleche von ProKilo verwendet (der Verstärker ist 20x20x10 cm³ (BxTxH) groß). Diese habe ich mit einfachen Messingwinkeln und Uhu Endfest 300 verklebt bzw. verschraubt. Eigentlich sollte auch noch Holz an die drei Blechseiten des Verstärkers kommen, aber ich kann erstens im Moment nicht über die nötigen Werkzeuge verfügen und zweitens wollte ich mich dabei nach dem Farbwunsch des zukünftigen Besitzers richten.

2. Löcher im Kühlkörper bohren (2,5mm) und mit einem 3mm Gewinde versehen. Transistoren mit Wärmeleitpaste versehen und montieren.

3. Netzteil bauen – Trafos einschrauben, Schalter und Netzbuchse einbauen und mit der Primärseite des Trafos verbinden, Sekundärseite an Gleichrichter anschließen. Gleichrichter mit Elkos verbinden. Elkos mit Platine verbinden. (Plan für Netzteil hier)

4. Cinch-Eingangsbuchse und Polklemmenterminal (Ausgang) montieren und mit der Platine verbinden.

5. Ruhestrom einstellen – Das Potentiometer so einstellen, dass über einem der beiden 0,22Ohm-Widerstände 12mV anliegen.

6. Anschließen. Anschalten. Musik hören.

Ich habe von den Arbeiten keine Bilder, aber es gibt zumindest eine Aufnahme der fertigen Monoblöcke:

Das schließt dieses Kapitel ab. Ich hoffe, es war aufschlussreich.

Ein Heimexperiment

Posted in smile and look alive on 3. Dezember 2009 by Herr Grau

Einfach mal mit einem Fisherman’s Friend im Mund eine heiße Dusche nehmen.

Wir bauen uns einen High-End-Verstärker – Eine Schritt-für-Schritt-Anleitung – 1. Akt

Posted in Angewandte Wissenschaft, smile and look alive on 14. Oktober 2009 by Herr Grau

Meine Herangehensweise an viele Dinge ist die eines waschechten DIYers (DIY = Do It Yourself).

Einrichtungsgegenstände, Möbel, Computer, Hifi-Geräte – es liegt nicht nur daran, dass ich konstant über meinen Verhältnissen lebe und deswegen sparen muss, wo ich kann, ohne auch nur einen Deut Abstriche an der Qualität zu machen bereit zu sein, ich empfinde es als großartig, etwas mit seinen eigenen Händen erschaffen zu haben. Mit Recht ist der Erschaffer stolz auf sein Werk und stellt sich so bewusst abseits des Prahlers, dessen einziger Verdienst der Kauf ist.

Einmalig, günstig und hochqualitativ? Mach es Dir selbst.

Gerade im Hifi-Bereich lässt sich richtig Geld sparen. Wer sich ein gutes Paar Boxen selber baut, braucht sich über dieses Thema nie wieder Gedanken zu machen. Ein Design z.B. von Udo Wohlgemuth mit Eton-Chassies wird selbst von pekuniär weit fünfstelligen Modellen des Fertigmarktes kaum übertroffen werden – denn die Chassies und Bauteile werden ab einem bestimmten Punkt nicht mehr besser. Und wie viele zehntausend Euro man investieren kann und will für das bisschen Mehr Design, für unter Wasser von Zen-Mönchen mit dem privaten Gourmet-Deluxe-Wachsvorat ausgestorbener Bienenköniginnen blank gewichstes Holz, das bleibt dann am Ende Geschmackssache.

Auch bei Verstärkern kann man mächtig Geld retten. Gute Bauteile und ein solides Schaltungsdesign an der Hand, lässt sich für etwa 150€ ein Verstärker realisieren, der sich auch vor zehnmal so teuren Exemplaren nicht zu verstecken braucht. So einen Verstärker wollen wir heute bauen. Ich möchte hiermit eine Anleitung an die Hand geben, mit der jeder, der zwei Dräte zusammenlöten kann, einen hervoragenden Verstärker bauen kann. Kein Fachgesabbel – bzw. nur so viel wie nötig. Ich setze lediglich die Fähigkeiten zu Lesen und etwa 14cm weit zu denken, sowie das Vorhandensein eines Lötkolbens samt Lötzinn und eines Multimeters voraus. Kochrezept in Reinkultur.

Was zum SymAsym zu sagen ist, findet sich gebündelt hier. In aller Kürze: Es handelt sich um ein Monoblockdesign einer ClassAB-Endstufe mit etwa 100W pro Kanal an 4Ohm bzw. 60W an 8Ohm. Monoblock heißt, dass eine vollständige Kanaltrennung stattfindet. Rechter und linker Kanal bekommen jeweils einen kompletten eigenen Verstärker mit eigenem Netzteil. Das ist High-End, denn besser geht es nicht. So machen es auch die ganz Großen. Wenn man eine Festhalle beschallen will, muss man die Sache natürlich etwas anders angehen, aber für das heimische Wohnzimmer ist 100W selbst an Lautsprechern mit schlechtem Wirkungsgrad mehr als genug.

Also los.

Schritt 1

Alle hier aufgeführten Teile bei Reichelt zusammensuchen. Trafo gibt es bei Kessler Elektronik (Artikelnr. TRT 225VA 2X24V). Dazu kommen noch zwei Cinch-Buchsen und vier Bananensteckerbuchsen. Woher man die nimmt, ist egal. Außerdem sollte man sich noch zwei Lochrasterplatinen im Euroformat und zwei Kühlkörer bei Reichelt mitbestellen. Und wenn man will noch zwei LEDs (mit Vorwiderstand -> Google), Schalter und Kaltgerätebuchsen mit Sicherungshalter. Achso, eine Rolle 0,6er Silberdraht nicht vergessen. Jetzt aber los.

Schritt 2

Wenn man alles richtig gemacht hat, liegen jetzt Bauteile im Wert von etwa 50€ plus zwei Trafos für je 40€ vor einem auf dem Tisch.


Den Kram ordnet man nach Widerständen, Kondensatoren, Transistoren und anderem Zeug:

Den Besteckungsplan für die besagte Euro-Lochrasterplatine von CNet gibt es leider nicht mehr. Wir müssen uns leider dieser Tage wieder mit dem Schaltplan behelfen: http://www.lf-pro.net/mbittner/Sym5_Webpage/Images/Symasym5_2_eagle.GIF

Allem voran steht der Entschluss, die Transistoren nicht zu matchen. Das ist zwar etwas schluderig, spart aber irre viel Arbeit. Wenn man den Verstärker eines Tages mal richtig High-Beendigen will, dann kann man es auch immer noch nachholen. Wie man das macht, steht auch hier.

Schritt 3

Jetzt kommt also die Fleißkärtchenarbeit, nämlich das Bestecken der Platine mit den angegebenen Bauteilen. Die Bauteile werden eingesteckt, eingelötet und verbunden. Ich habe das etappenweise gemacht, würde aber in Zukunft eher alle Bauteile zuerst einlöten und die Verbindungen später machen.

Hier einige Bilder aus dem Verlauf:


Bei dieser Arbeit ist vor allem darauf zu achten, die Elektrolytkondensatoren richtig herum zu polen. Normalerweise ist das Minus fett darauf makiert. Die Transistoren müssen auch dringend richtig herum gesteckt werden, genau wie auf dem Besteckungsschema angegeben. Kreuzende Leiterbahnen werden mit Kupferlackdraht ausgeführt, einem mit Lack isolierten Draht.

Die externen Lötpunkte sind dort wie folgt bezeichnet:

IN = Eingangssignal, das ist der Pimmel vom Cinchstecker

IGND = Erde des Eingangssignals, das ist der Metallring um den Cinchstecker

OUT = Positiver Pol des Lautsprechers, das rote Lautsprecherkabel, ein eigener Anschluss

OUT_GND = Negativer Pol des Lautsprechers, das schwarze Lautsprecherkabel, auch ein eigener Anschluss

V+ = Positive Netzteilspannung

V- = Negative Netzteilspannung

VGND = Erde des Netzteils

Ich habe diese Eingänge erstmal einfach als Lötfahnen ausgeführt, ebenfalls die Anschlüsse für das Potentiometer.

Die Bauteile für das Netzteil haben mich noch nicht alle erreicht, ebenfalls nicht die Teile für das Gehäuse. Aber die Verstärker selbst sind fertig. Das ganze hat mich drei Nachmittage gekostet. Geübte Elektroniker dürften mit einem oder zwei hinkommen, Ungeübte müssen vermutlich einen Nachmittag mehr einkalkulieren.

So sehen die fertigen Platinen aus:

So Kinder, das war der erste Akt.

Im nächsten Teil werde ich den fertigen Verstärker mit eigenem Gehäuse und vollständigem Netzteil zeigen.

UPDATE: Hier geht es zur Abschlussbetrachtung

Anmerkung: Für den völlig Unbedarften habe ich noch ein Video bei Youtube rausgesucht, das zeigt, wie Löten funktioniert:

How To Solder – Video

Probleme des Lebens #7

Posted in Probleme des Lebens on 14. September 2009 by Herr Grau

Warum muss immer ich mit Leuten Zeit zubringen, die Sätze wie den folgenden sagen?

„Mir sans aus Donauwörth – des liegt an der Donau!“

Brüssel sehen… und saufen.

Posted in Essen & Trinken, Getestet, smile and look alive on 10. September 2009 by hoegi

For herrgrau writing every one of his cocktail reviews bilingual, I decided to make this one a bilingual post too. Drinking is international.
—Scroll down for english version—

Äußerst verspätet und daher auch nur mit geringsten Erinnerungen an die diversen Geschmackserlebnisse kommt hier ein kurzer kulinarischer Bericht aus der selbsternannten Biermetropole Brüssel.

Fangen wir mit einem Exoten an. Das „Bellevue Extra Kriek“ erinnert höchstens entfernt an Bier im klassischen Sinne. Im Zuge des Brauprozesses werden diesem Bier Kirschen zugefügt, die sich fast gänzlich lösen und dem Bier eine dunkelrote Trübe verpassen.
Geschmacklich erinnert das Bier stark an eine frische Kirschlimonade; der Bieraspekt ist nur wenig bis gar nicht vorhanden, dennoch schmeckte mir das Bier vom Fass außerordentlich gut. In Deutschland ist das Bier gelegentlich auch in Flaschen erhältlich, aber es schmeckt so nicht annähernd so gut, wie frisch vom Fass.

Rodenbach. Wenn ich diesen Namen höre, bekomme ich leichten Brechreiz. Auf der Bierkarte (ja, soetwas gibt es in Brüssel) las sich die Beschreibung lecker: Es handele sich um eine Mischung aus „frischem“ Bier und 6 Monate (glaube ich) in Eichen- (oder Buchen?)fässern gelagerten und gereiftem Bier. Da ich für solche Experimente offen bin/war bestellte ich also ein Rodenbach.
Das Bier schmeckte nach Verwesung. Ich bildete mir ein, dass das einfach nur schlecht schmeckt weil ich zuvor das Kirschbier hatte… Weit gefehlt. Auch die nächsten Schlücke gestalteten sich als ekelig. Mit jedem Schluck wurde der Brechreiz größer. Eine fürchterliche Erfahrung. Ob ich das Bier wirklich getrunken habe, erfahrt ihr weiter unten.

Das Primus-Bier ist ein sehr unspektakuläres aber gut trinkbares Bier. Ich meine mich erinnern zu können, dass es sehr süffig und mild war. Daher gut trinkbar. Für den Rest des Abends war dies das Bier der Wahl für die gesamte Runde.

Leffe ist das berühmteste Bier Belgiens und entstammt der größten Brauerei des Landes. Da Leffe ein Kloster ist/war, schmeckt das Bier so, wie die meisten Klosterbiere schmecken. Es hat eine leichte pilsige Frische mit einem stark hefigen, vollmundigen Abgang. Wer etwas handfestes trinken möchte, ist mit Leffe gut beraten.
Btw: Dieses Glas hat in dem Restaurant 6,50€ gekostet! Kein Wunder, dass auf der Karte keine Preise standen.

CIMG1311

Bellevue Extra Kriek

CIMG1312

Rodenbach

CIMG1313

Primus

CIMG1336

Leffe

Pretty late and for that reason only with vague memories: My small report of a more or less tasteful journey to the wannabe-beer-capital Brussels.

Let´s start with the most exotic beer. The „Bellevue Extra Kriek“ only reminded me barely of beer as we know it. In the process of brewery, cherries are added and dissolve nearly completely in the beer, which leads to a crimson-like color.
It tastes mostly like a fresh cherry lemonade, than everything else. Despite that, I liked that „beer“ a lot. Sometimes you can buy that stuff bottled, but it tastes not as half as good as when it comes directly from the tap.

Rodenbach. Hearing this name, first thing I´d like to do is to vomit. The beer menu (yep, there really is a beer menu in Belgium) made me wanna try that one for it´s description. Rodenbach would be a mixture from fresh and mature beer. It was more mature than I could even imagine but at that point I just didn´t know yet. The beer tasted like rotten food. Maybe even worse. Every sip made me want to puke even more. I would not even make my nemesis drink that stuff. If I really succeded in finishing that piece of hell? Scroll down for an answer.

The primus beer is a very unspectacular but nonetheless well drinkable beer. I think that I remember that it was really smooth and süffig (look it up, theres no comparable word in english except for „quaffable“…) For the rest of the evening this beer was our first choice.

Leffe is the most famous beer of Belgium and it stams from the largest brewery of the country. For Leffe is/was an abbey, the beer tastes like you want an abbey-beer to taste. With a hint of lager in the first place, and a wheat-beerish finish. If you want a real mouthful of beer: Take this one.
By the way: This beer cost us 6,50€!

CIMG1318

Geschafft. I did it.

Probleme des Lebens #6

Posted in Probleme des Lebens on 6. September 2009 by hoegi

Brabbelnde Chinesen.