Geld gegen Essen – Mahardscha (Göttingen)

Posted in Geld gegen Essen - Restaurantnörgeleien on 20. Juli 2011 by Herr Grau

(aus Übersichtsgründen vorgezogenes) Prädikat: Empfehlenswert

Ich muss ganz ehrlich zugeben, dass ich noch nie indisch gegessen hatte, als ich einen Geburtstag zu beessen in das Maharadscha in Göttingen eingeladen wurde. Aber, wie wir ja schon vom alten Tell wissen: Den Mutigen hilft Gott. Also flugs den Karren angespannt und ab in die Gartenstraße.

Das allererste, was man sagen muss, ist, dass das Interieur wirklich nett ist. In meinen Augen gibts ja nur wenige Dinge, die schlimmer sind, als Kitsch. Dieses Restaurant ist einfach, aber geschmackvoll eingerichtet, die indische Atmosphäre ereilt einen trotzalledem effektiv. Zweiter Punkt von auffallender Günstigkeit ist der Service, der nämlich genau so ist, wie er sein sollte. Meine Herren, da können sich auch erheblich teurere Restaurants mal eine Scheibe von abschneiden – leise, effizient, sehr nett, informiert, so man denn eine Frage hat. So muss es sein. Begeisternd.

Dann ist Essen. Es fiel mir schwer, überhaupt eine Entscheidung zu treffen, denn fast nichts auf der Karte sagte mir wirklich etwas. Ich hasse es, Entscheidungen treffen zu müssen, ohne ausreichend Informationen zur Verfügung zu haben. Meine kulinarische Ratetour brachte eine gelbe Linsensuppe und eine gemischte Tandooriplatte an meinen Platz, dessertiert von einem hausgemachten Eischen und einem Mango-Lassi. Geschwindigkeit? Gut.

Aus Gründen der Schriftstellerei fange ich in der Mitte an: Das Tandoori-Fleisch war allesamt lecker, saftig, teilweise in interessanten Marinaden, die einen raten lassen, was da wohl drin ist. Serviert mit drei Dipps, einer Joghurt, einer Minze und einer irgendwas sehr leckeres Rotes, das ich nicht identifizieren, aber zu meiner Lieblingssauce küren konnte. Zu fast jedem Gericht gibt es Brot und Reis dazu. Was z.B. bei den Currys, die Andere am Tisch hatten, absolut nötig ist, denn diese sind zwar enorm lecker, aber auch schon scharf. Wer da sensibel veranlagt ist, sollte lieber vor dem Bestellen einmal nachfragen. Der Lassi war lecker, ebenso das Eis. Aber. Aaaaaaaber. Die Suppe! War die gut. Sack Zement. Es fehlt an Wortgewalt. Diese gelbe Linsensuppe war einfach mal das Beste, was ich seit Ewigkeiten in einem Restaurant gegessen habe. Wenn der Laden auf dem Weg läge – ich würde sicherlich häufiger Mittags mal auf eine Dal Shorba absteigen. Die 3,50€ muss man einfach investieren, wenn man da ist.

Alles in allem ein sehr gutes Restaurant, referenzverdächtiger Service, gutes Essen, nette Atmosphäre. Wenn überhaupt, vielleicht einen Tick teuer. Gesehen haben sie uns aber mit Sicherheit nicht zum letzten mal.

Wertung:
Essen: 9 /10
Service: 10 /10
Sauberkeit: 9 /10
Preisgestaltung: 7 /10
Ambiente: 8 /10

Gesamtergebnis: von 4,3 von 5 Vanilleeiskugeln mit Senf und Gürkchen

Indisches Restaurant Maharadscha
Gartenstraße 25
37073 Göttingen
Tel: 0551/ 4 88 61 25
http://www.maharadscha.com

Öffnungszeiten: Dienstag – Sonntag 11:30 – 23Uhr

Anchoïade façon maison

Posted in Essen & Trinken on 19. Juli 2011 by Herr Grau

Ich fühle mich immer so mutig, wenn ich Titel benutze, von denen ich keine Ahnung habe, ob sie stimmen. Und weil es ja in diesem Blog um nichts geht, als dass ich mich irgendwie gut fühle, muss der geehrte Leser jetzt das hochgejazzte Juppiegebabbel ertragen, das jede Art von französischer Essensbezeichnung für meine Ohren automatisch ist. Eine wunderbare Möglichkeit, mir Unangenehmem noch etwas Positives abzugewinnen.

Anchoïade ist eine Erfindung der Provence. Da, wo französische und italienische Küche kollidieren, wird viel mit Oliven und ihrem Öl, Kapern, Anchovis und Knoblauch gekocht – und diese Nähe zur italienischen Küche ist das, was das ganze für mich so herrlich vertraut und unkompliziert macht.
Wie viele ursprüngliche Arme-Leute-Essen hat auch dieses eine breite Zahl von Freunden gefunden und in seiner Heimatregion hat fast jede Hausherrin ein eigenes Geheimrezept. Ich gehöre dazu. Also zu den Freunden, nicht zu den provencialischen Hausfrauen. Und weil alle wirklich begeistert waren, gibt es jetzt hier eine epische Abhandlung darüber.

Im Grundsatz handelt es sich um Knoblauch, der mit Anchovis zerstoßen oder zerhackt und dann mit Olivenöl und Rotweinessig aufgeschlagen wird. Eventuell ebenfalls enthalten sind Kapern und Oliven. Wie gesagt, jeder hat sein eigenes Rezept. Die klassische Variante war mir persönlich zu stark, Salz und Knoblauch nahmen keine Gefangenen. Ich habe also ein Eigelb genommen, ein wenig Essig und habe angefangen, daraus mit Olivenöl eine Mayonnaise zu schlagen. Nach und nach habe ich dann meine Grundmasse aus 80g gehackten Sardellen, einer großen Zehe gehacktem Knoblauch, etlichen EL Öl und ein wenig Essig und Pfeffer darin eingearbeitet. Am Ende habe ich etwa die Hälfte Rapsöl benutzt, weil das Olivenöl sehr stark geschmeckt hat.

Zum Thema „Hestellung von Mayonnaise“ hören wir nun unseren beliebten und von der Leserschaft frenetisch zum Wiederauftauchen aufgeforderten Gastdozenten vom Internationalen Zentrum für Tropenvertikulationstechnik der Universität Gempelshagen Prof. Dr. rer. hort. Ambrosius M. Grau:

Mayonnaise ist eine kalt hergestellte Würzsauce, die in den Beneluxstaaten seit ihrer Erfindung 1982 durch den deutschen Orgonphysiker Heinz-Joachim Freiherr von Mayonn für flächendeckende Gesundheitsprobleme sorgt. Es handelt sich um eine Emulsion von Öl in Wasser, emulgiert durch das in Eigelb enthaltene Lecithin. Eigentlich neigt Lecithin auf Grund seines HLB-Werts zu Wasser-in-Öl-Emulsionen, was den hungerigen Hobbykoch nun vor komplizierte physikalische Probleme stellt. Erst im späten zwanzigsten Jahrhundert gelang in Geheimlaboren auf der dunklen Seite des Mondes das, was Henning Brand jahrhunderte vorher mit Phosphor gelungen war, nur kalt, mit anderen Zutaten und anderen Ergebnissen: Es wurde entdeckt, dass man eine stabile Emulsion herstellen kann, wenn man mit sehr wenig Öl beginnt und dieses dann erst nach und nach langsam zugibt. Das heißt also, für den Laien, in der Praxis, wenn man es denn jetzt und überhaupt:
Wir beginnen mit einem Eigelb, einer minimalen Menge Senf (ein drittel Teelöffel suffiziert bereits), etwas Salz, etwas Pfeffer und einem Schuss Zitronensaft oder Rotweinessig. Wir beginnen, das Ganze mit einer Gabel zu rühren und geben einige Tropfen Öl dazu, rühren, rühren, rühren, Tropfen Öl, rühren, Tropfen Öl, etc… Irgendwann bildet sich etwas, das bereits nach Mayonnaise aussieht. Wenn es so weit ist, kann man die Ölmenge langsam erhöhen. Langsam. Wenn die Mayonnaise kippt, darf man von vorne anfangen und schließlich gegen Ende Löffel für Löffel die umgekippte einrühren. Wie viel Mayonnaise man aus einem Ei schlagen kann, hängt vor allem von der wässrigen Grundvorlage ab. Dr. M.A. Frant van Jovejokkel soll angeblich aus einem einzigen Eigelb einmal vierundzwanzig Liter der in seinem Heimatland Holland auch „weißes Gold“ genannten Sauce hergestellt haben.

Wie gut, dass wir akademischen Beistand haben. Genau, wie man am Ende auch umgekippte Mayo unterschlagen könnte, so kann man in eine Mayonnaise auch die Anchoïade-Grundmasse einschlagen. Ich habe etwa 300ml Mayonnaise gemacht und dafür o.g. 80g Sardellen und 1 Knoblauchzehe verwendet.

Diese Anchoïade, für deren mayonnaisigen Charakter ich vermutlich von jeder französischen Frau mit einer Reitpeitsche über den Hof gejagt werden würde – ein weiteres Vergnügen weniger also, das ich wie jeder andere bezahlen muss – ist eine wunderbare Creme auf Baguette oder Chiabatta. Für lustiges Kichern gibt es obendrauf gehackten Schnittlauch. Extrem lecker. Gefährdet akut meine kardiovaskuläre Gesundheit.

Studentenfutter: Eine einfache Gorgonzolasoße

Posted in Essen & Trinken on 19. Juli 2011 by hoegi

Wenn die Zeit mal knapp ist und der Hunger groß: Hier ist kurz und knapp ein schnelles Rezept für eine leckere Gorgonzolasoße.
Eine Packung Gorgonzola in handliche Stücke/Würfel schnippeln, die Rinde entfernen nicht vergessen, und bei geringer Hitze in Topf oder Pfanne schmelzen lassen. Währenddessen schonmal die Nudeln (ich empfehle Spaghetti) ans Kochen bringen. Wenn der Gorgonzola gleichmäßig cremig geschmolzen ist, schmeißen wir einen Becher Sahne (die Verpackung machen wir vorher ab) dazu. Nach Gusto mit Salz und Pfeffer abschmecken und kurz zusammen kochen lassen. Zum Schluss gibt man, falls vorhanden, kleine Scheiben Parma- oder Serranoschinken in die Soße und erwärmt diese einen Augenblick mit.
Dass die Soße auf die Nudeln gehört brauche ich wohl nicht groß zu erklären. Also guten Appetit!

Worte und Dinge #9

Posted in smile and look alive on 9. Juli 2011 by Herr Grau

Since I have to choose between the boring and the crazy,
I always go for crazy.

Wichtige Worte: Samuel Johnson #1

Posted in smile and look alive on 4. Juli 2011 by Herr Grau

He who makes a beast of himself
gets rid of the pain of being a man.

Wichtige Worte: Deutsche Volkslieder #1

Posted in smile and look alive on 2. Juli 2011 by Herr Grau

Im Wald, da sind die Räuber.

Review: Wyres Saiten

Posted in Getestet on 23. Juni 2011 by Herr Grau

Saiten sind für Gitarristen magisches Gut, denn sie bergen die Verheißung, für ein paar Taler aus dem alten Eierschneider doch noch ätherischen-güldenes Singen entlocken zu können oder – die tiefe Grundlage fast jedes Gear Acquisition Syndromes – plötzlich wie der junge Teufel in Yrgendwie Malmsteins Küchenschränkchen spielen zu können. Leider bin ich von dem Nymphengesang jener Magie nicht gefeit. Unfähig, jemals einfach mal mit dem „ganz Guten“ dauerhaft vorlieb nehmen zu können, mäandere ich durch das Angebot der Saitenhersteller. Meine Lakewood wurde mit 012-053ern Elixir-Saiten ausgeliefert, die mir als Referenz dienen. Generell kommen für mich eigentlich nur beschichtete Saiten in Frage. Ich habe nicht viel Zeit, daher stehen die Instrumente von Spielen zu Spielen auch mal ein paar Tage; unbeschichtete Saiten, mit ein wenig Handschweiß benetzt, annihilieren sich innerhalb dieser Zeit einfach auch mal gerne selbst.

Nachdem die D’Addario EXP durch ihren zu dumpfen Klang bereits ausgeschieden waren, stolperte ich im Fingerpickerforum über die Empfehlung, dem Drahtwerkœvre der Firma Wyres aus Canada einmal ein forschendes Auge zuzuwenden. Die Firma Celtic Sound vertreibt genannte Schwungkörper in Deutschland, also wagte ich den Schritt und bestellte die beschichtete Serie in der selben Stärke wie meine Elixirs, mit der ich sehr gut zurecht komme ( – wer hat außerdem Lust, seine Gitarre neu einstellen zu lassen?..).

Eigentlich wollte ich an dieser Stelle einen Klangvergleich zwischen Elixirs und Wyres veröffentlichen. Nach meinen Erfahrungen erübrigte sich aber die Mühe: Von Anfang an klangen die Saiten .. sagen wir mal unspektakulär. Langweilig. Außerdem hingen die beiden hohen Saiten im Klangbild irgendwie daneben. Und das wurde nicht besser – nach nicht einmal zwei Wochen nicht besonders intensiver Nutzung sieht die Bespannung aus, als wäre Stalingrad mal zum Kaffee vorbei gekommen. Als langer Rede kurze Klimax möge dienen, dass ein befreundeter Gitarrist mich verstört fragte, seit wann meine Gitarre so armseelig klinge. Das soll als zusammenfassender Punkt gereichen.

Es bleibt zu erwähnen, dass die Saiten beim Fingerpicking schon merklich besser klingen, als beim von mir fast hauptsächlich praktizierten Strumming – und dass die Firma Celtic Sound meine übrigen Saitensätze sehr kulant zurücknahm. Für den Fingerstyle-Gitarristen, der beschichtete Saiten braucht und weder mit den Elixirs, noch mit den D’Addarios zurecht kommt, mag es einen Versuch wert sein. Für alle anderen kann ich nicht guten Gewissens etwas anderes als ein Abraten aussprechen.

Wichtige Worte: Schillers Tell #6

Posted in smile and look alive on 23. Juni 2011 by Herr Grau

Rastlos muß ich ein flüchtig Ziel verfolgen,
Dann erst genieß ich meines Lebens recht,
Wenn ich mirs jeden Tag aufs neu erbeute.

Lieber Facebook-Nörgeler…

Posted in Probleme des Lebens, smile and look alive on 21. Juni 2011 by Herr Grau

Gerade durfte ich wieder in einem Forum über einen Aufschrei des alarmierten Deutschen stolpern, es wurde sich echauffiert über so genannte „Facebook-Partys“.
Ich bin jung und ich bin im Facebook – und ich weiß nicht einmal, was es mit diesen Facebookpartys auf sich hat. Man kann und muss tagtäglich einen ganzen Haufen Schwachsinn ignorieren; dass eher früher als später auch Facebook ein Ort für die Ausübung dieses Talents sein würde, war angesichts der Tatsache, dass 675 Millionen Menschen dort teilnehmen, jetzt nicht unbedingt verwunderlich. Ein paar Deppen dürften – fernab jeder Erfahrung mit dem Internet jetzt mal rein statistisch – schon dabei sein.

Wer nichts besseres zu tun hat, als bei der schieren Nennung des Namens „Facebook“ reflexartig von „Informations-Stasi“ zu brüllen, hat vermutlich in früherer Kindheit mal einen mit dem Klavier an den supracervicalen Hohlraumbegrenzer gekriegt. Du bekommst eine einmalige und sehr gut funktionierende Dienstleistung und zahlst dafür mit privaten Informationen – aber nur mit jenen, die du preisgeben willst. Es steht kein Mann im grauen Trench vor deiner Tür, wenn Du dein Geburtsdatum nicht veröffentlichst und du wirst auch nicht ohne Prozess interniert, weil du keine Fotos von dir hochlädst. Und wenn du dich irgendwo bewirbst und auf deinem Facebookprofil sind Bilder, wie du dich bar und eigenurintrinkend von einem betrunkenen Zwerg auspeitschen lässt, dann bist du einfach nur ein Trottel, das ist nicht die Schuld von welchem Sozialportal auch immer, das du dich zu nutzen entschieden hast. Es ist deine Schuld, und deine ganz allein.

Leute, die dann anfangen zu nörgeln, sind oft die selben, die sich auch beschweren, wenn ihr Passwort „1234“ geknackt wird und dann vehement fordern, dass man von den Seiten zu sichereren Passwörtern gezwungen werden soll. Wer nicht von sich aus vernünftige Passwörter verwendet, kann sich auch nicht mit dem Argument, er verstünde von Technik nichts, herausreden. Trottel, sonst nichts, und zwar derart, dass man sie von öffentlicher Seite aus mit Schildern kennzeichnen müsste, zum Schutz der Restallgemeinheit. Für solch eine Regel könnte ich mich schon mit Leib und Seele erwärmen.

Zu guter letzt bleibt noch, die Leute zu adressieren, die Dinge wie Facebook „aus Prinzip“ nicht nutzen wollen. Ja, man sollte nicht jede Neuerung per se als toll feiern und sich hinein stürzen – es gibt mit Sicherheit genug Neuerungen von zweifelhaftem Wert. Innovationen aber kategorisch abzulehnen, ist genauso stupide und spricht von einem missverstandenen Sinn von Retrocoolness ( – wenn man nicht gerade kategorischer Reaktionär mit funktionierendem, ich wiederhole: funktionierendem philosophischem Überbau ist).
Zum Mitpinseln: Nein, du bist nicht cool oder interessant, weil Du Facebook ablehnst – alles, was du bist, ist auf dem Weg, ein verschrobener alter Mann zu werden.

Und es wäre ja nun kein meiner würdiger Text, wenn es nicht mindestens irgendwo völlig überhebliche Prophetie gäbe. Also:
Wahrlich, ich sage Euch: Was es gibt, ob alt, ob neu, will sowohl mit Bedacht betrachtet, als auch genutzt werden, wenn denn für gut befunden!
So einfach ist das.

Deutsche Sprache? Schöne Sprache.

Posted in Angewandte Wissenschaft on 14. Juni 2011 by hoegi

Wissenswertes aus der Textverarbeitung:
Ist eine einzelne Zeile eines Absatzes durch einen Seitenumbruch vom Rest des Absatzes getrennt, spricht man entweder von einem Schusterjungen (oder auch Waisenkind), wenn es sich um die erste Zeile eines Absatzes handelt, oder von einem Hurenkind (heute leider auch Witwe genannt), wenn es sich um die letzte Zeile des Absatzes handelt.

Wir haben eine dufte Sprache.