Bayreuther Aktien Weißbier – Reevaluation

Posted in ... weiter nichts als Bier on 14. Februar 2012 by Herr Grau

Es scheint, als hätte ich zwei bis drei Bieren in der Vergangenheit zu unrecht übel mitgespielt – Zwickl und Weizen aus der Bayreuther Aktienbrauerei, sowie Turmbläser Landbier. Der miese chemische Geschmack scheint eine noch unidentifizierte, unauswaschbare Anomalie im Glas zu sein, mit der ich nicht gerechnet hatte. Also gehören die Biere reevaluiert und ihr Name reingewaschen. Als erstes genießt dieses exklusive Schicksal das Weißbier aus der wunderbaren Malztrunkschmiede, die auch das berühmte Aktienlandbier herstellt.

Art: Weizenbier, 5,0% Alkohol

Geschmack: 6 Punkte
Die Blume begrüßt mit vielversprechender Frucht und Hefe, Antrunk mit etwas wenig feinperliger Kohlensäure. Das Bier kommt dann frisch und ziemlich süß angeflutet, präsente Hefe mit leichter Frucht präsentiert sich. Alles in allem bleibt das Geschmacksbild aber etwas eindimensional. Was mich allerdings wirklich stört, ist die Wässerigkeit. Irgendwie verlangt Hefe und Süße eine Substanz dahinter, die hier einfach fehlt. Es scheint jämmerlich zu zerfließen und kein Rückrat zu haben, wo es dringend nötig wäre. Der Vergleich mit Erdinger ist leider unübersehbar. Schade drum.

Preis: 8 Punkte
Für ein Premium-Hefe ist das Bayreuther Aktien Weißbier hier erstaunlich günstig zu haben, teilweise <10€ die Kiste. Das ist natürlich ein Wort.

Flasche: 4 Punkte
Standardflasche, das Etikett ist für meinen Geschmack ziemlich mies gestaltet. Farbwahl, Motivwahl, bayerige Fahnenapplikationen – die ganze Breite ist wirklich nix. Dabei WEIß die Brauerei, wie man schöne Flaschen gestaltet, Zwickl und Landbier zeigen es eindrücklich.

Fazit: 6 Punkte
Zu süß, zu wässerig, zu eindimensional. Es fehlt der „Griff“, sehr wie im Vergleich zwischen einem Bauteil aus dünnem Plastik und einem aus vollem Stahl. Die fehlgeleiteten Jenen, die Erdinger mögen, finden in diesem Bier vielleicht eine preisgünstigere und bessere Alternative – ich würde es maximal als Partybier ausschenken, aber an und für sich hat es bei mir nichts verloren. Schade, in Anbetracht dessen, was die Brauerei bekanntermaßen zu leisten im Stande ist…

Moosbacher Weißbier

Posted in ... weiter nichts als Bier on 14. Februar 2012 by Herr Grau

Art: Weißbier, 5,0% Alkohol

Geschmack: 1 Punkt
Gewaltige Krone, Blume hefig, merklich nach Zitronengras. Antrunk mit gut balancierter, feiner Kohlensäure, Substanz, Hefe, leichte Süße, dunkelfruchtig. Leider wird der Geruch intensiver, wenn der Schaum sich verabschiedet und das Bier beginnt, intensiv nach Zitronenklostein zu riechen. Das kann nicht normal sein. Die Note findet sich dann auch im Mund etwas später gegen Abgang und ist auch am Flaschenhals unverkennbar, ist also diesmal kein Fehler meiner Seite. Eine seltsame Geschmacksempfindung bleibt am Gaumen, die einem ungeheuer ist. Pfui deibel!

Fazit: 1 Punkt
Wieder ein Bier mit extrem viel Potential, denn eigentlich ist der Geschmack richtig gut. Leider geht das so gar nicht, tut mir leid. Ärgerlich!

St. Georgen Bräu Pilsener

Posted in ... weiter nichts als Bier on 13. Februar 2012 by Herr Grau

Art: Pilsbier, 4,9% Alkohol

Geschmack: 8,5 Punkte
Hopfiger Geruch, recht wenig Kohlensäure normaler Perlung, aber noch konsistent mit einem Pils, eine sehr subtile Süße mischt sich in die dann folgende, recht ausgeprägte, leckere Herbe, die gut balanciert ist. Der Abgang ist frisch und hinterlässt keine unangenehmen Geschmäcker. Süffig herb und sehr lecker, dem Jever recht ähnlich.

Preis: 3 Punkte
Schwer zu kriegendes Spezialitätenbier. Schande, ich würde es in meinen herben Phasen Jever vorziehen.

Flasche: 6 Punkte
Standardflasche, aber ganz nett gestaltet. Vielleicht einen Tick zu Eckkneipe, der Schriftzug. Kein Rückenetikett.

Fazit: 8 Punkte
Dass die Georgen exzellenten Hopfen haben, wusste ich seit dem „Hopfenzupfer“ – was ich mir da gewünscht hatte, nämlich nicht so einen völlig überzogenen Umgang mit der Pflanze, ist im Pilsener Wahrheit geworden. Es exzellentes Bier für den Freund des herben Genusses, das nur unter seiner schlechten Verfügbarkeit nördlich der Weißwurstäquatoriale leidet.

St. Georgen Bräu Buttenheimer Hopfenzupfer

Posted in ... weiter nichts als Bier on 12. Februar 2012 by Herr Grau

Art: Festbier, 5,6% Alkohol

Geschmack: 6 Punkte
Feste Krone, Geruch von frischem Hopfen. Antrunk mit feiner, zurückhaltende Kohlensäure, leichte subtilst süßliche Mälze und dann schnell sehr präsenter Hopfen, der sich erst zum Gipfel der Herbe hinentwickelt. Dabei ist der Hopfen zwar sehr zentrales Element, aber nicht völlig übertrieben. Das Bier ist recht süffig und erinnert an herbe Pilsener wie Jever. Je mehr man von dem Bier trinkt, desto mehr bleibt der Hopfen am Gaumen haften, bis es einem am Ende des Bieres doch ein bisschen zu viel des Guten ist.

Preis: 3 Punkte
Bierspezialität. Außerhalb des Herstellungsgebiets recht teuer.

Flasche: 7,5 Punkte
Zwar Standardflasche, aber sehr nett gestaltet. Ein durstanregender Klappentext verschönert die Erfahrung.

Fazit: 6 Punkte
Für den Freund des Hopfens ist dieses Bier sicher eine gute Wahl, es ist aber eigentlich nicht mehr, als ein Schaukasten für die hohe Qualität des eigenen Hopfengartens. Für alle anderen hat dieses Paradestück das selbe Problem, wie alle statuierten Exempel: Zu viel einer Sache ohne jedes Beiwerk. Und das für teuer Geld.

Gutmann Hefeweizen

Posted in Allgemein on 1. Februar 2012 by Herr Grau

Art: Hefeweizen, 5,2% Alkohol

Geschmack: 8 Punkte
Hefige Blume, guter Schaum, ausgewogene, feinperlige Kohlensäure; dann kommt eine überraschende Herbe, wo man bei einem Weizen die leichte Süße vermuten würde. Über allem schwebt eine sehr angenehme Hefe, andere Geschmacksdimensionen scheinen aber zu fehlen. Der Abgang ist kühl und ohne unangenehme Geschmacksentwickelung.

Es zeigt sich trinkbarer als andere Weizen, es hat nicht dieses von vornherein Sättigende, das man häufig hat. Durch die gute Trinkbarkeit lässt sich ein sehr gutes Sommerweizen vermuten.

Preis: 3 Punkte
Hier mal wieder schwer zu kriegen und wenn, dann zu gehobenen Weizenpreisen.

Flasche: 6 Punkte
Flaschenform gefällt und das Etikett suggeriert eine kleinere bayrische Hausbrauerei. Trotzdem sieht das Label nicht unbedingt toll aus, viel bayernfähnliche Musterung ist mir etwas zu patriotisch und der Schriftzug zu sehr die Eckkneipe.

Fazit: 7,5 Punkte
Gutes Bier, keine Frage. Vor allem recht überraschend, schlägt es doch aus dem klassischen Weizenbild recht mutig heraus. Wirklich schändlich, dass die Verfügbarkeit so schlecht ist.

Grønland Ice Cap Beer – Ice Fjord Lager

Posted in ... weiter nichts als Bier on 1. Februar 2012 by Herr Grau

Art: Dunkeles Lager, 6% Alk.

Dieses „Ice Fjord Lager“ kommt unerwarteterweise als sehr dunkeles Bier daher. Es verspricht, mit dem reinsten Wasser der Erde, direkt aus dem arktischen Eis geschlagen, gebraut zu werden. Grönland ist jetzt nicht unbedingt für seine kulinarischen Errungenschaften oder seine Braukunst bekannt, aber geben wir den Skandinaviern einfach die Bühne, auf der es sich entscheidet: Mein Glas.

Geschmack: 4 Punkte
Karamellig-malziger Geruch, feinblasiger Schaum, sehr süß und vollmundig, dabei brotig und wenig, aber angenehm herb. Recht kurzer Abgang, in dem die Süße vergeht und eine seltesame kräuterige Herbe sich einstellt, wie der Abgang eines Kräuterbitters. Bei genauerer Recherche zeigt sich, warum: Die Zutatenangabe „Wasser, Hopfen, Gerstenmalz, Hefen“ auf der Flasche ist nicht akkurat – die Marke selbst schreibt auf ihrer Website:

It is brewed on a special recipe with, among other anise, ginger, cinnamon, coriander which together give it a fresh and spicy taste […]

Zu deutsch: Da hat einer mit Gewürzen gespielt. Wenn diese Note nicht vorhanden wäre, dann wäre dieses Bier wirklich lecker. So kommt, zusammen mit dem höheren Alkoholgehalt, das Gefühl von Jägermeister auf, das man wirklich beim Biergenuss weder sucht, noch braucht.

Preis: 1 Punkt
Sonderspezialbier. Furchtbar zu kriegen, sehr hochpreisig hier (~2,79€ pro 0,5l!). Für das Gebotene niemals nie nicht angemessen.

Flasche: 7 Punkte
Och Ker, die Flasche ist nicht schlecht. Sonderform, geschmackvoll gestolten, was will man mehr. Leider mit Lügen der Zutaten bezüglich befleckt. Schade drum.

Fazit: 4 Punkte
Mensch, wirklich! Ich bin wirklich etwas wehmütig – ohne den Quark mit den Würzwaren wäre das Bier dem Schwarzen Abt sehr ähnlich, das die Lücke der süßeren Biere im Moment als eines von wenigen füllt und wäre ein wirklich leckeres, unorthodoxes Bier. Aber nein, alles im Eimer. Schade. Nicht, dass das Bier einfach zu haben wäre und daher eine Alternative wäre…

Kauzen Helles Landbier

Posted in ... weiter nichts als Bier on 31. Januar 2012 by Herr Grau

Art: Helles Landbier, 4,8% Alkohol

Geschmack: 7,5 Punkte
Recht grobblasige Kohlensäure, eine recht lange Phase folgt, die nur aus Frische, Kälte und Süffigkeit zu bestehen scheint, dann setzt die sehr gut balancierte Herbe ein und läutet den Abgang ein. Leichte Geschmacksverfärbung des Hopfens ins Unangenehme verbleibt im Mund. Ich schmecke hier wenige Dimensionen, aber alles in allem ein durchaus leckeres Bier, das über sehr großer Süffigkeit nicht seine Herbe an den Haken hängt. De facto könnte sich da so manches Fernsehnbier ne Scheibe von abschneiden. Ich muss sagen, dass dieses Bier sehr tschechisch schmeckt, was es angenehm von den Spezialbieren Bayerns abhebt.

Preis: 3 Punkte
In Bayern vermutlich bezahlbar, hier im Norden nur als Bierspezialität zu haben – zu horrenden Preisen.

Flasche: 7,5 Punkte
Ich kann mir nicht helfen – die Farbwahl ist zwar mächtig ungünstig getroffen und es gibt keinen appetitanregenden Text auf dem Rückenetikett, aber der Kauz reißt alles raus. So ein knuffiges Wappen, das hat man einfach selten gesehen.

Fazit: 7 Punkte
Ein leckeres Bier, das den meisten großen Namen die Hosen ausziehen würde. Leider teuer und kaum zu haben – sehr schade drum.

Großer Kneipencheck – Aachen

Posted in Allgemein on 31. Januar 2012 by hoegi

Ein nicht bestätigter Mythos besagt, dass Aachen die Stadt mit der höchsten Kneipendichte in Deutschland ist. Das mag wohl so sein. Im Folgenden werde ich einen Ausschnitt aus dieser Kneipenlandschaft, wie bekannt, völlig subjektiv in Reichweiten von völlig abwertend bis gottgleich beschreiben und bewerten. Die Lokalitäten sind nach bestem Wissen und Gewissen alphabetisch sortiert und es besteht keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit und Richtigkeit der gemachten Angaben. Da war schließlich oft Alkohol im Spiel.
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Großer Kneipencheck – Münster

Posted in ... weiter nichts als Bier, Geld gegen Essen - Restaurantnörgeleien, German Heaven, Getestet, smile and look alive on 30. Januar 2012 by Herr Grau

Wo die Arbeit am Göttinger Pendant zu diesem Artikel – vielleicht aus schierer Ignoranz – noch allein bestreitbar war, so gestaltet sich dies in unserer uns wohl bekannten Heimatstadt Münster doch etwas schwieriger, taten sich doch bei erster Schätzung rund siebzig zu bewertende Etablissements auf – Tendenz steigend. So mussten wir die geballte Kraft dreier in der freien Wildbahn überaus schwer zu fangenden Autoren am Himmel sammeln, um diese Aurora von in jahrelanger, aufopferungsvoller Kleinstarbeit erstrittenen Kompetenz abbrennen zu können.

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Reichold Hochstahl Lager

Posted in ... weiter nichts als Bier on 28. Januar 2012 by Herr Grau

Typ: Lager, 4,9% Alk.

Beispielfoto - Achtung: Realität kann von Phantasie abweichen

Geschmack: 8,5 Punkte
Hochstahl Lager – was für ein Name! Phonetisch ist es schon mal vom allerfeinsten und dann kommt es auch noch durstbeflügelnd bernsteinfarben daher, dieser Stolz der 1906 gegründeten Brauerei Reichold aus Aufsess. Es hat keine riesigen Schaummengen, sodass der Geruch nach Farbmalz sofort durchschlägt. Dann Antrunk:
Frisch, recht grobblasige Kohlensäure, leichter Karamell und Malzigkeit, dann überraschende Herbe, die lange anhält und in der sicherlich Herbe von Farbmalz und Hopfen Hand in Hand gehen. Sehr subtile Süße. Durchaus süffig. Alles in allem ein sehr leckeres Bier, das einen ein bisschen an Nachtisch denken lässt, auch wenn es wirklich nur kaum merklich süß ist.

Preis: 3 Punkte
Schwer zu kriegen ist es und schlägt, wenn man es denn kriegt, mächtig zu Buche. Wert ist es den Preis aber.

Flasche: 6 Punkte
Nicht richtig schön, aber wenigstens auch nicht hässlich. Schlicht und halbwegs geschmackvoll. Kein Rückenetikett, keine weiteren Informationen.

Fazit: 8 Punkte
Da kann man echt nicht meckern. Ein sau gutes Bier, das. Ich würde mich nicht unbedingt auf den Kopf stellen, um eine Kiste zu kriegen, aber jederzeit eine kaufen, wenn ich sie sähe. Empfehlung!