Kurzreview: Makeso Santoku

Posted in Scharfe Messer on 10. Mai 2014 by Herr Grau

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Makeso ist ein solinger Haushaltswarenhandel, der Name steht für Martin Keller Solingen. Herr Keller lässt unter anderem einige Messer in Solingen für sich fertigen und verkauft diese zu sehr günstigen Preisen. Das hier besprochene Santoku läuft leider aus, da es sich nicht so blendend verkauft, es gibt aber noch ein paar in der Bucht zu kaufen. Ich gehe davon aus, dass ein paar Reviews im Netz dieses Problem hätten lösen könnten – das Messer ist nämlich in Ordnung.
Es gibt zwei Varianten des Santokus: Mit Pflaumenholzgriff (26€) und Olivenholzgriff (30€). Da meines ein Geschenk an einen guten Freund ist, habe ich zu der teureren Variante mit Olivenholz gegriffen, die jetzt völlig ausverkauft ist.

Der Griff ist aus für den Preis sehr schön gemasertem Holz und sehr ordentlich verarbeitet, da können sich deutlich teurere Messer noch eine Scheibe von abschneiden. Es gibt lediglich einen kleinen Spalt hinten unten, der aber auch nicht tief geht. Das Messer liegt gut in der Hand, der Griff ist sinnvoll dimensioniert. Das Messer ist minimal grifflastig mit Balancepunkt bei der ersten Griffniete. makesogriffmakesogriff3makesogriff2

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Die Klinge aus solinger Standardstahl (vermutlich X45CrMoV15) ist dünngezogen, aber nicht ideal. So ist sie im hinteren Bereich nagelgängig, im vorderen Drittel aber nicht mehr, weil der Bauch der Klinge offenbar nicht berücksichtigt wurde. Ansonsten ist sie aber gleichmäßig geschliffen und nicht verzogen. Die Auslieferungsschärfe ist im hinteren Klingenbereich in Ordnung, vorne ließ sie stark zu wünschen übrig. Der Rücken ist nicht gebrochen, was aber schnell auf dem 1000er Stein machbar ist.

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Fazit: Nach einem ausgiebigen Neuschliff auf dem Stein ist das Makeso Santoku ein ordentliches Messer. Mit dem Dünnschliff des Herder-Santokus kann sich das Makeso definitiv nicht messen, dafür hat es einen deutlich besseren Griff. Schade, dass man für das Privileg eines Griffes dieser Machart und Qualität bei Herder das vierfache bezahlen muss (Lignum Santoku). Insgesamt kann man das Makeso für die empfehlen, die sehr günstig an ein ordentliches Messer kommen wollen. Ein ausgiebiger Neuschliff ist aber nötig. Ich würde empfehlen, das Messer direkt an Jürgen Schanz schicken zu lassen und es dort nachdünnen und neu schleifen zu lassen, was zwar den Preis um etwa 20€ erhöht, dafür hat man dann ein wirklich sehr gutes Messer, mit dem man lange glücklich sein kann.

 

Günstiger Messerkoffer

Posted in Angewandte Wissenschaft, Probleme des Lebens, Scharfe Messer, smile and look alive on 8. Mai 2014 by Herr Grau

Es gibt einige Probleme, die einfach nicht verschwinden. Seit Jahren packe ich jedes mal, wenn ich meine Messer irgendwo mit hinschleppe, meine Messer einzeln ein und packe sie dann in eine Stofftasche. Im Angesicht meines bevorstehenden Umzugs fiel jetzt zwecks vorausschauender Schadensminimierung endlich die Entscheidung, dass ein Messerkoffer her musste. Es stellte sich ziemlich umgehend heraus, dass ich nicht reich bin und daher mundgezimmerte Köfferchen aus bei Vollmond von blinden Jungfrauen gegerbtem Dodo-Leder nicht so richtig drin waren. Das ganze muss doch auch günstig gehen. Nach langer Suche stieß ich endlich auf den perfekt dimensionierten und gleichzeitig bezahlbaren Alukoffer: Diesen Notebook-Koffer von Conrad für 29,99€ plus Schaumstoffmatte für 8,49€. Ein bisschen Arbeit und Liebe später – man muss den Notebookfirlefanz rausschneiden und den Schaumstoff zurichten – hat man einen Messerkoffer, in den sogar mein Lachsmesser (31cm) von der Länge und mein großes Gyuto von der Tiefe her hinein passt, aber dabei immer noch sehr flach und stabil ist. Und wenn man nicht so schlaftrunken ist wie ich und erst mal den halben Schaumstoff zerstört, bis man raus hat, wie man ihn am besten bearbeitet, kann man das ganze innen bestimmt auch richtig schön haben.

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Game of Kings – Haus Hüerländer (Münster)

Posted in Game Of Kings, Getestet on 17. April 2014 by bic_mac

Es ist an der Zeit, diese Kategorie mit Leben zu füllen. Den Anfang macht hierbei des Autors Hausbahn.

Lage & Ausstattung:

Unweit der Abfahrt „Münster Nord“ der Bundesautobahn 1 gelegen, beeindruckt das Gehöft Hüerländer mit unvermuteter Ruhe und ländlichem Idyll. Die von steter Urbanisierung gepeinigten Augen haben zunächst Mühe, das gebotene adäquat zu verarbeiten: ein altes, urwestfälisches Fachwerkgehöft, natürlich stilecht um die 90er Jahre mit einem schmucklosen roten Klinkerbau erweitert, ist das Heim des Geschlechts der Hüerländer. Die eigentliche Minigolfbahn ist nur eine von mehreren Attraktionen. Steuerbordseits der Bahn schließt sich ein Rehgehege und ein Ziegenstreichelzoo an – welch cleverer Schachzug, um die Kinder frohlocken zu lassen und die Erwachsenen zum Besuch der angeschlossenen Gastronomie zu bewegen. Des Weiteren vermag man überschüssige Kleinstlebewesen auf einem Spielplatz oder an einer Koppel zu verklappen.

Die Bahn:

Der Zeugwart der Anlage, welcher in einer Blockhütte nebenan harrt, weist stets bei Materialausgabe darauf hin, dass das Betreten der Spielflächen unter Strafe steht. Durch seinen unmittelbaren Blick auf das gesamte Geschehen scheint dies die einzige Anlage zu sein, bei der diese Regel tatsächlich von jedem Spieler eingehalten wird. Welch Glück dies ist, wird bereits beim ersten Abschlag deutlich: jede der 18 Bahnen ist beinahe perfekt austariert, grobe Beschädigungen der Spielflächen sind nicht zu beobachten. Der Schwierigkeitsgrad bewegt sich zwischen Arcade und Medium. Als Besonderheit seien das 9. und 18. Loch hervorzuheben: Für diese wird ein eigener Ball mit erhöhter Prallkraft gereicht. Bei unvorbereiteten Spielern kann dies zu humoristischen Spielzügen führen. Auch noch wichtig: Schreibpult mit Aschenbecher an jedem Abschlag sowie reichlich Sitzgelegenheiten, falls Wartezeiten entstehen. Ein besonderer Clou ist dem Landschaftsgestalter bei den Löchern 8-10 gelungen. Diese sind durch dichtes Buschwerk und einem Bachlauf mit Brücke vom Rest der Anlage abgegrenzt, was erheblich dazu beiträgt, dass man sich bald nicht mehr in der Zivilisation, sondern eher auf einer Expedition befindet.

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Greenfee:

Die Preisgestaltung ist sehr fair gehalten. Eine Runde kostet 1.50 €, inklusive Schläger, Ball, Prallball und Schreibzeug. Die Flasche Pils kostet selbiges Entgelt, ein Pfand wird nicht verlangt. Parken ist selbstverständlich kostenfrei, Futter für die Rehe kostet 50 Cent.

Gesamturteil: 9 von 10 Punkten

Sehr gut gepflegte Anlage mit attraktivem Preis-Leistungs-Verhältnis und sehr gut lallbarem Namen. Bei gutem Ausflugswetter und besonders am Wochenende jedoch hohes Spieleraufkommen und viele kleinere Kinder. Muss man mit um können.

 

Haus Hüerländer
Twerenfeldweg 4
48161 Münster

Braufactum Palor

Posted in ... weiter nichts als Bier on 31. März 2014 by Herr Grau

IMAG1271Geschmack: 6,5 Punkte
Der Schaum ist schnell Geschichte. Blume mit kräftigem, sehr süßem Holunder und einer leichten Pfefferigkeit. Antrunk mit einer dezenten Süße und mittelfeiner Kohlensäure und dann mit etwas Verzögerung einem sehr kräftigen Hopfen, der sich lang auszieht und gegen Ende eine etwas unangenehm schmeckende bittere Note mitträgt.

Preis: 1 Punkt
Brauchen wir nicht mehr drüber reden…

Flasche: 8 Punkte
Es gilt das gleiche, wie für die anderen Braufactum-Biere. Gelungen.

Gesamt: 6 Punkte
Das Bier wird als „besonders gehopfter“ Vertreter seiner Zunft beworben – als ob man das bei einem Pale Ale wirklich noch bräuchte. Die den Hopfen wenigstens nicht völlig alleine stehen lassende leichte Süße ist das einzige, das das Bier rettet. Man kann es schon trinken, aber ich muss es sicher nicht noch mal haben.

C.& A. Veltins Grevensteiner

Posted in ... weiter nichts als Bier on 27. März 2014 by Herr Grau

27032014111Jetzt will uns Veltins beweisen, dass sie auch traditionsorientiert, premium und vor allem naturtrübes Landbier können und verweisen armwedelnd auf die Firmengeschichte und alte Geheimrezepte. Ich bin ein großer Freund naturtrüber Biere, die Flasche sieht herzzerreißend aus – ja, ja natürlich kaufe ich eins!

Art: Naturtrübes Landbier, 5,2Vol%

Geschmack: 6 Punkte
Blume hefig, etwas flach. Anrunk mit einer sehr präsenten Kohlensäure, die erst eine Hefenote und dann eine relativ deutliche Herbe mitbringt. Insgesamt bleibt der Geschmack allerdings merklich flach, bringt ein flaues Mundgefühl mit und endet vor allem in einer etwas unangenehmen Hopfennote. Insgesamt eine zu stark aufbrausende Kohlensäure und danach einfach zu unspektakulär und in dem zu flachen Profil ein nicht gut balancierter Hopfen. Hmpf.

Flasche: 10 Punkte
Eine 0,5L-Granate mit einem wirklich fantastischen Artwork. Schlicht aber traditionell, ein Apex postmodernen Bierdesigns.

Preis: 4 Punkte
Mit einem 16er-Kistenpreis von 13€ (danke an den Kollegen für die Nachrecherche) ist es ein recht teures Bier und versucht offensichtlich, das gerade erst von der Radeberger-Gruppe aufgestoßene Premium-Segment von unten etwas zugänglicher zu machen. Trotzdem sehr viel Geld für ein ganz besonders extradurchschnittliches Bier.

Gesamt: 6,5 Punkte
Nein, es ist nicht schlecht. Aber gut ist es leider auch wirklich nicht – und viel zu teuer. Das einzig Herausragende an diesem Bier ist fraglos die Flasche.

Gnocchi con Cuore & Tatare de cœur de bœuf

Posted in Essen & Trinken on 15. März 2014 by Herr Grau

Ich wollte diesen Artikel eigentlich damit eröffnen, wie lange ich schon wieder nicht mehr darüber genörgelt habe, dass deutlich zu wenig Innereien gegessen werden. Probieren wir es mal anders: Was tun, wenn man Lust auf richtig lecker Fleisch hat aber der Geldbeutel sich feucht und klamm anfühlt? Wie wäre es mit einem zarten und geschmackvollen Muskelfleisch, das für 3,99€ das Kilo zu haben ist?

Herz. „Die Essenz des Biestes“, um mit Fergus Henderson zu sprechen. Erstaunlich günstig und wahnsinnig lecker. Das Herz besteht zu größten Teilen aus Muskulatur und ist damit eigentlich dem klassischen Muskelfleisch näher als den anderen Organen. Während die kleinen Herzen von Geflügel noch etwas nach Innereien schmecken, finde ich diese Note in den Herzen von Schwein und Rind kaum noch – es dominiert vielmehr eine dunkle Steakigkeit (jap.), die Textur ist zart, aber fester, als man das vom restlichen Muskelfleisch gewohnt ist. Es ist nicht das gleiche, das will ich gar nicht verkaufen, wofür auch – es ist etwas besonderes und ich finde es fantastisch. Zumindest versuchen sollte man es, das Herz ist sicherlich der einfachste Zugang zu den Wundern, die man mit Innereien noch erleben kann. Ich habe heute zwei Gerichte in Petto, die beide ziemlich schnell gehen und damit auch für den gestressten Menschen von Welt problemlos zu stemmen sind. Den Anfang machen die Gnocchi.

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Herzen brauchen natürlich etwas Liebe. Man nimmt sich also sein Pariermesser zur Hand und entfernt alles, was nach Sehnen oder Bindegewebe aussieht. Dann wird das Fleisch (ich habe das Gericht sowohl mit Herzen vom Schwein als auch vom Rind probiert, beides schmeckt klasse – etwa 150g pro Person) in Streifen geschnitten, wie man sie auch in einem Geschnetzelten finden würde und scharf in etwas Olivenöl angebraten. Hitze runterdrehen und p.P. eine halbe gehackte Zwiebel – in meinem Fall eine Schalotte – dazu geben und glasig dünsten. Hitze wieder aufdrehen und mit einem Schuss Rotwein ablöschen. Auf ein Drittel reduzieren, Schuss (ca. 75ml p.P.) Sahne und einen deutlich kleineren Schuss (~3EL) Tomatenpüree dazu geben. Ich habe noch einen halben TL Demiglace untergezogen, ein guter Ersatz wäre ein bisschen Fond – beides ist aber optional, das Fleisch bringt auch von sich aus kräftig Geschmack für die Sauce mit. Etwas gehackten Rosmarin und Thymian dazu geben. Reduzieren lassen. Wenn es in die Bereiche der gewünschten Sämigkeit kommt, Gnocchi ins kochende und gesalzene Pastawasser geben. Wenn sie oben schwimmen, mit etwas Pastawasser in die Pfanne geben. Salzen, pfeffern, Petersilie dazu und schwenken. Abschmecken. Dieses Gericht war so lecker, dass ich es drei mal nacheinander gemacht habe. Ich musste zwischendurch sogar losfahren und neues Fleisch kaufen…

Die letzten hundertundeinbisschen Gramm Rinderherz habe ich dann als Tatare zu Abend gegessen. Einfach wie hier beschrieben zubereitet – vom Geschmack her kaum anders als ein kräftiges Fleisch aus dem Roastbeef, aber von der Textur ein bisschen anders. Wird ebenfalls auf jeden Fall wiederholt.

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Framoise Boon Himbeerbier

Posted in ... weiter nichts als Bier on 13. März 2014 by Herr Grau

boonArt: Lambisches Bier mit echten Himbeeren, 5,5% Alkohol

Geschmack: Ein deutliches, reifes und sehr dunkles Himbeeraroma und die tiefrote Farbe lassen Assoziationen aufkommen und verheißen, dass man gleich einen Mund voll Himbeeren haben wird. Und tatsächlich will man das im ersten Moment des Antrunkes glauben: Wenig eher mittelgrobe Kohlensäure begleitet den Anfang einer Geschmacksentfaltung wie beim Biss in Himbeeren – nur, um dann jede Süße vermissen zu lassen und einfach nur sehr sauer zu werden. Die Nackenhaare stellen sich auf. Es ist eine Säure, die man von einem etwas zu gut gemeinten Rieslingsekt erwarten würde, nicht die kontrollierte und sanfte Fruchtsäure von etwas zu wenig reifen Himbeeren. Es bleibt ein entschieden weinig-sektiger Nachgeschmack im Mund, nachdem der Fruchtgeschmack sich nach recht kurzer Zeit verloren hat, den ich als unangenehm empfinde.

Flasche: Ganz hübsch und wie die meisten Sauerbiere eine Sektflasche, die auf Flaschengärung hinweist.

Preis: 6,49€ für 375ml .. leck mich wo ich schön bin! Das ist en par mit richtig teuren Sekten.

Gesamt: Wenn man Sekt trinken will, dann kann man das doch einfach tun. Das Konzept des Sauerbiers hat mich immer schon tief verstört, aber in diesem Fall ist es ganz besonders enttäuschend. Und die Belgier begreifen vor allem einfach nicht, dass man nicht alles bis auf den Arsch durchgären muss, scheint mir, jedes Bier braucht eine Ausgewogenheit in sich. Ich gehe davon aus, dass auf eine ordentliche Dosage vollständig und schändlich verzichtet wurde. Ein bisschen Süße und dieses Bier hätte etwas ganz besonderes sein können. So schmeckt es einfach wie ein deutlich zu saurer Sekt mit Himbeer-Geschmack. Pfäh. Dieses Erlebnis lässt sich mit einer halb so teuren Flasche Sekt und etwas Himbeersirup meines Erachtens deutlich besser haben.

Musik & Melodey #2 – Ray LaMontagne

Posted in Musik & Melodey on 1. März 2014 by Herr Grau

Er ist ein ehemliger Arbeiter aus einer Schuhfabrik, er hasst Aufmerksamkeit, Interviews und sogar Konzerte, teilweise spielt er sie hinter einem Vorhang oder vom Publikum abgewandt. Als seine Frau nach einer langen Tour seine geliebte Gitarre zerschlägt, ordnet er seine Prioritäten neu und lehnt für Jahre weiteres Touren ab. Nach allen Regeln der Kunst sollte Ray LaMontagne schon lange, laaange von der Bildfläche wieder verschwunden sein, hat das heutige Business doch wenig Geduld für PR-unwirksame, geschäftsschädigende Marotten von Künstlern – selbst wenn es sich um etablierte Stars handelt. Und der gute Mann ist mitnichten einer. Genau genommen hätte er also keine fünf Minuten überleben dürfen. Aber irgendwie – wie?! – ist Ray LaMontagne SO gut, dass es keiner übers Herz bringt, ihn fallen zu lassen. Wenn man seine Crazy-Version hört, mit der er es in die Herzen eines breiteren Publikums geschafft hat, schwant einem, wo der Ziegenbock den Honig haben könnte: Wenige haben derartig Gefühl, niemand so eine Stimme. Ja, er bedient ein abgestecktes emotionales Feld. Und ja, es ist auch nur eine Handvoll seiner Lieder wirklich genial. Man will ihn sicherlich nicht immer hören – aber in dem, was er tut, könnte er The One sein. Und das gibt es doch ausgemacht selten. Also, Ohren gespitzt.

Das berühmte Cover von Gnarls Barkleys ‚Crazy‘:

Von seinem ersten, noch privat verlegten Album ‚Acre Of Land‘ stammt dieser herrliche Streifen mit dem Namen ‚Still can’t feel the Gin‘:

Ich habe lange mit mir gehadert, ob hier die Live- oder die Studio-Version stehen soll. Dass ‚Empty‘ einer der traurigsten Tracks aller Zeiten ist, stelle ich nicht mal zur Debatte.

Und wem das Ganze gefällt, der kann ein sehr gut aufgenommenes Konzert aus den BBC FOUR Sessions hier finden (aus dem die gerade gezeigte Version von ‚Empty‘ nebenbei auch stammt):

Geld gegen Essen – Boccadoro (Göttingen)

Posted in Geld gegen Essen - Restaurantnörgeleien on 24. Februar 2014 by Herr Grau

(aus Übersichtsgründen vorgezogenes) Prädikat: Wunderbar

boccadoroBis jetzt war die Szene der italienischen Restaurants in Göttingen schlicht und einfach ziemlich bemitleidenswert. Ein paar Klischeeitaliener gibt es, einige sind ganz erträglich, aber im Endeffekt mussten sich alle sogar vom Vapiano ausstechen lassen. Das ist hat jetzt zum Glück ein Ende.

Dario Ciniglio ist gerade mal 23 Jahre alt, aber er kann kochen. Er hat seine Ausbildung im Gauss bei Jaquelin Amirfallah gemacht, dem einzigen Restaurant in Göttingen, das wenigstens irgendwann mal einen Stern hatte. Trotz seines jungen Alters hat Dario das Risiko auf sich genommen und mit viel Geld in den Räumen des alten Cartoons am Albanikirchplatz eine schön und hell eingerichtete, kleine Trattoria eröffnet. Während der Sohn hinten kocht, macht Vatter Salvatore vorne den Service und er schafft es dabei, freundlichen italienischen Charme zu versprühen ohne kitschig zu wirken. Punkte für Klasse rundum. Die Atmosphäre ist gelassen und unaufregt, aber durchaus mit einem gewissen Standard, der sich nicht aufdrängen muss. Einige Sachen verstehen sich einfach – ordentliche Gläser, schöne Teller, sauberes weißes Leinen. Der Service ist durchgehend flott, freundlich und flexibel. Das Essen kommt schnell und ist ohne Ausnahme von durchgehend sehr guter Qualität. Das Rad wird hier bestimmt nicht neu erfunden, stattdessen gibt es einfache, gute Dinge makellos ausgeführt – mir persönlich deutlich lieber als an ihrem Anspruch krepierende Prätention. Eine ordentliche Weinauswahl komplimentiert das Menü.

Alles, was man im Endeffekt sagen muss, ist, dass ich in den letzten drei Wochen seit meiner Entdeckung des Restaurants inzwischen vier mal da gewesen bin und alle meine Freunde schon dorthin geschlört habe. Ehrlich, persönlich, angenehm, charmant und qualitativ hochwertig – was will man mehr?

Wertung:
Essen: 9,5 /10
Service: 9,5 /10
Sauberkeit: 10 /10
Preisgestaltung: 8 /10
Ambiente: 9 /10

Gesamtergebnis: 5 von 5 Vanilleeiskugeln mit Senf und Gürkchen

Restaurant Boccadoro
Albanikirchhof 5-6
37073 Göttingen
Telefon: 0551-79778545

Öffnungszeiten: Dienstag bis Samstag 12 – 15Uhr und 18 – 22Uhr, Sonntag 18 – 22Uhr

Braufactum Colonia

Posted in ... weiter nichts als Bier on 22. Februar 2014 by Herr Grau

IMAG1267Weiter geht es im Braufactum-Programm. Dieses mal wenden wir uns dem „Colonia“ zu, einem Bier, das ich zuerst für ein Kölsch hielt (entsprechende Ressentiments natürlich schon scharf gemacht) – schuldhaft fälschlich, wie sich gleich rausstellen wird.

Art: Bitterbier, 5,5% Alkohol

Geschmack: 8,5 Punkte
Schaum fällt zügig zusammen. Blume von leichter Herbe. Antrunk fruchtig mit leichter Süße, dann mittelkräftiger Hopfen, der schnell sein Maximum erreicht, dann aber auch recht flott wieder verschwindet. Feinperlige, sauber dosierte Kohlensäure, die lang heraus reicht. Insgesamt ein sehr süffiges und spritziges Bier, das man ernorm gut trinken kann, ohne dass es je wässerigen Charakter entwickeln würde.

Preis: 1 Punkt
Nichts Neues. Mit 2,49€ pro 0,355l-Flasche zwar mit das günstigste Bier im Braufactum-Programm, aber immer noch deutlich zu teuer.

Flasche: 8 Punkte
Die Damen und Herren bei Braufactum haben definitiv Sinn für schlichtes, modernes Design. Zeitlos? Nicht. Aber passend.

Gesamt: 8 Punkte
Was soll ich sagen, ich habe diesem Bier unrecht getan. Ich dachte, es sei ein Kölsch .. der Name, zugegebenermaßen, suggieriert das stark. In Wirklichkeit ist es einem Lager vom Charakter deutlich ähnlicher. Es soll ein „rheinisches Bitterbier“ sein, also das Nachfühlen eines Kölsch-Urahns. Der Name „Bitterbier“ und die Ankündigung seitens des Hersteller, dass es äußerst bitter sei, liegen aber neben der Realität, da es nicht übermäßig stark, sondern sehr ausgewogen gehopft ist. Es bringt eben das mit, was Kölsch traditionell immer fehlt: Charakter. Insgesamt muss man sagen, dass der Preis eine Schande ist, da ich stark positiv überrascht bin und das Bier eigentlich gerne häufiger getrunken hätte.