Archive for the Angewandte Wissenschaft Category

Kurzreview: Makeso Santoku

Posted in Scharfe Messer on 10. Mai 2014 by Herr Grau

makesogesamt

Makeso ist ein solinger Haushaltswarenhandel, der Name steht für Martin Keller Solingen. Herr Keller lässt unter anderem einige Messer in Solingen für sich fertigen und verkauft diese zu sehr günstigen Preisen. Das hier besprochene Santoku läuft leider aus, da es sich nicht so blendend verkauft, es gibt aber noch ein paar in der Bucht zu kaufen. Ich gehe davon aus, dass ein paar Reviews im Netz dieses Problem hätten lösen könnten – das Messer ist nämlich in Ordnung.
Es gibt zwei Varianten des Santokus: Mit Pflaumenholzgriff (26€) und Olivenholzgriff (30€). Da meines ein Geschenk an einen guten Freund ist, habe ich zu der teureren Variante mit Olivenholz gegriffen, die jetzt völlig ausverkauft ist.

Der Griff ist aus für den Preis sehr schön gemasertem Holz und sehr ordentlich verarbeitet, da können sich deutlich teurere Messer noch eine Scheibe von abschneiden. Es gibt lediglich einen kleinen Spalt hinten unten, der aber auch nicht tief geht. Das Messer liegt gut in der Hand, der Griff ist sinnvoll dimensioniert. Das Messer ist minimal grifflastig mit Balancepunkt bei der ersten Griffniete. makesogriffmakesogriff3makesogriff2

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Die Klinge aus solinger Standardstahl (vermutlich X45CrMoV15) ist dünngezogen, aber nicht ideal. So ist sie im hinteren Bereich nagelgängig, im vorderen Drittel aber nicht mehr, weil der Bauch der Klinge offenbar nicht berücksichtigt wurde. Ansonsten ist sie aber gleichmäßig geschliffen und nicht verzogen. Die Auslieferungsschärfe ist im hinteren Klingenbereich in Ordnung, vorne ließ sie stark zu wünschen übrig. Der Rücken ist nicht gebrochen, was aber schnell auf dem 1000er Stein machbar ist.

makesoklinge
Fazit: Nach einem ausgiebigen Neuschliff auf dem Stein ist das Makeso Santoku ein ordentliches Messer. Mit dem Dünnschliff des Herder-Santokus kann sich das Makeso definitiv nicht messen, dafür hat es einen deutlich besseren Griff. Schade, dass man für das Privileg eines Griffes dieser Machart und Qualität bei Herder das vierfache bezahlen muss (Lignum Santoku). Insgesamt kann man das Makeso für die empfehlen, die sehr günstig an ein ordentliches Messer kommen wollen. Ein ausgiebiger Neuschliff ist aber nötig. Ich würde empfehlen, das Messer direkt an Jürgen Schanz schicken zu lassen und es dort nachdünnen und neu schleifen zu lassen, was zwar den Preis um etwa 20€ erhöht, dafür hat man dann ein wirklich sehr gutes Messer, mit dem man lange glücklich sein kann.

 

Günstiger Messerkoffer

Posted in Angewandte Wissenschaft, Probleme des Lebens, Scharfe Messer, smile and look alive on 8. Mai 2014 by Herr Grau

Es gibt einige Probleme, die einfach nicht verschwinden. Seit Jahren packe ich jedes mal, wenn ich meine Messer irgendwo mit hinschleppe, meine Messer einzeln ein und packe sie dann in eine Stofftasche. Im Angesicht meines bevorstehenden Umzugs fiel jetzt zwecks vorausschauender Schadensminimierung endlich die Entscheidung, dass ein Messerkoffer her musste. Es stellte sich ziemlich umgehend heraus, dass ich nicht reich bin und daher mundgezimmerte Köfferchen aus bei Vollmond von blinden Jungfrauen gegerbtem Dodo-Leder nicht so richtig drin waren. Das ganze muss doch auch günstig gehen. Nach langer Suche stieß ich endlich auf den perfekt dimensionierten und gleichzeitig bezahlbaren Alukoffer: Diesen Notebook-Koffer von Conrad für 29,99€ plus Schaumstoffmatte für 8,49€. Ein bisschen Arbeit und Liebe später – man muss den Notebookfirlefanz rausschneiden und den Schaumstoff zurichten – hat man einen Messerkoffer, in den sogar mein Lachsmesser (31cm) von der Länge und mein großes Gyuto von der Tiefe her hinein passt, aber dabei immer noch sehr flach und stabil ist. Und wenn man nicht so schlaftrunken ist wie ich und erst mal den halben Schaumstoff zerstört, bis man raus hat, wie man ihn am besten bearbeitet, kann man das ganze innen bestimmt auch richtig schön haben.

messerkoffer2messerkoffer

Kochmesserhaltung, Wetzstahl benutzen und Wiegeschnitt

Posted in Angewandte Wissenschaft, Scharfe Messer, smile and look alive on 12. Mai 2013 by Herr Grau

Ein scharfes Messer ist schön und gut, aber wenn man nicht weiß, wie man damit umzugehen hat, führt das nur zu effizienter abgetrennten Fingerkuppen. Tatsächlich würden viele der Leute, denen ich im Laufe der Jahre eine Messerberatung habe angedeihen lassen, wesentlich mehr von drei Minuten Lernen profitieren als von dem schönen neuen Hobel. Da sich das Ganze in Wort und stehendem Bild nur recht unterirdisch vermitteln lässt, die Videographie dagegen richtig Freude aufkommen lässt, begab ich mich auf die Suche nach einer entsprechenden Lichtspielaufnahme auf dem einschlägigen Portal. Zu meiner Überraschung bin ich entweder erstmals zu deppert, um etwas entsprechendes zu finden oder es existiert tatsächlich keine zusammenfassende Erklärung in teutonischer Mundart. Diesem Problem musste natürlich abgeholfen werden, auch wenn das für mich regelrecht Arbeit bedeutete. In den Hauptrollen: Meine wohlgeformten Hände und ein Herder-Nakiri. Komparsenrollen: Kochlöffel und alte Zwiebel. Danke an alle.

Hildebrandts Drittes Gesetz

Posted in Angewandte Wissenschaft, smile and look alive on 9. Mai 2012 by Herr Grau

Aus gegebenem Anlass werde ich im Folgenden das bis dato verlorene Gesetz mit Ihnen teilen, mit dem es dem ungarische Anatom György Sándor Hildebrandt erstmals bereits am 7ten Juli 1441 gelang, seine Beobachtung, dass wohlgediehenes Weibsvolk bei Erreichen eines bestimmten Sommerklimas in großen Mengen offenbar aus dem Nichts heraus zu existieren beginnt, mathematisch zu beschreiben. Erst 1931 konnte der deutsche Physiker Prof. Dr. Günter-Wilhelm Zwinger nachweisen, dass der beobachtete Frauenanteil in einer Subraumphasenverschiebung verschwindet und damit tatsächlich formal den Existenzzustand ändert – weshalb die Menge der fluktuierenden weiblichen Wesen heute „Zwinger-Menge“ genannt wird.

Die Formel lautet:

y = tanh ( x – [ e² * π *К + [1/( π * d²)]])

mit
e (Euler’sche Zahl) = 2,71828 18284 59045 23536 …
π (pi) = 3,14159 26535 89793 23846 …
К (Landau-Ramanujan-Konstante) = 0,76422 36535 89220 66299 …
wobei
x   die Umgebungstemperatur in °C,
d   die Anzahl der Tage seit Wetterumschwung  und
y   die Zwingermenge als Teil von 1  
ist.

Bei abgeschlossenem Wetterumschwung ergibt sich der folgende Graph:

Das Gesetz ist heute noch so gültig, wie praktisch, erlaubt es schließlich die korrekte Prädiktion des plötzliche Auftauchens unerklärlich hübscher Damen. Glänzen Sie jetzt vor Ihren Freunden! Drucken Sie den Graph aus und benutzen Sie das vergessene Wissen antiker und keinstenfalls frei erfundener Universalgenies zu Ihrem Vorteil! Fast kostenlos und garantiert nebenwirkungsarm! Dermatologisch getestet! Die Nutzungsgebüren werden automatisch von einem willkürlich ausgewählten Konto abgebucht.

Ein Beitrag zum Thema „Regenerative Energien“

Posted in Angewandte Wissenschaft with tags , , , on 26. April 2012 by hoegi

Meine Damen und Herren,

wie Sie wahrscheinlich unlängst mitbekommen haben, befindet sich unser geliebtes Vaterland in einer Phase der energetischen Umstrukturierung. Qualmende und vor Kraft strotzende Verbrennungskraftwerke, angefeuert von blanker Energie in Form von jahrmillionenlang gereiftem Kohlenstoff, sind nicht weiter gefragt. Strom muss jetzt grün werden, Nachhaltigkeit, meine Damen und Herren, ist hier das Stichwort.
Viele Versuche wurden in den vergangenen Jahrzehnten unternommen, erneuerbare Energien anwendbar zu machen, nicht immer mit glänzendem Erfolg. Regenerative Energien bringen immernoch zahlreiche Probleme mit sich. Meistens sehen die Anlagen alles Andere als ansprechend aus, die Energien stehen nicht immer vollumfänglich und gleichmäßig zur Verfügung und daraus resultiert dann zu allem Überfluss, dass man die spontan anfallende Energie auch nicht immer vollständig nutzen kann. Zu diesem Zwecke schufen findige Ingenieure schon vor vielen, vielen Jahren die sogenannten Pumpspeicherkraftwerke. Wenn spontan mal irgendwo ein Deut zuviel Energie in das Netz eingespeist wird, werden größere Mengen flüssigem Dihydromonoxids vermittels Pumpwerken durch Stollen bergauf getrieben und dort in einem sogenannten Speichersee gelagert. Fehlt es dann zu einer anderen Tageszeit an Energie im Stromnetz, lässt man das Fluid einfach wieder über einen anderen Stollen den Berg runterdonnern und wandelt die Lageenergie mittels Turbinen und Generatoren wieder in elektrische Energie. Diese Idee ist gut, sie ist praktikabel, leider aber ist sie auch in diesem Lande vollends ausgeschöpft. Die mäßig-durchschnittliche Topographie des deutschen Herrschaftsbereiches erlaubt nur höchstselten die Anlage von künstlich angelegten Bergseen. Das ist schade, allerdings ohne Annektierung weiterer, weitaus bergigerer Gefilde, wie beispielsweise die Schweiz oder Österreich (das hatten wir ja auch schon), nicht mehr zu ändern.
Vor etwas mehr als einem Monat begab es sich dann, dass einem namentlich nicht genannt werden wollendem Ingenieursstudent, in einem bürgerlichem Gartenschuppen Think-Tank, unter Zuhilfenahme diverser Hilfsmittel, eine „bahnbrechende“ Idee in den Kopf schoss. Das Eisenbahnkollisionskraftwerk ward geboren.
Die Idee ist gleichsam clever und genial sowie bestechend logisch:
Zur Veranschaulichung der Idee und zur Begriffserklärung werden wir nun bildlich. Stellen Sie sich bitte die Bahntrasse Münster-Essen vor. Dort verkehrt in weitestgehend willkürlicher Regelmäßigkeit die Rhein-Haard-Bahn RB42. Solch ein Zug der Baureihe 425 hat eine maximale Antriebsleistung von 2,35 Megawatt. Gehen wir zur brutalen Vereinfachung davon aus, dass durch Reibungs-, Strecken- und Luftwiderstandsverluste noch 42% der Antriebsenergie in Bewegungsenergie umgewandelt werden, fährt so im Idealfall noch 1 Megawatt Energie durch die Gegend. Zur Umsetzung der Idee des Eisenbahnkollisionskraftwerkes setzen wir nun voraus, dass dieser Zug ausschließlich aus überschüssiger, nicht weiter verwendbarer, erneuerbarer Energie (Wind, Sonne, Methan, BILD-Zeitungen) befeuert wird. Das erzeugt für den Fahrgast ärgerliche Stop-and-go-Zustände, für die Energiebilanz widerum hervorrangende Werte. In verkehrsgünstiger Lage (ein Pilotprojekt böte sich in Haltern am See an), wird nun ein solches Eisenbahnkollisionskraftwerk errichtet. Sobald der Abruf von Energie von Nöten ist, der unmittelbar zuvor noch in den Antrieb unseres Zuges gesteckt wurde, wird das Konstrukt, bestehend aus einer Prallplatte, Federn, Umlenkrollen, Seilzügen, Getrieben und Schwungrädern mit angekoppelten Generatoren, durch Ein-Euro-Jobber direkt vor dem, idealerweise voll beschleunigten, Zug platziert. Wie dieses Kraftwerk im Detail funktioniert bleibt der Fantasie des Lesers überlassen. Nun kommt der Moment auf den wir Alle sehnlichst warteten: Es macht ein zartes „KRAWUMMS!“ und die Bewegungsenergie des Zuges wird mit einer geschätzten Kraftwerkseffizienz von weiteren 42% als elektrische Energie ins Netz eingespeist. Gehen wir weiter davon aus, dass die Energie etwa 6 Minuten vorgehalten werden kann, könnte man damit rund 7 Einfamilienhäuser ein Jahr lang betreiben. Ein Schlusswort dann noch zum Thema Nachhaltigkeit und „regenerative Energien“: Empirische Beobachtungen haben gezeigt, dass Züge sehr wohl regenerativ sind. Es kommt grob jede Stunde einer.

Damast, Wootz, Tamahagane und ihre Verwendung für Schneidwaren

Posted in Scharfe Messer on 8. Dezember 2011 by Herr Grau

Dieser Artikel ist vermutlich schon länger überfällig. Kaum einen Sachverhalt erörtere ich noch so oft, wie die Frage nach dem Sinn von Damast als Messermaterial.
Jetzt stelle ma uns mal janz dumm und frare: Wadd isene Damast?
Wenn diese Frage einfach zu beantworten wäre, hätte ich nicht vor Schreibbeginn laut gestöhnt und mich ausgiebig gestreckt. Der Leser sei gebeten, noch einmal aufs Klo zu gehen, sich einen heißen Kakao zu holen und sich zurück zu lehnen – das könnte jetzt ein bisschen dauern. Oder anders gesagt: Der alte Mann packt seine schon zu Sagen gereichende Strukturlosigkeit aus.

Schmelzdamast

Der eigentliche Damaststahl wird heute Wootz oder Bulat genannt und bezeichnet einen Stahl, der bis in 18te Jahrhundert im Orient hergestellt worden ist. Warum das Geheimnis seiner Herstellung verloren ging, ist nur zu erklären, wenn man einen kurzen Exkurs in die Metallurgie überstanden hat: Wootz wird zu einem „König“ genannten Barren aus Eisen, Sorel, Kohle, Blättern und Glas erschmolzen. Im Gegensatz zu der in Europa üblichen Stahlgewinnung im Rennofen findet hier also eine echte Schmelze statt. Das Glas schwimmt in der Schmelze auf und verhindert, dass Luftsauerstoff daran kommt und den Kohlenstoff verbrennt. Das Ziel der Schmelze ist, das Eisen aufzukohlen, um einen härtbaren Stahl zu erhalten und das berühmte Damastmuster zu erzeugen, das den fast mystischen Ruf der orientalischen Waffen über Jahrhunderte auszeichnete. Das Geheimnis dieses Musters ist das Sorel-Eisen, das im Prinzip als Träger von bestimmten notwendigen „Verunreingungen“, v.A. Vanadium, Niob, Molybdän und Mangan, fungiert. Diese Legierungselemente bilden die Kristallisationskeime, an denen sich die Austenitnadeln bilden (Austenit ist eine der Kristallkonfigurationen von Eisenlegierungen), die am Ende für das Muster des Stahls verantwortlich zeichnen. Man geht davon aus, dass die Erschöpfung bestimmter Minenstätten im Orient dazu geführt hat, dass im Ausgangserz die notwendigen Verunreinigungen nicht mehr vorhanden waren. Trotz richtiger Schmelz- und Schmiedetechnik erhielten die Handwerker also plötzlich keinen Wootz mehr. Dass das Geheimnis um die Herstellung danach verloren ging, ist mehr als plausibel. Erst vor etwa einem Jahrzehnt gelang es Schmieden aus Deutschland und Russland, die Geheimnisse um die Herstellung zu entschlüsseln. Sie forschten öffentlich, sodass es jetzt wieder eine Handvoll Schmiede gibt, die dieses Material herstellen und verarbeiten können. Wootz muss allerdings sehr kalt und hart geschmiedet werden, wird er zu hoch erhitzt, geht das erarbeitete Gefüge kaputt. Die Arbeit ist also sehr konzentrationsintensiv, schwierig und anstrengend. Obgleich die Leistungseigenschaften des Stahls schlecht untersucht sind, handelt es sich um ein Material für Liebhaber. Der nötige Aufwand für guten Wootz ergibt einen heftigen Preis für den Endverbraucher, ohne dass von Vorteilen bei der Schneidleistung berichtet wird. Die legendäre Qualität der mittelalterlichen Damastwaffen ist immer im Verhältnis zu den Werkstoffen der Zeit zu sehen. Wer aber von den faszinierenden Mustern des Stahls gebannt ist und das Kunsthandwerk unterstützen möchte, den kann ich natürlich nur darin bestärken, sich eine Wootzklinge zuzulegen.

Schweißdamast

Der Versuch der europäischen Schmiede, die Musterung des Damaszenerstahls nachzuahmen, resultierte in dem, was wir heute als Damast kennen, was aber korrekterweise Schweißverbundstahl oder Schweißdamast heißen müsste: Nimmt man mehrere Stähle, die, wenn man sie ätzt, unterschiedlich hell zeichnen, und verschweißt und faltet sie immer wieder, so kann man ein Stahlbild erzeugen, das dem Vorbild zumindest ein wenig ähnelt. Liest man diese Theorie bei Wikipedia nach, so wird man auf die Behauptung stoßen, sie sei unwahrscheinlich, da „damaszierte“ Klingen schon lange vorher hier bekannt waren. Bei solchen Sätzen muss ich natürlich einmal lang und tief durchatmen. Stahl wurde in Europa wie in Japan noch bis die Neuzeit im Rennofenverfahren gewonnen. Dabei wird Eisenerz (in Europa häufig Rasenerz, in Japan Eisensand) mit Nadelholzkohle zu Renneisen verhüttet. Es tritt hierbei keine Schmelze, sondern eine Reduktion des Eisens mit Ausschlackung der Verunreinigungen ein, das Ergebnis wäre sonst viel zu hoch aufgekohltes Gusseisen. Das Ergebnis, die s.g. „Luppe“, ist ein sehr inhomogener Stahlschwamm, der jetzt „gegärbt“ werden muss, also im Feuer gereinigt und homogenisiert. Zu diesem Zweck wird er im Feuer immer wieder verschweißt und gefaltet. Klingelt was? Das haben wir schon mal gehört. Als die Schmiede hierzulande versuchten, die Damastklingen aus dem Orient nachzubilden, bedienten sie sich natürlich der Techniken, die sie kannten. Der Sinn ist aber genau entgegengesetzt: Während das Gärben das Ziel hat, einen möglichst homogenen Raffinierstahl zu erzeugen, hat das Damaszieren den Sinn, mehrere homogene Stähle zu einem kalkuliert inhomogenen Werkstoff zu vereinen. Der Unterschied ist vor allem die Zahl der Faltungen. Ein Raffinierstahl wird öfter gefaltet und wird dadurch überall sehr gleich; bei einem Damaststahl wäre an dem Punkt die völlige Sinnlosigkeit erreicht.
Es gibt mehrere Möglichkeiten, wie man Damast erzeugen kann. Immer beliebter wird die Herstellung von pulvermetallurgischem Stahl (Damasteel™), wobei die Muster durch Metallstaubschichtungen erzeugt werden, die dann zusammengesintert werden. Als Vorteil ist anzuführen, dass sehr komplexe Muster erzeugt und auch rostträge Stähle verarbeitet werden können. Gerade für Schmuckstücke und rostfreie Damastmesser wird das Material daher gerne genommen. Rostträge Stähle sind deshalb schwer von Hand zu damaszieren, weil das enthaltene Chrom eine Chromoxid-Schutzschicht (genau das, was auch vor Rost schützt) ausbildet, die Schweißungen verhindert. Es ist fertigungstechnisch aber möglich und wird sowohl industriell in der Walzlaminatherstellung gemacht, wie auch von erfahrenen Damastschmieden wie Markus Balbach oder Achim Wirtz von Hand. Generell ist das Merkmal „rostfrei“ in Kombination mit dem Wort „Damast“ immer das Signal, dass alle Warnlampen angehen müssen, einen einfacheren Weg, billige Massenware als solche zu erkennen, gibt es selten. Ausnahmen werden sich mit der zertifizierten Herkunft ihres Stahls schmücken (also entweder der Schmied oder Damasteel), denn das Material ist sehr teuer.

Die wichtigste Trennung, die sich hier aber findet, ist die zwischen Zier- und Leistungsdamast. In den allermeisten Fällen, wenn ich von „Damastmessern“ höre, ist die Klinge aus fertigem Walzlaminat hergestellt, wobei die Randlagen aus industriellem Zierdamast bestehen, in dessen Mitte eine Schneidlage aus Monostahl eingelegt ist. Dass diese Klingen keinen Vorteil gegenüber einer normalen Dreilagenklinge haben, ist denke ich selbsterklärend. Da dieses Standardmaterial rostträge ist, hat es sogar massive metallurgische Nachteile gegenüber dem von den günstigeren japanischen Schmieden verwandten industriell hergestellten Dreilagenstahl, der als Schneidstahl gediegenen Papierstahl mitbringt. Auch etliche hochpreisige Messer haben nur Zierlagen aus Damast, dann aber teilweise von Hand geschmiedet; in Japan zB findet man so gut wie keine Messer, deren Schneidlage aus Damast besteht. Hier ist der handwerkliche und ästhetische Mehrwert sicherlich höher, für die Qualität der Schneide tut das aber nichts. Wirklich interessant wird es erst, wenn wir uns dem Damast als Schneidenstahl zuwenden.

Leistungsdamast entspringt dem ebenfalls früh in der Damastherstellung präsenten Gedanken, die guten Eigenschaften mehrerer Stähle miteinander zu kombinieren. Es werden unterschiedlich legierte Stähle eingesetzt, um die Schneide mit dem besten aus den beiden Welten hart und zäh zu versehen. Art der Faltung und Zahl der Lagen, vor allem aber Auswahl des Ausgangsstahls ist eine Frage der Erfahrung des Damastschmieds und nicht unbedingt alltäglich. Einen prüfenden Blick in Richtung Balbach, Stienen oder Wirtz zu werfen, ist daher mehr als empfehlenswert. Tatsächlich zeigen die wenigen Untersuchungen, die es zu dem Thema gibt, dass Damast eine erstaunliche Festigkeit und Schärfe bietet. Hierbei spielt aber wohl auch ein Faktor eine Rolle, an den vorher wenig gedacht worden ist: Die Schweißgrenzen zwischen den Lagen bilden eine Kristallisationsgrenze, sodass das Gefüge potentiell feiner werden kann, als bei einem Monostahl. Ein guter Leistungsdamast mit feiner Struktur hat also tatsächlich das Potential, bessere Schneideigenschaften zu haben, als sein homogenes Äquivalent ( – es ist übrigens sehr fraglich, ob dieser Effekt bei gesinterten Stählen ebenfall auftritt). Der Preis für solche Messer ist aber sehr hoch. Güde hat eine Serie mit Balbach aufgelegt, dort kann man sich mal preislich orientieren.

Raffinierstahl

Als letztes gilt es jetzt noch, den Raffinierstahl abhandeln, der auch immer wieder Punkt von Diskussion (und Habenwollen-Reflexen) ist: Dieser Stahl, vor allem im Fokus steht der japanische, in dem Tatara genannten Rennofen gewonnene Tamahagane (Juwelenstahl), zeichnet sich durch ein sehr feines Faltungsmuster aus, hat aber technisch gesehen keine Vorteile gegenüber hochreinen Schneidstählen.
Hitachi entwickelte die traditionelle Stahlherstellung zu einem industriellen Prozess weiter, das Ergebnis ist der s.g. „Papierstahl“ (depperterweise tatsächlich nach dem Packpapier benannt, in dem er geliefert wird…), der auch heute noch als bester Schneidstahl der Welt gelten kann, auch wenn hiesige Stähle (z.B. Kugellager- oder Feilenstahl) ebenfalls von extrem hoher Qualität und Reinheit sind. Gängig sind Weißpapierstahl (Shirogami) und Blaupapierstahl (Aogami), wobei letzterer mit Wolfram, Chrom und Mangan legiert ist, dadurch etwas zäher, aber weniger scharf ist. Der Stahl kann als dem Tamahagane ebenbürtig angesehen werden. Es ist zwar überaus bemerkenswert, dass die japanischen Schmiede schon vor hunderten von Jahren einen Stahl herzustellen wussten, der auch von heutigen Produkten in seiner Qualität kaum geschlagen werden kann; der gewaltige Aufwand, den Stahl von Hand zu erschmelzen, die Luppe zu brechen, sortieren, binden und zu dann zu gärben, steht aber in keinem Verhältnis zu dem Ergebnis. Ein Messer oder Schwert aus Tamahagane oder europäischem Raffinierstahl besitzen zu wollen, ist also ein reines Haben-um-des-Habenwollens.
Nicht dass das schlecht wäre…

Fazit

Um das Ganze jetzt mal kurz und gut abzuschließen: Wootz (Schmelzdamast) und Raffinierstahl (z.B. Tamahagane) sind etwas für den Liebhaber, das von technischer Seite her keinen Mehrwert bringt. Zierdamast ist häufig billigster, industriell erwalzter Kitsch, aber auch wenn er aus Handarbeit kommt, ist er nur etwas für’s Auge. Ein gut gemachter Leistungsdamast (also ein Damast, der wirklich die Schneide bildet) zeigt tatsächlich sehr gute Eigenschaften und hat das Potential, besser als ein Monostahl zu sein. Der Preis dafür ist aber ebenfalls sehr hoch, sodass der Mehrwert zum Aufpreis in keinem Verhältnis steht. Schneidwaren aus Damast oder Raffinierstahl sind – mit Ausnahme der billigen Augenwischerei durch Walzlaminattapeten – eine Sache für den Liebhaber oder Kunsthandwerksmäzen.

Review – Reischer Santoku

Posted in Getestet, Scharfe Messer on 24. Oktober 2011 by Herr Grau

Durch eine Passaround-Aktion im Messerforum bekam ich die Möglichkeit, eine Woche lang das neue Santoku von Christoph Reischer, einem österreichischen Mokume Gane- und Messermacher, zu testen. Es ist ein Messer, das aus gewalztem 1.2235 (also einem rostenden) Stahl herausgeschliffen wird. Es ist als Versuch anzusehen, für einen mit 66€ doch sehr bezahlbaren Preis ein gutes, handgemachtes Messer von einem lokalen Messermacher bekommen zu können.

Anmerkung: Meine Kamera war leider leer und das Ladegerät unauffindbar. Daher kann ich nur mit einem Photo von Christoph dienen.

Technische Daten:
Klingenlänge: 165 mm
Klingenhöhe: 40 mm
Klingenoberfläche: satiniert & walzroh
Gesamtlänge: 295 mm
Gewicht: ca. 140 g
Griffmaterial: Räuchereiche
Griffform: rechteckig, leicht Oval
Griffoberfläche: gebürstet
Preis: 66,- Euro

Testergebnis:
So sehr ich wollte, dass das Messer nicht ist, was die vorigen Tester im Forum schon festgestellt hatten, so wenig konnte ich mich gegen die Realität wehren: Das Messer ist an zu vielen Stellen unausgegoren, als dass ich es guten Gewissens empfehlen könnte. Der Griff ist unpraktisch, sowohl für kleine, als auch für meine großen Hände schlecht zu greifen und in Verbindung mit der nicht sehr hohen Klinge dafür verantwortlich, dass die Hand zwischen Schneidbrett und Griff kaum Platz hat. Ich finde ihn auch zu leicht. Die Geometrie der Klinge ist nicht ideal, da der Schliff recht tief ansetzt und somit einen ungünstig stumpfen Winkel produziert, was sich gerade beim Schneiden von hartem Gemüse bemerkbar macht. Der größte Kritikpunkt an dem sonst handwerklich sehr sauber verarbeiteten Messer ist aber der Stahl selbst: Die durch den Carbonstahl verhießene Klingenqualität ist einfach nicht vorhanden. Zu weich ist der Stahl, sodass er zwar schnell scharf wird, aber die Schärfe nicht nur auch schnell wieder verliert, sondern sogar zum Umknicken der Schneidfase führt. Die nicht sehr hohe erreichbare Maximalschärfe suggeriert kein gutes Gefüge. Das als Testvergleich herhaltende Herder 1922 Carbonstahl schlug das Reischer Santoku derartig klar in allen Disziplinen, dass es mich wirklich traurig stimmte.

Fazit:
Eine sehr gute Idee von Christoph Reischer, die er unbedingt weiter verfolgen sollte. Im jetzigen Zustand aber klar keine Empfehlung.

Metrischer Ballistikrechner als Tabellenkalkulation

Posted in Angewandte Wissenschaft on 12. Oktober 2011 by Herr Grau

Ich war schon etwas frustriert, als ich mich aufs 300m-Schießen vorbereiten wollte und feststellen musste, dass fast alle Ballistikrechner entweder bei mir nicht funktionieren, ich sie nicht verstehe undoder sie im großartigen imperialen System sind. Ich muss zugeben: Ich bin schlecht mit Zahlen, dabei ist es so einfach:
Ein Inch sind 2,54cm, 12 Inch sind ein Foot, 3 Feet ein Yard und 5280 Feet eine Meile. 1,2 Pegel sind ein Pfiff, 16,8 Pfiffe machen ein Gescheide, oder aber natürlich 19,6 Pegel. Ein Kumpf macht vier Gescheide, wovon wieder 12,2 einen Scheffel füllen, womit ein Scheffel offensichtlich drei Kumpf sind. 20,9 Scheffel geben ein Stück, 2,87 Stück eine Schiffslast, 1,76 Schiffslasten oder 5 Stück einen Kubikklafter. Außer im Februar, der hat 28. Also, alles ganz einfach, aber wie gesagt: Ich bin nicht gut mit Zahlen.

Einer der übersichtlichsten und einfachsten Außenballistikrechner wird von jacksonrifles.com zur Verfügung gestellt. Er kommt als kleine Tabellenkalkulation daher, die auf den Formeln von Prof. Arthur Pejsa basiert, und ist im Internet dank seiner Praktikabilität recht bekannt und gern genommen. Die Tabelle läuft auf Smartphones, Netbooks, Palms und vermutlich sogar auf dem Casio Klappabakus. Leider ist auch sie im imperialen System geschrieben. Na, das kann man doch ändern – frisch ans Werk!

Ich also so: Bäm.
Download für Excel

Gern geschehen.

Die Rechte bleiben natürlich bei Jackson Rifles und Prof. Pejsa.

Kalkulationstabelle Wiederladekosten

Posted in Angewandte Wissenschaft on 12. Oktober 2011 by Herr Grau

Ein weiteres Artefakt aus Herr Graus wunderbarer Welt der Faulheit™ hier für meine Lieblingsleser zum Download:

Meine Kalkulationstabelle für Kosten wiedergeladener Munition für unsere Excel-User.

Tadaaaa! … Okay. Es interessiert wahrscheinlich keine Sau, aber hey – vielleicht fällt ja mal wieder über Google jemand drüber und wir gewinnen einen weiteren Leser. Man weiß es nie…

Deutsche Sprache? Schöne Sprache.

Posted in Angewandte Wissenschaft on 14. Juni 2011 by hoegi

Wissenswertes aus der Textverarbeitung:
Ist eine einzelne Zeile eines Absatzes durch einen Seitenumbruch vom Rest des Absatzes getrennt, spricht man entweder von einem Schusterjungen (oder auch Waisenkind), wenn es sich um die erste Zeile eines Absatzes handelt, oder von einem Hurenkind (heute leider auch Witwe genannt), wenn es sich um die letzte Zeile des Absatzes handelt.

Wir haben eine dufte Sprache.