Hinweise zum Kauf von Messern für Metzgerei und Fischzerlegung

Posted in Scharfe Messer, smile and look alive on 7. April 2015 by Herr Grau

Ich bekomme immer wieder Fragen zu Zerlegemessern, die von meinem Artikel zum Küchenmesserkauf nicht abegedeckt sind. Deshalb hier mal der Versuch einer Antwort auf die meisten dieser Fragen – aus Faulheitsgründen eine direkte Kopie einer meiner Forenbeiträge.

Ich trenne immer zwischen Koch- und Fleischermesser, weil die Anforderungsprofile grundsätzlich gegensätzlich sind. Bei einem Kochmesser suche ich ein härteres, möglichst dünnes Messer mit einem schönen Griff; ich schneide hauptsächlich Gemüse und greife im Zangengriff (Pinch Grip). Beim Zerlegen von Fleisch und Fisch sieht alles ganz anders aus. Die Klingen müssen viel aushalten, weshalb ich einen zähen, nicht besonders harten Edelstahl bevorzuge. Sie sollten deshalb auch nicht dünn sein – bei Fleisch sowieso irrelevant – sondern gerne recht solide. Weiter muss der Griff, der mit der ganzen Faust umschlossen wird, sehr sicher in der Hand liegen und gut abwaschbar sein. Ich bevorzuge daher für dieses Feld Zerlegemesser von Dick, Giesser oder Victorinox. Da diese Messer quasi nichts kosten, kann man sie mit einem sehr aggressiven Stahl auf Gebrauchsschärfe halten und kauft eben neue, wenn sie ausgezehrt sind. Also: Statt neues Messer einen Sieger Longlife oder einen Stahl mit Diamant- oder Saphirzug kaufen und kräftig wetzen.

dickergoNoch ein Spökskes, weil es meinen Punkt schön untermauert:
Warum für Fleischerei – und dazu gehört auch Fischzerlegen – günstige, solide, rostfreie Messer meines Erachtens die richtige Wahl sind, wird hiervon gut illustriert: Einer der besten, wenn nicht der beste „Fish Butcher“ auf der Bildfläche, Justo Thomas von La Bernadin, benutzt rostfreie deutsche Messer. Der Mensch filletiert am Tag 350 bis 500 Kilogramm Fisch. Wenn er im Urlaub ist, müssen drei gut ausgebildete Sous Chefs einspringen, um seine Arbeit zu schaffen. Bourdain schreibt zu seinen Messern in dem fantastischen Kapitel „My Aim Is True„*:

Zu Deutsch:

Unterwegs mit Kymco Zing II und Daelim Daystar Classic

Posted in Getestet, smile and look alive on 4. April 2015 by Herr Grau

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Wenn man ein armer Student ist oder just erst war, sieht man sich selten im Besitz großer Töpfe Gold, die man laut jodelnd Motorzweiradfachverkäufern zwecks Erwerb glänzender neuer Fahrapparate ganz nach Gusto an den Kopf werfen könnte. Für die allermeisten ist das Motorrad nicht primär Mittel zum Zweck Transport, sondern die Antwort auf einen dringenden Ruf nach Freifühlen der alltagsmaledeiten Seele. Oder wie mein Vater sagen würde: Gefährlicher Schwachsinn.

Jetzt sind die Worte Gefahr und Schwachsinn für des Sagenden Mund zwar als Warnung gegen solcherlei Aktivität gedacht, in meinen Ohren entfalten sie jedoch prädikativen Charakter. Große Tasse Spaß, lecker. Ja, nach einer längeren, sehr liebevollen Liason mit einer historischen Zündapp M50 Bergsteiger (Zugelassen: 1967) in meiner Jugend musste jetzt endlich wieder ein Mopped her. Das beherzte Knacken der Sparsau enthüllte hochkantig und für den gedankenlosen Prass gedacht drei Groschen, ein Assortment schöner Laubbaumblätter und eine rostige Fahrradklingel. Positiv gesprochen nahm mir das einen großen Teil der kniffeligen Entscheidungsfindung ab – Hurra!

Eine 125er hat einige Vorteile. Der größte und wichtigste ist: Sie ist günstig. Günstig zu kaufen, zu reparieren und zu versichern, Steuern zahlt man gar keine. Nachteilig sind Saftmangel über das gesamte Drehzahlband und die erdbebenfeste Verachtung jener ganz besonders talentierten Spezies, die glaubt, die Güte eines Motorradfahrers machte sich am Hubraum und nicht an Fahrfähigkeit und Lebenseinstellung fest. Diese Clevernis wollen wir nicht mal mit einer Skalierung der Magnitude meiner aktiven Indifferenz gratifizieren: Die können mich mal lecken wo ich schön bin, ich will Mopped fahren.

Meine Vorstellung von gutem Motorradfahren ist, irgendwo zwischen 80 und 100 eine ausreichend kurvige Landstraße runterzukacheln, rechts und links blühende Felder, die Sonne im Gesicht und das Wildleben in den Zähnen. Ich kann auf Leistung größtenteils gut verzichten – auf passende Bequemlichkeit des Untersatzes aber umso weniger. Dass ich mit meiner rapide auf die erste Midlife Crisis zulaufenden Figur wie Einstellung auf einer 125er Crossmaschine nicht nur milde fehl am Platze wäre, darüber brauchen wir nicht viele Worte verlieren. Der Anforderungskatalog lässt wenig Platz für Fantasie: Ein Cruiser musste her.

Es gibt einige Möglichkeiten, diese Idee zu realisieren. Eine 125er Virago, Intruder oder Shadow wäre beispielsweise möglich, alle drei sind aber erstens recht teuer, da Markenware, und zweitens mit zwei 67ml-Töpfen noch alberner als ein 125er Cruiser sowieso schon ist. Nene, luftgekühlter Einzylinder, alles andere ist Firlefanz. Außerdem immer das Budget oder eben die ernüchtende Abwesenheit desselben im Auge behalten. Der Fokus wird klarer: Es wird wohl eine koreanische Maschine. Hyosung, Kymco und Daelim stehen alle in dem Ruf, grundsolide Brot-und-Butter-Motorräder zu bauen, die günstig zu kaufen und danach nur schwer wieder kaputt zu kriegen sind. Um etwa 3000€ neu und ab 1000€ gebraucht bekommt man alles was man braucht plus eine Menge verchromtes Plastik, auf das ich persönlich gut hätte verzichten können, aber wer will schon mosern.

In meinen Augen sieht die Daelim Daystar sehr ordentlich aus. Es gibt recht viele davon, sodass es kein Problem war, eine besonders katastrophale Baustelle ausfindig zu machen, in die ich dann nach dem posttransaktionalen zweiten Blick mehr Perlen und Geschmeide versenken musste, als jeder vernunftsbegabter Mensch je bereit gewesen wäre. Im Kopf eines guten Freundes spielte sich der genau gleiche Denkprozess ab, nur fanden die an besagtem Kopf montierten Augen die Kymco Zing II gefälliger und er entschied sich für die Neuvariante, wodurch er auf die ganzen wertvollen Erfahrungen verzichten musste, die meinen Charakter derweil stärkten. Ich hatte ausführlich Gelegenheit, beide Maschinen zu bewegen und will mich an einem vergleichenden Bericht der beiden Gehhilfen versuchen.

kymcoTief eingesessen stellt man auf der Daystar erstmal fest, dass das Leben schön ist. Man sitzt äußerst bequem, das Mopped hat einen unwahrscheinlich tiefen Schwerpunkt, was augenblicklich Sicherheit vermittelt. Tatsächlich lässt die Maschine sich mit einer Gutmütigkeit in die Kurven drücken, dass es ein rechtes Fest ist. Die Stiefel nehmen auf Trittbrettern Platz, wo linksseitig vermittels Chopperschaltung in den Gängen gerührt wird. Ich halte das für einen klaren Pluspunkt, Chopperschaltungen sind schlichtweg viel bequemer und entspannter zu bedienen als die klassische Lösung, die einem obenrum das Tretleder ruiniert. Allerdings ist das Bremspedal rechts für meinen Geschmack zu nah, sodass man unergonomisch erst den Fuß darüber heben muss, sollte man sich in der unvorstellbaren Situation befinden, die Bremse mal benutzen zu wollen. Einen weiteren Punkt Abzug gibt es für den manuellen Benzinhahn – das hätte wirklich nicht Not getan. Der Motor dreht willig hoch – ist der Vergaser gut eingestellt und Aeolus einem hold, läuft sie durchaus über 100. Wobei dem Tacho nur so weit zu trauen ist, wie man einen Kühlschrank werfen kann. Wenn man hinter sich einen Sozius in Form einer gut gebauten Frau platziert, stellt man mit Erstaunen fest, dass die Kraft weiter reicht als gedacht, denn das Brett macht immer noch erstaunlich Meter. Apropos Sozius.

Wo dieser zumindest bei vertretbarer Figur auf der Daystar eine recht würdige Existenz genießt, gerät das Geschäft des Beifahrens auf der Kymco zu einer Übung in Sachen Demut. Nicht nur ist nämlich das Kissen sehr kurz und dezent nach hinten abschüssig, sodass der Körper einem ständigen Trend talwärts unterliegt, nein, die Fußrasten sind so lächerlich hoch angebracht, dass die achtjährige Tochter meines Kumpels genau perfekt darauf passt. Sollte man aber die Impertinenz besitzen, größer als 1,40m zu sein, hat man alsbald seine Knie unterm Kinn hängen, während man sich panisch an den Fahrer klammert, um nicht spontan nach hinten abzugehen und gleichzeitig versucht, die Schmerzen der völlig verdrehten Hüftgelenke wegzuhassen. Das, liebe Kymco-Ingenieure, kann man so echt nicht machen. Auf dem von Gott vorgesehenen Platz an Gas und Lenkung aber ist die Zing auch durchaus bequem, wobei man mit normalen Fußrasten und Schaltung vorlieb nehmen muss. Der Schwerpunkt des Hobels ist merklich höher, weshalb sie sich zwar agiler, aber auch etwas hibbeliger fährt. Bleibt aber völlig im Rahmen, auch die Kymco lässt sich da platzieren, wo man sie haben will. Der Motor der Maschine macht Anfangs mehr Dampf als das Konkurrenzaggregat, hat aber bei höheren Geschwindigkeiten und Zuladungen fühlbar weniger Druck, was sich gerade bei Steigungen als deutlich weniger Höchstgeschwindigkeit Gehör verschafft. Die Daelim zieht mich ohne Mucken die Berge hoch, die Kymco kämpft, während sich hinter einem die Autos sammeln. Dafür klingt die Kymco besser, zumindest untenrum – bei höheren Drehzahlen klingen beide Maschinen unüberhörbar nach Rasenmäher. Liegt fraglos in der Natur der Sache, dem kann auch der cleverste Ingenieur nicht beikommen.

Die Kymco wird immer noch mit Vergaser gebaut, die Daystar hat seit einigen Jahren Einspritzung. Ich habe eine alte Maschine mit Vergaser gekauft, weil Reparaturen daran deutlich günstiger sind. Ist das Steuergerät einmal kaputt, muss man es austauschen, und das kommt auf über 400€ aus, weiterhin gibt es keinen Kickstarter für den unglücklichen Fall einer toten Batterie mehr – ich war in der Situation schon mal und war ewig dankbar für den Kicker. Dafür gibt es mit Einspritzung weder Kaltstartmucken noch die nagende Frage, ob der Vergaser richtig eingestellt ist und das Mopped nicht eigentlich noch besser laufen könnte. Was man da bevorzugt, ist eine Frage des persönlichen Geschmacks.

Zusammenfassend fühlen sich beide Räder erstaunlich wertig an, sind bequem und machen den Job des Cruisers insgesamt absolut zufriedenstellend. Beide machen glücklich. Auf Grund des kräftigeren Motors, der Chopperschaltung und der Soziustauglichkeit würde ich mich aber wieder für die Daystar entscheiden – auch, weil sie in meinen Augen immer noch besser aussieht.

Geld gegen Essen – Bun Bites Beef (Münster)

Posted in Geld gegen Essen - Restaurantnörgeleien on 16. März 2015 by Herr Grau

BBBmsWer würde nicht ein paar Euro mehr ausgeben, um den Sprung vom Fast-Food-Burger zum liebevoll handgemachten Burger aus regionalen Zutaten zu machen? Gutes Fleisch, Galloway-Rind optional, lokales Gemüse, münsteraner Bäcker, die meisten Saucen im Haus gemacht? Hör mal! Bei so einer Einleitung, was soll schon schief gehen? Wer dieses Blog liest, weiß, dass diesem Satz zuverlässig Katastrophen folgen.

Wir waren mit sechs Leuten in der relativ frisch in Münster etablierten Burgerschmiede. Reservierung ist unverzichtbar, wie auch das erste Projekt der Besitzer, Teilchen & Beschleuniger, ist der Laden zu allen brauchbaren Zeiten mit jungen Leuten überfüllt, die mit „hip“ sehr wohlwollend umschrieben sind. Macht ja nichts, ich bin alt und verbittert, das kennen wir schon. Um diese lohnende Demographie anzusprechen, braucht es fraglos ein besonderes Händchen, besonders bezüglich der Erwirkung von Atmosphäre durch Dekoration. Im Fall des Bun Bites Beef heißt das weitgehender Verzicht auf Innenausbau, wie Kollege bic_mac trocken bemerkte. Ja, man starrt auf unverputzte Wände und unverkleidete Verrohrung, das ganze wird dann mit leicht abgerocktem Holz und bauhausigem Glas ausstaffiert. Geschmacksverirrte Justadolszente mögen das für fantastischen postmodernen Architekturstrich halten, ich nehme das Gesamtwerk als notwendiges Übel hin und hoffe, dass die Einsparungen an der Verstuckung an den Kunden weitergegeben werden. Ich muss da ja nicht wohnen. Solange der Rest stimmt, soll mir das reichlich wurscht sein.

Und da hapert es dann leider doch. Zwar sind die Burger gut durchdacht und gemacht, die einzigen Kritikpunkte sind, dass sie einen Tick zu klein sind und dass die Kellnerin zwar fragt, ob man seinen Patty medium oder well done haben will, die Antwort aber keinen Unterschied macht – in keinem der vier medium georderten Burger war auch nur ein Deut Rosa zu sehen. Die Fritten sind aber leider ein Totalausfall. Sie sehen sehr appetitlich aus, dunkelröstbraun, aber da hört es leider auch schon auf. Sie sind kein bisschen kross, sondern völlig labberig – was alleine schon eine ausreichende Totsünde ist – und auch noch völlig übersalzen. Ich bin ein erklärter Fan des Natriumchlorids, aber das war unvertretbar. Noch übler als die normalen Fritten waren die Süßkartoffelfritten versalzen, sie qualifizierten sich als schlicht unessbar.

Der Service, soviel kann man berichten, ist nett und zügig. Auch muss man sowohl Servierkraft als auch Küche das Kompliment machen, dass die deutlich verspätete letzte Teilnehmerin sowas von zackzack ihren Burger bekam, dass man dafür Extrapunkte vergeben muss. Allerdings wurde so gut wie nicht auf unsere Kritik eingegangen und für die drei vollständig liegen gebliebenen Süßkartoffelfritten-Portionen nicht angeboten, dass sie nicht bezahlt werden mussten. Bitter, da gehen sie wieder hin, die Punkte.

Unterm Strich stimmen zwar viele Sachen im Bun Bites Beef, der gewaltige Fehltritt mit den Fritten hat dem Essen aber leider seinen Stempel aufgedrückt. Ich habe inzwischen auch mit Bekannten gesprochen, die an einem anderen Tag da waren und genau die gleiche Erfahrung gemacht haben. Ich möchte das Bun Bites Beef mögen, wirklich, es macht mit seinem regionalen Ansatz und seiner In-House-Herstellung vieles genau richtig. Es ist sympathisch, weil es aus der Münsteraner Gemeinschaft heraus gewachsen ist. Aber wenn man nur Burger und Fritten macht, dann sollte man verdammtnochmal sicher stellen, dass beides sehr gut ist. Fritten gehören außen kross und innen fluffig. Punkt. Zu wenig Salz ist nicht gut, aber dreitausend mal besser als zu viel. Ausrufeschiffshorn. Wer nicht weiß, wie man Fritten richtig macht, der hat es doch nach einer Minute im Internet herausgefunden: Die richtige Kartoffel schneiden, halbe Stunde wässern und zweimal bei 130-140° und 170-180° frittieren. Wie schwer ist das denn bitte! Gottnocheins. Ne, ich bin regelrecht sauer. Ich wollte sie doch mögen…

Wertung:
Essen: Burger 8 /10, Fritten -13 / 10
Service: 8 /10
Sauberkeit: 9 /10
Preisgestaltung: 8 /10
Ambiente: 4 /10

Gesamtergebnis: 2,4 von 5 Vanilleeiskugeln mit Senf und Gürkchen

Bun Bites Beef
Wolbecker Straße 50
48155 Münster
Telefon: 0162-5128161

Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 12 – 24Uhr

Messerreview: Masamoto HC Gyuto 21cm

Posted in Scharfe Messer, smile and look alive on 12. März 2015 by Herr Grau

Eine ungeschriebene Regel der Kaufberatung besagt, möglichst nur Empfehlungen zu Messern abzugeben, die man selber kennt, daher haben wir beschlossen, in unregelmäßigen Abständen untereinander Kochmesser zu verleihen, um nicht jedes Messer von Interesse kaufen zu müssen. Wie hier angekündigt, gibt es fünf Meinungen zu einem Messer, von Amateuren als auch von Profiköchen.IMAG0455IMAG0457

Das erste Messer, das ich im Rahmen dieses Messerzirkels reviewt habe, ist eines, das ich mit großer Ungeduld erwartet habe: Das Masamoto HC ist das hochwertigste Messer im westlichen Stil, das der Traditionshersteller in Carbonstahl anbietet. Masamoto hat den Ruf, exzellent ausbalancierte Messer ohne spezifische Schwächen herzustellen; andererseits hatte die Firma zeitweise Probleme mit der Qualität des Finishs. Es ist also höchst spannend, wie dieses Messer sich in der Praxis zeigt.

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Review aus 5 Blickwinkeln: Misono UX10 24cm Gyuto

Posted in Scharfe Messer, smile and look alive on 11. März 2015 by Herr Grau

Eine ungeschriebene Regel der Kaufberatung besagt, möglichst nur Empfehlungen zu Messern abzugeben, die man selber kennt, daher haben wir beschlossen, in unregelmäßigen Abständen untereinander Kochmesser zu verleihen, um nicht jedes Messer von Interesse kaufen zu müssen. Wie hier angekündigt, gibt es fünf Meinungen zu einem Messer, von Amateuren als auch von Profiköchen.

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Das UX10 war lange Zeit ein mythisches Tier, das nie jemand in deutschen Landen auch nur zu Gesicht bekommen hatte. Aber: The times, they are a-changing. Hiroshi Horie vom japan-messer-shop hat das Messer inzwischen im Sortiment, das die oberste Kategorie in Misonos Sortiment bildet. Und glücklicherweise hat einer unserer sympathischen Wahnsinnigen ihn auch mit sehr viel Geld beworfen um sich in den Besitz eines solchen Messers zu setzen, sodass ich es jetzt ausgiebig auf der Hausstrecke testfahren konnte. Ich war sehr interessiert, wieviel Gegenwert das Einhorn für seinen doch recht ausartenden Preis (240€ für ein 21cm Gyuto, 285€ für das hier getestete 24cm-Messer) bietet. Zeit zum Anblasen.

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Review aus 5 Blickwinkeln: Tadafusa Santoku 165mm

Posted in Scharfe Messer, smile and look alive on 9. März 2015 by Herr Grau

Eine ungeschriebene Regel der Kaufberatung besagt, möglichst nur Empfehlungen zu Messern abzugeben, die man selber kennt, daher haben wir beschlossen, in unregelmäßigen Abständen untereinander Kochmesser zu verleihen, um nicht jedes Messer von Interesse kaufen zu müssen. Wie hier angekündigt, gibt es fünf Meinungen zu einem Messer, von Amateuren als auch von Profiköchen.

IMAG1086Ich mochte Tadafusa nie. Ich finde zur Show aufgebrachte Hammerschlagoptik nicht begeisternd und auch Holzzwingen chronisch hässlich. Von den Klingen hatte ich aber viel Gutes gehört. Jetzt musste ich mir die Frage gefallen lassen, ob ich das Messer weiter furchtbar finden durfte oder dieser Tage an mit gespaltenem Herzen würde leben müssen.
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Review aus 5 Blickwinkeln: Herder 1922 Kochmesser 23cm

Posted in Scharfe Messer on 5. März 2015 by Herr Grau

Eine ungeschriebene Regel der Kaufberatung besagt, möglichst nur Empfehlungen zu Messern abzugeben, die man selber kennt, daher haben wir beschlossen, in unregelmäßigen Abständen untereinander Kochmesser zu verleihen, um nicht jedes Messer von Interesse kaufen zu müssen. Wie hier angekündigt, gibt es fünf Meinungen zu einem Messer, von Amateuren als auch von Profiköchen.

IMAG1106Das Herder 1922 ist meine persönliche Referenz für europäische Kochmesser abseits der erlauchten Kreise der Messermacher. Und das ist es schon ziemlich lange, denn in unserem Haushalt gibt es seit über fünf Jahren eines. Es ist damit das einzige Messer in diesem Messerzirkel, das ich wirklich umfassend in der Tiefe kenne. Es ist interessant, inwiefern sich meine Erfahrungen mit den Eindrücken der anderen Tester decken und wie nah mein heutiges Fazit an meinem Review von vor fünf Jahren liegt.

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Reviews aus fünf Blickwinkeln: Ein Küchenmesserzirkel für alle

Posted in German Heaven, Scharfe Messer, smile and look alive on 4. März 2015 by Herr Grau

Es gibt ein großes Problem mit Empfehlungen und Beratungen beim Messerkauf: Die meisten Beratenden kennen nur eine Handvoll der Messer, die es zu kaufen gibt, tatsächlich selbst. Der Rest wird aus Quellen unterschiedlicher Glaubwürdigkeit zusammengestrickt, was mit „fehleranfällig“ sehr wohlwollend umschrieben ist. Der Markt ist groß – ein Mensch alleine kann unmöglich jedes Messer kaufen, nur um sich eine Meinung zu bilden. Mich störte das seit langem.

Havel

Die Havel

Wenn einen etwas stört, dann sollte man sich mit harten Getreidebränden befüllen, unüberlegte Großinvestitionen beschließen und eine plötzliche Leidenschaft für die Havel entwickeln. Oder – man ändert etwas.

Ich, also, beschloss in meinem jugendlichen Übermut, dass dem Problem beigekommen werden müsse. Die einzige Möglichkeit, die mir einfiel, war, mir andere Messerverrückte zu suchen und mit diesen die vorhandenen Küchenmesser durchzutauschen. Dieses halbjährige Unternehmen mit großem Lerngewinn ist nun zuende und damit die Öffentlichkeit – Sie also, werter Leser – auch etwas davon hat, haben wir alle unsere Eindrücke niedergeschrieben, die ich hier großzügigerweise veröffentlichen darf. In den nächsten Tagen werde ich die Reviews nach und nach aufarbeiten.
Wohl bekomm’s.

Anleitung zur Seifensiederei & Rezepte für Olivenölseife mit Lavendel, Alepposeife und Schmalz-Shea-Seife

Posted in Angewandte Wissenschaft, smile and look alive on 3. März 2015 by Herr Grau

Ich will schon seit ziemlich langer Zeit Seife sieden. Irgendwann haben wir mal im Biologie-Unterricht selber ein bisschen Seife gemacht, diese war aber – auf Grund der Unkenntnis des Lehrers über die chemische Reaktion hinaus, sprich: wie man das tatsächlich im Detail macht – ziemlicher gekörnter Quark. Seitdem hatte ich mir fest vorgenommen, es richtig zu lernen und besser zu machen. Das müsste jetzt gerade mal elf Jahre her sein. Vor dem Hintergrund erscheint das letzte halbe Jahr, in dem ich das Ganze trotz vorhandenem Wissen, Rohstoff und Instrumentarium vor mir hergeschoben habe, fast verschwindend gering.

Nein, dieses ist nicht eine Sache, bei der man sich furchtbar reich spart. Die Industrie kriegt die Rohstoffe in großen Mengen so unendlich viel billiger, dass man den Preis einer Supermarktseife nie unterschreiten wird. Dafür kann man aber die Inhaltsstoffe selbst kontrollieren. Keine Fette aus fragwürdiger Gewinnung, keine Allergene, keine überflüssigen Chemikalien – das freut den Regenwald, Rudi Völler und das Bundesverfassungsgericht.

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Und wenn man das Fabrikationsniveau betrachtet, wird es doch wieder lohnend. Denn eine handwerklich hergestellte Seife aus kontrollierten Zutaten kann gerne mal 5€ und aufwärts pro 100g kosten. Quer übers Feld gepeilt kostet eine reine Olivenölseife selbstgemacht pro Kilo etwa 5€, eine Alepposeife auf Grund des teuren Lorbeeröls 12€, was in Anbetracht der gerade genannten Preise geradezu nachgeworfen scheint – wie immer darf man nur die eigene Arbeit nicht rechnen…

Die Arbeit ist in diesem Fall überraschenderweise aber geradezu überschaubar. Ich beschreibe im Folgenden den Standardarbeitsablauf für das s.g. Kaltverfahren, das eigentlich für jeden halbwegs lernfähigen Menschen zu stemmen ist. Es gibt natürlich noch viele andere Möglichkeiten, dieses ist aber das Grundhandwerkszeug und für viele Seifensieder stellt sich danach nie wieder die Frage nach etwas anderem. Weiter will ich ein paar Bezugsquellen nennen, damit nicht jeder die selbe beschwerliche Suche hinter sich bringen muss wie ich.

Wir brauchen:
– Eine Schüssel aus Plastik oder einen Topf aus Edelstahl oder emailliertem Blech (kein Aluminium! Emaillierte Töpfe dürfen keine Schäden haben!) mindestens der doppelten Größe der gewünschten Seifenmenge
– Eine zweite Schüssel aus Plastik oder ein Becherglas mindestens der dreifachen Größe der nötigen Laugenmenge
– Eine grammgenaue Waage
– Einen alten Pürierstab, bevorzugt nicht billigster Qualität, denn er muss längere Arbeitsintervalle aushalten (Ebay Kleinanzeigen). Alternativ eine Bohrmaschine mit Rühraufsatz
– Ätznatron (Natriumhydroxyd, NaOH) (Günstigste Bezugsquelle hier)
– Schutzhandschuhe. Dabei tun es solche aus dem Laborzubehör aus Vinyl oder Nitril genauso wie Spülhandschuhe auch
– Schutzbrille aus Plastik. Gibt es inzwischen auch fast überall
– Destilliertes Wasser (Nur wirklich nötig in Regionen mit sehr hartem Wasser. Gibt es in jedem Supermarkt.)
– Fette und Öle nach Rezept (Bezugsquelle: Entweder der lokale Einzelhandel, wobei Discounterqualität für die Seifenherstellung natürlich völlig reicht. Wilderes Zeug gibt es hier so günstig, wie ich es sonst nirgendwo finden kann.)
– Seifenform. Darüber gibt es ganze Seiten mit Vorschlägen. Es geht quasi alles, was man mit Frischhaltefolie ausschlagen kann, oder was von sich aus Plastik ist

Das Zusammensammeln dieser Dinge ist die eine große Hürde. Wenn man das Zeug aber einmal beisammen hat, kann man fröhlich vor sich hin seifen, da die meisten Dinge keine Verschleißartikel sind. Töpfe, Schüsseln und Pürierstab sollten natürlich tunlichst nie wieder mit Speisen in Berührung kommen, nachdem sie zu chemischem Spielzeug umgeeignet wurden.

Knackpunkt der zweite ist, dass man mit Ätznatron ziemlich hochprozentige (etwa 30%ig) Natronlauge herstellen und damit hantieren muss. In bester Tradition dieses Blogs, in dem ich ja gerne auch mal die Arbeit mit den höheren Spannungen in Röhrenverstärkern empfohlen habe, ist das nicht ungefährlich, weshalb gehobene Vorsicht angebracht ist. Laugenverätzungen sind überhaupt nicht witzig, im Gegensatz zu Säuren lösen sie das Gewebe nämlich auf und dringen weiter in die Tiefe, anstatt eine feste Wunde zu erzeugen. Deshalb hier ein kleiner Verhaltenskodex:
Niemals Wasser in Lauge geben, sondern immer nur Lauge in Wasser. Ansonsten kann die plötzliche Erwärmung des Wassers zu ebenso plötzlicher Verteilung der Lauge im ganzen Raum führen, was nach Expertenmeinungen als nicht schön gilt. Während mit Lauge gearbeitet wird, ist lange Kleidung mit geschlossenen Schuhen sowie Schutzbrille und Handschuhe zu tragen. Davon gibt es keine Ausnahmen und keine dummen Ausreden. Kinder und Haustiere werden aus dem Arbeitsbereich ausgesperrt. Keine freundlichen Bitten, die Tür kommt zu, Ausrufezeichen. Es wird nur mit Plastik und Glas (zur Not Edelstahl) an der Lauge gearbeitet und die fertige Lauge so schnell wie möglich verwendet, denn blödes Herumstehen ist die Mutter des Unfalls. Der Laugenbehälter wird danach sofort mit viel Wasser ausgewaschen, dabei dringend das Spritzen verhindern! Sollte es doch mal zu einer Laugenverätzung kommen, so wird die Wunde mit reichlich fließend Wasser abgespült, also mehrere Minuten. Keine Neutralisierungsversuche mit Essig oder ähnliche Manöver nach Altvattersitte. Danach geht es sofort in die Notaufnahme.
So. Genug der Warnungen – wir sind erwachsene Menschen, wissen unsere Axt zu führen und den Mutigen hilft Gott.

Im Prinzip ist der ganze Zauber reichlich simpel: Erstmal gibt man sein Rezept oder seine Idee in den großartigen Seifenrechner ein und überprüft noch einmal alle Mengen, vor allem die des Ätznatrons. Dabei muss man sich für eine Überfettung entscheiden, wobei 4 bis 10% gängig sind. Ich orientiere mich zwecks Hautpflege in den oberen Bereich zwischen 7 und 10%. In das abgewogene (genauer!) Wasser die abgewogene Menge Ätznatron geben und dies unter vorsichtigem Rühren auslösen. Fette werden erhitzt, bis sie gerade so geschmolzen sind und Öle dann zugegeben. Arbeitet man nur mit Öl, wird dieses auf 30 bis 35°C erwärmt. Danach wird die Lauge zu dem Fett gegeben und die Masse püriert, bis sie sehr zähflüssig ist, etwa so wie sehr dicke Kartoffelsuppe. Diese Masse kommt in die bereitstehende Seifenform und wird mit Handtüchern isoliert. Am nächsten oder übernächsten Tag wird sie mit einer Stahlsaite oder notfalls einem alten Messer geschnitten und die Abschnitte dann vier bis acht Wochen bei Raumtemperatur gereift. In dieser Zeit trocknet die Seife und wird fest, sodass man sie sinnvoll nutzen kann. Außerdem läuft die Verseifung noch erstaunlich lange, sodass frische Seife noch recht scharf ist, da noch unverbrauchtes Ätznatron darin vorhanden ist.

Man kann von diesem Punkt aus jede Menge schöne, erstaunliche und kreative Dinge anstellen – dies ist nur das Grundhandwerkszeug. Im Folgenden gibt es noch meine ersten drei Rezepte und die Bilder von meiner wilden Siederei.

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Olivenölseife mit Lavendel:

Die Seife für den Freund der Provence. Das Öl riecht noch sehr kräftig, der Duft in der fertigen Seife ist fein und passt sehr gut zu dem Geruch klassischer Olivenölseife. Ob der Aufwand im Vergleich zur Parfümierung mit ätherischem Lavendelöl lohnt? Vermutlich nicht. Pro Kilo kann man auch 30g äth. Lavendelöl ansetzen, der Duft wird damit kräftiger ausfallen.

1000g Olivenöl
~50g Lavendelblüten
335g destil. Wasser
122g NaOH für 9% Überfettung

Lavendelblüten vier Wochen lang in einem abgeschlossenen Gefäß in 350g Olivenöl einlegen, danach mit einem Filtertuch abfiltern und Blüten auspressen. Ölmenge wieder auf 350g auffüllen – ein bisschen bleibt immer in den Blüten und den Tüchern. 350g Lavendelöl mit 650g Olivenöl mischen und auf 30 – 35°C erwärmen. Natronlauge zugeben (Zubereitung siehe oben) und pürieren. Reines Olivenöl braucht ganz schön lange, bis der Seifenleim die richtige Konsistenz hat, nicht die Hoffnung sinken lassen .. und nicht den Pürierstab abbrennen lassen. Wenn man will, kann man an diesem Punkt die Blüten wieder dazu geben, was in der fertigen Seife einen schönen Effekt hat. Nach 36 bis 48h schneiden, dann mindestens 8 Wochen reifen.

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Alepposeife:

Ich wollte auf jeden Fall eine klassische Alepposeife machen, weil ich sowohl die Seifen als auch die Tradition dahinter sehr faszinierend finde.Traditionelle Alepposeife hat zwischen 15 und 50% Lorbeeröl-Anteil, wenn ich das richtig verstanden habe. Ich habe mich – nicht zuletzt auf Grund des doch recht saftigen Preises – für 20% entschieden. Selbst wenn der Duft noch mit der Lagerung abnimmt – das ist mehr als genug. Ich werde in Zukunft den Anteil auf jeden Fall auf 15% senken .. der ganze Keller riecht nach Lorbeer.

800g Olivenöl
200g Lorbeeröl
335g destil. Wasser
122g NaOH für 10% Überfettung

Lorbeeröl vorsichtig schmelzen, Olivenöl zugeben, verühren. Dann Natronlauge dazu und kräftig pürieren. Nach 36 bis 48h schneiden, dann mindestens 8 Wochen reifen.

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Schmalz-Shea-Seife:

Diese ist mein Baby ganz allein, eine Seife aus Schmalz mit Sheabutter. Sie orientiert sich nicht wirklich an irgend einem bestehenden Rezept, sondern ist meinsmeinsmeins. Die Seife hat jetzt schon mein Herz gewonnen, sie ist schneeweiß, war innerhalb kürzester Zeit gemacht und riecht kein Stück nach Schwein. Ich werde sie in Zukunft noch oft machen, variieren und weiterentwickeln. Die Sheabutter zur Pflege wird in Zukunft noch um etwas Seide ergänzt, das Rapsöl eventuell komplett rausgenommen und ich werde versuchen, Zitrusdüfte hinein zu kriegen.

550g Schmalz
220g Rapsöl
230g Sheabutter
335g destil. Wasser
122g NaOH für 10% Überfettung

Den Schmalz vorsichtig schmelzen. Nicht zu heiß werden lassen, sonst stinkt alles nach Schwein. In einem seperaten Topf Sheabutter vorsichtig schmelzen. Rapsöl dem Schmalz zugeben und mit Lauge versetzen. Pürieren, bis der Seifenleim dick wird – was innerhalb wengier Sekunden passiert. Sheabutter unterrühren und eventuell noch einmal kurz pürieren, bis die Konsistenz stimmt. (Die spätere Zugabe der Sheabutter ist wahrscheinlich Aberglaube, da die Verseifung lange läuft. Man kann sie auch einfach mit dem Schmalz schmelzen.) Nach 24h schneiden und 4 Wochen reifen.

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Das Gringo-How-To: Wie macht man Sushi-Reis?

Posted in Essen & Trinken, smile and look alive on 19. Februar 2015 by Herr Grau

 

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Ich habe viele Dinge in meinem Leben sicherlich schlicht verpasst. Nicht gemacht, zu spät gesehen, Chancen liegen rechts und links tot des Weges meinem Schritt folgend. Eine dieser Sachen, die ich schlicht nicht getan habe, ist, zehn Jahre als Lehrling in einem Sushi-Restaurant zu arbeiten. Es darf davon ausgegangen werden, dass mir die hohe Schule verschlossen bleibt.

Meiner Erfahrung nach stehe ich damit aber in einer guten Reihe mit fast allen Sushi-Köchen in unserem muckeligen kleinen Deutschenland, das inhaltlich wie geographisch von Japan eine ganze Welt weit entfernt ist. Mit elendig seltenen Ausnahmen sind wir ein Haufen Gringos, die auf eine der formalisiertesten und hochgeschätztesten japanischen Speisen kreischend mit dem Schraubenschlüssel eindreschen – womit sich die Japaner in Anbetracht von Utility-Sushi überall auf der Welt schon vor vielen Jahren anfreunden mussten. So wird es mir wohl keiner Übel nehmen, wenn ich jetzt mit meiner sportlichen 20%-Einsatz-80%-Erfolg-Mentalität mit in den Ring steige und wenigstens versuche, die Ergebnisse der hiesigen besseren Sushi-Restaurants nachzustellen.

Ich habe mehr Recherche in diesen Artikel gesteckt, als es vielleicht scheint. Inzwischen weiß ich über das Thema mehr, als für den Autor einer kompakten Zusammenfassung gut sein mag – man verzeihe mir daher gelegentliche Ausschweifungen. Wer mit den Offerten der Kühltheken hiesiger Supermärkte, Nordsee-Filialen oder China-Buffets zufrieden ist, der möge hier auf dem gespitzten Hacken kehrt machen und beispielsweise ein Handbuch über Asphalt oder eine Biographie von Mireille Mathieu lesen. Wer aber die kleinen japanischen Reishäppchen für einen der größten Genüsse dieser Welt hält, Menschen, die den eingelegten Ingwer auf dem Sushi verteilen, am liebsten vierteilen würde und sich primär deswegen einen Tokyo-Urlaub wünscht, damit er mal in den richtigen Genuss kommen kann, der ist hier goldrichtig und der wird auch Ton und Umfang der Ausführungen nicht tadeln.

Eine Sache stellt sich schnell heraus, wenn man dem Olymp der Sushiköche zuhört: Es geht in erster Linie bei Sushi um eines – den Reis. Jeder weitere Gedanke kommt danach. Deshalb habe ich micht auch bei meinen Bemühungen um gutes Sushi erst einmal um nichts anderes bemüht und bin bestimmt in der praktischen Herstellung noch weit von Perfektion entfernt. Den Reis aber, den habe ich nun endlich ziemlich gut raus. Heißt: So gut, wie ich ihn in Deutschland gegessen habe. Das brauchte zahlreiche völlig misslungene Versuche und einen Abstieg in die Niederungen des kulinarischen Internet am langen Seil mit dem kleinen Karbitlämpchen auf dem Kopf.

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Der Reis.
Entscheidend bei der Zubereitung von gutem Reis ist? Na? Guter Reis. Wahnsinn. Raunen in der Menge. Ja, es klingt bescheuert. Trotzdem kann man nicht genug betonen, dass man sich ohne gutes Ausgangsprodukt die Idee mit dem Sushi wirklich gepflegt an den Hut stecken kann. Das wird nichts. Versprochen. Vor allem, weil schon eine kleine Einführung in das Thema „Sushireis“ zügig seitengreifend ausartet, ist das natürlich leicht gesagt: gut? Wo wächst das denn? In Japan und Californien, wie sich herausstellt. Dabei bekommt der Rest der Welt von den Japanern wenig von ihrem guten Reis ab und wir dürfen uns glücklich schätzen, dass das Klima an der amerikanischen Westküste jenem im Alten Land sehr ähnelt und dort engagierte Produzenten wohnen, die ein exzellentes Korn produzieren. Es bricht sich auf folgendes runter: Ordentlichen Sushi-Reis wird man in den allermeisten Fällen im Internet bestellen und dafür mindestens 5€/kg anlegen müssen. Dabei kommen die Rundkorn-Sorten Akitakomachi und Koshihikari in Frage. Ich habe sehr gute Erfahrungen mit dem Koshihikari von Reishunger gemacht, den ich an dieser Stelle ausdrücklich empfehlen möchte. Die meisten gehobenen Sushi-Restaurants nutzen Koshihikari der Marke Kagayaki.

Reis kochen.
Gott, wie ich mit dem Kochen von Reis auf Kriegsfuß stehe. Ich habe es nicht mit normalem Langkorn, die Hürde beim Sushireis liegt also noch eine Aufzuglänge höher. Ich weiß nicht, wer es genau war, aber ein japanischer Philosoph hat mal gesagt, dass die beste Erfindung der Neuzeit der Reiskocher sei. Nach vielen Versuchen bei fast gleichem Arbeitsablauf muss ich ihm enthusiastisch zustimmen, weshalb ich den Erwerb auch dringend anrate. Ab 15€ ist sowas schon zu haben, warum soll man sich also das Leben zusätzlich schwer machen. Es geht auch im Topf. Klaviersonaten kann man auch auf Keyboard spielen. Sie verstehen.

Pro Person messen wir eine halbe Tasse Reis (=100g) ab. Dieser Reis wird in einen Topf gegeben und der mit kaltem Wasser gefüllt. Der Reis wird von Hand leicht gerieben und durcheinander gewirbelt, bis sich das Wasser trüb gefärbt hat, dann abgegossen. Dieses Procedere wird wiederholt, bis das Wasser fast klar bleibt, vier bis sechs mal ist ein guter Richtwert. Danach wird der Reis in einem Sieb abgegossen und 30 Minuten dort abtropfen gelassen. Sodann will er in unseren Reiskocher (oder Topf…) hinein. Pro Person wird 15ml günstiger Sake zu einer halben Tasse aufgefüllt, also dem gleichen Volumen des Reises, und dazu gegeben. Ebenfalls dazu kommt pro Person ein 5×5 cm großes Stück Kombu, das man in fast jedem Asia-Markt kaufen kann. Dann kommt der Deckel drauf und dann darf alles erst einmal 20 Minuten ohne Hitze quellen. Sodann wird aufgefeuert. Den Reiskocher lässt man einfach seine Nummer durchziehen, bis er ausgeht, im bedeckelten Topf soll das Wasser erst kochen, dann 15 Minuten auf kleinster Flamme ziehen. Wenn das fertig ist – und jetzt aufpassen – Strom aus und 20 Minuten in Ruhe lassen. Während der gesamten Zeit bleibt der Deckel unbedingt geschlossen!

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Reis würzen.
Während der Reis kocht, bereiten wir unser „Sushi-Gewürz“ (Sushi-Su) zu. Dabei handelt es sich um gesüßten und gewürzten Reis-Essig. Dem Drang, fertigen Sushi-Essig zu kaufen, sollte man unbedingt widerstehen. Die Herstellung ist elendig einfach und das Ergebnis viel besser. Die Wahl des Essigs ist sehr einfach: Mizkan. Fertig. Es ist der mit Abstand am meisten verkaufte Reisessig, weshalb er überall zu haben und relativ günstig ist, und wird auch von hochkarätigen Sushi-Köchen verwendet. Reisessig, Zucker und Salz werden im Verhältnis 4 : 2 : 1 gemischt und unter Rühren aufgelöst. Man veranschlagt je nach Geschmack 20 – 30% des rohen Reisgewichts an Sushi-Su, also pro Person (100g roher Reis) 20 bis 30ml. Fertig. Aber es wäre ja nicht Sushi, wenn es nicht noch einen schwierigen Teil geben würde. Der Reis muss nämlich, wenn er fertig gedämpft ist – wir erinnern uns: Die 20 Minuten Ruhe nach dem Kochen – mit diesem Sushi-Gewürz vermischt werden. Dafür hat man idealerweise einen Hangiri, einen Holztrog, aber es geht auch die größte Schüssel im Haus. Ein sehr breiter Holz- oder Plastiklöffel und ein Stück Pappe zum wedeln sind weiterhin unabdingbar. Der Reis wird in die Schüssel gekippt – wer eine Holzschüssel hat, sollte diese vorher mit Wasser befeuchten -, dann wird über dem hin- und hergewedelten Paddel die Würzflüssigkeit möglichst gleichmäßig verteilt. Während nun mit der anderen Hand mit Fächer, Pappe oder einfach Fön kühlende Luft eingebracht wird, wird mit einer wedelnden Seitwärtsbewegung der Reis geöffnet und verteilt, bis er die gesamte Flüssigkeit aufgenommen und sich auf Körpertemperatur abgekühlt hat. Diesen Teil kann man sich am besten in einem Video anschauen, da er schwer zu vermitteln ist. Ein gutes Video ist bspw. dieses. Danach wird die Schale mit einem feuchten, warmen Tuch abgedeckt. Fertig, Sushi-Reis. Der Reis sollte leicht kleben (weshalb feuchte Hände bei der Verarbeitung dringend anzuraten sind), aber nicht pappen. Die Körner sollten luftig zusammenhalten und in der Mitte noch einen gewissen Biss haben. Sie sollten weder zu süß noch zu sauer schmecken. Ich vermute, jeder wird ein paar Versuche brauchen – hoffentlich ist diese Anleitung aber geeignet, die Misserfolge auf ein Minimum zu reduzieren. Viel Erfolg!

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