Archive for the smile and look alive Category

Frittierte Zwiebelringe

Posted in Essen & Trinken, smile and look alive on 21. August 2018 by Herr Grau

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Es hat schon so mancher am Zwiebelring gemacht.. Und die sind meistens auch irgendwie gut. Ich meine .. es ist frittiert, wird schon schmecken. Aber es gibt hier und heute, exklusiv und in Leuchtschrift, wie man das wirklich richtig macht:

Gemüsezwiebeln in 5-7mm Ringe schneiden. Mitten weg. In Instantmehl wenden. Ca 100g Instantmehl mit 1 TL Backpulver und 1/4 TL Backnatron, einer sehr großen Prise Salz und ordentlich Pimenton vermischen. 60 ml Wodka dazu und dann mit Bier auffüllen, bis es die Konsistenz von dicker Farbe hat und ordentlich Striemen in sich selbst zieht. Frittieren bei größerer Hitze. Rapsöl oder Sonnenblumenöl ist gut, Schmalz pervers gut.

Normalerweise muss man beim Kochen nur keinen Mist machen, eigentlich gibt es keine Geheimnisse und keine Tricks. In diesem Fall – schon. Bei Frittierteig ist Instantmehl mit Wodka wirklich der Knaller. Kein Vergleich zu normalem Mehl. Molto fluffig und kein bisschen zäh. Das ganze kennen wir schon vom Backfisch, wo die selbe Kombination von Zutaten ebenfalls den größten Unterschied aller Zeiten macht.

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Musik & Melodey – The Oh Hellos

Posted in Musik & Melodey, smile and look alive on 18. August 2018 by Herr Grau

Den ersten Eintrag seit langer Zeit in dieser etwas verwaisten Kategorie machen die Oh Hellos, das Geschwister-Duo Maggie und Tyler Heath und ein großes Ensemble recht stetig begleitender Musiker. Zwecks Bewerbung ihrer neueren Alben haben sie fast alle großen Live-Session-Formate mitgenommen, die der liebe Herrgott auf derer Erde gestellt hat. Wie so häufig ist es aber auch hier wieder das NPR Tiny Desk Konzert, das aus der Masse heraus sticht. Die Performance ist herausragend und Mischung und Sound entsprechen diesem hohen Niveau. Meiner bescheidenen Meinung nach können auch die Studioversionen von Hello My Old Heart (Oh Hellos EP) und Like The Dawn (Through The Deep, Dark Valley) mit diesem Auftritt nicht mithalten. Like The Dawn in der NPR Version hat einen festen Platz als eins meiner absoluten Lieblingslieder der letzten zwei Jahre gefunden. Die wundervollen singenden Harmonien und die magische vielstimmige Instrumentenmischung sind hypnotisierend und sorgen auch bei der aberdutzendsten Wiederholung noch für Gänsehaut. Wie so oft denke ich, wie gut es gewesen wäre, wenn sie ein deutlich längeres Set gespielt hätten. Glücklicherweise ist die knappe Song-Auswahl einmal mehr perfekt. Chapot an das NPR-Team.

Auf den kulinarischen Spuren von Lissabon & Bifana Nachbau

Posted in Essen & Trinken, smile and look alive on 14. August 2018 by Herr Grau

Lissabon scheint die vergessene Hauptstadt zu sein. Während London, Madrid, Rom, Paris und Berlin jeden zweiten Tag irgendwo auftauchen, muss man schon ziemlich die Ohren spitzen, um Leute über Lissabon reden zu hören. Ich zumindest hatte die Stadt jahrelang überhaupt nicht auf dem Plan. Das änderte sich erst, als ein guter Freund vor einiger Zeit ein Jahr Studienaustausch im Rahmen von Erasmus dort hin machte. Mir war fast ein bisschen peinlich, dass ich mit einem der wichtigsten historischen Zentren Europas überhaupt nicht anfangen konnte – also fing ich an zu recherchieren. Die Faszination mit der portugiesischen Geschichte fasst einen ganz von selbst, wenn man einmal anfängt, sich damit zu beschäftigen. Wie dieses einst mächtigste Land der Erde zu seinem heutigen Ich geworden ist, ist ein tragisches Drama, das kaum bunter Ausschmückungen bedarf. Der zunehmende Verfall der Stadt, der schon vor langer Zeit seinen Anfang nahm, im Estado Novo unter Salazar sich massiv verschlimmerte und jetzt bei weiterhin fehlendem Kapital an den meisten Stellen weiterhin langsam vor sich hin schwelt, tut einem in der Seele weh – man beginnt langsam zu begreifen, warum der Fado, der traditionelle Gesang, der von Sehnsucht und Entbehrung erzählt, immer noch einen unveränderten Stellenwert in Portugal hat. Der Wunsch wuchs, mir das ganze aus der Nähe anzuschauen. Und natürlich wollte ich meinen ortskundigen Freund mitnehmen, damit ich die Stadt mit weniger unbedarften Augen erleben würde.

Später Frühling ist vermutlich die perfekte Zeit, um Lissabon zu besuchen. Es wird im Sommer erbärmlich heiß, was selbst mit den stetigen Brisen vom Meer her für den auf milden Herbst geeichten Deutschen die Erkundung der Stadt zu einem Stück aus Dantes Repertoire machen kann. Man muss ja keinen Ausflug in die Niederhölle machen, wenn es sich ausnahmsweise mal vermeiden lässt.

Anstrengend wird es so oder so, denn Lissabon will erlaufen werden. Es ist eine verwinkelte alte Stadt und viele der schönsten Eindrücke finden sich in kleinen Gässchen und Hinterhöfen. Und man sollte nicht wie ein nichtgenannter Autor dieses Artikels die Steigungen unterschätzen. Lissabon ist auf Hügeln gebaut und das heißt, dass man immer entweder eine unglaublich steile Straße hoch oder eine noch steilere herunter läuft. Die Belohnung dafür sind die s.g. Miradouros (wörtlich: Goldene Blicke), die Ausgucksplattformen, die an strategisch gut gewählten Punkten der Stadt verteilt sind und eine fantastische Perspektive über die Stadt bieten. Sie sind für Touristen wie Einheimische die Sammelpunkte, an denen man zwecks Entspannung und Einverleibung von bewusstseinserweiternden Getränken und Rauchwaren zusammen trifft. Apropos: Portugal hat festgestellt, dass die Verfolgung von Drogenkriminalität extrem viel Geld kostet und kaum etwas bringt – und hat mal eben mir nichts dir nichts alle Drogen legalisiert. Ergo riecht die ganze Stadt nach dem aus Marokko herüber schwappenden billigen Haschisch und man kann kaum zehn Meter weit gehen, ohne von einem Straßendealer angesprochen zu werden. Nicht wundern, das ist jetzt normal.

Eine chronologische Erzählung wie bei meinen Reiseberichten über Rom oder Paris bietet sich dieses mal nicht an – es würde zu stark auffallen, dass wir hauptsächlich in Parks oder an Miradouros gesessen und Bier getrunken haben. Und so sehr das der perfekte Urlaubsentwurf ist – und der, den ich jedem Lissabon-Reisenden ans Herz legen würde -, so ist das nicht die spannendste Erzählung, die je gesponnen ward. Ich beschränke mich also auf die Beschreibung einiger Höhepunkte, die ich besten Gewissens weiter empfehlen kann.

Es ist kein Zufall, dass man in der Hauptstadt der Seefahrernation Portugal direkt am Meer hervorragende Meeresfrüchte bekommt. Wie günstig das Vergnügen aber ist, das überrascht schon stark. Die Cervejaria Ramiro kann einem quasi gar nicht durch die Lappen gehen, wenn man sich auch nur kurz mit Restaurants in Lissabon beschäftigt. Das Restaurant wird zurecht zu den Essenszeiten heillos überlaufen – eine bessere und frischere Auswahl mit ausgezeichneter Einfachheit zubereiteter Meeresfrüchte habe ich noch nicht gesehen. Wir haben für zwei ziemlich hungrige Personen inklusive Getränke nicht mal 60€ bezahlt .. absolut lächerlich für eine ganze Spinnenkrabbe und Kaisergarnelen. Mein Tipp wäre, zwischen den Essenszeiten zu kommen, dann sind die Wartezeiten kurz und erträglich.

Pastéis de Nata sind eine traditionelle Süßspeise, die auf der Flagge von Lissabon sein könnte. Ursprünglich wurden die kleinen Puddingtörtchen im Mosteiro dos Jerónimos in Belém, einem heutigen Stadtteil von Lissabon, gebacken. Anfang des 19. Jahrhunderts wurde das Kloster dicht gemacht und das Rezept an die naheliegende Zuckerraffinierie verkauft, deren Bäckerei sie seitdem durchgehend herstellt. Es gibt ausgezeichnete Kopien von unzähligen Lissaboner Bäckereien, besonders empfehlenswert ist die Manteigaria Fábrica de Pastéis de Nata. Ein Bica – die portugiesische Variante eines Espresso – und ein zwei Pastéis mit Puderzucker (…und wer muss auch mit Zimt…) und der Tag fängt vernünftig an.

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In der Rua das Flores findet sich die Weinbar ByTheWine, die man empfehlen kann. Nettes Ambiente, sehr gute Weine und leckeres Essen. Nur ein paar Meter weiter liegt die oft empfohlene Taberna da Rua das Flores, in der wir aber leider keinen Platz bekommen haben.

Beim Weg durch die Stadt sollte man sich eine Scheibe von den Einheimischen abschneiden und hie oder da einen Ginjinha trinken, einen gewürzten Kirschlikör, der aus kleinen Thekenausschänken verkauft wird. Einzige Option: Mit oder ohne Kirsche. Das Original gibt es bei A Ginjinha, aufgrund seiner zentralen Lage gut zu erreichen. Es gibt fast immer eine kurze Schlange, lange warten muss man aber nie.

Im Mercado da Ribeira direkt an der Küste hat TimeOut einen Food Market aufgezogen. Das ganze ist hübsch gemacht und vor allem haben sie tatsächlich viele der namhaftesten Köche Lissabons zur Mitarbeit bewegt. Das Preisniveau ist etwas höher als im restlichen Lissabon, aber dafür hat man eine tolle Auswahl von Speisen, die durchweg sehr gut waren.

Das schönste an Lissabon sind meines Erachtens aber weder die Restaurants noch die gekachelten Häuser und das fantastische Stadtbild, es ist das Lebensgefühl. Die Portugiesen sind deutlich weniger extrovertiert als ihre spanischen und italienischen Nachbarn, trotzdem wissen sie, gut zu leben. Man findet überall Menschen, die den Ausblick, ein Bier und ein Tosta mista genießen und scheinbar alle Zeit der Welt haben. Dafür bieten sich nicht nur die Miradouros an, sondern auch die wunderschönen Parks, die überall durch die Stadt verstreut sind. Eine geheime Perle ist der ehemalige königliche Park Tapadas das Necessidades, der trotz seiner Schönheit und botanischen Vielfalt kaum besucht ist. Auch der „Kalte“ botanische Garten, der Estufa Fria de Lisboa, ist eine Reise wert, wenn auch eher zum Staunen als zum Entspannen.

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Wie schaffe ich jetzt den Bogenschlag zum Bifana? Man stelle sich vor, man hat zwei oder drei eiskalte Flaschen Super Bock geleert (die deutlich überlegene Alternative zu Sagres, dem anderen omnipräsenten Bier) und bekommt ein Hüngerchen. Standesgemäße Kost ist an dieser Stelle Portugals Beitrag zum Thema Brot und Schwein, das Bifana. Es handelt sich um ein eher unspektakuläres Brötchen, das s.g. Papo seco – „trocken Brot“, soweit ich das übersetzen kann .. die Portugiesen sind nicht die größte Brotnation… -, das außen ein bisschen weniger knusprig und vor allem mit keinen röschen Kanten ausgestattet und innen eine dichtere Krume hat als das durchschnittliche deutsche Bäckerbrötchen. Darauf findet sich extrem dünnes mariniertes Schweinfleisch und optional Senf, Chili-Öl und karamellisierte Zwiebeln. Bei O Trevo, unserem bevorzugten Bifana-Fachtechniker, fallen Zwiebeln aus, was mir nur recht ist. Ich mag mit dem billigen klatschgelben Senf, mein Freund ohne. Beides so gut wie günstig.

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Aufgrund des überraschend und inzwischen unangenehm guten Wetters in Teutonien wird ja nun gefühlt jeden zweiten Tag gegrillt und langsam hängen mir Bratwürste und Grillbauch zu allen überzähligen Körperöffnungen heraus. Ich wollte ein bisschen Abwechslung schaffen und habe meinen Plan, Bifana selbst zu machen, wieder aus der Schublade gekramt. Das ganze ist natürlich eine schwarzmagische Kunst aller erster Kategorie, wie jede Traditionsspeise ein ganz heikles Thema. Es scheint so, als ob die meisten Rezepte im Netz von einander abgeschrieben wären. Ich habe ein bisschen improvisiert und soweit ich das jetzt noch sagen kann, ist das Fleisch nah am Original. Die Muße, die Brötchen nachzubacken, hatte ich nicht – sie sind zwar merklich etwas anders, aber nicht unbedingt schlechter. Ich glaube, mir müsste schon sehr langweilig sein, damit mir das als lohnenswert vorkäme (ein sinnvoll aussehendes Rezept findet sich hier).

Man sollte pro Person ca. 200g Fleisch einplanen, was für gut 2 Bifana reicht.

400g Schweinelachs, vom Metzger auf der Maschine (!) so dünn aufschneiden lassen, wie es geht (2-3 mm). Kurz weiter ausklopfen. Über Nacht in einer Marinade aus 4-5 zerdrückten Knoblauchzehen, einer gehackten frischen Chili, 1/2 TL Pimenton, 1 TL Salz, 2 EL Sriracha, 40 ml Weißwein- oder Apfelessig, Saft einer Limette, 500 ml Weißwein und 1 Lorbeerblatt einlegen. Auf einem extrem heißen Grill oder einer Plancha grillen, maximal eine Minute pro Seite. Ich tunke das Fleisch dann nochmal in die Marinade und lasse es ein paar Sekunden wieder heiß werden. Das sorgt für extra Geschmack, es wird aber auch saurer. Muss jeder selbst wissen. Das ganze kommt mit amerikanischem Senf (bloß keinen Dijon oder sonst hochwertigen Senf nehmen) auf ein Brötchen, fertig ist die Laube. Optional dazu Chili-Öl und karamellisierte Zwiebeln.

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Selbstgemacht: Fermentierte Sriracha Style Hot Sauce

Posted in Angewandte Wissenschaft, Essen & Trinken, smile and look alive on 9. August 2018 by Herr Grau

Wenn man mehr Chilis hat als man essen kann, weil man sie selbst anbaut, und scharfes Essen über alles liebt, liegt nichts näher, als selbst eine Hot Sauce herzustellen. Weder das eine noch das andere trifft auf mich zu. Ich bin auf dem Weg zum Klo falsch abgebogen und nur zufällig hier.

Das sind Chilis. Oder Paprikae. Oder die Dächer von Bologna. Ich kann das nicht so genau erkennen.

Bei mir fermentieren gerade verschiedenste illustre Dinge vor sich hin, meine Küche hat Anklänge des chaotischen Labors eines leicht derangierten Wissenschaftlers. Viele meiner Freunde sind ausgemachte Scharfesser, vor allem über die thailändische und indische Küche bin auch ich dem Charme des Capsaicins langsam näher gekommen. Insbesondere Saucen im Sriracha-Stil haben es mir in letzter Zeit doch angetan, also glatt pürierte fermentierte süßsaure Chilisaucen mit Knoblauch. Mit Mayonnaise zusammen eine der besten Sandwich-Saucen aller Zeiten und mit Mayo, Ketchup und Gurken-Relish undoder Gewürzen zusammen als s.g. „Comeback Sauce“ eine der suchterzeugendsten Burger-Saucen im bekannten Universum. Natürlich kann man die Sauce mit dem Hahn einfach preisgünstig im nächsten Asia-Laden erwerben. Aber warum kaufen, wenn man sie für den doppelten Preis auch selbst machen kann? Man nehme.

Ausgangsbasis sind 500g frische Chilis, dabei sollte man keine pervers scharfen Sorten nehmen. Alles nördlich von Habaneros ist auf jeden Fall Unsinn, würde ich mal behaupten, da sollte man auf Rezepte mit weniger Chili und mehr anderem abstellen. Und auch bei Habaneros würde ich zur Hälfte deutlich mildere Chilis beimischen, damit das wunderbare fruchtige Aroma der Sauce nicht von übertriebener Schärfe übertölpelt wird. Ich habe das ganze mit roten Jalapenos gemacht und die Sauce ist immer noch ordentlich scharf.

Mir ist keine sinnvolle Art eingefallen, Sauce zu fotographieren. Es ist eine rote Flüssigkeit. Muss ich genau meine rote Flüssigkeit zeigen? Den Unterschied merkt doch eh keiner. Deshalb heute mal ein freies Stock-Photo. Wunderschön.

Die Chilis werden von ihrem Stamm befreit und in grobe Stücke geschnitten. Mit 4-8 Knoblauchzehen, 2 EL von unserem eher flüssigen Lieblingshonig, 250 ml Ananassaft (auch Mango macht sich hier angeblich super) und 1 EL nicht jodiertem Salz (Meersalz) ordentlich glatt pürieren. In einem Gefäß unserer Wahl wird das ganze deponiert und verschlossen, dabei sollte mindestens 1/3 des Gefäßes oben frei bleiben. Wir können es verschließen, weil das ganze sowieso mindestens einmal am Tag geöffnet und umgerührt wird, wobei man am besten mit einem Silikonspatel die Seiten wieder sauber kratzt. Ansonsten fermentierende Dinge nie fest verschließen! Nach 5-7 Tagen wird das ganze mit 80 ml Apfelcider-Essig versetzt, nochmal kräftigst püriert, sodann durch ein feines Sieb in einen Topf passiert (kräftig ausdrücken, da hängt richtig was drin) und auf kleinster Flamme eingekocht, bis uns die Konsistenz gefällt. Die Reste im Sieb nicht wegwerfen, sondern im Ofen bei 80-100°C ca. 12 Stunden trocknen, damit kann man auch noch hervorragend würzen, das Zeug ist Gold. Die Sauce hält in ausgekochte Flaschen abgefüllt im Kühlschrank ziemlich lange.

Dieses Zeug schmeckt absolut hervorragend. Die fruchtige Note von der Ananas, die waldig-holzigen Aromen vom Honig, der Knoblauch und das fermentiert-süß-säuerliche Krachbumms der Chilis passt einmalig gut zusammen. Möglicherweise püriere ich das nächste Mal ganze Ananas oder Mango mit hinein. Die Version mit dem Saft ist deutlich weniger aufwändig, funktioniert aber auch super.

Köfte und Tabouleh .. und alles auf Pita

Posted in Essen & Trinken, smile and look alive on 8. August 2018 by Herr Grau

Das Wetter will einfach nicht kühler werden, entsprechend esse ich kaum noch warm. Gestern hab ich eine Ausnahme gemacht – es gab Pita mit Köfte. Köfte, Kofte, Kofta etc. ist die orientalische Frikadelle. Und Köfte Pita ist nichts anderes als Frikadellenbrötchen. Klingt bescheuert, kommt aber hin.

Köfte gibt es im gesamten orientalischen Raum bis Indien. Sie können in jeder denkbaren Form und in fast jedem Fleisch daher kommen, ich persönlich bevorzuge stark Lamm. Wenn man nur irgend ein 08/15 Lamm-Hack bekommt, empfiehlt sich die Zugabe von 10 Prozent gewolftem Fett, z.B. vom Rind. (Oder man nimmt Schweinespeck, weil man ungläubig und einem Authentizität drei Pfund egal ist.) Idealerweise lässt man sich das Hack aus der Schulter wolfen bzw. wolft es selbst. Dazu kommen geriebene Zwiebeln (ich hab im Autopilot gekocht und hab sie gehackt. Dumm.), frische Chili, gehackter Knoblauch, ein Haufen gehackte Petersilie und ein oder zwei kleine Blätter Minze, Cumin, Korianderpulver, Kurkuma, Muskatnuss, Pimenton, Salz und Pfeffer. Zimt, Anis, Piment und Nelke sind ebenfalls sehr gut darin. Wer mogeln möchte, und will, dass die kleinen Fleischtorpedos besonders luftig und saftig werden, der kann auch mit Semmelbrösel undoder Ricotta spielen. Gehört sich aber wirklich nicht.

Perfekt sind sie erst, wenn man sie mit anderen Dingen zusammen isst. Hummus, Mixed Pickles (ja, die kommen jetzt wirklich überall dran..), frische Petersilie, Tzaziki oder Labne – und in meinen Augen absolut unverzichtbar: Tabouleh.

Tabouleh ist ein Petersiliensalat. Alles andere spielt eine untergeordnete Rolle, wer zuviel Bulgur benutzt, haut meterweit daneben.
Auf 100g Petersilie kommen 200g feingehackte Tomaten, 20g feiner Bulgur (gewaschen und abgetropft), zwei gehackte Blätter Minze, zwei bis drei gehackte Frühlingszwiebeln, der Saft einer Zitrone, Pfeffer, Korianderpulver, Muskat, Ingwerpulver, Pimenton, Salz und Pfeffer. Und jede Menge Olivenöl. Auch hier sind Zimt, Piment und Nelken optional. Extrem fantastisch funktioniert mit diesem Salat Granatapfel, sei es als Kerne, Granatapfelmolasse oder Granatapfelessig. Das hebt ihn in ganz neue Höhen. Im Kühlschrank hält er sich erstaunlich gut, zumindest wenn man ihn nicht als Hauptattraktion servieren will.

Apropos neue Höhen: Ich habe eine fermentierte Hot Sauce gemacht. Die mit Mayonnaise vermischt macht wirklich einfach alles geil – und war natürlich ebenfalls auf meinem kleinen Pita-Sandwich. Dazu gibt’s aber in Bälde einen gesonderten Eintrag.

Löffelbiscuit selbst backen

Posted in Essen & Trinken, smile and look alive on 1. August 2018 by Herr Grau

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Da ich die großartigen sardischen Löffelbiscuits aufgrund meines Wohnorts nicht immer kriegen kann, habe ich mich daran gemacht, sie selber zu backen. Ich habe halt leicht einen an der Pfeife, da macht man nichts mehr dran.

Vier Eier trennen. Eiweiß mit 60g Zucker und einer Prise Salz aufschlagen. Eigelb mit 30g Vanillezucker aufschlagen. Zusammen falten, 80g Mehl einsieben und unterziehen. Auf Backpapier ausspritzen (ich hab es einfach mit einem abgeschnittenen Gefrierbeutel gemacht, hat super geklappt) und kräftig zuckern. 12-16 min bei 190 Grad O/U backen.

Damit wurde natürlich Tiramisu gemacht. Die Biscuits sind schon sehr gut, kommen aber noch nicht ganz an das Produkt der erfahrenen Bäcker aus Sardinien ran. Ich werde weiter berichten…

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Selbstgemachte vietnamesische Mixed Pickles für jeden Tag – Đồ Chua

Posted in Angewandte Wissenschaft, Essen & Trinken, smile and look alive on 25. Juli 2018 by Herr Grau

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Ich hatte das Rezept für dieses gemischte eingemachte Gemüse in meinem eher unübersichtlichen Beitrag über Tafelspitz, Stielmuspüree und Mixed Pickles versteckt. Sie spielen aber eine immer größer werdende Rolle in meinem Koch-Alltag – wenn ich Gemüse übrig habe, wird es schnell zerkleinert und mit hinein geworfen. Eine Beilage für ein Stück Fleisch? Eine Grundlage für einen Salat? Eine Zugabe zu jedem Pfannengericht? Und natürlich: Was kommt jetzt auf jedes Sandwich? Rollsplitt! .. Äh, ich glaube, wir müssen den Teleprompter reparieren lassen… Genau: Mixed Pickles – wofür es aus mir unerfindlichen Gründen keine brauchbare Übersetzung gibt. Und weil sie so großartig und gleichzeitig so unglaublich schnell und einfach zu machen sind, verdienen sie ihren eigenen Beitrag.

In Südostasien sind fermentierte Güter allgegenwärtig, da Kühlung oft nicht zur Verfügung steht. In Vietnam habe ich sie sehr zu lieben gelernt – sobald das Hirn den etwas strengen Geruch mit dem unvergleichlichen Geschmack in Verbindung gebracht hat, ist es um einen geschehen.

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Die Mixed Pickles orientieren sich an dem Standardrezept für vietnamesische Every Day Pickles (Đồ Chua): Gemüse nach Wahl auf der Mandoline nicht zu dünn reiben – klassischerweise Rettich und Karotten, aber bei mir gerne auch Gürkchen, Radieschen, Chili, Schalotten und Zwiebeln, Frühlingszwiebeln, Kaiserschoten, Paprika und Fenchel – und pro 500g Gemüse mit einer Mischung aus 200 ml Reisessig, 1 l Wasser, 3 EL Zucker und 2 EL Salz übergießen – ich habe auch noch Senfsaat und Pfefferkörner zugegeben – und mindestens einen Tag stehen lassen. Je länger sie stehen, desto mehr Charakter entwickeln sie, denn auch wenn es sich nicht um eine vollständige Fermentation von vorne bis hinten handelt, so fermentiert das ganze doch, was sowohl an der Gasbildung als auch am Geschmack klar erkennbar ist. Also nicht zu lange stehen lassen, ansonsten werden sie irgendwann so charakterstark, dass die Schulpflicht eintritt und eine Steuererklärung nötig wird.

Wenn ich neues Gemüse in die Lake werfe, lasse ich alles zusammen ungefähr ein bis zwei Tage draußen stehen, dann kommt das ganze wieder zurück in den Kühlschrank, wo es sich ewig hält. Wenn man etwas enthusiastischer ist, kann man die Fermentation auch ohne Essig komplett ablaufen lassen. Der Versuch steht bei mir noch aus.

Falafel. Überall Falafel.

Posted in Essen & Trinken, smile and look alive on 23. Juli 2018 by Herr Grau

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Gestern hab ich meine kleine bescheidene Reise in die orientalische Küche fortgesetzt und Falafel selbst gemacht. Es gibt dazu mehr zu lesen, als in einen Nachmittag passt. Die Kurzzusammenfassung:

1. Man sollte keine eingedosten Bohnen nehmen. Tut man es doch, kann es einem schnell passieren, dass es einem wie mir geht und man plötzlich keine Falafel mehr im Öl findet. Stattdessen darf man dann braunen Sand aus der Fritteuse kehren. Wenn man nichts anderes hat, hilft ein Ei und Semmelbrösel bei der Bindung.

2. Man kann Falafel nicht nur mit Kichererbsen machen, auch dicke Bohnen werden sehr empfohlen. Die immer exzellente Rezeptzusammenfassung vom Guardian schlägt zwei Drittel Saubohnen und ein Drittel Kichererbsen vor. Ich habe gestern weiße Riesenbohnen genommen, weil sich alle meine Kichererbsen im ersten Versuch atomisiert hatten.

3. Falafel müssen müssen müssen frittiert werden. Braten in der Pfanne ist unterwältigend. Und man muss sie frisch aus der Fritte essen, alles andere taugt nix und gehört verboten.

100g Kichererbsen und 200g Saubohnen über Nacht einweichen, abspülen, trocken tupfen. Zweidrittel davon dann mit je 1 TL gemahlenem Cumin und Koriander, 1/2 TL schwarzem Pfeffer, etwas Muskat (optional ein bisschen gemahlene Zimt, Ingwer, Piment), 1/2 TL Backpulver, Pimenton, getrockneter Chili, Salz, einer Zwiebel und 4 Knoblauchzehen pürieren. Zwei Frühlingszwiebeln, die verbliebenen Bohnen und jeweils eine sehr große Handvoll glatte Petersilie und Koriandergrün hacken und unterziehen. Masse kurz kühl stellen, dann formen und frittieren. Wer Sesam mag, kann die Bällchen vorher darin wenden – ich nicht. Das Frittieren eines Probestücks ist sehr empfohlen. Dann wird schnell klar, ob alles zusammen hält und ob die Würzung stimmt.

Ich liebe Falafel. Am liebsten auf Brot mit einem Salat aus Tomaten und Petersilie, ein paar frischen oder gepickleten Zwiebeln und einem frischen kleinen Sößchen. Brot war nicht, Tomate war nicht, Petersilie hatte ich mit meinem zweiten Versuch auch komplett vernichtet. Aber mit Mixed Pickles, in die ich am Vortag einen Haufen Zwiebeln und Paprika geworfen hatte, und etwas Tzaziki mit gleichem Anteil Mayonnaise war das Leben auch sehr seeehr gut.

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Rkakat – libanesische Teigtaschen

Posted in Essen & Trinken, smile and look alive on 13. Juli 2018 by Herr Grau

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Ich mag das libanesische Restaurant direkt neben meiner Arbeit insbesondere im Sommer sehr stark. Man kann für schmales Geld ein paar Kleinigkeiten kaufen, die man super teilen kann und die einem nicht so stark im Magen liegen. Eine der Sachen, die ich gerne bestelle, sind Rkakat: Mit Schafskäse und Petersilie gefüllte Teigtaschen. Dieser Tage suchte ich nach Ideen für Finger Food und musste unwillkürlich daran denken. Wie schwer kann sowas schon sein? Ich kann so viel vorweg nehmen: Einige Fünfjährige wären damit knapp überfordert.

Für Menschen, die Filo-Teig selbst machen, gilt das selbe für diejenigen, die Blätterteig komplett selbst herstellen: Ihr habt deutlich zu viel Freizeit. Das habt ihr offensichtlich gut eingefädelt.

Mit einfachen Worten gesagt: Das Produkt, das man kaufen kann ist günstig und extrem gut. Den Teig kann man mit quasi allem füllen, nach dem einem der Sinn steht. Backsteine. Bienen. Omas Goldrand-Teller. In Cognac blanchierte Träume parksündiger Einhörner. Alles. Aaaaalles.

Diese Variante ist nun aber mit Käse und Petersilie, und daran wollte ich mich zumindest prinzipiell auch halten. Ich hatte noch einen halben Feta, den ich mit etwas Frischkäse zerkleinert habe, dazu kam eine Handvoll Petersilie, eine gehackte Knoblauchzehe und S+P und etwas Pimenton. Außerdem wollte ich noch etwas Crunch und Substanz, also hab ich ein paar Kaiserschoten kleingeschnitten blanchiert und zusammen mit ein paar gehackten vietnamesischen Mixed Pickles trocken geschleudert. Dazu kamen dann noch ordentlich gehackte frische Chili. Die Mischung hat auf jeden Fall ziemlich gerockt.

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Der Filo-Teig wird dann zurecht geschnitten und gefüllt. Der nicht benötigte Teig sollte immer unter einem feuchten Handtuch aufbewahrt werden, die dünnen Blätter trocknen in Rekordgeschwindigkeit aus und sind dann nur noch brüchig. Am Ende mit etwas Wasser zukleben und dann bei großer Hitze frittieren. Dran denken: Die Füllung muss nicht mehr gekocht werden. Es soll nur außen knusprig und möglichst wenig fettig sein.

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Die Teigtaschen sind extrem lecker. Sie halten aber nicht ewig, da sie nach einiger Zeit ihre Knusprigkeit einbüßen .. Aber so lange überleben sie sowieso nicht.

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Technik, die begeistert: Französisches Omelette

Posted in Essen & Trinken, smile and look alive on 26. Juni 2018 by Herr Grau

Ich habe in letzter Zeit ein bisschen an einer neuen Obsession gebrütet: Nachdem ich Rührei und pochierte Eier perfektioniert habe, blieb noch der letzte Endgegner unter den Eierspeisen: Das klassische französische Omelette. Wenn ich Leuten erzähle, dass ich daran gerade arbeite, kommt ziemlich unisono „Wat heiß‘ hier du kanns‘ kein Omelett – Eier in Pfanne, fertig!“ … Leider ist es ganz so einfach dann doch nicht.

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Tatsächlich kann ungefähr jeder ein paar Eier in die Pfanne tun, schlagen und hart werden lassen. Nur hat das mit einem klassischen Omelette ungefähr so viel zu tun wie Donna Versace mit guter Chirurgie. Ein Omelette soll innen cremig und feinkörnig sein und außen fluffig ohne jede Bräune, damit das Ei keinstenfalls zäh oder fest wird. Da die Zubereitung notorisch schwierig ist und viele verschiedene Fähigkeiten auf einmal abfragt, gilt das Omelette in vielen großen Küchen bis heute als Einstellungstest.

Es gibt eine Referenzanleitung von dem großen Papa Bär der französischen Technik, Jacques Pepin:

 

Es stören mich daran lediglich zwei klitzekleine Sachen: Man braucht eine Omelettepfanne mit makelloser Haftbeschichtung; das Herumkratzen mit der Gabel rollt mir die Zehennägel hoch. Und ich bin zweitens offenbar zu blöd dafür, was das größere Problem darstellt.

Am Anfang steht die Pfanne. Ohne eine Pfanne der richtigen Größe mit jungfräulicher Antihaftbeschichtung braucht man gar nicht anfangen. Die Ränder sollten die richtige Form haben, der Boden ausreichend dick sein. Meine Wahl fiel auf eine Tefal 20 cm Jamie Oliver, 22 cm ginge auch für ein etwas dünneres Omelette. Dazu brauchen wir einen Silikonspachtel oder eine Holzgabel.

Diese Pfannengröße ist für drei Eier gedacht, was meines Erachtens für eine Person eine gute Größe ist. Wir schlagen also drei Eier mit einer Gabel in einer Schüssel auf, bis sie völlig gleichmäßig durchmischt sind. Dabei sollte nicht zu viel Luft eingeschlagen werden, was mir immer herzlich egal ist. Zu den Eiern kommen Salz und Pfeffer sowie bei Bedarf Kräuter – ich liebe Schnittlauch. Wer die Möglichkeit hat, nimmt Enten-Eier, diese gelten als das Nonplusultra in Omelettes. Ansonsten kommen nur die allerbesten Hühner-Eier in Frage, die es für Geld und gute Worte gibt.

Ich stellte nach ein paar Fehlversuchen mit zu grober Eistruktur und gebräunten Böden oder noch zu flüssigem Ei innen fest, dass andere Quellen das ganze deutlich langsamer zubereiten. Wenn man in einem Restaurant in zwei Stunden fünfhundert Omelettes auf short order raushauen muss, ist es sicherlich gut, das ganze wie Monsieur Pepin zu beherrschen. Der Koch zuhause hat eine Minute mehr.

Um genau zu sein bereite ich das Omelette am Anfang genau wie mein Rührei zu: Ei-Mischung mit einem ordentlichen Stück Butter in die Pfanne auf hohe Hitze und dann rühren bis das Ei anfängt anzusetzen. Vom Feuer, immer rühren, aufs Feuer .. Usw, bis ein feinkörniges Rührei entstanden ist. Dann lasse ich das ganze kurz setzen, löse die Ränder und falte es hinten ein (Das wäre der Punkt, an dem man das Omelette vom Feuer runter füllen kann – mit den Mengen aber bloß nicht übertreiben). Dann klopfe ich es wie der Großmeister mit gekippter Pfanne zum Rand und falte auch die andere Seite um. Schließlich muss man es nur noch auf den Teller stürzen und ist im Genuss eines der großartigsten ‚einfachen‘ Gerichte dieser Welt.

Das ganze braucht ein bisschen Übung und Widmung. Ich fand die Reise aber ausgesprochen spannend und die Ergebnisse den Aufwand mehr als wert.