Archive for the smile and look alive Category

Spaghetti con Bottarga

Posted in Essen & Trinken, smile and look alive on 18. Dezember 2017 by Herr Grau

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Der Sarde salzt gerne den Rogen. Den Rogen der Meeräsche, um genau zu sein, von der ich bis dato gar nicht wusste, dass sie überhaupt als Fisch existiert. Aber sie tut, ihr Rogen wird gesalzen und schmeckt großartig.

Bottarga nennt sich das Produkt. Vor einigen Jahren, als ich das erste Mal in einer Doku darüber stolperte, konnte man sie in Deutschland nicht bekommen. Meine italienischen Feinkosthändler schüttelten den Kopf. Ich fand einen Händler im Internet, der zwar lieferte – die Bottarga war aber schwarz statt blassorange und stank. Inzwischen ist Bottarga bekannter, der ein oder andere hat schon mal davon gehört, in Amerika findet sie sich zunehmend auf Restaurantkarten. Und es gibt einige sardische Feinkosthändler im Netz, bei denen man sie bekommen kann.

Die Eiersäcke der Meeräsche sind kleine bernsteinfarbene Stangen mit wachsartiger Konsistenz. Der Geruch ist stark fischig, was einen nicht ablenken sollte. Die feine Haut darum sollte vor der Verwendung abgezogen werden. Bei den Rezepten sollte man sich einfach halten, damit der Geschmack nicht untergeht: In reichlich Olivenöl wird etwas Knoblauch und Pepperoncini angeschmurgelt. Spaghetti mit etwas Pastawasser dazu, durchschwenken, vom Feuer nehmen – bis zu dieser Stelle kann man sich größtenteils an die Zubereitung von Spaghetti Aglio Olio halten, wenn man auch mit dem Knoblauch deutlich zurückhaltender sein sollte – und die fein geriebene Bottarga unterziehen. Ein ca. 3-4 cm Stück reicht pro Person. S&P, etwas frisches Olivenöl sind Pflicht, Petersilie und geröstete Semmelbrösel – Pangrattato – die Kür.

Wer Kaviar mag, insbesondere günstigeren Kaviar, der mag auch Bottarga. Tatsächlich schmeckt das ganze nicht unähnlich meinen Spaghettini pescatore, die den Vorteil der zusätzlichen texturellen Dimension durch den Kaviar haben. Bottarga bringt aber eine Menge unerwartete Cremigkeit und Glutamat in den Geschmack, die schwer zu beschreiben sind. Ausgesprochen lecker.

Pizza Fritta Neapolitana / Montanara und Lángos

Posted in Essen & Trinken, smile and look alive on 15. Dezember 2017 by Herr Grau

Es gab mal wieder Experimente. Ich war guter Dinge, deshalb traute ich mich, das ganze direkt für Freunde zu machen. Ich hatte schon vor längerer Zeit gesehen, dass Roberto Carporuscio (von Kesté) und sein Mentor Antonio Starita im Don Antonio mit einer frittierten Pizza eine regelrechte Welle losgetreten hat und wollte das auch mal ausprobieren (Video). Frittierte Pizza ist wohl in Neapel eine sehr weit verbreitete Sache, hat aber erst mit der „Montanara“ genannten Variante von Starita mit Ragú und geräuchertem Mozzarella in Amerika richtig Fuß gefasst. Ich habe einen einfachen, kurz geführten Pizzateig genommen (70% 405, 20% 630 Dinkel, 10% Dinkel Vollkorn; 60% Hydratation, 3% Salz, 1% IDY, 2% aktives Backmalz, 3% Olivenöl, 1% Zucker, 2h RT, dann 1/2h Stückgare) und in ausreichend heißem Rapsöl frittiert. Dabei sollte man die Mitte sowohl mit den Fingern ein bisschen kräftiger einstauchen als auch beim Frittieren mit einer Kelle eindrücken, ansonsten pufft der Teig zu stark auf. Darauf eine lang gekochte neapolitanische Tomatensauce (Knoblauch in Olivenöl anschwitzen, von Hand fein zerdrückte San Marzano Tomaten und ein Bund Basilikum dazu und dann auf kleinster Flamme köcheln lassen) und ein paar Stücke Büffelmozzarella sowie Büffelmilch-Parmesan verteilen und kurz unter den Grill stellen, dass der Käse gerade schmilzt. Basilikum drauf und dann so schnell wie möglich essen. Liebe Freunde .. Ich hatte schon lange nichts so leckeres mehr. Macht es – es lohnt sich.

Wenn man schon einen großen Topf Öl auf dem Herd stehen hat und gerade erst herausgefunden hat, wie fantastisch die Ergebnisse sind, gibt es wenig Gründe, nicht auch ein bisschen Lángos (bzw Langosz, Langosch) zu machen. In vielen Rezepten findet man ein paar Esslöffel, ein Drittel oder sogar die Hälfte Milch. Tests zu den Auswirkungen auf den Teig stehen bei mir noch aus. Ich habe bei dem Teig hier mit etwas mehr Vollkorn (25%) experimentiert als bei dem Teig weiter oben und würde das nicht wieder tun. Der Teig war ein bisschen zu zäh zu essen und riss sehr leicht beim Ausziehen. Dafür war der Belag großartig: Selbstgemachtes Creme Fraîche mit frischen Kräutern, S+P, Pimenton und Knoblauch, grob geriebener Beemster Royaal – ein Käse, der sich sehr schnell als mein Lieblingsgouda etabliert hat, weil er meiner Meinung nach den perfekten Alterspunkt trifft .. und nebenbei inzwischen fast überall zu haben ist – und luftgetrockneter westfälischer Knochenschinken. Nicht ganz so gesund wie roher Brokkoli – aber dafür ein Essen, von dem man Wunschträume bekommt.

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Ein Kurzurlaub in Paris

Posted in Das Leben und der große Löffel, Essen & Trinken, smile and look alive on 15. November 2017 by Herr Grau

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Ich bin bekennender frenetischer Anhänger von Italien und der bestechend einfachen Küche am Mittelmeer. Die Skandinavier erfinden gerade die regionale Küche und das moderne Restaurant neu. Belgien und Schottland frittierten mit den besten der Welt.  Und ich habe natürlich einen definitiven weichen Fleck in meinem Herzen für die gutbürgerlichen Speisen unseres kleinen bescheidenen Teutschenlandes. Aber selbst ich, der ich die Franzosen, ihre Sprache und ihre eigentümliche Einbildung, die größte aller Nationen zu sein, nicht allzu nah an meinem Herz trage, muss ohne Zweifel zugeben, dass die französische kulinarische Tradition der gastronomische Mittelpunkt der westlichen Welt ist und die gesamte Welt, wie sie heute steht und liegt, wie kaum eine zweite geprägt hat. Und es fällt mir nicht schwer. Es wurde dringend Zeit, eine Reise zum Mittelpunkt der Sonne zu unterfangen.
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Spaghetti Aglio Olio

Posted in Essen & Trinken, smile and look alive on 15. November 2017 by Herr Grau

Letztens kam ich aus dem Nachtdienst und hatte quasi nicht geschlafen. Ich war ausgepowert, müde und unterschwellig krank. Es musste was sehr leckeres und zufriedenstellendes sehr zügig ran. Hat jemand Aglio Olio gesagt?

Ihr könnt sagen, was ihr wollt, es gibt nichts alberneres als eine Fertigmischung für ein Gericht, das eigentlich nur Knoblauch in Öl ist. Wie alle extrem simplen guten Dinge ist es aber entscheidend, die Details richtig zu machen. Hier also mal ein kurzes Wer ist Wer und Was ist Was:

Anders als bei fast allen anderen italienischen Gerichten braucht man hier nicht weniger, sondern mehr von allem, als man denkt. Pro Person würde ich ca. 50 ml Olivenöl veranschlagen, 6 Knoblauchzehen, eine kleine getrocknete Peperoncino und bestimmt einen viertel Bund glatte Petersilie. Spaghetti ins kochende, stark gesalzene Wasser geben. Olivenöl zu erhitzen beginnen und den in gleichmäßige dünne Scheiben (wichtig!) geschnittenen Knoblauch dazu geben. Hitze auf mittel reduzieren, wenn der Knoblauch zu spraddeln anfängt und dann vorsichtig und langsam rösten bis leicht goldbraun (siehe Foto). Dann mit einer Kelle Pastawasser ablöschen und durchschwenken. Leicht unterkochte Spaghetti dazu geben, Salzen und Pfeffern und über voller Flamme durchschwenken, bis die Sauce eine sinnvolle Konsistenz hat. Vom Feuer Petersilie unterziehen. Mit Parmesan oder gerösteten Brotbröseln servieren.

Es hat einen guten Grund, dass dies das meist gegessene Pastagericht in Italien ist. Das ganze schmeckt einfach fantastisch .. Solange man nicht wie ich vergessen hat, dass man danach zu einer Hochzeit muss…

Ein kulinarischer Urlaub an der Adria

Posted in Essen & Trinken, smile and look alive on 13. November 2017 by Herr Grau

Es ist erstaunlich, wie einfach es ist, sich gut zu ernähren – wenn man in Italien ist und es an jeder Ecke fantastisches Gemüse und Obst gibt. Der Konsum von Fleisch geht ganz von alleine zurück, Fett ist größtenteils gleich Olivenöl. Kurz: Das Leben ist gut. Entsprechend einfach ist es, lecker zu kochen – frei nach Anthony Bourdain: Get good produce and then dont fuck it up. Nicht groß rum machen, einfach die Güte der Zutaten sprechen lassen.

Folgend kurz beschriebene Bilder meiner – inzwischen zehn Wochen zurückliegenden – Reise:

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Extra-Belohnung für Brotbäcker: Sourdough Pancakes

Posted in Essen & Trinken, smile and look alive on 2. November 2017 by Herr Grau

Wenn man seinen italienischen Weizensauerteig wiederbelebt, hat man häufiger mal Sauerteig übrig. Die meisten Leute werfen den überflüssigen Teig einfach weg. Muss aber gar nicht sein. Man kann damit auch seinen Kalorienkonsum endlich mal wieder massiv erhöhen. Die Rede ist von Sourdough Pancakes.

Ich hätte nicht gedacht, dass Sauerteig als nicht weiterverarbeitete Hauptzutat so fantastisch schmecken kann. Tut er aber. Ohne Übertreibung mit Abstand die besten Pancakes, die ich je gegessen habe (sorry, liebe Buttermilk Pancakes). Das Rezept stammt von Nancy Silverton, der Königin des Artisanal Bakings in der Tristate Area – neben Mario Batali, Fergus Henderson und Kris Morningstar eine der wenigen Personen, der man quasi ungesehen jedes Rezept glauben kann.

Ergibt: 14 pancakes
Zutaten: 510g vitaler 100%-hydrierter Weizensauerteig, 2 EL Ahornsirup (ersatzweise Steckrübensaft), 2 EL geschmackloses Öl, 2 Eier, 1/2 TL Salz, 1/2 TL Backnatron, 1 TL Backpulver
Zubereitung: Alles zusammen rühren. Ausbacken, am besten in Butter. Offensichtlich.

German Heaven: Buttermilch-Waffeln im gusseisernen Waffeleisen

Posted in Essen & Trinken, German Heaven, smile and look alive on 30. Oktober 2017 by Herr Grau

Der inhaltliche Zusammenhang der folgenden Dinge ist schnell erklärt: Zuerst habe ich wieder Butter und Creme Fraiche gemacht (siehe hier). Butter ist inzwischen ganz schön teuer, sodass selbst machen inzwischen tatsächlich lohnt. Beim Buttern fällt natürlich Buttermilch ab. Da ich weiß, wie gut Buttermilk Pancakes sind, schwante mir, dass man damit auch ausgezeichnete Waffeln machen könnte. Mir war in den letzten Tagen sehr nach Waffel – wir kennen diese Phasen bereits zum Beispiel auch von meinen Kaiserschmarrn-Anfällen… Waffel musste also her.

Ich kann nicht aus meiner Haut. Ergo habe ich natürlich wieder die unsinnige, umständliche, aufwändige, nostalgische Variante genommen und habe ein gusseisernes Waffeleisen gekauft. Es gibt antike – aber da sprang mich auf den einschlägigen Portalen akut keines an – und es gibt neue: Das teure von den schwedischen Experten für Lifestyle-Gusseisen bei Skeppshult und ein günstiges vom italienischen Grillzubehörhändler Rome, hergestellt in China. Ich wollte für einmal Waffeln alle Jubeljahre meine Devisen nicht noch schlimmer strapazieren, also wurde es das günstigste.

Das Waffeleisen von Rome kommt roh, allerdings mit Paraffin überzogen, das man erst mal abkriegen muss. Ich hab es so gut wie möglich abgebrannt, was meinen Herd nur ganz wenig vollständig versaut hat… Einbrennen ist danach Pflicht – und wie ich lernen musste, sollte man das mindestens zweimal tun, vermutlich ist dreimal noch besser. Danach ist aber nicht einfach Knopf drücken, Waffeln – man muss mittels einigem Trial and Error erstmal langsam die Benutzung des Eisens lernen. Bei mir sieht der Arbeitsablauf im Moment so aus: beide Hälften mit Schmalz einpinseln und erhitzen, bis das Fett zu rauchen anfängt. Teig hinein geben und das Eisen schließen. Hitze auf kleine Flamme reduzieren (3kW Brenner), nach ca zehn bis zwanzig Sekunden drehen und anderthalb bis zwei Minuten backen, dann drehen und noch einmal ca zwei Minuten backen. Die ersten Waffeln hatte ich einfach ohne erstes Drehen gebacken, da füllte der Teig die obere Hälfte des Eisens aber nicht aus. Möglicherweise brauche ich ein bisschen mehr Backpulver, damit der Teig kräftiger aufgeht, dann kann man mit einem Drehen auskommen. Die Waffeln waren sehr lecker, das Rezept werde ich nur noch geringfügig verändern.

6-8 Waffeln:
125g Butter, 50g Zucker, 2 EL Vanillezucker, Prise Salz, 4 Eier (M), 250g Mehl, 1 TL Backpulver, ca. 1/4l Buttermilch
Butter, Zucker, Salz, Vanillezucker und die Eier schaumig schlagen. Mehl und Backpulver sieben und unter die Zucker-Buttermasse rühren. Buttermilch nach und nach hinzugeben, bis ein dünner Teig entsteht.

Bestreut natürlich mit Puderzucker .. Und dazu ein schönes Glas Himbeerbuttermilch (1l Buttermilch püriert mit ca 150g Himbeeren, 2 EL Zucker, 1 EL Honig und etwas Vanilleextrakt, dann durch ein feines Sieb passiert). Bestes Frühstück der Welt.

(Das Bild vom Teig im Eisen zeigt viel zu viel Teig .. Dont try this at home!…)

Creme Frâiche und gesäuerte Butter selbstgemacht

Posted in Essen & Trinken, smile and look alive on 24. Oktober 2017 by Herr Grau

Eine der Sachen, die ich seit einem Dreivierteljahr regelmäßig tue, ist selbst gesäuerter Butter herzustellen. Als fantastisches Zwischenprodukt entsteht dabei Creme Frâiche, was ich wirklich jedem nur ans Herz legen kann. Es schmeckt fein säuerlich, nussig und komplex, viel besser als das gekaufte. Die Butter ist aber ebenfalls ausgezeichnet – wer handgemachte französische Butter kennt, dem steigt sofort das Geschmacksprofil in den Kopf: Ein leicht käsiges Aroma mit einem frischen, mild säuerlichen Geschmack. Dabei kostet sie aufgrund der gestiegenen Butterpreise inzwischen sogar weniger als das Discounter-Produkt – und Welten weniger als bei Mondlicht handgeböttcherte Beurre aus dem Frankenland. Dass ich oben das Wort „regelmäßig“ benutzt habe, deutet schon darauf hin, dass der Prozess extrem unaufwändig ist und von wirklich jedem bestritten werden kann:

An und für sich könnte es nämlich einfacher nicht sein – 5L Rahm und ein Glas lebendigen Joghurt mischen und etwa drei Tage stehen lassen, bis die Masse angedickt ist. Dann 24h kalt stellen. Wenn man dieses Creme Frâiche jetzt aufschlägt, bekommt man irgendwann Butter. Ich nutze hierzu den Ballonbesen an meiner Küchenmaschine. Einzig muss man hier Vorsicht walten lassen, wenn man keinen Spritzschutz besitzt: Sobald die Butter sich trennt, spritzt die Buttermilch wie wildgeworden durch die Gegend .. habe ich mir .. äh .. sagen lassen. Die Butter wird unter fließendem kaltem Wasser ausgeknetet, geformt und verpackt – fertig. Das sorgfältige Auskneten ist sehr wichtig, damit die Butter nicht schnell ranzig wird. Wer möchte, kann sie für etwas zusätzliche Haltbarkeit bzw aus Gründen des Geschmacks salzen. Und auf keinen Fall vergessen, die übrig bleibende Buttermilch zu verwenden! Die schmeckt fantastisch.  (Beispielsweise dienen sich Churchill Shakes oder Buttermilk Pankcakes an…)

Steinbutt in Salzkruste

Posted in Essen & Trinken, smile and look alive on 27. August 2017 by Herr Grau

Dinge in Salzkruste zu backen ist keine Raketengastronomie – weder schwierig noch neu. Dennoch ist es für viele eine obskure Technik, die in ihrem Alltag nicht existiert. Mir ging es genauso: Ich wollte es schon lange ausprobiert haben, bin aber irgendwie nie dazu gekommen. Jetzt habe ich endlich mal geschafft – und ab jetzt werde ich das deutlich häufiger tun.

Wie beim Backen in Ton oder Pastateig auch geht es darum, mit minimalem Einsatz einen dampfdichten Ofen zu schaffen, sodass das Backgut maximal saftig bleibt. 10kg Salz kosten in der Metro ca 5€ .. Das ist vertretbar. Man kann das Salz entweder einfach mit Wasser vermischen oder aufgeschlagenes Eiweiß benutzen. Letzteres hat den Vorteil, dass es leichter nach dem Backen aufbricht. So oder so muss man lediglich zusehen, dass die Salzkruste ordentlich dicht ist. Im Prinzip ist das schon alles, was man wissen muss. Backzeiten für alle nur erdenklichen Speisen kennt das Internet.

Der 2,6kg Steinbutt, der mir in der metro über den Weg gelaufen war, wurde getrimmt, ausgiebig gewaschen und in ca 5kg billigstes Metrosalz verpackt bei 220°C 45 Minuten lang gegart. Derweil für den Salat eine einfache Vinaigrette gemacht (Champagneressig, Honig, Olivenöl, Thymian, Estragon, Pimenton, S+P), kurz gekochte junge Kartoffeln in Rosmarinbutter gebraten und zum Schluss eine Zitronen-Hollandaise gemacht .. Hier habe ich einen neuen Ansatz ausprobiert, und das sehr erfolgreich: Eigelb und Basis (in meinem Fall Saft zweier kleiner Zitronen) in einem Topf mit gewürfelter, angefrosteter Butter auf hohe Hitze stellen und kräftig schlagen. Nach kürzester Zeit hat man Hollandaise .. Wahnsinn. S+P, etwas Zucker und Cayenne verstehen sich.

Wir brauchten etwas Zeit, um den Fisch zu filletieren – länger, als die zwei Minuten, die die Zubereitung insgesamt gedauert hat. Man sollte das Fleisch auf Vorrat während des Essens irgendwie warm halten, als wir die letzten Stücke genommen haben, war es schon recht kühl. Dafür war der Butt aber sonst absolut fantastisch, unglaublich saftig und aromatisch. Insbesondere das gelierte Fleisch an den Flossen ist großes Tanztheater.

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Den Medizin nach Gewicht bezahlen – Eine Brandschrift gegen Qualitätssanktions-Idiotismus im Gesundheitswesen

Posted in Probleme des Lebens, smile and look alive on 30. Juli 2017 by Herr Grau

Unsere wohlfeile Regierung hat einen Haufen von selten güldener Strahlkraft auf meinen Teppich gesetzt: Es heißt landauf landab, das Krankenhaus würde jetzt nach Qualität bezahlt. Heureka, was für ein Geschäft! Es nötigt mir ein Spitzen des Füllhalters ab, und ich will mit blutig Tinte schreiben.

Was beim schnellen Vorbeihuschen an der Thematik als eigentlich gute Idee scheint, hat es nötig, in das beißende Licht aller noch zur Verfügung stehenden, aus Kellern und Scheunen gezerrten und vermittels unkoscherer Praktik ans Stromnetz gepopelten Flakscheinwerfer aus der Kammhuber’schen Weihnachtsbeleuchtung (a.D.) gestellt zu werden. Nimmt man sich nämlich nur wenige Sekunden Zeit, sich mit der Thematik zu beschäftigen, dann fallen einem vor Entsetzen alle Christbaumkugeln aus dem spärlichen Geäst. Ich habe ein paar Sekunden. Ich beschäftige. Und weil’s so schön ist – öffentlich.

Die Idee liest sich nämlich wie folgt: Es sollen nicht nur besondere Leistungsträger mit mehr Geld belohnt werden, es sollen auch Sanktionen verhängt werden gegen die Leistungsschwächeren unserer Krankeneinrichtungen. Was könnte daran nur zum Problem werden? Werfen wir einen kurzen Blick in unser durchschnittliches Wald-und-Wiesen-Krankenhaus, lies: Die Einrichtung, die den Löwenanteil der routinemäßigen Krankenversorgung in unserem lauschigen kleinen Teutschenland trägt. Ich selber arbeite in einem großen kommunalen Krankenhaus als Arzt, ich salbadere also nicht aus der Spekulier-Kiste.

Es fehlt an genau – allem. Wir haben überall zu wenig Pflegekräfte. Zu wenig MTAs. Zu wenig Stationshilfen. Massiv zu wenig. Und die werden auch immer noch katastrophal bezahlt. Die Einrichtung und die Immobilien müssten samt und sonders renoviert werden. Seit mehr als dreißig Jahren werden Krankenhausärzte so mies bezahlt und mit so unterirdischen Arbeitsbedingungen konfrontiert, dass sich den Dienst in kleineren Häusern außerhalb von Zentren kaum ein Arzt aus einem westeuropäischen oder angelsächsischen Land noch antun will. Dieses Problem ignorieren wir inzwischen schon so lange lautstark pfeifend und mit Fingers in den Ohren, dass auch in den oberen Rängen langsam aber sicher nichts mehr sitzt, von dem man noch sinnvoll lernen könnte, selbst wenn man denn wollte. Entsprechend müssen sich diese Krankenhäuser mit dem Import von Ärzten aus arabischen Ländern und „dem Ostblock“ behelfen, die weder eine ausreichende medizinische Ausbildung genossen haben, noch der deutschen Sprache für die Krankenversorgung ausreichend mächtig sind. Dies ist kein Einzelfall, das ist in kleinen Häusern inzwischen auf breiter Fläche die Regel. Dass die Qualität dabei leidet, wenn in der gesamten Notaufnahme kein einziger Assistent genügend Deutsch spricht, um auch nur herauszukriegen, dass Tante Erna aufs Knie gefallen ist, liegt nicht unbedingt fern.

Die deutschen Ärzte derweil, die wir für nicht wenig Geld an unseren formschönen Uniwerwietäten ausbilden, gehen über die Zentren direkt in die ambulante Versorgung oder machen sich einfach aus dem Staub. Die Welt ist kleiner als vor dreißig Jahren. Man weiß inzwischen, dass in Skandinavien oder Holland eine 40-Stunden-Woche tatsächlich aus 40 Stunden besteht. Potztausend, schockschwerenot. Die besagten Zentren übrigens wissen, dass sie die letzten sinnvollen Karriereoptionen für den aufstrebenden deutschen Arzt sind – und geben sich entsprechend. Arbeitsbedingungen werden teils noch garstiger, ob man sich das vorstellen kann oder nicht. Universitäts-Chirurgen arbeiten teilweise dreistellige Wochenarbeitszeiten. Oralchirurgen bezahlen inzwischen 50000€, um überhaupt an eine Ausbildungsstelle zu kommen. Ich habe etliche Kollegen, die entweder scharf am Burnout entlang balancieren, rechts runter gefallen sind oder frühzeitig ihre Arbeitszeit deutlich reduziert haben. Diese Zentren wollen wir denn belohnen, dass sie so erfolgreich mittels der vom Gottkanzler an die Hand gegebenen Druckmittel das Arbeitsrecht aushebeln. Geld ran!

Das kleine Krankenhaus, das einen riesigen nondeskripten Flecken Erde zwischen den Metropolen abdeckt – weit weg von Berlin, maßt man mut -, dem muss man das Geld natürlich wegnehmen. Sie liefern schließlich keine Qualität, die faulen Schweine. Dass das bisschen Krankenversorgung, was noch passiert, überhaupt noch möglich ist, hängt fast allenthalben an einzelnen Menschen, die sich wider jedem Verstand für die Patienten aufopfern. Ich finde auch nicht, dass die Butter unter ihrer Wurst verdient haben. Sollen sie doch Kartoffelschalen fressen, dann rütteln sie sich vielleicht wach aus ihrem Tran und machen endlich gute Arbeit.

In aller Kürze: Wir haben systematisch durch konsequente Unterfinanzierung bzw Fehlfinanzierung das Gesundheitssystem unterminiert, zersetzt und korrumpiert. Und jetzt bestrafen wir die Leute, die nicht mehr ordentlich arbeiten können, weil ihnen das Personal und das Geld für Personal und die Infrastruktur und das Material fehlt, damit, dass wir ihnen noch mehr Geld wegnehmen. Und die Kriegsgewinnler kriegen ein paar Scheine in den Schlüpper gesteckt, weil sich Prestige so gut in der Zeitung macht. Die Idee stammt offensichtlich von den selben Leuten, die das Konzept erzaubert haben, zu hohe Verschuldung von Staaten mit Geldstrafen zu belegen. Ich weiß gar nicht, wer den ganzen Lack bezahlt hat, den die alle gesoffen haben müssen – entschuldigen Sie bitte die unangebrachte Mäßigung meiner Wortwahl.

Achso, ich hätte es fast vergessen! Die Qualitätsanalysen, auf deren Basis gezuckert Brot und Peitschenknall verteilt werden, basieren auf Daten, die die Krankenhäuser selbst erheben müssen, was – und soviel darf ich aus Erfahrung verraten – ein ziemlicher administrativer Aufwand ist. Der natürlich unentgeltlich und zusätzlich zur regulären Arbeit den Ärzten zufällt. Wäre ja auch kein guter Witz, wenn nicht.