Braufactum Firestone Pale 31

Posted in ... weiter nichts als Bier on 13. Februar 2014 by Herr Grau

IMAG1265rezDer Strom an Fahl-Bieren von Braufactum reißt nicht ab. Insgesamt ist das die dritte Ausfertigung dieser Gattung, die mir unter dem Premium-Bier-Label unter die Finger gekommen ist. Wieder mal ein Importbier aus Amerika, dieses mal allerdings aus dem fruchtbaren Californien, das sich ja bekanntermaßen ein sehr ähnliches Klimat mit dem Mittelmeerraum teilt. Dann mal Antrunk.

Art: Pale Ale, 4,9%

Geschmack: 7,5 Punkte
Krone fällt schnell zusammen, hinterlässt aber eine leichte, sich haltende Schaumdecke. Blume mit Holundernoten, aber primär einer deutlichen Wacholderdominanz. You had my curiosity, now you have my attention. Antrunk mit schnell abebbender, sehr feinperliger Kohlensäure und sofort einsetzendem, kräftigen Hopfen, dessen intensiver Peak relativ schnell wieder abflacht, dann aber unterschwellig erstaunlich lange im Mund verbleibt, dabei im Geschmack aber so gut wie nicht unangenehm wird. Die vom Hopfen stammende Wacholdernote schwebt etwas nach, lustige Sache. Untermauert ist das ganze von einer unterschwelligen Süße, die die Herbe zwar nicht ausbalanciert, aber dennoch immerhin kontrapunktiert. Insgesamt ergibt sich der Eindruck eines recht substanziellen Biers für ein Ale.

Preis:  1 Punkt
Bei 2,99€ die 0,355L-Flasche kommt natürlich wieder ohrenbetäubendes Stöhnen auf. Das ist man ja bei Braufactum gewohnt, schließlich ist das ihr designiertes Geschäftsmodell.

Flasche: 7 Punkte
Das Stubbelchen ist nicht hässlich, aber auch nicht ausgemacht hübsch.

Gesamt: 7 Punkte
Ich finde das Bier schon amüsant, das kann man nicht anders sagen. Für jeden Tag ist es sicherlich nichts, nicht nur des Preises wegen, sondern allein auch, weil ich gerne meinen Wacholder getrennt von meinem Bier zu mir nehme.

Braufactum Brooklyn Lager

Posted in ... weiter nichts als Bier on 6. Februar 2014 by Herr Grau

IMAG1262Ein weiteres Bier aus dem hier bei dem Schwesterbier aus gleichem Hause besprochenen Braufactum-Sortiment. Es kommt aus Brooklyn (steckt ja schon im Namen, gell?..) und ist natürlich einmal mehr sehr teuer. Was, also, kann diese Varietät?

Art: „Amber Lager“, 5,0% Alkohol

Geschmack: 8 Punkte
Mittelmäßige Blume, leichter Bernsteinton. Dezenter Holundergeruch. Feinperlige, recht langgezogene, angenehme Kohlensäure, dann eine leichte, körperliche Süße, die relativ schnell von einem dann ansteigenden Hopfen umfangen und schließlich abgelöst wird. Der Hopfen ist deutlich, wird aber nie zu viel oder unangenehm im Geschmack, obwohl er sich durchaus etwas nach hinten auszieht. Die Hopfennoten nehmen deutlich das Holunderige der Nase auf. Nach hinten heraus leider geringgradiger alkoholischer Geschmack. Insgesamt bringt das Bier seine Kühle und Süffigkeit gut herüber.

Preis:  1 Punkt
Die 0,355L-Flasche kommt einmal mehr zu 2,99€. Das ist natürlich eine absehbare Katastrophe.

Flasche: 7 Punkte
Anders als die üblichen, wertigen Braufactum-Flaschen kommt dieses Bier in einer nicht unwertigen, aber irgendwie dahergelaufenen Flasche daher. Amerikanisch, ganz klar. Sieht aber durch das dunkle Grün einen Deut besser aus als die vom Pale Ale.

Fazit:  7,5 Punkte
Im Gegensatz zu seinem Geschwisterchen, dem Pale Ale, aus gleichem Hause ist hier der Hopfen vernünftig ausbalanciert. Das macht das G’söff direkt anderthalb Saarland (offizielle IS-Einheit) schmackhafter. Insgesamt ist das durchaus ein Bier, was ich absolut in die engere Wahl regelmäßig getrunkener Cervisiate nehmen würde. Würde es nicht auf den Kopp vierzehn mal so viel kosten wie Paderborner. Und ich Holunder mögen würde. Trotzdem: Immerhin keine völlige Bauchlandung.

Game of Kings

Posted in Game Of Kings on 3. Februar 2014 by bic_mac

Bedingt durch die Tatsache, dass ich einen Großteil meines Genmaterials mit dem 3-Zehen-Faultier teile und verstärkt dadurch, dass ich eine hervorragende Ausbildung im Ausreden vor sich selbst finden habe, brauchte ich eine kleine Zeit, bis auch ich mich durchringen konnte meine guten Vorsätze zur erneuten Umrundung des Mittelpunktes unseres Sonnensystem in die Tat umzusetzen. Einer dieser Vorsätze ist es, hier eine neue Kategorie zu eröffnen!

Wie der Name „Game of Kings“ bereits vermuten lässt sollen in dieser Kategorie Spiele getestet werden. Genauer gesagt: Spielflächen.
Aber vorneweg: Ein Ausflug in die Geschichte dieses großartigen Sportes: Die Wenigsten wissen: Im Jahr 1623, nach einer schmutzigen Hetzkampagne, initiiert durch Lord William Arthur Golf III., musste der walisische Hufschmied Jamesworth Farnsborough Minieux-Golf, seines Zeichens Schwager des Lords, sich mit seiner revolutionären Weiterentwicklung des Golfsports, welcher von Golf III. erfunden worden war und sich bei der „Upper Class“ großer Beliebtheit erfreute, ins Ausland, nach Witten-Herdecke absetzen. Die Geschichte lehrt uns, welch glückliche Fügung dies war. Im Kontinentaleuropa frohlockte das präindustrialisierte Proletariat über die Möglichkeit, nun endlich eine erschwingliche Alternative zu Golf, Cricket, Pétanque und Prince of Persia zu haben. Der geneigte, in Medienkompetenz geschulte Leser hat längst erkannt, um welche Sportart es sich handelte: Über die Jahrhunderte vollzog sich der etymologische Wandel des Ursprungsnamens Minieux-Golf zum heutigen „Minigolf“.
Die Regeln sind in ihrer Urfassung auf der Rückseite der Verfassung von Mazedonien sowie auf dem Rand eines jeden 5ct Stückes nachzulesen und haben sich bis heute nicht geändert:

  • 6 Schläge pro Bahn, jeder Schlag 1 Punkt (bei Überschreiten: 7 Punkte)
  • Hindernisse sind korrekt zu überspielen (Ausnahmen bei besonderer Schönheit der Hindernisumgehung möglich)
  • Der Ball darf bei Bedarf eine Schlägerbreite vom Rand weggelegt werden
  • Der Spieler mit den wenigsten Punkten gewinnt
  • Alkoholische Getränke mit einem Alkoholgehalt über 15 Volumenprozent dürfen erst nach Spielende konsumiert werden
  • Wucher wird nicht geduldet
  • Die Spielstätten sollen reyn gehalten werden, ihr Zustand solle stehts neuwertyg oder besser seyen.

Dies sind die Regeln und an diesen müssen sich alle messen lassen. Alle diese Stätten, welche mit „Minigolfanlage“ werben, sollen aufgesucht, gemessen und gewogen werden, auf dass ein Urteil über sie gefället werde. Die Ergebnisse sollen an dieser Stelle publizieret werden.

Eine kulinarische Reise durch .. Höxter

Posted in Geld gegen Essen - Restaurantnörgeleien on 2. Februar 2014 by Herr Grau

Okay, vielleicht sollte man einfach nicht versuchen, in einer ostwestfälischen Kleinstadt essen zu gehen. Scho recht. Aber wenn man dort eben zum Arbeitsdienst abgestellt ist und in einem Zimmer ohne mit modernen Messmethoden feststellbaren Kochmöglichkeiten einquartiert ist, so sieht man sich in offenkundiger Not. Es ist nämlich so, dass man oben Essen einfüllen muss, gleich der Umstände. Die Krankenhauskantine bot zwar ein Assortment von mindestens zwei frittierten Speisen, aber auf Dauer treibt es einen dann doch in die wartenden Arme der ansässigen Gastronomen. Als guter Deutscher suchte ich natürlich auf allen einschlägigen Internet-Portalen Kritiken heraus. Soweit nicht anders angegeben, haben irgendwie alle Restaurants der heutigen Zeit fünf Sterne. Gefühlt sogar mehr. Wie es um diese Bewertungen steht?
Zur Sache also, auf dass ein für alle mal geklärt sei, warum Ostwestfalen von der kulinarischen Landkarte gestrichen werden darf.

Pizzarella, Obere Mauerstraße 9
Die Kritiken waren wirklich vielversprechend. „Super“ sei’s bei „dem Olli“, da könne „jeder Italiener einpacken“. Ich stand noch am Anfang meiner Reise und suchte den Laden mit einer gewissen freudigen Erwartung auf. Ich mag Pizza, wer dieses Blog auch nur ein bisschen liest, weiß das. Okay, ich bin obesessiv – schuldig. Und mit „netter, einzelner, liebevoller Pizzabäcker“, „schöner Fachwerkbau“ und „Holzofen“ waren bei mir alle wichtigen Worte gefallen, um die Hormone in Wallung zu bringen. Entsprechend war die Erwartungshaltung: Was kann bei so einer Konstellation schon schief gehen! Naja .. alles, wie sich rausstellen sollte.
Gutes zuerst: Der Laden ist wirklich wunderschön, der Besitzer (es ist wirklich eine One Man Operation, normalerweise kriegt man dafür von mir schon die Gloria gesungen) ist freundlich, es brennt ein hübscher Holzofen. Aber .. meine Augen täuschen mich doch nicht? Unter 250° zeigt das Thermometer. Und: Was bei Zeus mächtigen Bart reitet bitte diesen Täter, Vollkornpizza zu servieren? Weiß .. weiß der denn nicht, dass das nicht funktioniert? Nicht funktionieren kann?! Ein böse Ahnung beschleicht mich, aber da ich schon bestellt habe, beschließe ich, dem Schicksal eine Chance zu geben. Wie erwartet braucht die Pizza fast 20 Minuten und ist dann völlig vertrocknet. Der Vollkornteig ist ein kompakter Keks, denn der Mangel an Gluten macht es unmöglich, damit luftige Böden hinzukriegen. Backen 1-0-1, das. Dass der Schinken kleingeschnittene Pressware ist, macht die Sache nicht unbedingt besser. Wie gesagt: Der Fall ist ob meiner Erwartungen besonders tief, ich war den Tränen nah. Abschließende Gedanken: Naja, immerhin das Bier ist gut (König Ludwig). Kann der rurale Fale eben nicht Pizza backen. Hätte man auch eher drauf kommen können.

Pizzeria La Casa, Am Markt 5
Okay, wenn es der Ostwestfale nicht kann, vielleicht der universell gut bewertete Italiener in der Innenstadt? Ich komme an und ein rappelvoller Laden verspricht, dass es hier etwas zu haben hat. Ich mach das mal kurz: Imbisspizza. Metro-Teiglinge in Schwarzblech mit überwürzter Tomatensauce und Gouda. Ich wollte schreien. Wenn der Allemanne das Wie nicht weiß, aus reiner Ignoranz, dem schieren genetischen Unvermögen, dann ist das eine Sache. Aber eine italienische Familie, die sowas tut, DIE tut das wissend. Keine Entschuldigung, keine Gnade. Sprengen, den Laden.

Restaurant Lion, Stummrigestraße 14
Mein Mut, noch einmal italienisch zu probieren, lag wimmernd am Boden (und die einzige Pizzeria, die ich noch zu probieren gewillt gewesen wäre, das „dell’Arte“, hatte Betriebsferien). Es musste also was anderes her. Warum nicht einmal kräftige Halse und ab in die Richtung .. Thailändisch / Indisch?.. Wenn sowas dran steht, warum drehe ich eigentlich nicht auf dem Absatz um und mache was anderes, sinnvolleres? Dachrinne sauber, beispielsweise? Es muss der Zwölfstundentag gewesen sein, der mir derartig das Hirn vernebelt hatte, dass ich mich an einem Montag (von allen Tagen!) dort einfand. Ich war vorerst der einzige Gast. Auch das gibt zu denken, aber ich bestelle trotzdem mutig ein Lammcurry. Die Gewissheit über das, was sich demnächst im meinem Leben zutragen wird, habe ich, als kurz nach dem Verschwinden des Kellners lautstark eine Mikrowelle angeht. Es gesellt sich noch ein Lehrerehepaar in den Speisesaal und macht leider das Dach auf. Es purzeln also fröhlich axtmordbefördernde Dummheiten durch den Raum, während ich auf mein s.g. „Essen“ warte. Die kurz nach dem verräterischen „Ding“ des Wellenherds aufgetragene Schale enthält etwas grob Rotbraunes mit irgendwie Fleisch. Schmeckt ambulant nach gar nichts, alles. Der einzige Grund, warum ich unverzogener Miene die 14€ für Speis wie Trank löhne, ist die grimme Gewissheit, dass die bei Crôm verfluchten Lehrerersatzextraktdarsteller das gleiche werden über sich ergehen lassen müssen. Das „Ding“ verrät’s.

Dynastie, An der Kilianikirche 12
Was also tun, beim Schöpfer, dem allmächtigen und schelmisch auf mich grinsenden? Asiatisch. Das geht immer. Ich habe natürlich mal wieder die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Das Buffet, in dessen Richtung wir rüde gedrängt werden, sieht mit seinen fahl beleuchteten Warmhaltetheken und dem darin vor sich hinschwitzenden Pamps so unappetitlich aus, dass wir ála Carte bestellen. Das Essen ist zwar irgendwie .. essbar, aber nichts, worüber man ein Wort verlieren würde. Und dass die Bedienung wirklich ausgemacht schlecht und unfreundlich ist, versteht sich ja fast von selbst. Das gehört in Ostwestfalen so.

Ritmo, Weserstraße 11
Von meinem Oberarzt bekam ich die Empfehlung, mir mal das Ritmo anzuschauen. Dort solle man angeblich Tapas bekommen und außerdem sei es da schön. Dieses selbstbehauptete „andalusische Restaurant“ findet sich im Ratskeller. Höxter hat eine Menge traumhafter Altbauten und dieser Gewölbekeller ist sicherlich eine der Kronen. Und wie immer, wenn es ein Stück wundervolle, altdeutsche Architektur gibt, kommt irgendeine Arschgeige und stellt Palmen und kitschige pseudospanische Kunstsurrogate rein. Und verkauft dann da zu überteuerten Preisen tapa-ähnliche Dinge. Okay, der Service ist nicht schlecht. Und dass Tapas nicht wie in Andalusien umsonst sind, daran hat man sich ja auch schon gewöhnt. Hier darf man sich denn aber für reichlich, reichlich Schotter diverse, supereinfache und deutlich zu sauer angemachte Bohnen oder Sardinen oder diverse frittierte Kleinigkeiten aussuchen. Wir hatten auch noch den schlechten Sinn, eine Paella zu bestellen, die mit „pampige Reispfanne ohne nennenswerten Geschmack“ recht vollständig beschrieben ist. Hab ich erwähnt, dass es sehr teuer ist?…

Strullenkrug, Hennekenstr. 10
Wat, also, fragt man sich, kann der Ostwestfale? Doch wohl gutbürgerlich wenigstens? Ein Schnitzel über das heiße Fett feuern, ist das wohl schaffbar? Ich nehme an einem sehr sonnigen, äußerst wohlfeilen Spätnachmittag im Biergarten Platz. Es ist sehr gut besucht und sehr schön. Die Resignation in meinem Magen getraut sich sogar einen vorsichtigen Schritt zurück. Ja, Schnitzel, Kroketten, Rahmsauce. Alles frittieren außer die Sauce, bitte, und ausreichend. Den Aufpreis für Kalbsfleisch nehme ich auf mich, ich will es wissen. Es dauert schon etwas, dann kommt es meiner Wege. Das Schnitzel ist zu klein und dick, aber noch in Ordnung. Die Sauce ist zu wenig, aber noch in Ordnung. Die Kroketten sehen sehr gut aus. Ich genieße die Sonne und das Treiben und esse mit einstudiertem Gleichmut mein Schnitzel. Unter meinen Erwartungen, deutlich unter meinem Standard, aber für Höxter ziemlich gut! Das ist auch der Grund, warum ich dort ein zweites mal mit Freunden einkehre – schiere Alternativenlosigkeit. Dabei muss ich leider das Buffet unter meine Augen nehmen, bei dem es mir einmal mehr ein bisschen anders wird. Die Bestellung des Bekannten und Erprobten bringt oben genanntes Mahl, diesmal aber sans ausreichend frittierte Kroketten. Was soll ich dazu noch sagen?

Höxter ist eine erstaunlich schöne Stadt. Dieser gesamte Bereich Deutschlands scheint auf Grund von durchschlagender Bedeutungslosigkeit völlig vom Krieg verschont worden zu sein. Entsprechend ist jedes zweite Haus in der Innenstadt richtigerweise denkmalgeschützt. Leider kann man offensichtlich einfach nicht essen gehen. Die örtlichen Restaurantbesitzer nudeln mit einer Boshaftigkeit nicht wenig ähnlich sehenden Determination furchtbarsten Fraß in die das Procedre scheinbar großartig findenden Höxteraner, dass es nur so schallt und johlt. Entsprechend darf ich dann wohl doch dankbar sein, dass mein Aufenthalt zeitlich befristet war und schließlich zu einem glücklichen und verdienten Ende kam, bevor die oben umrissene Realität meiner Existenz ein ebensolches bereiten konnte.

Mediathek im Staate

Posted in The Hawthorne Catalyst with tags , , , , on 30. Januar 2014 by J

Journalismus! Reportertum! Du super- wie capeloser möchtegern Clark Kent! Erkläre er sich!

Ist es, dass so viele meiner mündig geborenen und durch Deine Feder so erfolgreich misinformierten Mitbürger derart eindringlich Platz und Hoheit fordern, dass Du Ihnen nicht nur die Schlammgrube der geistig Armen, jenes Kommentarfeld dessen, was ein irrwitziger Hornberger Deiner Reihen als Onlineausgabe des Prints fehlinterpretierte mit dem klerikalen Getue eines förmlich mit deckellosen Büchsen vom Journalismusolymp um sich Werfenden beschertest, sondern neuerdings auch schlichtweg Dein ureigenstes Handwerk selbst an die Dich Beauftragenden zurückgabst(1)? Dass Du gar das Unbürgertum gleich Dir selbst stellst, dies neuen Journalismus preist(2)? Geht das denn? Ist Dein Olymp neuerdings per pedes, per Druck der Plastiktaste zu erklimmen? Ist das billig, und noch mehr: recht?

Wenn nämlich andererseits auch nur ein Mensch – oder Unmensch – gen Deine Würde und traditionell drogenfrei halluzinierte Unabhängigkeit den Finger erhebt, den kleinen, dann! Dann wehrst Du Dich nach Kräften, einem zappelnden Kinde gleich, verteidigst den Dir eigenen heroischen Berufsstand mit geübten Klischees von Goebbels bis Orwell, auf dass keiner ohne in feinstes Juchten gebundenen Journalistenpass mehr das Wort erhebe gegen Ihn, den Qualitätsjournalismus! Und wird gar langsam die Suppe knapp, so ist‘s doch Zeit zu beteuern, wie sehr man sie sich verdient hat. Dann kömmt doch lieber erstmal das Fressen und dann die Bigotterie. Trotz derlei Gebaren wirst doch noch nicht Unglauben gestraft – Hosanna, geht das mit rechten Dingen zu?

Hast Du denn vor lauter Slomkas, Augsteins, Murdochs und Diekmanns vergessen, wer Dich gebar? Du bist einst hervorgegangen aus der Idee eines freien Mitmenschentums, das zu schützen Dir auferlegt war: Freiheit machte Deine hedonistischen Gedeihen erst möglich! Freiheit, also, sollst Du zu allervorderst schützen! Mit Information, mit Analyse! Mit Recherchen, die aufdecken, was unsere engsten Ausgewählten uns veruntreuten. Sollst uns vor Augen halten, wo wir wider Willen betrogen werden – und wo es mit unserer stillen Billigung zugeht. All das eben, wofür unsereins, der wir auch für Dich die Schippe schwingen, modernerdings keine Zeit mehr eingeräumt wird, obgleich wir doch wahlmündig zu bleiben bestrebt sind. Du warst Kontrolle und Schule, Retter der freien Gesellschaft!

Dieses Erbe hast Du in den Händen von 1-Euro-Schreibern gelassen, ehrliches – und anstrengendes – Handwerk durch Nachplapperei und Schlagzeilen aus der tieften Trickkiste der Dramaturgie ersetzt. Es ist Deine Schuld, und Deine ganz allein, dass das Volk, das Dir zu schützen auferlegt war, in rasender Schnelle erblödet, seine politische Mündigkeit einem hippen „Dagegen“-Opportunismus aufopfert und den Unterschied zwischen Wissen und Meinen nicht mehr kennt, ja nicht einmal die Bildung selbst noch als Ideal erkennt, nur derart konditioniert, damit es Deine Unzulänglichkeiten nicht mehr zu erkennen weiß. Deine! Und was machst Du? Anstatt weiter still die Boulevardisierung des Journalismus vorranzutreiben, da hebst Du ein Interview mit sachlicher Fälsche und der Fragetechnik eines zweijährigen Kindes zur neuen Maxime des Journalismus?
Welcher Dämon hat Dich beschlichen? Welches Suppenkraut Dir das Gehirn vergoren!

Am Tag Deines Todes wenden wir uns sogennanten „Satirikern“ zu, Deine nun vakante Aufgabe zu erfüllen. Uns Hintergründe zu erläutern, unser Sein betreffende Sach- und Haltungsverhalte darzustellen und die Eingewählten unter Beachtung von Sinn und Sachlichkeit zu hinterfragen. Und uns dabei die hässlichste aller Wahrheiten heiter zu verkaufen: Wie schlimm es um unsere Mündigkeit steht.
Oder Ist ein Sträuben gegen journalistischem Dadaismus gar wider der Natur? Ist die Utopie des mit seinem geistigen Limes gen Omniszienz informierten Gesellschaftsteilhabers in Wirklichkeit Gefahr derselben? Ist Pispers Ausruf(3) doch als zynische Drohung zu verstehen? Hast Du nur längst begriffen, dass Wissen ohne Handungsintegrität, Moral und einen Funken Altruismus nur zum schlimmeren Teufel gereicht? Schützt Du uns auf diese Weise? Ist denn die Lakonie des Thomas Gray in Wirklichkeit eine Abkürzung gen einzigem Ausweg aus dem Totalitarismus des informierten, partizipierenden Bürgertums in die Well’sche Glückseligkeit?

Dann auf! Auf! Garcon, bereite er seinen liquiden Gesellschaftsentwicklungsbeschleuniger. Ich will vergessen.

1:Leserartikel
2:zB Huffington Post
3:„Was glauben sie was hier los wäre, wenn mehr wüssten, was hier los ist!“

Monday, December 16, 2013

Rehabilitation – Teil 1

Posted in The Hawthorne Catalyst with tags , , , , on 30. Januar 2014 by J

Eine Kneipe. Ein situationsgeschuldeter Doppelter. Die Wahl zwischen Jack, Jim und was mit Torf im Tank fällt leicht. Man platzt am Tresen.

Hinter jenem gibts unaufgefordert und umsonst mindestens 50 Jahre geballte, weibliche Erfahrung am zumindest als ein solches empfundenen Leben. War mal eine blondierte Dauerwelle – jetzt? Schwer zu sagen. Der Thekenbetrieb, wenn er auch nach kritischer Selbsteinschätzung nur eine freiwillige Tätigkeit zum Einkommenserwerb war und ist, hinterließ Spuren. Allen vorran mindestens 50 Jahre Rauchgebot in geschlossenen, zur Not auch heimischen Räumen – wobei diese Differenzierung, so schwört die Erscheinung mittels nonverbaler Zaunpfahlkommunikation, mit der Zeit wohl verloren ging. Rauchtätigkeiten hier untersagen zu wollen, scheint pathognomonisch für schwereren Realitätsverlust – den von der unguten Sorte.

Ja, Whiskey geht auch im Cola Glas. Scheisse im Glas is Scheisse im Glas – und wenn da Ed Hardy und Louis Vuitton persönlich rein uriniert haben. Nein, ich möchte trotzdem nichts anderes.

Wenn der Chef den Laden nicht schon seit 20 Jahren schließen würde, wäre dies stichhaltiger Beweis, dass es sich bei dem Etablissement um einen ostasiatischen Nachbau handelt. Dass er hauptberuflich ohnehin eher Geißbock und Karnevalist ist, auch schon mal als Indianer aushilft – zu dieser überraschenden Information heuchelt man gerne etwas Mitgefühl und Anteilnahme. In einer Stadt voller Menschen mit grenzwertiger, aber aus kulanzgründen staatlich anerkannter Fähigkeit zum Menschsein herrscht die tiefe Überzeugung, dass Glückseeligkeit und Frohsinn – auf nicht undeutsche Art – fest terminiert und gut geplant werden können und müssen. Vielleicht glauben Sie jedoch auch, dass Glückseeligkeit und Frohsinn, in diesem Zusammenhang übrigens von überzeugender Redundanz, nur eine Frage der Tiefe des Glases – oder neuerdings des Pappbechers ist. Mit spitzem Bleistift durchdacht verarschen uns diese Schmuckeremiten mit dieser semantischen Akrobatik nun schon seit Jahrhunderten und schufen unter der Fuchtel der Kirche eine gesellschaftliche Akzeptanz, ney, einen gesellschaftlichen Zwang zu Druckbetankung, lustigem Anmalen und kollektivem Scheissesein.

Im Laufe des Abends streift es auch noch Politik und Kirche, das, so zirzt es von hinter dem Tresen, Schlimmste am Tresen. Jeder kann so religiös sein, wie er will, aber er solls nich ausatmen. Da is was dran. Man weiß nich was, aber da is was dran.

Zwei Stunden später ist man zwar nicht unbedingt klüger, weiß aber so einiges mehr über Prominenz, Provinzkicker und die örtlichen Promillesäfte und dabei in gleichem Maße statistisch signifikant weniger, warum man überhaupt hergekommen ist – und muss zugeben:

The art of Barkeeping is fucking alive – und das ausgerechnet in Köln.

Wednesday, November 16, 2011

GEZ 2.0

Posted in The Hawthorne Catalyst with tags , , , , , , on 30. Januar 2014 by J

Stellt Euch mal vor, die GEZ würde Euch gar nicht mehr besuchen. Sondern gesetzlich zwingen, jedes Jahr ein eidesstattliches Manifest über den Umfang eines jeden Eurer Multimediaparks zu verfassen – und dieses mit einem Einkommensnachweis zur Abschätzung der individuellen Schöpfbarkeit zu flankieren. Du Tor, werdet Ihr sagen, weißt Er denn nicht, dass die Mediengebühr kömmt?!

Die Damen und Herren Gebühreneintreiber sind dermaßen beseelt von Menschenwürde und mitmenschlichem Respekt, dass sie diese nunmehr zur Einheitsbasissteuer umfunktionierte Propagangaabgabe in all ihrer bürokratischen, demütigenden Tiefe im Dunkeln verborgen von unseren Augen aushecken werden. Die bisherige Schuldvermutung wird durch ein Generalschuldfaktum ersetzt. Der Wegelagerei soll schliesslich ein Ende gemacht werden. Deswegen muss nun folgerichtig dem Wegelagerer die Beute frei Haus zugestellt werden. Sicherlich beschleicht den ein oder anderen Demokratierneuling noch hier und da ein leichtes Unwohlsein, vielleicht auch eine gewisse Beklemmung im Randgebiet des allgemeinen Menschenverstandes – wir aber wissen längst, dass die fehlende logische Nachvollziehbarkeit, die „Sinnwidrigkeit“, der zu an ihrer Entstehung nötige, mutmaßlich abzuschätzende Drogenkonsum politischer Entscheidungen ein treffliches Gütesiegel eben jener Vorgänge ist und auf diese Weise den Glanz unserer jungen Demokratie nur mehren kann. Daher halten wir hübsch still, lächeln wohlwissend und schauen lieber über die Alpen (ein Blick mit Tradition!) und mockieren uns über den polygamen Rentner.

Nun ist die GEZ in Sachen modernen Raubgeschäfts entgegen allem Aberglauben nicht das sprichwörtliche letzte Wort. In der Überwindung hinderlicher Humantität ist ihr nicht nur aus semantischen Gründen das Arbeitsmodell „Ärztekammer“ weit vorraus: Ein elitärer Zirkel akademisch zweifelhafter Retortenheiler, die nach dem Setzen von 320 glücklich platzierter Grabeskreuze der Bleistärke HB sowohl zwangs- wie lebenslang zum Dienst am Scheckheft eingezogen werden. Nun darf man seinem Medizinmann zwar in Sachen Geschlechtskrankheiten, Sterbehilfe und rektaler Vorsorgeuntersuchungen blind vertrauen, so ziehmt es sich dennoch bei der Tributentrichtung, das Hinterteil flugs wieder zu und die Augen auf zu machen. Dies weiß natürlich auch die Kittelinnung und fordert leichter Hand einen Einkommensnachweis, am besten fiskaler Zeichnung.

Dies ist natürlich nötig, denn auch die Führung jeder Menschenmasse größer 2 braucht gewaltigere bis gewaltätigere Mittel, auch finanzielle, je dicker es um die Sparstrümpfe der zu Führenden bestellt ist – allein des Gewichtes wegen. Als Bauer hört man ja auch nich nach dem halben Feld auf, nur weil man jetzt genug Korn für Brot und Gärgetränk beisammen hat. Man kann damit schließlich auch noch ganz formidabel Flöße basteln, gedankenversunken auf Halmen kauen und es in Ballenform feierlich verbrennen. Die weißbemantelten Führer geben sich mit Diäten, schönen Bauten und einem periodischen Briefkastenstopfer mit Kinderbuchdesign (und Inhalt) zufrieden. Gott sei Dank in der Höhe. (Aus der Kirche kann man übrigens austreten)

Nun was tun? Als guter Christ hält man den anderen Geldbeutel hin. Aber im nächsten Jahr kommter doch wieder, der Lump. In größter Not wendet man sich als Deutscher immer an Leitfiguren. Da es jedoch derzeit keine gibt (Peter Griffin ausgenommen), nimmt man eben eine, die keine ist. Einen Gaukler. Schauspieler. Der da spricht: „Wenn Dir einer doof kommt, musste dem noch döfer kommen.“

Gesagt getan. Ich gründe hiermit die Pfosteninnung. Zwangsmitglied ist jeder, der nicht schlau genug war, vor der Geburt die Kurve zu kratzen. Beitragssatz sind einheitlich 10 Mark, die jeweils am 1. eines jeden Jahres zur Erinnerung an die Gründung des Deutschen Wegelagertums 1973 verpflichtend im nächstgelegenden Scheisshaus mittels Spülung zu entrichten sind.

„Die Aufforderung […] als solche ist nicht angreifbar.“ (Zitat aus dem Bescheid der ÄKWL)

Wednesday, February 16, 2011

Das große Menscheln

Posted in The Hawthorne Catalyst with tags , , , , , , , on 30. Januar 2014 by J

Die Frau sah aus wie ein wuchtiges Denkmal alimentärer Lebensbewältigungsstrategien – mit Kurzhaarschnitt. Nun hielt es offenbar irgendjemand für opportun, diese wandelnde Kampagne gegen – oder für die Totsünde der Völlerei nicht nur in parteifarbendes, frohes Tuch zu wickeln, nein, sie gleich zur Staatssekretärin für Gesundheit, Emmanzipation, Kastration und verbale Euthanasie (oder so ähnlich) zu erheben. Das wirft natürlich die Frage auf: Wie kam es dazu? Am äußeren Schein lag es nicht.

Vielleicht also an ausgefeilter Rhetorik? Mit großen Worten nichts zu sagen ist schlussendlich Pflichtfach und ungekrönte Paradedisziplin eines jeden Volksbetrügers – und hat so manchem Meinungshehler schon an kalten Tagen ein warmes Essen beschert. Nun war ihre Wortgewandheit tagesformbedingt nicht ganz en par mit Seneca und Cicero. Vielmehr gab sie nach zwei mehrfach durch Ratlosigkeit am Wort unterbrochenden Sätzen offen zu, etwas unvorbereitet Oden aus fremder Feder vorzutragen. Leider wollte ihr auch das nicht so recht gelingen.

Nun denn. Kompetenz? Ich möchte hier zum einen aus Rücksicht auf eine etwagige Leserschaft darauf verzichten, im einzelnen auf die in ihrer sachlichen Richtigkeit äußerst gewagten, zumindest aber in ihrer Gesamtheit stark Besorgnis erregenden Aussagen (Highlights: die Vorzüge der Minderheitsregierung: ‚Nur da geht es um die Sache‘, Patientenselbstbestimmung als größtes Problem des Gesundheitswesens im 21. Jhdt) einzugehen, zum anderen gebietet es die Fairness, die Frau Staatssekretärin nicht an Thesen zu richten, an deren Entstehung sie nicht beteiligt war – und zu deren Darbietung sie aufgrund mangelnder alternativer Manuskripte gezwungen war.

Bleibt noch die Küngelei. Nun, die Resonanz ihrer Vorstellung erreichte nicht ganz die menschelnde Euphorie eines JFK. Doch möchte ich einer jeden Person jegliches zwischenmenschliches Verständnis absprechen, deren einzige Reaktion – trotz dreifachem Zeiteinsatzes – von ein paar wirklich masochistischen Wählern abgesehen, darin bestand – nun, ich will es so sagen: Hätte der Mob auch nur über eine einzige Mistgabel verfügt, so hätte die gute Frau den Tag auf einem brennenden Heuhaufen beendet.

Fazit: Wer Staatssekretär(in) werden will, muss einen verdammt guten Kaffee kochen.

Wednesday, November 24, 2010

Erkenntnisse aus der Maybrit Illner Show

Posted in The Hawthorne Catalyst with tags , , , , , , , , on 30. Januar 2014 by J

Chem Özdemir’s ebenso schmerzhafte wie zahlreiche Vergleiche mit der beliebten Komperativ plus „wie“ Satzfigur prügelten den Zuhörer fast zum Abschalten, als ich seine folgende, das ganze opportunische Gefasel in sich vereinende Forderung vernahm:

„Wir müssen unsere Kranken besser ausbilden!“

Das ist natürlich mehr als nur ein Versehen. Das ist vor allem richtig! Nur am Krankenbett ist der Bundesbürger noch bildungsfauler als daheim bei Wein und Weib, wo der Allgemeinheit – nebenbei bemerkt – auch die bezahlte Abwesenheit von Gesell- und Wirtschaft deutlich billiger kommt.

Hiermit möchte ich öffentlich (zumindest theoretisch kann es jeder lesen!) drohen, die Ergüsse dieses derzeitig auf gleich diversen Planken torkelnden Sozialdemokraten und Hobbygenetikers zu lesen – so denn es mir jemand zur Verfügung stellt und ich mit Obamas Ferienlektüre fertig bin (in dem urbanen Englisch amerikanischer Großstädte werde ich mich nie wohlfühlen). Ich möchte wissen, was das für ein bewußtseinserweiternder Nimbus ist und wie man sich einen solchen aus Wort und Schrift erheben läßt, dass einem die Muse so dermaßen das Hirn rausvögelt.

Dann war da noch ein Schweizer, der vergeblich versuchte, dem zusammengepferchten Einbildungsbundesbürgertum das mit der freien Meinungsäusserung sinnvollerweise einhergehende Konzept der Diskussion zu erklären. Resignierend erklärte er den sich in einkonditionierten rhetorischen Reflexen bis zur Taubheit Verhedderten, die Republik sei ja schliesslich auch noch recht jung. Das ist beruhigend. Ich dachte immer wir seien (um es mit den unsterblichen Worten meines Lateinlehrers zu sagen) schlicht zu blöd.

Thursday, September 2, 2010

Braufactum Brooklyn East India Pale Ale

Posted in ... weiter nichts als Bier on 30. Januar 2014 by Herr Grau

IMAG1255Die über ein mit Ausnahme der Flagschiffe Jever und Radeberger ziemlich grausames Bierprogramm verfügende Radeberger-Gruppe (u.A. verantwortlich für Brinkhoffs, DAB, Dortmunder Union, Hansa, Kronen und Wicküler…) hat vor etwa vier Jahren das getan, was die Kollegen aus Amerika schon seit geraumer Zeit vormachen und den echten Premiumsektor des Biermarktes unter dem Label „Braufactum“ zu erschließen begonnen. Heißt: Bier teilweise weit aufwärts der 2,50€ (das auch nur für das Köllsch…) pro Flasche. Inzwischen geht es bis 36€ pro Edel-Bouteille. Das ist schon nen Wort, das. Bleibt die Frage, ob das Zeug auch tatsächlich was kann, also zumindest wenigstens im Entferntesten einen Gegenwert liefert, oder ob hier sehr unspektakulantes Geseih in feines Glas verkorkt wird. Da mich ein Freund anlässlich der Jährung meines körperlichen Verfalls in Besitz einer Probierkiste aus dem Braufactum-Programm gesetzt hat, werde ich hier testen, was ich bekommen habe. Den Anfang macht das East Indian Pale Ale aus Brookyln. Ja, die importieren Bier aus Amerika nach Deutschland. Das ist bestimmt die richtige Richtung.

Art: Pale Ale, 6,9% Alkohol

Geschmack: 6,5 Punkte
Kaum Schaum. Blume kräftig nach Holunderblüten, ein Hauch Hibiskus und Molasse. Mittelperlige, kräftige Kohlensäure mit sofort präsentem, recht herbem Hopfen. Die nach dem Geruch und seinen offensichtlichen Assoziationen erwartete Süße sucht man vergebens. Die Herbe zieht sich relativ lang aus und es prickelt auch erstaunlich lange nach. Insgesamt ist der Hopfen und zunehmend auch ein schmeckbarer Alkohol besonders hinten heraus zu kräftig, was dem eigentlich süffigen, unkernigen Charakter des Biers etwas entgegen läuft.

Preis:  1 Punkt
Tja, Mädels. Die 0,355L-Flasche kommt zu 2,99€. Das ist natürlich eine absehbare Katastrophe.

Flasche: 6,5 Punkte
Anders als die üblichen, wertigen Braufactum-Flaschen kommt dieses Bier in einer nicht unwertigen, aber irgendwie dahergelaufenen Flasche daher. Amerikanisch, ganz klar.

Fazit:  6 Punkte
Abseits des Kuriositätencharakters ein mittelmäßiges Bier mit einer verbesserungswürdigen Balance, wenn man den Geruch von Holunder mag. Was bei mir nicht der Fall ist, aber das wollen wir mal nicht zu stark in die Wertung einfließen lassen. Ich glaube, dass das stark holunderblütenlastige Aroma eher Damen anziehen würde, die dann aber von der äußerst kräftigen Hopfung eher abgeschreckt sein dürften. Ich persönlich kenne zumindest wenig Leute, die gerne Hugo UND Jever trinken. Mir persönlich wäre mehr als eines schon fast zu viel – zusammen mit dem Preis sehe ich also wenig Platz und damit Licht für dieses Bräu.