Archive for the Getestet Category

Geld gegen Essen – Diwan (Göttingen)

Posted in Geld gegen Essen - Restaurantnörgeleien on 16. Dezember 2010 by Herr Grau

(aus Übersichtsgründen vorgezogenes) Prädikat: Unerstaunlich

In der Roten Straße mitten in Göttingens Innenstadt findet sich das „Diwan“ genannte anatolische Restaurant, deren Spezialität nach eigenen Aussagen die Zubereitung von Speisen im Lehmofen ist. Letzteres klang einladenend, also ging ich vor einigen Wochen mit unserem hochbeliebten Autorenkollegen Hildeborn einmal dem Restaurant einen Besuch abstatten.

Von außen fällt die von den Balken abblätternde Farbe und das billig anmutende Plastikschild auf, innen ist die Atmosphäre aber, geprägt von rohem Holz, rustikal, sauber und gemütlich. Zur Mittagszeit war dort fast nichts los, weswegen wir schnell, aber auch nett bedient wurden.

Die Karte ist recht lang, aber die Zubereitungen ähneln sich meines Erachtens doch teilweise recht stark. Man bezahlt für die meisten Gerichte über 10€. Das Essen ist mein Hauptkriterium und in diesem Fall auch mein Hauptkritikpunkt: Beide Gerichte waren bis zu einem gewissen Grad unspektakulär, schienen undurchdacht und nicht unbedingt lecker. Nicht schlecht, aber auch eben nicht doll. Für das Gebotene kosten sie aber auf jeden Fall zu viel. Mich drängt es nicht, in dieses Restaurant alsbald zurückzukehren.

Wertung:
Essen: 3/10
Service: 8/10
Sauberkeit: 7/10
Preisgestaltung: 3/10
Ambiente: 6/10

Gesamtergebnis: 2,7 von 5 Vanilleeiskugeln mit Senf und Gürkchen

Restaurant Diwan
Rote Straße 11
37073 Göttingen
0551 56085

Öffnungszeiten: Täglich 12 – 15Uhr & 18 – 24Uhr

Geld gegen Essen – Papa George (Münster)

Posted in Geld gegen Essen - Restaurantnörgeleien on 15. Dezember 2010 by hoegi

„Eine wichtige Kategorie und erst ein Eintrag, das muss sich ändern!“
So geschah es.

Aus dem Exil fällt es bekanntermaßen schwer, Erfahrungsberichte zu verfassen, insbesondere wenn der letzte Restaurantbesuch eine Weile zurückliegt. Dementsprechend fallen jegliche Läden aus der Bewertung, deren Eindruck quasi beim Verlassen des Lokals schon wieder flöten ist. Das sind schon einige. Denke ich aber an meine Heimatbesuche zurück und krame dann nach Erinnerungen an gleichbleibend gute Qualität und unverschämt unvergesslich ungesundes Essen (wichtige Qualitätsmerkmale für mich!) dann kann ich eigentlich nur über einen Laden schreiben: Papa George.

Wer sich Münsteraner nennt und noch nie bei Papa George gegessen, geschweige denn jemals davon gehört hat, darf sich nicht Münsteraner nennen. Dieser Laden ist Kult. Vor dem Umzug im letzten Jahr (± 1 Jahr) lag der Imbiss idyllisch gelegen direkt an der Wolbecker Straße. Heute liegt der Laden immer noch idyllisch an der Wolbecker Straße, nur etwa 200 Meter weiter stadtauswärts. Dafür aber auch gleich ne ganze Stange größer und folglich auch deutlich bequemer!
Dem ein oder anderen Leser mag aufgefallen sein, dass ich in der Bezeichnung für diesen Laden/Imbiss/Restaurant keine klare Linie habe. Ist auch irgendwie schwer zu sagen; ist halt ein Imbiss mit Anklängen an ein Schnellrestaurant. In lecker. Schwer also das genau zu beschreiben.

Die Bedienung.
Gibts eigentlich nicht. Papa George ist ein SB-Restaurant und so ist man nur kurz mit den Griechen hinterm Thresen in Kontakt. Mal freundlich, mal etwas befremdlich kommt die Obermutti bei Papa George daher; man weiß nie ob sie jetzt wirklich böse ist oder nur so tut. Beängstigend, aber nur eine kleine Hürde auf dem Weg zu…

Das Essen.
Das Wichtigste. Viel kann ich eigentlich nicht sagen über das Essen; es ist schlicht und ergreifend lecker. Wer auf viel Fleisch steht, wird mit Gyros überbacken (Gyros in Fett mit Zwiebeln und dick Käse drauf) oder den legendären Gyrospizzen (Pizza mit Gyros in Fett mit Zwiebeln und dick Käse drauf) auf jeden Fall gut bedient, wer kein Fleisch mag (dem ist eh nicht zu helfen) wird bestimmt auch seine Freude an diversen griechischen Salaten haben. Aber ganz ehrlich: Ich bin noch nie annähernd nur auf die Idee gekommen da Salat zu essen. Diese Kurzbeschreibung über das Essen mag nicht zufriedenstellend sein, aber viel mehr gibt es eigentlich nicht zu sagen. Fleisch in Fett mit Zwiebeln und Käse… das ist halt einfach lecker. Und solange man das nicht jeden Tag isst, kann man davon auch nie zu viel bekommen. Mit Preisen um die 5€ pro sättigendem (!) Gericht ist der Imbiss auch für den sparsamen Drescher eine Empfehlung wert!

Von meiner Seite aus kann ich nur 5 von 5 möglichen Vanilleeiskugeln mit Senf und Gürkchen vergeben. Papa George macht mich immer zufrieden und das schon seit vielen Jahren.

Papa George
Wolbecker Straße 31
48155 Münster
0251 664263

Stowa Antea Kleine Sekunde

Posted in German Heaven, Getestet, smile and look alive on 26. November 2010 by Herr Grau

Bilder anklicken – die größeren Ansichten sehen doch arg besser aus…

Mit Uhren ist es ja nu so, dass es dazu eigentlich nicht viel zu schreiben gibt. Entweder man hat den bescheuerten Drang, mehr als eine davon zu besitzen oder eben nicht. Und entweder man mag ein Design oder eben nicht. Qualitätsprobleme gibt es im Premiumsegment sowieso eigentlich nicht, unter anderem, weil sowieso alle mechanischen Kaliber mit gleichbleibender mechanischer Präzision von ETA stammen, natürlich mit der respektablen Ausnahme diverser Manufakturkaliber. Aber die Uhren, die Letzteren Behausung geben, sind dann doch noch in einem anderen Preisrahmen angesiedelt, als das hier heute vorgestellte Stück von Stowa.

Für denjenigen, der sich in den Gefilden der Horologie nicht auskennt – was wirklich nicht unbedingt ein Charaktermakel ist -, will ich kurz ein paar Worte verlieren: Stowa ist eine urdeutsche Firma aus Pforzheim, die Walter Storz dort 1927 gründete. Im großen Kriech war Stowa eine der wenigen Firmen, die die berühmten Fliegeruhren herstellen durfte. Oder musste. Nicht das Thema jetzt… Heute wird Stowa von dem bekannten und in Fachkreisen hoch geschätzten Uhrmacher Jörg Schauer geführt, der abseits seiner eigenen Marke mit Stowa in einem bezahlbaren Preissegment klassische Uhren wiederaufleben lässt, so unter anderem eine Linie Uhren im Bauhausstil (Antea), sowie Reproduktionen der Flieger- und Marineuhren. Ich kann nur sagen, dass man ihm dafür danken sollte.

Ich habe relativ schmale Handgelenke, deswegen kann ich keine Klötze am Arm tragen. Die Stowa Antea Kleine Sekunde ist das kleinste Modell der Antea-Reihe und mit 6,8mm auch erstaunlich und angenehm flach. Dies ist unter anderem dem großartigen Peseux 7001 zuzuschreiben, das der Uhr dieses angenehme tickende Geräusch verleiht. Sonst macht es nichts.

Die Uhr ist hervorragend verarbeitet und einfach sehr schön. Die Zeiger und Schrauben sind gebläut. Mit 480€ ist die Uhr mehr als bezahlbar, wesentlich eher als die Nomos Tangente, der sie sehr ähnlich sieht. Stowa hatte dieses Design jedoch wesentlich früher als Nomos und war eine der Schöpfungsmarken dieser Meilensteine herrlich schlichter Eleganz. Der einzige Nachteil an den Stowauhren ist, dass man auf sie nach Bestellung recht lange warten muss, was natürlich gerade dem freundlichen Impulskäufer von Nebenan ein dickes Minus ins Pflichtenheft zaubert.

Alles in allem bin ich aber extrem zufrieden mit der Uhr, sie macht sich als Alltagsuhr genauso gut, wie als Dresswatch, ist gut verarbeitet und alles, was eine Uhr sein sollte. Für den breiteren Männerarm empfiehlt sich allerdings ein größeres Modell der Antea-Reihe.

Zu bekommen nur im Direktvertrieb bei

Stowa
Gewerbepark 16
75331 Engelsbrand

Telefon: 0 70 82 – 9 30 60
Telefax: 0 70 82 – 9 30 62
E-Mail: info@stowa.de
www.stowa.de

Geld gegen Essen – El Flamenco (Münster)

Posted in Geld gegen Essen - Restaurantnörgeleien on 31. Oktober 2010 by Herr Grau

Um direkt einmal zu zeigen, wie ein solcher Artikel in meiner glänzenden neuen Kategorie aussehen könnte, werde ich umgehend mit einer sehr angenehmen Lokalität starten:

(aus Übersichtsgründen vorgezogenes) Prädikat: Empfehlung

Wie die phantasievolleren Leser vermutlich schon erraten haben, deutet der Name „El Flamenco“ in Verbindung mit dieser Kategorie auf ein spanisches Restaurant hin. Dieses liegt in Münster-Hiltrup an der Marktallee und dort auch eigentlich recht günstig, da man direkt gegenüber an den Schulen parken kann. Das Restaurant ist gerade erst renoviert worden, der Besucher, der Nikotinrauch zu seinem Essen gereicht zu bekommen nicht vorzieht, wählt den hinteren Eingang über die hübsche neue Terasse und findet sich alsbald in einem heimeligen, mittelgroßen Restaurant wieder, das in Rottönen gehalten, dezent dekoriert und mit einladenden, dunkelen Holztischen möbliert ist. Die Begrüßung ist freundlich, aber nicht übertrieben, man wird stets gut platziert und bekommt dann auch recht flott eine sehr umfangreiche Karte (Menü ist hier einzusehen).

Es gibt stets etwas Brot vorweg, das nicht immer ofenfrisch, dafür aber umsonst ist, und eine Auswahl von paninen Agenzien wie Kräuterbutter, Knoblauchbutter, Paprikadip. Es handelt sich zwar nicht um Fitnessessen, sondern eher um kleine Sünden, aber diese lohnen sich – noch nie habe ich etwas Verwürztes dort gegessen, oder Fleisch, das nicht auf den Punkt gewesen wäre, kurz: Die Küche leistet sich keinerlei handwerkliche Fehler, sondern hält durchgehend einen hohen Standard, was leider heute keinstenfalls mehr selbstverständlich ist. Die Portionen sind sehr gut dimensioniert.
Besonders empfehlen kann ich die Serranoschinkenplatte (#24) als Vorspeise, sowie mein Standardgericht, die Bandnudeln mit Lachs und Broccoli (#42), aber auch alle anderen Gerichte, die ich dort gegessen habe oder die meine Begleiter hatten, haben nicht enttäuscht.
Service und Essen sind von sehr akzeptabler Geschwindigkeit, auch wenn das Restaurant voll ist, und die Kellner stets zuvorkommend. Unter Berücksichtigung des mit 9-19€ pro Hauptgericht sehr moderaten Preisrahmens ist das El Flamenco eine stehende Empfehlung unter münsteraner Restaurants und wird von mir durchaus mit Regelmäßigkeit besucht.

Wertung:
Essen: 9/10
Service: 8/10
Sauberkeit: 9/10
Preisgestaltung: 8/10
Ambiente: 8/10

Gesamtergebnis: 4,2 von 5 Vanilleeiskugeln mit Senf und Gürkchen

 

 

 

„El Flamenco“
Marktallee 9
48165 Münster
Tel. 02501 – 21 29
www.el-flamenco.de

Öffnungszeiten:
Täglich 11:30Uhr – 14:30Uhr & 17:30Uhr – 24Uhr

Geld gegen Essen – Wir nörgeln über Restaurants

Posted in Geld gegen Essen - Restaurantnörgeleien on 31. Oktober 2010 by Herr Grau

Ich kann mich daran erinnern, dass ich schon vor Jahren mal anfangen wollte, meine Erfahrungen mit meinen Restaurantbesuchen schriftlich festzuhalten. Wer hätte ahnen können, dass dieser Plan, der zuerst natürlich den Weg alles Weltlichen in meinem Leben ging, also bis zum Vergessen vor mir her prokrastiniert wurde, tatsächlich irgendwann mal realisiert würde.

Aus irgend einem Grund liest tatsächlich eine nennenswerte Zahl Menschen dieses Blog, warum also sollte ich meine Aufzeichnungen von Hand in ein Buch in meiner Schublade schreiben? Wenn ich mehr als vierzehn Wörter am Stück per Hand schreibe, kriege ich sowieso Schmerzen und mein altes Klassenkampfsyndrom flammt wieder auf. Und da ich, wenn ich nichts zu nörgeln habe, unglücklich werde, plane ich – quasi als Substitutdroge -, in Zukunft zu versuchen, meine Besuche in jenen Etablissements, in denen der Koch seine Fertigkeit gegen bare Münze prostituiert, katalogisch aufzuarbeiten und hier bereitzustellen. Wahnwitz und unrealistische Ansprüche, sowie vollständig willkürliche Wertungen inklusive. Wie man mich kennt und liebt. Und natürlich werde ich auch eine Wurst an einen Stock binden und die werten Coautoretten so lange pieken, bis sie es mir gleich tun.

Wurst ho!

Produktwarnung: Ontario-Messer / Wie pflegt man ein Carbonstahlmesser?

Posted in Getestet, Probleme des Lebens, Scharfe Messer on 5. Oktober 2010 by Herr Grau

Normalerweise tute ich nicht in mein Sturm-und-Not-Horn, wenn nicht Sturm oder Not sind. Respektive: Wenn ich die Scheiße, vor der ich warne, nicht selber erlebt habe. Diesmal will ich eine Ausnahme machen. Ich wurde von einem Mitglied des für alle kulinarisch Interessierten empfehlenswerten GSV-Forums kontaktiert und um Hilfe gebeten. Aber fangen wir vorne an.

Er hatte sich das in diesem Forum empfohlene Butcher Knife von Ontario zugelegt. Da dies ein Messer mit nicht-rostfreier Klinge ist und ihm die Erfahrung mit diesen fehlte, fragte er mich, ob es bei der Pflege etwas zu beachten gäbe. Was ich ihm antwortete, will ich hier schnell zusammenfassen, damit jeder, der über die Anschaffung eines solchen Messers nachdenkt, es nachlesen kann:

Ja, Messer aus nicht-rostfreiem Carbonstahl bedürfen etwas besonderer Aufmerksamkeit: Das Messer sollte nach jeder Schneidaufgabe, nach der es länger als ein paar Minuten nicht gebraucht wird, kurz gesäubert werden. Dazu ziehe ich es von beiden Seiten über den feuchten Küchenlappen und dann über das Geschirrtuch: Sauber und trocken. Dieser Zustand reicht bei einem normalen Stahl völlig aus, ich behandle einige Messer so. Sie werden, wenn sie sich im täglichen Gebrauch befinden, in diesem Zustand gelagert. Ölen muss man die Klinge nur, wenn man sie längere Zeit nicht braucht.

Diese einfachen Regeln gab ich auch dem Fragenden mit. Nach zwei Wochen (!) kontaktierte er mich wieder und sagte, sein trocken (!) gelagertes Messer habe erheblich Rost angesetzt und schickte mir folgendes Bild:

Da ich nicht sicher war, ob es sich um Narben oder eine optische Täuschung durch Öl handelte, empfahl ich ihm, das ganze mit Scheuermilch anzugehen. Dies ist auch die Methode der Wahl, sollte sich mal ein Flugrostfleck auf ein solches Messer stehlen. Die Bilder, die er mir darauf hin zusandte, zeigen das Messer nach eingehender Behandlung mit Scheuermilch; es ist deutlich zu sehen, dass es tatsächlich tiefe Rostnarben sind:

Mich haben diese Bilder ernsthaft erschreckt. Ich habe Dolche gesehen, die Dekaden in feuchten Kellern gelagert haben und ähnlich aussahen. Nicht einmal unlegiertes Eisen rostet so schnell. Es gibt nur eine Erklärung:

Der Stahl ist von extrem minderwertiger Qualität; durch metallurgische Fehler bei der Herstellung sind Sauerstoff und Wasser darin eingeschlossen oder gelöst, was den Stahl erheblich rostanfällig macht.
Ich kann nur stark empfehlen, die Finger von diesen Messern zu lassen. Ich kann zwar nicht sagen, ob es sich hier nur um ein Los handelt, aber solange der Hersteller den Zulieferer nicht wechselt, besteht diese Gefahr stets.

Review: Suppo Audio GV-1

Posted in Angewandte Wissenschaft, Getestet, Röhrenverstärker on 22. Juni 2010 by Herr Grau

Ich hatte hier bereits einmal auf einen in amerikanischen DIY-Foren viel besprochenen Geheimtipp im Röhrenverstärkersegment hingewiesen, den Suppo Audio GV-1. Jetzt habe ich ihn selber hier gehabt, um die Koppelkondensatoren für einen Freund auszutauschen. Im folgenden will ich daher ein kleines Review präsentieren.

Der kleine Verstärker ist ein 6P15 Push-Pull mit Autobias, der pro Kanal etwa 8W auf die Beine stellt. Der springende Punkt: Er kommt von Suppo Audio/China und ist inklusive Versand für 145€ zu haben. Die Verpackung ist absolut vorbildlich, der Versand flott und problemlos und der Kontakt mit Joe von Suppo sehr nett. Für dieses Geld kann man natürlich keine Boutique-Komponenten erwarten, die Röhren sind chinesisches No-Name-Surplus und auch Schlüsselkomponenten wie die Übertrager, die Koppelkondensatoren und das Lautstärkepotentiometer sind No-Name-Teile; der Verstärker selbst aber ist solide aus dickem Alu gebaut, die Platine scheint durchdacht, er kommt mit einem Ringkerntrafo und Anschlüssen für 4 und 8Ohm Lautsprecher und vor allem: Er klingt ziemlich gut. Ich habe schon, so wie er ist, wenig an dem Verstärkerklang auszusetzen und er reicht auch locker, um meine unempfindlichen Duettas weit über Zimmerlautstärke zu treiben. Recht hübsch ist er auch noch.

Der DIYer sieht natürlich in in einem solchen Verstärker vor allem das Potential, das einige wenig aufwendige Modifikationen bieten: Der Austausch des Potentiometers gegen eine Version von Alps zum Beispiel, was 20€ und einen Lötaufwand von fünf Minuten bedeutet. Ein Wechsel auf gute Röhren, wobei man beim GV-1 ein wenig Vorsicht walten lassen muss: Er ist zwar als EL84-Verstärker ausgewiesen, verträgt sich aber nicht mit allen EL84. Man muss sicherstellen, dass Pin1 der Röhre mit keinem anderen Pin verbunden ist. Erfüllen tut diese Voraussetzung z.B. die EL84 von JJ, die ich deshalb an dieser Stelle empfehle. Als Vorstufenröhren empfehlen sich 6CG7 (=6FQ7), entweder von Electro Harmonix oder, wenn man sie kriegen kann, NOS-Röhren von RCA. Eine auf Grund des geringen Kapitaleinsatzes dringend zu empfehlende Modifikation ist der Tausch der Koppelkondensatoren. Wie schon häufiger beschrieben, verwende ich die preisgünstigen Styroflex-Kondensatoren von Oppermann Elektronik. Sie kommen als 47nF/600V für 2,65€ á 10 Stück. Der Versand ist also wesentlich teurer, als die Kosten für die Neuausrüstung eines Amps, denn in diesem Fall brauchen wir nur 100nF, also zwei Stück, pro Koppelpunkt, insgesamt also acht Kondensatoren. Die Chassis- und Platinendemontage ist schnell gemacht, man kann die Modifikation ausführen, ohne die Platine auszulöten. Da die Platine doppelseitig ist und die Bohrungen sehr klein sind, habe ich mit einem Stück Durchstoßdraht gearbeitet, um sicheren Kontakt zu gewährleisten. Hier ein Bild von den Innereien mit den neuen Koppelkondensatoren:

Die neuen Koppelkondensatoren scheinen vor allem der Auflösung des Amps zugute zu kommen. Man kann die Instrumente klarer differenzieren und genauere Facetten der Musik hören.

Eine beliebte Modifikation, die aber mit etwas mehr Arbeitsaufwand verbunden ist, ist das s.g. „Triode Strapping“, also das Anbinden des oberen Gitters an die Anode, um damit aus der Pentode eine Art Triode zu machen. Hierbei verliert man allerdings Leistung, sodass man vermutlich  Dynamik gegen Klangqualität eintauscht. In diesem Threat im DIYaudio.com-Forum wird der Mod genau beschrieben.

Ebenfalls genannt wird der Austausch des Gleichrichters gegen diskrete Dioden und der Austausch der Netzteil-Kondensatoren gegen höherwertige Exemplare. Ich persönlich würde mir das Gefummel mit den Dioden nicht antun, ich glaube nicht, dass der Unterschied hörbar ist. Der Austausch der 150uF Filterelkos dagegen mag sinnvoll sein, aber bis jetzt gibt es noch keine Erfahrungswerte über deren Haltbarkeit.

Den Schaltplan gibt es übrigens hier.

Fazit:

Für so wenig Geld, dass man in Europa dafür nicht mal einen Amp selber bauen könnte, bekommt man einen Verstärker, der schon im Ausgangszustand hervorragend funktioniert und nebenbei noch eine gute Basis für Modifikationen bietet. Absolute Empfehlung.

Produktwarnung: Real Quality Knödel

Posted in Essen & Trinken, Getestet on 20. Juni 2010 by Herr Grau

Ich bin einer dieser Menschen, die gerne Kartoffelknödel mögen, aber meistens zu faul sind, sie selber zu machen. Bis jetzt haben mich die Fertigprodukte auch recht gut zufriedengestellt. Dann kam Real Quality.  Fiese schleimige Klumpenmonster sind das. Die Klumpigkeit ist einfach absurd. Die Schleimigkeit lässt sie Sauce kaum aufnehmen. Die Knödel sind so derart schlecht, dass ich das als persönliche Beleidung seitens Real auffasse. Also obacht, Verbraucher!

Messervorstellung: Watanabe Santoku

Posted in Getestet, Scharfe Messer, smile and look alive on 2. Februar 2010 by Herr Grau

Als ich vor Jahren das erste richtige Japanmesser kaufen wollte, stolperte ich neben allen in Deutschland angebotenen Messern über eine kleine Schmiede in Japan, Watanabe Blade. Der Sohn dieser Messermacherfamilie, Shinichi Watanabe, ist Vorsteher der Schmiede und Kontaktmann und sehr bald stellte sich heraus, dass es der netteste und umsichtigste Kontakt war, den ich mit einem Hersteller vermutlich je gehabt habe. Nachdem er mich umfassend beraten hatte, bestellte ich ein Santoku aus der Standardserie mit gebranntem Haselnussgriff. Das Messer selbst kostet 90$, dazu kamen 10$ für den Griff und 12$ für Versand, was 112$ macht. Inzwischen sind Messer und Versand etwas teurer geworden, aber mit 125€ ist man immer noch dabei. Die Bezahlung erfolgte problemlos via Paypal. Nach nur zwölf Tagen traf das Messer bei mir ein.

Technische Daten

169mm Klingenlänge
47mm Klingenbreite an der breitesten Stelle
1,6mm Klingenstärke in der Mitte
128mm Grifflänge
22mm Griffdicke aufrecht, Griff asymetrisch

Stahl: Weißer Papierstahl (Shirogami) zwischen zwei Eisenlagen

Gesamtansicht:

Klinge:

Griff:

Unterschrift des Schmieds:

Klinge: 93 Punkte

Fehlerfrei gearbeitete Klinge, sehr gute Geometrie, das heißt weder zu dünn und sensibel, noch zu dick und grob. Die Klinge ist verzugsfrei, die Form sehr gut. Punkte werden hier abgezogen, weil die Klinge an der Angel nicht ideal gearbeitet ist, desweiteren ist die Gestaltung relativ 08/15.

Schärfe: 95 Punkte

Die inneren Werte der Klinge überzeugen dafür umso mehr. Meinen Informationen nach lässt Watanabe seine Messer extern härten. Dieser externe Anbieter versteht sein Handwerk offenbar, denn die Klinge ist hart, nicht zu spröde und sehr schnitthaltig. Der Shirogami ist natürlich ein von Natur aus ziemlich genialer Stahl, aber das heißt nicht, dass man mit der Wärmebehandlung nicht noch einiges versauen könnte. Die schneidfreudige Geometrie hilft beim Schneiden. Die Schärfe ist insgesamt schon sehr groß und für einige Leute sogar schon angsteinflößend. Wie bereits gesagt ist die Standzeit recht hoch, bei ersten Anzeichen von Stumpferwerden gehe ich damit über meinen Honyama, nach etwa einer Minute Arbeit auf dem Stein ist es wieder wunderbar.

Balance: 90 Punkte

Das Messer ist klingenlastig, der Griff sehr leicht. Ich finde diese Verteilung sehr gut zum Arbeiten, daher die Punkte. „Ausbalanciert“ im Sinne von gleicher Gewichtsverteilung kann man das allerdings nicht nennen.

Griff: 90 Punkte

Die Holzarbeit selber gefällt sehr gut, der asymetrische Griff fasst sich wunderbar, er ist weder zu lang, noch zu kurz. Das Holz (Burnt Chestnut) ist eine Sonderoption und hübsch, griffig und sehr haltbar. Leider ist die Zwinge aus Plastik, was etwas billig wirkt, und die Stirnseite des Griffs ist nicht besonders hübsch.

Gesamt: 92 Punkte

Man könnte sicher ein besseres Messer machen als dieses. Aber es leistet sich keine ernstzunehmenden Schwächen, lediglich kleinere Äußerlichkeiten, und ist ein absolutes Schnäppchen für das Geld, das es kostet. Bis ich mal Geld für ein Sirou Kamo übrig habe, bin ich mit diesem Messer mehr als glücklich.

Messervorstellung: Herder Grandmoulin Olive

Posted in Getestet, Scharfe Messer, smile and look alive on 26. Januar 2010 by Herr Grau

Dies ist das letzte fehlende Messer, das ich unbedingt noch haben wollte: Ein Herder Grandmoulin mit Olivenholzgriff.
Und weil ich ja ein guter Mensch bin (*hust*), lasse ich euch alle an meinem Eindruck teilhaben. Das Messer wurde beim Messerkontor gekauft, die Abwicklung lief super freundlich und extrem zügig.

Jetzt zu dem Messer.
233mm Klingenlänge
42mm Klingenbreite an der breitesten Stelle
1,8mm Klingenstärke
136mm Grifflänge
19mm Griffdicke
178g Gewicht

Metall: Der ordinäre rostfreie Solinger Messerstahl.
Schneide: Handpolierter 8mm Wellenschliff
Griff: Freigeschliffenes Olivenholz, vernietet

Das Grandmoulin kommt in einer schmucken Schachtel daher:

Schachtel auf und da liegt das gute Stück:

Das Holz ist wirklich wunderschön gemasert.

Die Klinge ist blau gepließtet, was eine sehr feine Politur bedeutet.
Ich habe hier versucht, einmal die Klinge frontal und einmal im Glanzwinkel zu treffen. Man kann sich auf jeden Fall darin spiegeln!


Eindruck: Ich wollte dieses Messer schon immer. Ich finde es wunderschön, es ist meiner Meinung nach die gelungenste Kreation des Hauses Herder. Also hab ich mir, nachdem nach Weihnachten mal das Geld nicht ganz so klamm wie im Restjahr war, mir endlich ein Herz gefasst und mir diesen Traum erfüllt.

Klinge: 93 Punkte
Die Klinge ist vom Schliff her absolut top. Jede einzelne Welle ist perfekt und glänzt bis in den hintersten Winkel. Die Form ist einfach genial, sie sieht einfach großartig aus und ist zum Schneiden genau richtig.

Volle Punktzahl gibt es nicht wegen minimalem Verzug nach rechts:

Desweiteren hätte man für den letzten Punkt (von 99 auf 100 :-P) die Klingenoberseite auch noch perfekt polieren müssen, was Herr Fehrekamp wohl aus Zeitgründen einfach nicht machen kann…

Schärfe 92 Punkte
Wie beurteilt man die Schärfe eines Brotmessers?
Es schneidet alles sanft und einfach, es bröselt kaum. Was kann man sich mehr wünschen?
Über die Standzeit kann ich noch nichts sagen. Also greife ich einfach mal in die Kiste und sage 92..

Balance 99 Punkte
Nichts zu wünschen übrig. Liegt toll in der Hand, zum dahinschmelzen.

Griff 60 Punkte
Man sollte das aufgliedern:
Auf der einen Seite die Form und die Haptik: Klasse.
Liegt satt in der Hand, einen besseren Messergriff habe ich selten gesehen. Dazu das Holzaussehen, das wirklich sehr hübsch ist – ich muss zugeben, ich bin in Olivenholz hoffnungslos verliebt.
Auf der anderen Seite aber die Verarbeitung.
Hier lasse ich erst einmal Bilder sprechen:

Mein persönliches „Lieblingsbild“:

Das ist mal ganz billig und an für sich schockierend. Das darf an einem 140€ teuren Messer einfach nicht passieren! Spalte, durch die man durchgucken kann und dann, was ich persönlich als Affront empfinde, derartig dilletantisch aufgefüllt?!

Entschuldigung Herder, aber wir sind der Meinung, das war SCHEI**E!

Anzufügen ist, dass keiner mit solchen Spalten leben muss. Claudia vom Messerkontor hat sich redliche Mühe gegeben, das ganze zu regeln. Ich wollte die Griffschalen aber nicht gegen ungesehene (wg. Maserung) austauschen lassen, sondern wollte, dass sie nachgepasst werden. Herder hat dies nicht getan. Statt dessen haben sie ein Schreiben geschickt, mit einer Rechtfertigung statt einer Entschuldigung. Und diese Rechtfertigung, nämlich dass das anders bei Olivenholz nicht ginge, ist himmelschreiend falsch und für mich, der ich selber Messer mit Olivenholz gemacht habe, schon fast beleidigend. Aber wie gesagt, im Prinzip kann man so oft zurück schicken, bis man ein spaltfreies Exemplar erwischt.

Nach Adam Riesling würde das einen Bestwert von 86 Punkten machen.
Ich kann aber nicht anders, und sagen: Wenn man die Augen zu macht und nur schneidet, sind es mehr als 90.
Wenn dieser blöde Spalt am Griff nicht wäre, läge das Messer sehr sehr gut.
Daher, Ergebnis: 90 Punkte

Ich war aber darauf vorbereitet und bin bereit, diese Mängel in Kauf zu nehmen.
So ist das eben mit der Liebe…