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Das Gringo-How-To: Wie macht man Sushi-Reis?

Posted in Essen & Trinken, smile and look alive on 19. Februar 2015 by Herr Grau

 

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Ich habe viele Dinge in meinem Leben sicherlich schlicht verpasst. Nicht gemacht, zu spät gesehen, Chancen liegen rechts und links tot des Weges meinem Schritt folgend. Eine dieser Sachen, die ich schlicht nicht getan habe, ist, zehn Jahre als Lehrling in einem Sushi-Restaurant zu arbeiten. Es darf davon ausgegangen werden, dass mir die hohe Schule verschlossen bleibt.

Meiner Erfahrung nach stehe ich damit aber in einer guten Reihe mit fast allen Sushi-Köchen in unserem muckeligen kleinen Deutschenland, das inhaltlich wie geographisch von Japan eine ganze Welt weit entfernt ist. Mit elendig seltenen Ausnahmen sind wir ein Haufen Gringos, die auf eine der formalisiertesten und hochgeschätztesten japanischen Speisen kreischend mit dem Schraubenschlüssel eindreschen – womit sich die Japaner in Anbetracht von Utility-Sushi überall auf der Welt schon vor vielen Jahren anfreunden mussten. So wird es mir wohl keiner Übel nehmen, wenn ich jetzt mit meiner sportlichen 20%-Einsatz-80%-Erfolg-Mentalität mit in den Ring steige und wenigstens versuche, die Ergebnisse der hiesigen besseren Sushi-Restaurants nachzustellen.

Ich habe mehr Recherche in diesen Artikel gesteckt, als es vielleicht scheint. Inzwischen weiß ich über das Thema mehr, als für den Autor einer kompakten Zusammenfassung gut sein mag – man verzeihe mir daher gelegentliche Ausschweifungen. Wer mit den Offerten der Kühltheken hiesiger Supermärkte, Nordsee-Filialen oder China-Buffets zufrieden ist, der möge hier auf dem gespitzten Hacken kehrt machen und beispielsweise ein Handbuch über Asphalt oder eine Biographie von Mireille Mathieu lesen. Wer aber die kleinen japanischen Reishäppchen für einen der größten Genüsse dieser Welt hält, Menschen, die den eingelegten Ingwer auf dem Sushi verteilen, am liebsten vierteilen würde und sich primär deswegen einen Tokyo-Urlaub wünscht, damit er mal in den richtigen Genuss kommen kann, der ist hier goldrichtig und der wird auch Ton und Umfang der Ausführungen nicht tadeln.

Eine Sache stellt sich schnell heraus, wenn man dem Olymp der Sushiköche zuhört: Es geht in erster Linie bei Sushi um eines – den Reis. Jeder weitere Gedanke kommt danach. Deshalb habe ich micht auch bei meinen Bemühungen um gutes Sushi erst einmal um nichts anderes bemüht und bin bestimmt in der praktischen Herstellung noch weit von Perfektion entfernt. Den Reis aber, den habe ich nun endlich ziemlich gut raus. Heißt: So gut, wie ich ihn in Deutschland gegessen habe. Das brauchte zahlreiche völlig misslungene Versuche und einen Abstieg in die Niederungen des kulinarischen Internet am langen Seil mit dem kleinen Karbitlämpchen auf dem Kopf.

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Der Reis.
Entscheidend bei der Zubereitung von gutem Reis ist? Na? Guter Reis. Wahnsinn. Raunen in der Menge. Ja, es klingt bescheuert. Trotzdem kann man nicht genug betonen, dass man sich ohne gutes Ausgangsprodukt die Idee mit dem Sushi wirklich gepflegt an den Hut stecken kann. Das wird nichts. Versprochen. Vor allem, weil schon eine kleine Einführung in das Thema „Sushireis“ zügig seitengreifend ausartet, ist das natürlich leicht gesagt: gut? Wo wächst das denn? In Japan und Californien, wie sich herausstellt. Dabei bekommt der Rest der Welt von den Japanern wenig von ihrem guten Reis ab und wir dürfen uns glücklich schätzen, dass das Klima an der amerikanischen Westküste jenem im Alten Land sehr ähnelt und dort engagierte Produzenten wohnen, die ein exzellentes Korn produzieren. Es bricht sich auf folgendes runter: Ordentlichen Sushi-Reis wird man in den allermeisten Fällen im Internet bestellen und dafür mindestens 5€/kg anlegen müssen. Dabei kommen die Rundkorn-Sorten Akitakomachi und Koshihikari in Frage. Ich habe sehr gute Erfahrungen mit dem Koshihikari von Reishunger gemacht, den ich an dieser Stelle ausdrücklich empfehlen möchte. Die meisten gehobenen Sushi-Restaurants nutzen Koshihikari der Marke Kagayaki.

Reis kochen.
Gott, wie ich mit dem Kochen von Reis auf Kriegsfuß stehe. Ich habe es nicht mit normalem Langkorn, die Hürde beim Sushireis liegt also noch eine Aufzuglänge höher. Ich weiß nicht, wer es genau war, aber ein japanischer Philosoph hat mal gesagt, dass die beste Erfindung der Neuzeit der Reiskocher sei. Nach vielen Versuchen bei fast gleichem Arbeitsablauf muss ich ihm enthusiastisch zustimmen, weshalb ich den Erwerb auch dringend anrate. Ab 15€ ist sowas schon zu haben, warum soll man sich also das Leben zusätzlich schwer machen. Es geht auch im Topf. Klaviersonaten kann man auch auf Keyboard spielen. Sie verstehen.

Pro Person messen wir eine halbe Tasse Reis (=100g) ab. Dieser Reis wird in einen Topf gegeben und der mit kaltem Wasser gefüllt. Der Reis wird von Hand leicht gerieben und durcheinander gewirbelt, bis sich das Wasser trüb gefärbt hat, dann abgegossen. Dieses Procedere wird wiederholt, bis das Wasser fast klar bleibt, vier bis sechs mal ist ein guter Richtwert. Danach wird der Reis in einem Sieb abgegossen und 30 Minuten dort abtropfen gelassen. Sodann will er in unseren Reiskocher (oder Topf…) hinein. Pro Person wird 15ml günstiger Sake zu einer halben Tasse aufgefüllt, also dem gleichen Volumen des Reises, und dazu gegeben. Ebenfalls dazu kommt pro Person ein 5×5 cm großes Stück Kombu, das man in fast jedem Asia-Markt kaufen kann. Dann kommt der Deckel drauf und dann darf alles erst einmal 20 Minuten ohne Hitze quellen. Sodann wird aufgefeuert. Den Reiskocher lässt man einfach seine Nummer durchziehen, bis er ausgeht, im bedeckelten Topf soll das Wasser erst kochen, dann 15 Minuten auf kleinster Flamme ziehen. Wenn das fertig ist – und jetzt aufpassen – Strom aus und 20 Minuten in Ruhe lassen. Während der gesamten Zeit bleibt der Deckel unbedingt geschlossen!

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Reis würzen.
Während der Reis kocht, bereiten wir unser „Sushi-Gewürz“ (Sushi-Su) zu. Dabei handelt es sich um gesüßten und gewürzten Reis-Essig. Dem Drang, fertigen Sushi-Essig zu kaufen, sollte man unbedingt widerstehen. Die Herstellung ist elendig einfach und das Ergebnis viel besser. Die Wahl des Essigs ist sehr einfach: Mizkan. Fertig. Es ist der mit Abstand am meisten verkaufte Reisessig, weshalb er überall zu haben und relativ günstig ist, und wird auch von hochkarätigen Sushi-Köchen verwendet. Reisessig, Zucker und Salz werden im Verhältnis 4 : 2 : 1 gemischt und unter Rühren aufgelöst. Man veranschlagt je nach Geschmack 20 – 30% des rohen Reisgewichts an Sushi-Su, also pro Person (100g roher Reis) 20 bis 30ml. Fertig. Aber es wäre ja nicht Sushi, wenn es nicht noch einen schwierigen Teil geben würde. Der Reis muss nämlich, wenn er fertig gedämpft ist – wir erinnern uns: Die 20 Minuten Ruhe nach dem Kochen – mit diesem Sushi-Gewürz vermischt werden. Dafür hat man idealerweise einen Hangiri, einen Holztrog, aber es geht auch die größte Schüssel im Haus. Ein sehr breiter Holz- oder Plastiklöffel und ein Stück Pappe zum wedeln sind weiterhin unabdingbar. Der Reis wird in die Schüssel gekippt – wer eine Holzschüssel hat, sollte diese vorher mit Wasser befeuchten -, dann wird über dem hin- und hergewedelten Paddel die Würzflüssigkeit möglichst gleichmäßig verteilt. Während nun mit der anderen Hand mit Fächer, Pappe oder einfach Fön kühlende Luft eingebracht wird, wird mit einer wedelnden Seitwärtsbewegung der Reis geöffnet und verteilt, bis er die gesamte Flüssigkeit aufgenommen und sich auf Körpertemperatur abgekühlt hat. Diesen Teil kann man sich am besten in einem Video anschauen, da er schwer zu vermitteln ist. Ein gutes Video ist bspw. dieses. Danach wird die Schale mit einem feuchten, warmen Tuch abgedeckt. Fertig, Sushi-Reis. Der Reis sollte leicht kleben (weshalb feuchte Hände bei der Verarbeitung dringend anzuraten sind), aber nicht pappen. Die Körner sollten luftig zusammenhalten und in der Mitte noch einen gewissen Biss haben. Sie sollten weder zu süß noch zu sauer schmecken. Ich vermute, jeder wird ein paar Versuche brauchen – hoffentlich ist diese Anleitung aber geeignet, die Misserfolge auf ein Minimum zu reduzieren. Viel Erfolg!

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Alles richtig gemacht – Rippchen, wie sie seit Jahren werden sollten

Posted in Essen & Trinken, smile and look alive on 2. Februar 2015 by Herr Grau

IMG-20150202-WA0003Das Gefühl, etwas nach vielen Jahren des Irrens durch den dunklen, dunklen Tann endlich genau richtig gemacht zu haben, steht allein. Die Welt scheint einem plötzlich direkt in der Hand, alles ist möglich – man fühlt sich fast dumm, sich je über dem Elend des Alltags bittere Falten ins Gesichts gehasst zu haben. Man sollte meinen, dass das Internet dem demütig suchenden Barbecue-Neophyten zügig ein Evangelium an die Hand gäbe, das auf Engelstrompeten und elysisches Stöhnen eine Werksgarantie gibt. Aber oft genug sind es eben die einfachsten Dinge, die am schwierigsten richtig zu machen sind. Ich mache seit zehn Jahren Ribs, habe unzählige Manifesten dazu gelesen, keine Mühe in der Herstellung gescheut und bin doch am Ende nie in den Himmel gefallen. Jetzt, endlich, plötzlich, überraschend – Erfolg. Ich bin ein guter Mensch und teile.

cutsEine adäquate Fleischgrundlage ist natürlich Vorraussetzung. Wenig Überraschung an dem Punkt. Gerade bei der Beschaffung haben viele Leute schon Probleme, denn die Grundlagenforschung an der Grillrippe stammt von dezentral organisierten Forschungsgruppen aus Englisch-Amerika. Und ungünstigerweise macht der Metzger in den britischen Kolonien anders als der Fachmann aus Teutonien. Ein für allemal also: Babyback Ribs heißen in Deutschland Kotlett-Rippen, die deutlich breiteren Spare Ribs gibt es nicht in den klassischen St. Louis- oder Memphis-Cuts, sind aber ausreichend annäherbar, indem man Schälrippen bestellt und von denen den Part mit Knorpel abschneiden lässt. Ich hatte bis jetzt immer die Silberhaut auf der Rückseite der Rippen abgezogen. Diese Praxis wird aber durchaus kontrovers diskutiert und nach meinen jetzigen Erfahrungen muss ich sagen: Drauf lassen. Weniger Arbeit und mehr Zusammenhalt des später butterweichen Fleisches.

Der Dreh- und Angelpunkt unserer Ribs ist ein s.g. Dry Rub im Kansas City Style. Pro hungriger Person würde ich zwei Lagen Kotlettrippen vorsehen. Für 10 Rippenstränge mischen wir:
250ml brauner Zucker, 3EL Salz, 7EL Rosenpaprika, 2EL gemahlener schwarzer Pfeffer, 2EL Knoblauchgranulat, 2EL Zwiebelgranulat, 2TL Cayennepfeffer, 1TL Pimenton della Vera

Dieser Rub wird gleichmäßig über den Ribs verteilt und leicht angedrückt. Dann werden die Rippchen aufeinander gelegt, dicht in mehrere Lagen Alufolie gewickelt (ich hatte sie einzeln verpackt, aber das ist glaube ich wirklich nicht nötig) und dann geht es für sechs bis zwölf Stunden in den Kühlschrank. Dieser Schritt ist erstaunlich wichtig: Zu kurz und das Fleisch ist nicht würzig genug, zu lang und es ist zu viel.

Jetzt kommt der kontroverseste Punkt von allen: Drei bis dreieinhalb Stunden bei 140° Umluft in den Backofen. Danach werden sie eine halbe Stunde außerhalb des Backofens in der Alufolie ruhen gelassen. Instinktiv würde ich sie am liebsten auf dem Grill zubereiten und das habe ich auch jahrelang mit großer Hingabe auf verschiedenste Arten praktiziert. Ich weiß nur nicht, wie ich sie gleichzeitig grillen und in ihren eigenen Säften schmoren soll. Eine Möglichkeit wäre, sie auf dem heißen Grill zu starten, dann einzuwickeln und in dem geschlossenen Grill durchzugaren. Ich finde, das ist eine Menge Aufwand, der eventuell bei der nötigen dichten Einpackung gar keinen großen Mehrwert bringt und durch die Schwierigkeit, ein Feuer richtig zu kontrollieren, auch noch deutlich fehleranfälliger ist. Bei mir gibt es also erstmal Backofen, zumindest, bis ich wirklich weiß, dass es irgendwie besser geht.

IMG-20150202-WA0001Wie man die Rippen finished, ist Geschmackssache. Eine Möglichkeit wäre, das Fleisch wie Pulled Pork auseinander zu ziehen, in den Bratensaft zurückzugeben und mit BBQ-Sauce (dieses mal probiert und für ausgezeichnet befunden: Hunt’s. Sonst gerne HP oder selbstgemacht) im adäquaten Brötchen zu servieren. Unsere Variante war die traditionelle: Der Grill des Herdes wird auf 250° aufgedreht, die Rippchen auf einem Rost mit BBQ-Sauce eingepinselt und unter dem Grill glasiert, bis die Sauce nicht mehr feucht aussieht. Ein Wort der Warnung: Grills in Backöfen sind direkte Verwandte von Hephaistos rauschender Esse. Zu Teutsch: Da geht es rund. Der Unterschied zwischen noch nicht fertig, perfekt und einer gut gemachten Holzkohle der Schüttung „Sächsischer Bruch“ ist häufig nur ein paar Sekunden. Dabeibleiben, dem Holzauge Wachsamkeit verordnen.

Am Ende steht, so alles richtig gemacht wurde, Begeisterung allenthalben. Auch Rib-Veteranen sollten dieser Variante wenigstens eine Chance geben .. ich habe nämlich auch bei eingefleischten Grill-Enthusiasten schon weniger gute Ribs gegessen.

Hinweis: Bisher größtes Update des Artikels „Welches Messer soll ich kaufen?“

Posted in Scharfe Messer, smile and look alive on 10. Dezember 2014 by Herr Grau

Pünktlich zur Weihnachtszeit liefert Ihr Lieblingsblog wieder: Es winkt das bisher größte Update meines doch recht gern genommenen Artikels zum Messerkauf. Jetzt mit völlig neuer Systematik – im Schaubild! Unglaublich. Das gab’s noch nie. Luft! Ich brauche Luft.

         Antwort auf die Frage: „Welches Messer soll ich kaufen?“

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Sammlung meiner Brotbacktipps – Für Anfänger und Fortgeschrittene

Posted in Essen & Trinken, smile and look alive on 3. Dezember 2014 by Herr Grau

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Ich war immer eher Koch als Bäcker – und das nagte an mir. Denn ich liebe Brot, ich bete es an. Ich kann mir stundenlang Bilder von Krumen angeschnittener italienischer Pane Linghi oder französischer Baguettes anschauen. Der Duft löst in mir eine irrationale warme Glücklichkeit aus. Der Geschmack von frischem Brot mit kalter Butter und etwas Salz ist für mich eine der Triebfedern zu leben. Leider sind deshalb auch meine Standards so hoch, dass ich nur mit wenigen käuflich erwerbbaren Broten zufrieden bin. Und die kosten dann meist viel Geld. Geld, das ich sparen könnte, wenn ich doch nur endlich selber ordentlich backen könnte .. soweit der Gedankengang. Ich hatte Zeit und Muße, also machte ich mich ans Werk.

Seit einigen Monaten beschäftige ich mich jetzt also mit dem Backen von Brot. Mehlsäcke wuchsen aus dem Boden, Teigschaber, Leinentücher, Gärkörbe, Gläser und Dosen voll Sauerteig und noch mehr Mehlsäcke tauchten auf. Ich würde mich in keiner Art und Weise als spektakulären Bäcker bezeichnen, aber ich habe dennoch eine Menge Dinge gelernt und meine Ergebnisse sind schon recht ordentlich. Familie und Freunde sind begeistert und auch ich – der grauenvolle Vulkan aus brodelnder perfektionistischer Selbstkritik – werde zunehmend recht zufrieden mit dem Gebackenen. Um genau zu sein: Ich bin begeistert. Gutes Brot zu backen ist erstaunlicherweise nicht schwer. Heißt: Man muss nicht jahrelang das Handwerk lernen, vielmehr ist gutes Brot die Summe vieler belanglos erscheinender Kleinigkeiten. Ich habe beschlossen, dass ich Euch den Spaß nehmen möchte, jeden einzelnen Fehler selber zu machen – und versuche, eine Liste dieser Kleinigkeiten aufzustellen. Alphabetisch, weil sonst habe ich keine Idee für eine Ordnung. Dies ist kein Versuch eines Backlexikons (siehe hier), sondern eine selektierte Aufstellung der in meinen Augen wichtigsten Punkte.

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Ein hassendes Wort zum Relativismus

Posted in Probleme des Lebens, smile and look alive on 2. Dezember 2014 by Herr Grau

[…][Es] lässt sich vortrefflich über die Grenzen der Definition streiten. Die eine Seite wird sich Engstirnigkeit unterstellen lassen müssen, während der anderen scheinbar der gesunde Menschenverstand für das Maßhalten fehlt. Ins Extrem getrieben wird auf ersterer Seite dann zunehmend kodifiziert, während die Relativisten die Grenzen immer weiter fröhlich strapazieren, bis man bei dekonstruierten [Dingen] angekommen ist, die mit dem Ausgangsprodukt wirklich überhaupt nichts mehr zu tun haben. Beides ist natürlich Realsatire. Dekonstruktionalismus macht sich genauso lächerlich wie der Versuch von Elitarismus und Kodifizierung in unserer Zeit.

Es gibt aber einen Unterschied: Dadurch, dass die Elitaristen eine bekannt gute Sache konservieren, ist die nie scheiße, sondern steigt eventuell sogar in der Qualität immer weiter (siehe japanische [Handwerks]-Tradition). Relativismus dagegen ist avantgardistisch progressiv und es liegt in der Natur der Sache, dass dabei viel Scheißdreck – keine Vulgärsprache, sondern Sprache für besondere Anlässe – entsteht; erfahrungsgemäß exorbitant mehr als Gutes. Praktisch gesprochen bekomme ich [im Traditionalismus] in hundert von hundert Fällen [ein fantastisches Produkt]. [Im Modernismus] dagegen bekomme ich für sehr viel Geld in allen Farben des Regenbogens oft schlecht, manchmal sogar grauenvoll und nur sehr selten sehr gut. Das ist der Grund, warum ich ungeniert und unermüdlich gegen den Relativismus angehe. Und wenn man sich in unserer Zeit damit lächerlich macht, dann ist das hinzunehmen in dem Bewusstsein, dass eine solche Gesellschaft sich wohl verirrt haben muss.

Das heißt nicht, dass ich nicht für Weiterentwicklung bin. Lediglich der Versuch von Revolution geht immer mit viel Krawumms in die Hose, das Geschichtsbuch lehrt’s einem. Ich plädiere für eine vorsichtige Evolution anstatt der skepitklosen Hochjubelung alles Neuen. Dafür ist es sinnvoll, das bisher Erreichte neidisch und hochgradig sketisch zu behüten und jede Neuerung gegen die Zeit zu testen. […] Und letztlich muss man sich dann fragen, ob die Neuerung den Aufwand wert ist. […][Wie] immer bekommt man mit zunehmendem Aufwand immer weniger Zugewinn für seine Arbeit. So könnte es gut sein, dass [ein] Punkt sich durchsetzen sollte; oder es könnte aber auch sein, dass er als technische Fingerübung taugt, in der realen Welt aber unsinnig aufwändig ist.[…]

– Ursprünglich ein Post über Fleischbrötchen

Günstiger Messerkoffer

Posted in Angewandte Wissenschaft, Probleme des Lebens, Scharfe Messer, smile and look alive on 8. Mai 2014 by Herr Grau

Es gibt einige Probleme, die einfach nicht verschwinden. Seit Jahren packe ich jedes mal, wenn ich meine Messer irgendwo mit hinschleppe, meine Messer einzeln ein und packe sie dann in eine Stofftasche. Im Angesicht meines bevorstehenden Umzugs fiel jetzt zwecks vorausschauender Schadensminimierung endlich die Entscheidung, dass ein Messerkoffer her musste. Es stellte sich ziemlich umgehend heraus, dass ich nicht reich bin und daher mundgezimmerte Köfferchen aus bei Vollmond von blinden Jungfrauen gegerbtem Dodo-Leder nicht so richtig drin waren. Das ganze muss doch auch günstig gehen. Nach langer Suche stieß ich endlich auf den perfekt dimensionierten und gleichzeitig bezahlbaren Alukoffer: Diesen Notebook-Koffer von Conrad für 29,99€ plus Schaumstoffmatte für 8,49€. Ein bisschen Arbeit und Liebe später – man muss den Notebookfirlefanz rausschneiden und den Schaumstoff zurichten – hat man einen Messerkoffer, in den sogar mein Lachsmesser (31cm) von der Länge und mein großes Gyuto von der Tiefe her hinein passt, aber dabei immer noch sehr flach und stabil ist. Und wenn man nicht so schlaftrunken ist wie ich und erst mal den halben Schaumstoff zerstört, bis man raus hat, wie man ihn am besten bearbeitet, kann man das ganze innen bestimmt auch richtig schön haben.

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Mediathek im Staate

Posted in The Hawthorne Catalyst with tags , , , , on 30. Januar 2014 by J

Journalismus! Reportertum! Du super- wie capeloser möchtegern Clark Kent! Erkläre er sich!

Ist es, dass so viele meiner mündig geborenen und durch Deine Feder so erfolgreich misinformierten Mitbürger derart eindringlich Platz und Hoheit fordern, dass Du Ihnen nicht nur die Schlammgrube der geistig Armen, jenes Kommentarfeld dessen, was ein irrwitziger Hornberger Deiner Reihen als Onlineausgabe des Prints fehlinterpretierte mit dem klerikalen Getue eines förmlich mit deckellosen Büchsen vom Journalismusolymp um sich Werfenden beschertest, sondern neuerdings auch schlichtweg Dein ureigenstes Handwerk selbst an die Dich Beauftragenden zurückgabst(1)? Dass Du gar das Unbürgertum gleich Dir selbst stellst, dies neuen Journalismus preist(2)? Geht das denn? Ist Dein Olymp neuerdings per pedes, per Druck der Plastiktaste zu erklimmen? Ist das billig, und noch mehr: recht?

Wenn nämlich andererseits auch nur ein Mensch – oder Unmensch – gen Deine Würde und traditionell drogenfrei halluzinierte Unabhängigkeit den Finger erhebt, den kleinen, dann! Dann wehrst Du Dich nach Kräften, einem zappelnden Kinde gleich, verteidigst den Dir eigenen heroischen Berufsstand mit geübten Klischees von Goebbels bis Orwell, auf dass keiner ohne in feinstes Juchten gebundenen Journalistenpass mehr das Wort erhebe gegen Ihn, den Qualitätsjournalismus! Und wird gar langsam die Suppe knapp, so ist‘s doch Zeit zu beteuern, wie sehr man sie sich verdient hat. Dann kömmt doch lieber erstmal das Fressen und dann die Bigotterie. Trotz derlei Gebaren wirst doch noch nicht Unglauben gestraft – Hosanna, geht das mit rechten Dingen zu?

Hast Du denn vor lauter Slomkas, Augsteins, Murdochs und Diekmanns vergessen, wer Dich gebar? Du bist einst hervorgegangen aus der Idee eines freien Mitmenschentums, das zu schützen Dir auferlegt war: Freiheit machte Deine hedonistischen Gedeihen erst möglich! Freiheit, also, sollst Du zu allervorderst schützen! Mit Information, mit Analyse! Mit Recherchen, die aufdecken, was unsere engsten Ausgewählten uns veruntreuten. Sollst uns vor Augen halten, wo wir wider Willen betrogen werden – und wo es mit unserer stillen Billigung zugeht. All das eben, wofür unsereins, der wir auch für Dich die Schippe schwingen, modernerdings keine Zeit mehr eingeräumt wird, obgleich wir doch wahlmündig zu bleiben bestrebt sind. Du warst Kontrolle und Schule, Retter der freien Gesellschaft!

Dieses Erbe hast Du in den Händen von 1-Euro-Schreibern gelassen, ehrliches – und anstrengendes – Handwerk durch Nachplapperei und Schlagzeilen aus der tieften Trickkiste der Dramaturgie ersetzt. Es ist Deine Schuld, und Deine ganz allein, dass das Volk, das Dir zu schützen auferlegt war, in rasender Schnelle erblödet, seine politische Mündigkeit einem hippen „Dagegen“-Opportunismus aufopfert und den Unterschied zwischen Wissen und Meinen nicht mehr kennt, ja nicht einmal die Bildung selbst noch als Ideal erkennt, nur derart konditioniert, damit es Deine Unzulänglichkeiten nicht mehr zu erkennen weiß. Deine! Und was machst Du? Anstatt weiter still die Boulevardisierung des Journalismus vorranzutreiben, da hebst Du ein Interview mit sachlicher Fälsche und der Fragetechnik eines zweijährigen Kindes zur neuen Maxime des Journalismus?
Welcher Dämon hat Dich beschlichen? Welches Suppenkraut Dir das Gehirn vergoren!

Am Tag Deines Todes wenden wir uns sogennanten „Satirikern“ zu, Deine nun vakante Aufgabe zu erfüllen. Uns Hintergründe zu erläutern, unser Sein betreffende Sach- und Haltungsverhalte darzustellen und die Eingewählten unter Beachtung von Sinn und Sachlichkeit zu hinterfragen. Und uns dabei die hässlichste aller Wahrheiten heiter zu verkaufen: Wie schlimm es um unsere Mündigkeit steht.
Oder Ist ein Sträuben gegen journalistischem Dadaismus gar wider der Natur? Ist die Utopie des mit seinem geistigen Limes gen Omniszienz informierten Gesellschaftsteilhabers in Wirklichkeit Gefahr derselben? Ist Pispers Ausruf(3) doch als zynische Drohung zu verstehen? Hast Du nur längst begriffen, dass Wissen ohne Handungsintegrität, Moral und einen Funken Altruismus nur zum schlimmeren Teufel gereicht? Schützt Du uns auf diese Weise? Ist denn die Lakonie des Thomas Gray in Wirklichkeit eine Abkürzung gen einzigem Ausweg aus dem Totalitarismus des informierten, partizipierenden Bürgertums in die Well’sche Glückseligkeit?

Dann auf! Auf! Garcon, bereite er seinen liquiden Gesellschaftsentwicklungsbeschleuniger. Ich will vergessen.

1:Leserartikel
2:zB Huffington Post
3:„Was glauben sie was hier los wäre, wenn mehr wüssten, was hier los ist!“

Monday, December 16, 2013

Rehabilitation – Teil 1

Posted in The Hawthorne Catalyst with tags , , , , on 30. Januar 2014 by J

Eine Kneipe. Ein situationsgeschuldeter Doppelter. Die Wahl zwischen Jack, Jim und was mit Torf im Tank fällt leicht. Man platzt am Tresen.

Hinter jenem gibts unaufgefordert und umsonst mindestens 50 Jahre geballte, weibliche Erfahrung am zumindest als ein solches empfundenen Leben. War mal eine blondierte Dauerwelle – jetzt? Schwer zu sagen. Der Thekenbetrieb, wenn er auch nach kritischer Selbsteinschätzung nur eine freiwillige Tätigkeit zum Einkommenserwerb war und ist, hinterließ Spuren. Allen vorran mindestens 50 Jahre Rauchgebot in geschlossenen, zur Not auch heimischen Räumen – wobei diese Differenzierung, so schwört die Erscheinung mittels nonverbaler Zaunpfahlkommunikation, mit der Zeit wohl verloren ging. Rauchtätigkeiten hier untersagen zu wollen, scheint pathognomonisch für schwereren Realitätsverlust – den von der unguten Sorte.

Ja, Whiskey geht auch im Cola Glas. Scheisse im Glas is Scheisse im Glas – und wenn da Ed Hardy und Louis Vuitton persönlich rein uriniert haben. Nein, ich möchte trotzdem nichts anderes.

Wenn der Chef den Laden nicht schon seit 20 Jahren schließen würde, wäre dies stichhaltiger Beweis, dass es sich bei dem Etablissement um einen ostasiatischen Nachbau handelt. Dass er hauptberuflich ohnehin eher Geißbock und Karnevalist ist, auch schon mal als Indianer aushilft – zu dieser überraschenden Information heuchelt man gerne etwas Mitgefühl und Anteilnahme. In einer Stadt voller Menschen mit grenzwertiger, aber aus kulanzgründen staatlich anerkannter Fähigkeit zum Menschsein herrscht die tiefe Überzeugung, dass Glückseeligkeit und Frohsinn – auf nicht undeutsche Art – fest terminiert und gut geplant werden können und müssen. Vielleicht glauben Sie jedoch auch, dass Glückseeligkeit und Frohsinn, in diesem Zusammenhang übrigens von überzeugender Redundanz, nur eine Frage der Tiefe des Glases – oder neuerdings des Pappbechers ist. Mit spitzem Bleistift durchdacht verarschen uns diese Schmuckeremiten mit dieser semantischen Akrobatik nun schon seit Jahrhunderten und schufen unter der Fuchtel der Kirche eine gesellschaftliche Akzeptanz, ney, einen gesellschaftlichen Zwang zu Druckbetankung, lustigem Anmalen und kollektivem Scheissesein.

Im Laufe des Abends streift es auch noch Politik und Kirche, das, so zirzt es von hinter dem Tresen, Schlimmste am Tresen. Jeder kann so religiös sein, wie er will, aber er solls nich ausatmen. Da is was dran. Man weiß nich was, aber da is was dran.

Zwei Stunden später ist man zwar nicht unbedingt klüger, weiß aber so einiges mehr über Prominenz, Provinzkicker und die örtlichen Promillesäfte und dabei in gleichem Maße statistisch signifikant weniger, warum man überhaupt hergekommen ist – und muss zugeben:

The art of Barkeeping is fucking alive – und das ausgerechnet in Köln.

Wednesday, November 16, 2011

GEZ 2.0

Posted in The Hawthorne Catalyst with tags , , , , , , on 30. Januar 2014 by J

Stellt Euch mal vor, die GEZ würde Euch gar nicht mehr besuchen. Sondern gesetzlich zwingen, jedes Jahr ein eidesstattliches Manifest über den Umfang eines jeden Eurer Multimediaparks zu verfassen – und dieses mit einem Einkommensnachweis zur Abschätzung der individuellen Schöpfbarkeit zu flankieren. Du Tor, werdet Ihr sagen, weißt Er denn nicht, dass die Mediengebühr kömmt?!

Die Damen und Herren Gebühreneintreiber sind dermaßen beseelt von Menschenwürde und mitmenschlichem Respekt, dass sie diese nunmehr zur Einheitsbasissteuer umfunktionierte Propagangaabgabe in all ihrer bürokratischen, demütigenden Tiefe im Dunkeln verborgen von unseren Augen aushecken werden. Die bisherige Schuldvermutung wird durch ein Generalschuldfaktum ersetzt. Der Wegelagerei soll schliesslich ein Ende gemacht werden. Deswegen muss nun folgerichtig dem Wegelagerer die Beute frei Haus zugestellt werden. Sicherlich beschleicht den ein oder anderen Demokratierneuling noch hier und da ein leichtes Unwohlsein, vielleicht auch eine gewisse Beklemmung im Randgebiet des allgemeinen Menschenverstandes – wir aber wissen längst, dass die fehlende logische Nachvollziehbarkeit, die „Sinnwidrigkeit“, der zu an ihrer Entstehung nötige, mutmaßlich abzuschätzende Drogenkonsum politischer Entscheidungen ein treffliches Gütesiegel eben jener Vorgänge ist und auf diese Weise den Glanz unserer jungen Demokratie nur mehren kann. Daher halten wir hübsch still, lächeln wohlwissend und schauen lieber über die Alpen (ein Blick mit Tradition!) und mockieren uns über den polygamen Rentner.

Nun ist die GEZ in Sachen modernen Raubgeschäfts entgegen allem Aberglauben nicht das sprichwörtliche letzte Wort. In der Überwindung hinderlicher Humantität ist ihr nicht nur aus semantischen Gründen das Arbeitsmodell „Ärztekammer“ weit vorraus: Ein elitärer Zirkel akademisch zweifelhafter Retortenheiler, die nach dem Setzen von 320 glücklich platzierter Grabeskreuze der Bleistärke HB sowohl zwangs- wie lebenslang zum Dienst am Scheckheft eingezogen werden. Nun darf man seinem Medizinmann zwar in Sachen Geschlechtskrankheiten, Sterbehilfe und rektaler Vorsorgeuntersuchungen blind vertrauen, so ziehmt es sich dennoch bei der Tributentrichtung, das Hinterteil flugs wieder zu und die Augen auf zu machen. Dies weiß natürlich auch die Kittelinnung und fordert leichter Hand einen Einkommensnachweis, am besten fiskaler Zeichnung.

Dies ist natürlich nötig, denn auch die Führung jeder Menschenmasse größer 2 braucht gewaltigere bis gewaltätigere Mittel, auch finanzielle, je dicker es um die Sparstrümpfe der zu Führenden bestellt ist – allein des Gewichtes wegen. Als Bauer hört man ja auch nich nach dem halben Feld auf, nur weil man jetzt genug Korn für Brot und Gärgetränk beisammen hat. Man kann damit schließlich auch noch ganz formidabel Flöße basteln, gedankenversunken auf Halmen kauen und es in Ballenform feierlich verbrennen. Die weißbemantelten Führer geben sich mit Diäten, schönen Bauten und einem periodischen Briefkastenstopfer mit Kinderbuchdesign (und Inhalt) zufrieden. Gott sei Dank in der Höhe. (Aus der Kirche kann man übrigens austreten)

Nun was tun? Als guter Christ hält man den anderen Geldbeutel hin. Aber im nächsten Jahr kommter doch wieder, der Lump. In größter Not wendet man sich als Deutscher immer an Leitfiguren. Da es jedoch derzeit keine gibt (Peter Griffin ausgenommen), nimmt man eben eine, die keine ist. Einen Gaukler. Schauspieler. Der da spricht: „Wenn Dir einer doof kommt, musste dem noch döfer kommen.“

Gesagt getan. Ich gründe hiermit die Pfosteninnung. Zwangsmitglied ist jeder, der nicht schlau genug war, vor der Geburt die Kurve zu kratzen. Beitragssatz sind einheitlich 10 Mark, die jeweils am 1. eines jeden Jahres zur Erinnerung an die Gründung des Deutschen Wegelagertums 1973 verpflichtend im nächstgelegenden Scheisshaus mittels Spülung zu entrichten sind.

„Die Aufforderung […] als solche ist nicht angreifbar.“ (Zitat aus dem Bescheid der ÄKWL)

Wednesday, February 16, 2011

Das große Menscheln

Posted in The Hawthorne Catalyst with tags , , , , , , , on 30. Januar 2014 by J

Die Frau sah aus wie ein wuchtiges Denkmal alimentärer Lebensbewältigungsstrategien – mit Kurzhaarschnitt. Nun hielt es offenbar irgendjemand für opportun, diese wandelnde Kampagne gegen – oder für die Totsünde der Völlerei nicht nur in parteifarbendes, frohes Tuch zu wickeln, nein, sie gleich zur Staatssekretärin für Gesundheit, Emmanzipation, Kastration und verbale Euthanasie (oder so ähnlich) zu erheben. Das wirft natürlich die Frage auf: Wie kam es dazu? Am äußeren Schein lag es nicht.

Vielleicht also an ausgefeilter Rhetorik? Mit großen Worten nichts zu sagen ist schlussendlich Pflichtfach und ungekrönte Paradedisziplin eines jeden Volksbetrügers – und hat so manchem Meinungshehler schon an kalten Tagen ein warmes Essen beschert. Nun war ihre Wortgewandheit tagesformbedingt nicht ganz en par mit Seneca und Cicero. Vielmehr gab sie nach zwei mehrfach durch Ratlosigkeit am Wort unterbrochenden Sätzen offen zu, etwas unvorbereitet Oden aus fremder Feder vorzutragen. Leider wollte ihr auch das nicht so recht gelingen.

Nun denn. Kompetenz? Ich möchte hier zum einen aus Rücksicht auf eine etwagige Leserschaft darauf verzichten, im einzelnen auf die in ihrer sachlichen Richtigkeit äußerst gewagten, zumindest aber in ihrer Gesamtheit stark Besorgnis erregenden Aussagen (Highlights: die Vorzüge der Minderheitsregierung: ‚Nur da geht es um die Sache‘, Patientenselbstbestimmung als größtes Problem des Gesundheitswesens im 21. Jhdt) einzugehen, zum anderen gebietet es die Fairness, die Frau Staatssekretärin nicht an Thesen zu richten, an deren Entstehung sie nicht beteiligt war – und zu deren Darbietung sie aufgrund mangelnder alternativer Manuskripte gezwungen war.

Bleibt noch die Küngelei. Nun, die Resonanz ihrer Vorstellung erreichte nicht ganz die menschelnde Euphorie eines JFK. Doch möchte ich einer jeden Person jegliches zwischenmenschliches Verständnis absprechen, deren einzige Reaktion – trotz dreifachem Zeiteinsatzes – von ein paar wirklich masochistischen Wählern abgesehen, darin bestand – nun, ich will es so sagen: Hätte der Mob auch nur über eine einzige Mistgabel verfügt, so hätte die gute Frau den Tag auf einem brennenden Heuhaufen beendet.

Fazit: Wer Staatssekretär(in) werden will, muss einen verdammt guten Kaffee kochen.

Wednesday, November 24, 2010