No Knead Pizza und das Backen im Haushaltsofen

Posted in Essen & Trinken on 3. November 2014 by Herr Grau

Wenn ich bis jetzt über Pizza im heimatlichen Backofen geschrieben habe, dann war das für mich immer mehr eine akademische Übung rein theoretischer Natur, denn ich besitze einen großen Pizzaofen, den ich schon vor sieben Jahren in der Elektrobucht geschossen habe. Ich selber hatte also nie einen Anreiz, es mit der unterwertigen Technik zu probieren. Andere Leute machten es mit Erfolg, das reichte mir. Ich konzentrierte mich lieber darauf, mit meinem Ofen die besten Ergebnisse zu erzielen. Jetzt – sieht die Sache anders aus.

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Mein Ofen steht nämlich umzugsbedingt auf weiteres unter vielen Kisten in einem Keller, während ich leidvoll nach Pizza hungere. Aber: Auch ich bin Mann, weiß meine Axt zu führen, und den Mutigen hilft Gott. Es hat doch einen schönen Brotbackstein im Ofen. Und Jim Laheys Rezept für Pizzateig ohne Kneterei wollte ich auch schon lange dringend ausprobieren. Es hat seltsamerweise in Deutschland nämlich so gut wie keine Aufmerksamkeit erfahren, obwohl die No Knead Brote sich (richtigerweise) wie ein Lauffeuer verbreitet haben. Ich backe selber kaum mehr anders – Zeit also, ihm eine Chance zu geben.

Teigzubreitung
Pro 30cm Pizza:

166g 405er oder 00 Mehl (ist wurscht, siehe Mehltest im GSV)
115ml Wasser (70%)
1/2 TL Salz
1/16 TL Trockenhefe oder 1g Frischhefe

Alles verrühren bis homogen, abgedeckt 14 bis 18h stehen lassen. Teig auf eine bemehlte Fläche geben, teilen. Bei jedem Teigling die Ecken nacheinander in die Mitte ziehen, rundschleifen und mit Schluss nach unten ablegen. Unter einem Tuch eine Stunde gehen lassen.

Backen
Einen Backstein oder eine umgedrehte Gusspfanne im Ofen auf maximaler Temperatur etwa 20cm unter dem Ofendach vorheizen, Stein eine halbe Stunde je cm Dicke. Dann auf Grill (max. Temperatur) umschalten und Pizza formen beginnen. Teig gut mit Weizengrieß oder Dunst bemehlen und vorsichtig rundformen. Einschießen und backen, bis schön (ca. 3-5 Minuten).

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Blechpizza
Ich habe relativ wenig Blechpizzen gebacken, das heißt aber nicht, dass nicht auch die Pizzen eher sizilianischem Stils unabstreitbar ihren Reiz hätten. Für eine schnelle Familienmahlzeit ist das sicherlich die deutlich weniger arbeitsintensive Variante und genau aus dem Grund habe ich es auch ausprobiert. Man muss das Rezept lediglich auf 500g Mehl hochrechnen. Der Teig wird dann neben dem dünn geölten Blech (nur mit geöltem Lappen auswischen) auf seine Breite gezogen, auf das Blech gebracht und dort breit gedrückt. Die Pizza wird dann nach Gelüst geschmückt und bei 250° im vorgeheizten Ofen mit Ober/Unterhitze in der untersten Schiene gebacken, bis sich die Pizza merklich vom Rand nach innen zieht und die gewünschte Farbe hat, was je nach Ofen 10 bis 15 Minuten dauert.

Fazit
Ich habe seit Jahren eine ziemliche Pizzaobsession und habe fast jeden Teig ausprobiert, der mir unter die Finger gekommen ist. Außerdem habe ich wie gesagt bis jetzt in einem Pizzaofen gebacken. Es hat also schon etwas zu sagen, dass ich noch nie so eine gute Pizza gebacken habe: Knusprig, leicht, aromatisch, einfach nur genial. Automatisch musste ich mutmaßen, wie großartig die Pizza erst in einem Pizzaofen geworden wäre! Ich hatte aber auch noch keinen Teig (nach meinen kläglichen Anfangsversuchen vor fast zehn Jahren), der so ein Bastard war: Erst lässt er sich sehr gut händeln und man denkt „hm, vielleicht ist das mit den 70% Hydratation gar nicht so wild.“ Und dann kriegt man ihn nicht vom Schieber runter. Und alles reißt und versaut den ganzen Ofen. Meine clevere Idee, Backpapier zu benutzen, hätte heute fast zu einem kleinen Brand in meinem Ofen geführt. Merke: Backpapier hält den voll aufgedrehten Grill nicht aus. Ich werde mit minimal weniger Wasser (ich denke 2%) experimentieren, da ich vermute, dass Laheys Mehl mehr Wasser zieht. Was er in seinen Videos an Freiformtechnik in der Luft demonstriert, wäre mit diesem Teig nie möglich gewesen. Auch hat er nie Probleme mit Kleben am Schieber, obwohl er scheinbar weniger Mehl benutzt. Andererseits ist er natürlich auch ein Brotgott.. . Außerdem werde ich den Teig mit Ischia-Sauerteig ausprobieren. 1/3EL Sauerteig pro Pizza plus ein Körnchen Hefe sollte hinhauen. Ergebnisse werden natürlich berichtet.

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(Wenn mein besch*****es Tafelmesser den Teig nicht so zerdrückt hätte, wäre das letzte Bild noch deutlich herrschaftlicher.)

Baguette und Wurzelbrot (No Knead)

Posted in Essen & Trinken on 27. Oktober 2014 by Herr Grau

Ich bin ein sehr fauler Mensch. Für ein besonderes Brot ist Kneten mal in Ordnung. Das Ziel war aber schon immer, für den Alltag ein Brot in Petto zu haben, das so wenig Arbeit wie möglich macht – natürlich mal wieder ohne dass ich bereit wäre, auf sehr hohe Qualität zu verzichten. Ist klar. Gutes Brot ist für mich absolut nötig – es gibt schließlich kaum besseres auf der Welt.

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Das No Knead Brot ist wirklich keine bahnbrechende Novität mehr. Schon 2009 habe ich darüber geschrieben und selbst da war ich schon drei Jahre zu spät auf der Party. Aber ich musste schon etwas herumprobieren, bis ich das Rezept für Baguette adaptiert hatte. In den letzten Wochen habe ich viel experimentiert und die ersten Baguettes sind völliger Schund geworden, wahrscheinlich auf Grund des Baguetteformens, mit dem ich immer noch hadere. Inzwischen habe ich eine Variante, die ganz ordentlich funktioniert – wenn ich es „nach Lehrbuch“ (Videos von Lutz Geißler und Ciril Hitz) versuche, kann ich das Ergebnis auf Grund von wegen Regens völlig ausfallendem Backtrieb liebevoll in die Tonne hauen. Naja. Die gezeigten Brote sind wie folgt entstanden:

500g 405er Mehl
325ml bis 350ml zimmerwarmes Wasser (je nach Mehl und Luftfeuchtigkeit)
1/4TL Trockenhefe oder 3g Frischhefe
1 1/2TL Salz

Alles mit einem Teighaken vermischen bis homogen, abdecken. Vierzehn Stunden gehen lassen. (optional an dieser Stelle: Stretch and Fold) Teig in zwei Teile teilen und Leibe formen. (meine Methode: In der Luft hin und her wabbeln, bis die Länge stimmt; für Wurzelbrot dann eindrehen) 1 bis 2h gehen lassen. Ofen auf 270° kräftig vorheizen. Vor dem Backen mit scharfer, nasser Klinge einschneiden. Auf Baguetteblech oder Brotbackstein mit viel Dampf backen, etwa 15 bis 20 Minuten. Nach 10 Minuten den Dampf ablassen.


Devils Twosome – Slowcooked-Pulled-Pork-Burger

Posted in Essen & Trinken on 26. August 2014 by bic_mac

Dies ist ein Gericht für Connaisseure. Für Menschen, die gute Dinge zu Schätzen wissen. Für Menschen, die das Gefühl kennen, etwas Großartiges zu erschaffen – und es dann zu verbessern. Deshalb befinden sich in diesem Beitrag bei scharfer Betrachtung zwei Gerichte. Der Leser ist aufgefordert, die Trennlinie selbst zu finden.

Zutaten:
1-1.5 kg Schweinebraten (aus dem Nacken oder der Schulter, Fettanteil erwünscht)
1.5 große Gemüsezwiebeln
250g Cherrytomaten
3 Möhren (das Gemüse, nicht Opel Astra)
Eine fingerdicke Scheibe gewachsenen Räucherspeck
Etwas Öl
1 Becher saure Sahne
Frieséesalat
Coleslaw
Getrocknete Tomaten
Saure Gurken
Dieses Rezept

Man nehme einen großen Topf mit temperaturresistentem Deckel, idealerweise eine Casserole. Ist eine solche nicht zur Hand, reicht auch ein normaler Kochtopf. Der Backofen wird auf ca. 95°C – 125°C vorgeheizt. Der Boden des Topfes wird ganz leicht mit Öl bedeckt. Dann wird ein Bett aus einer grob gehäckselten Zwiebel nivelliert. Dies bildet das Fundament, auf welches wir nun unser Stück Fleisch betten. Darauf geben wir die halbierten Tomaten, die in Scheiben geschnittenen Möhren, den Rest der Zwiebeln, den gewürfelten Speck und die saure Sahne. Zum würzen etwas Salz, Pfeffer, Zucker und eine Priese Piri-Piri-Pulver oder Chili. Nun den Deckel drauf und alles für 6 Stunden in den Ofen. Nach etwa 3 Stunden das Fleisch eventuell einmal wenden. In der Zwischenzeit hat man genügend Zeit das andere, oben erwähnte Rezept zuzubereiten, kleinere Besorgungen zu erledigen, die Küche aufzuräumen und einen 67er Ford Mustang Fastback zu restaurieren. Hat man sich allerdings als tapfer genug erwiesen und diese lange Zeit durchgestanden, so wird man anschließend mit einem Topf voll Glückseligkeit belohnt. Das Fleisch ist am Ende so zart, dass einfaches Umrühren den Block Fleisch in perfektes Ragout verwandelt. Heureka – ans Anrichten!
Burgerbrötchen halbieren, ein Salatblatt auf die untere Hälfte, Fleischspezialität drauf. Coleslaw, getrocknete Tomaten, geschnittene Gurke aufschichten und mit der oberen Brötchenhälfte perfektionieren. Das Ergebnis sieht dann etwa so aus:

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Anmerkungen: Für dieses spezielle Gericht empfiehlt es sich den Butteranteil im Brötchenrezept deutlich zu erhöhen (beinahe verdoppelt). Das vollmundige Aroma der Butter harmoniert in ungeahnter Weise mit dem Fleisch. Die Optik der Brötchen gewinnt enorm, wenn man sie vor dem Backen mit Eiweiß bestreicht und mit Weizenkleie bestreut.

Review: JCK Kagayaki CarboNext Gyuto

Posted in Scharfe Messer on 22. Mai 2014 by Herr Grau

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Eines der am häufigsten diskutierten und auch empfohlenen Messer der letzten Zeit ist das unglücklich benannte CarboNext von der JCK-Hausmarke Kagayaki. Die Serie zeichnet sich durch einen semi-rostfreien Stahl aus. Die Idee ist, den geringen Pflegeaufwand und die überlegene Zähigkeit von rostträgen Stählen mit der einfachen Schärfbarkeit und hohen Endschärfe von Carbonstählen zu kombinieren. Dazu gilt das Messer als gut verarbeitet und ist dabei auch noch erstaunlich preiswert. Ich musste also ausversehen eines kaufen. Jetzt die große Frage: Hält es, was es uns verheißt?

Die Verarbeitung des Messers macht zufrieden. Der Griff ist sauber und spaltenfrei verarbeitet, Kropf und Angel sind fehlerfrei angesetzt. Der Griff des Messers ist für meine Begriffe vergleichsweise klein, ich kann aber noch problemlos damit arbeiten. Ich habe sehr große Hände, für die allermeisten Leute dürfte dies also kein Problem darstellen. Am Klingenschliff gibt es nicht viel zu mäkeln. Er ist nicht hundertprozentig gleichmäßig, aber im Rahmen weit teurerer Messer. Die Kanten am Rücken und Kehl sind nicht gebrochen, der Kehl ist relativ grob geschliffen. Bei einem Messer dieser Preisklasse ist mir das aber völlig wurscht, zumal es praktisch keine Konsequenz hat. Kann man innerhalb von zwei Minuten selbst korrigieren. Der Schliff, mit dem das Messer ausgeliefert wurde (ES-Option wurde nicht gewählt), ist dagegen einfach nur ausgezeichnet: Ich würde es als 2:1-Anschliff für Rechtshänder klassifizieren, der auf jeden Fall fein gefinisht (ich würde auf #4000 tippen) wurde. Es war eine Zeit lang ein Manko der Kagayaki-Messer, dass sie in der Tradition japanischer Messerhersteller den Erstschliff dem Händler oder Kunden überlassen haben – für westliche Kundschaft ohne große Schleiferfahrung ein Nachteil. Darüber braucht man sich jetzt keinerlei Gedanken mehr zu machen: Volle Punktzahl hier. Linkshänder sollten sich vor der Bestellung bei JCK melden, ein umgekehrter Anschliff ist kein Problem.

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Deutlich wichtiger ist aber noch die Geometrie; sie bestimmt, wie leicht sich Dinge schneiden lassen, die nicht nachgiebig sind. Ich habe die Klinge ausgemessen, für Anschauungszwecke neben dem als sehr dünn geltenden Ashi Ginga (Review steht noch aus) fotographiert und mit dem Messer einen großen Haufen Zwiebeln, Karotten und Tomaten geschnitten, sowie ein ganzes Rinderherz pariert. geometrienDabei habe ich immer mal wieder das Ashi und mein Herder Nakiri zum Vergleich genommen. Man kann auf dem Bild weiter unten ersehen, dass die Geometrie nicht verkehrt ist, ein dickes Messer ist das Kagayaki nicht. In der Tabelle sieht es sogar auf den ersten Blick so aus, als stünde es dem Ashi in nichts nach. Tatsächlich muss man aber bedenken, dass das Ashi Ginga ein 24cm-Gyuto ist und daher eine deutlich breitere Klinge hat als das 21cm Kagayaki. Insgesamt ist die Dickenzunahme des JCK also über eine kürzere Strecke, das Messer damit dicker. Und das zeigt sich auch in der Praxis. Wo man Zwiebeln und Tomaten vor Freude jubilierend zersäbelt, zeigt sich bei dem ewigen Problemgemüse Karotte, dass es eben doch noch etwas dünner ginge. Hier sind das Ashi und das Herder fühlbar etwas besser. Insgesamt ist die Geometrie des JCK aber trotzdem als gut zu werten, alle anderen Aufgaben erledigte das Messer mit Bravour.

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Links JCK CarboNext, rechts Ashi Ginga

Auch nach einem langen Tag Schnibbelei, bei der ich das Kagayaki ganz normal behandelt habe und keinesfalls extra vorsichtig, ist die Schärfe unverändert hoch, die Schneide zeigt keine Ausbrüche. Auf Grund des exzellenten Werksschliffs habe ich das Messer noch nicht auf dem Stein gehabt, zu dem Nachschleifen kann ich also nichts sagen. Die Auslieferungsschärfe lag etwas unter der meines kürzlich geschliffenen Ashis, aber nicht viel. Es etliche Minuten in Zwiebelsaft liegen zu lassen, hat keine sichtbaren Oxidationsspuren an der Klinge hinterlassen, die Rostresistenz kann also als erstaunlich hoch bezeichnet werden.

Fazit: Das 21er CarboNext Gyuto ist im Moment für 98,40€ inkl. Versand und MwSt zu haben und war nach gerade mal vier Werktagen nach der Bestellung in Japan bei mir. Für das Geld bekommt man ein gut verarbeitetes Messer aus einem Stahl, den man auf Basis seiner erreichbaren Schärfe, Rostträgheit und Schnitthaltigkeit nur empfehlen kann. Der Werksschliff ist ausgezeichnet, die Geometrie liegt im oberen Mittelfeld. Ich halte das Messer damit für eine exzellente Empfehlung in seinem Preisbereich. Die Alternative wäre in meinen Augen das Herder 1922, das eine bessere Geometrie bietet, dafür aber weniger schnitthaltig ist. Weiterhin lebt man bei der Bestellung eines Herders immer mit der Gefahr eines schlecht verarbeiteten Griffes.

Hier sind noch die angegebenen Maße:
Klingenlänge: 210mm
Länge insgesamt: 330mm
Klingendicke: 2.2mm
Klingenbreite: 43mm
Grifflänge:113mm
Gewicht: 159g

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Kurzreview: Makeso Santoku

Posted in Scharfe Messer on 10. Mai 2014 by Herr Grau

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Makeso ist ein solinger Haushaltswarenhandel, der Name steht für Martin Keller Solingen. Herr Keller lässt unter anderem einige Messer in Solingen für sich fertigen und verkauft diese zu sehr günstigen Preisen. Das hier besprochene Santoku läuft leider aus, da es sich nicht so blendend verkauft, es gibt aber noch ein paar in der Bucht zu kaufen. Ich gehe davon aus, dass ein paar Reviews im Netz dieses Problem hätten lösen könnten – das Messer ist nämlich in Ordnung.
Es gibt zwei Varianten des Santokus: Mit Pflaumenholzgriff (26€) und Olivenholzgriff (30€). Da meines ein Geschenk an einen guten Freund ist, habe ich zu der teureren Variante mit Olivenholz gegriffen, die jetzt völlig ausverkauft ist.

Der Griff ist aus für den Preis sehr schön gemasertem Holz und sehr ordentlich verarbeitet, da können sich deutlich teurere Messer noch eine Scheibe von abschneiden. Es gibt lediglich einen kleinen Spalt hinten unten, der aber auch nicht tief geht. Das Messer liegt gut in der Hand, der Griff ist sinnvoll dimensioniert. Das Messer ist minimal grifflastig mit Balancepunkt bei der ersten Griffniete. makesogriffmakesogriff3makesogriff2

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Die Klinge aus solinger Standardstahl (vermutlich X45CrMoV15) ist dünngezogen, aber nicht ideal. So ist sie im hinteren Bereich nagelgängig, im vorderen Drittel aber nicht mehr, weil der Bauch der Klinge offenbar nicht berücksichtigt wurde. Ansonsten ist sie aber gleichmäßig geschliffen und nicht verzogen. Die Auslieferungsschärfe ist im hinteren Klingenbereich in Ordnung, vorne ließ sie stark zu wünschen übrig. Der Rücken ist nicht gebrochen, was aber schnell auf dem 1000er Stein machbar ist.

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Fazit: Nach einem ausgiebigen Neuschliff auf dem Stein ist das Makeso Santoku ein ordentliches Messer. Mit dem Dünnschliff des Herder-Santokus kann sich das Makeso definitiv nicht messen, dafür hat es einen deutlich besseren Griff. Schade, dass man für das Privileg eines Griffes dieser Machart und Qualität bei Herder das vierfache bezahlen muss (Lignum Santoku). Insgesamt kann man das Makeso für die empfehlen, die sehr günstig an ein ordentliches Messer kommen wollen. Ein ausgiebiger Neuschliff ist aber nötig. Ich würde empfehlen, das Messer direkt an Jürgen Schanz schicken zu lassen und es dort nachdünnen und neu schleifen zu lassen, was zwar den Preis um etwa 20€ erhöht, dafür hat man dann ein wirklich sehr gutes Messer, mit dem man lange glücklich sein kann.

 

Günstiger Messerkoffer

Posted in Angewandte Wissenschaft, Probleme des Lebens, Scharfe Messer, smile and look alive on 8. Mai 2014 by Herr Grau

Es gibt einige Probleme, die einfach nicht verschwinden. Seit Jahren packe ich jedes mal, wenn ich meine Messer irgendwo mit hinschleppe, meine Messer einzeln ein und packe sie dann in eine Stofftasche. Im Angesicht meines bevorstehenden Umzugs fiel jetzt zwecks vorausschauender Schadensminimierung endlich die Entscheidung, dass ein Messerkoffer her musste. Es stellte sich ziemlich umgehend heraus, dass ich nicht reich bin und daher mundgezimmerte Köfferchen aus bei Vollmond von blinden Jungfrauen gegerbtem Dodo-Leder nicht so richtig drin waren. Das ganze muss doch auch günstig gehen. Nach langer Suche stieß ich endlich auf den perfekt dimensionierten und gleichzeitig bezahlbaren Alukoffer: Diesen Notebook-Koffer von Conrad für 29,99€ plus Schaumstoffmatte für 8,49€. Ein bisschen Arbeit und Liebe später – man muss den Notebookfirlefanz rausschneiden und den Schaumstoff zurichten – hat man einen Messerkoffer, in den sogar mein Lachsmesser (31cm) von der Länge und mein großes Gyuto von der Tiefe her hinein passt, aber dabei immer noch sehr flach und stabil ist. Und wenn man nicht so schlaftrunken ist wie ich und erst mal den halben Schaumstoff zerstört, bis man raus hat, wie man ihn am besten bearbeitet, kann man das ganze innen bestimmt auch richtig schön haben.

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Game of Kings – Haus Hüerländer (Münster)

Posted in Game Of Kings, Getestet on 17. April 2014 by bic_mac

Es ist an der Zeit, diese Kategorie mit Leben zu füllen. Den Anfang macht hierbei des Autors Hausbahn.

Lage & Ausstattung:

Unweit der Abfahrt „Münster Nord“ der Bundesautobahn 1 gelegen, beeindruckt das Gehöft Hüerländer mit unvermuteter Ruhe und ländlichem Idyll. Die von steter Urbanisierung gepeinigten Augen haben zunächst Mühe, das gebotene adäquat zu verarbeiten: ein altes, urwestfälisches Fachwerkgehöft, natürlich stilecht um die 90er Jahre mit einem schmucklosen roten Klinkerbau erweitert, ist das Heim des Geschlechts der Hüerländer. Die eigentliche Minigolfbahn ist nur eine von mehreren Attraktionen. Steuerbordseits der Bahn schließt sich ein Rehgehege und ein Ziegenstreichelzoo an – welch cleverer Schachzug, um die Kinder frohlocken zu lassen und die Erwachsenen zum Besuch der angeschlossenen Gastronomie zu bewegen. Des Weiteren vermag man überschüssige Kleinstlebewesen auf einem Spielplatz oder an einer Koppel zu verklappen.

Die Bahn:

Der Zeugwart der Anlage, welcher in einer Blockhütte nebenan harrt, weist stets bei Materialausgabe darauf hin, dass das Betreten der Spielflächen unter Strafe steht. Durch seinen unmittelbaren Blick auf das gesamte Geschehen scheint dies die einzige Anlage zu sein, bei der diese Regel tatsächlich von jedem Spieler eingehalten wird. Welch Glück dies ist, wird bereits beim ersten Abschlag deutlich: jede der 18 Bahnen ist beinahe perfekt austariert, grobe Beschädigungen der Spielflächen sind nicht zu beobachten. Der Schwierigkeitsgrad bewegt sich zwischen Arcade und Medium. Als Besonderheit seien das 9. und 18. Loch hervorzuheben: Für diese wird ein eigener Ball mit erhöhter Prallkraft gereicht. Bei unvorbereiteten Spielern kann dies zu humoristischen Spielzügen führen. Auch noch wichtig: Schreibpult mit Aschenbecher an jedem Abschlag sowie reichlich Sitzgelegenheiten, falls Wartezeiten entstehen. Ein besonderer Clou ist dem Landschaftsgestalter bei den Löchern 8-10 gelungen. Diese sind durch dichtes Buschwerk und einem Bachlauf mit Brücke vom Rest der Anlage abgegrenzt, was erheblich dazu beiträgt, dass man sich bald nicht mehr in der Zivilisation, sondern eher auf einer Expedition befindet.

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Greenfee:

Die Preisgestaltung ist sehr fair gehalten. Eine Runde kostet 1.50 €, inklusive Schläger, Ball, Prallball und Schreibzeug. Die Flasche Pils kostet selbiges Entgelt, ein Pfand wird nicht verlangt. Parken ist selbstverständlich kostenfrei, Futter für die Rehe kostet 50 Cent.

Gesamturteil: 9 von 10 Punkten

Sehr gut gepflegte Anlage mit attraktivem Preis-Leistungs-Verhältnis und sehr gut lallbarem Namen. Bei gutem Ausflugswetter und besonders am Wochenende jedoch hohes Spieleraufkommen und viele kleinere Kinder. Muss man mit um können.

 

Haus Hüerländer
Twerenfeldweg 4
48161 Münster

Braufactum Palor

Posted in ... weiter nichts als Bier on 31. März 2014 by Herr Grau

IMAG1271Geschmack: 6,5 Punkte
Der Schaum ist schnell Geschichte. Blume mit kräftigem, sehr süßem Holunder und einer leichten Pfefferigkeit. Antrunk mit einer dezenten Süße und mittelfeiner Kohlensäure und dann mit etwas Verzögerung einem sehr kräftigen Hopfen, der sich lang auszieht und gegen Ende eine etwas unangenehm schmeckende bittere Note mitträgt.

Preis: 1 Punkt
Brauchen wir nicht mehr drüber reden…

Flasche: 8 Punkte
Es gilt das gleiche, wie für die anderen Braufactum-Biere. Gelungen.

Gesamt: 6 Punkte
Das Bier wird als „besonders gehopfter“ Vertreter seiner Zunft beworben – als ob man das bei einem Pale Ale wirklich noch bräuchte. Die den Hopfen wenigstens nicht völlig alleine stehen lassende leichte Süße ist das einzige, das das Bier rettet. Man kann es schon trinken, aber ich muss es sicher nicht noch mal haben.

C.& A. Veltins Grevensteiner

Posted in ... weiter nichts als Bier on 27. März 2014 by Herr Grau

27032014111Jetzt will uns Veltins beweisen, dass sie auch traditionsorientiert, premium und vor allem naturtrübes Landbier können und verweisen armwedelnd auf die Firmengeschichte und alte Geheimrezepte. Ich bin ein großer Freund naturtrüber Biere, die Flasche sieht herzzerreißend aus – ja, ja natürlich kaufe ich eins!

Art: Naturtrübes Landbier, 5,2Vol%

Geschmack: 6 Punkte
Blume hefig, etwas flach. Anrunk mit einer sehr präsenten Kohlensäure, die erst eine Hefenote und dann eine relativ deutliche Herbe mitbringt. Insgesamt bleibt der Geschmack allerdings merklich flach, bringt ein flaues Mundgefühl mit und endet vor allem in einer etwas unangenehmen Hopfennote. Insgesamt eine zu stark aufbrausende Kohlensäure und danach einfach zu unspektakulär und in dem zu flachen Profil ein nicht gut balancierter Hopfen. Hmpf.

Flasche: 10 Punkte
Eine 0,5L-Granate mit einem wirklich fantastischen Artwork. Schlicht aber traditionell, ein Apex postmodernen Bierdesigns.

Preis: 4 Punkte
Mit einem 16er-Kistenpreis von 13€ (danke an den Kollegen für die Nachrecherche) ist es ein recht teures Bier und versucht offensichtlich, das gerade erst von der Radeberger-Gruppe aufgestoßene Premium-Segment von unten etwas zugänglicher zu machen. Trotzdem sehr viel Geld für ein ganz besonders extradurchschnittliches Bier.

Gesamt: 6,5 Punkte
Nein, es ist nicht schlecht. Aber gut ist es leider auch wirklich nicht – und viel zu teuer. Das einzig Herausragende an diesem Bier ist fraglos die Flasche.

Gnocchi con Cuore & Tatare de cœur de bœuf

Posted in Essen & Trinken on 15. März 2014 by Herr Grau

Ich wollte diesen Artikel eigentlich damit eröffnen, wie lange ich schon wieder nicht mehr darüber genörgelt habe, dass deutlich zu wenig Innereien gegessen werden. Probieren wir es mal anders: Was tun, wenn man Lust auf richtig lecker Fleisch hat aber der Geldbeutel sich feucht und klamm anfühlt? Wie wäre es mit einem zarten und geschmackvollen Muskelfleisch, das für 3,99€ das Kilo zu haben ist?

Herz. „Die Essenz des Biestes“, um mit Fergus Henderson zu sprechen. Erstaunlich günstig und wahnsinnig lecker. Das Herz besteht zu größten Teilen aus Muskulatur und ist damit eigentlich dem klassischen Muskelfleisch näher als den anderen Organen. Während die kleinen Herzen von Geflügel noch etwas nach Innereien schmecken, finde ich diese Note in den Herzen von Schwein und Rind kaum noch – es dominiert vielmehr eine dunkle Steakigkeit (jap.), die Textur ist zart, aber fester, als man das vom restlichen Muskelfleisch gewohnt ist. Es ist nicht das gleiche, das will ich gar nicht verkaufen, wofür auch – es ist etwas besonderes und ich finde es fantastisch. Zumindest versuchen sollte man es, das Herz ist sicherlich der einfachste Zugang zu den Wundern, die man mit Innereien noch erleben kann. Ich habe heute zwei Gerichte in Petto, die beide ziemlich schnell gehen und damit auch für den gestressten Menschen von Welt problemlos zu stemmen sind. Den Anfang machen die Gnocchi.

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Herzen brauchen natürlich etwas Liebe. Man nimmt sich also sein Pariermesser zur Hand und entfernt alles, was nach Sehnen oder Bindegewebe aussieht. Dann wird das Fleisch (ich habe das Gericht sowohl mit Herzen vom Schwein als auch vom Rind probiert, beides schmeckt klasse – etwa 150g pro Person) in Streifen geschnitten, wie man sie auch in einem Geschnetzelten finden würde und scharf in etwas Olivenöl angebraten. Hitze runterdrehen und p.P. eine halbe gehackte Zwiebel – in meinem Fall eine Schalotte – dazu geben und glasig dünsten. Hitze wieder aufdrehen und mit einem Schuss Rotwein ablöschen. Auf ein Drittel reduzieren, Schuss (ca. 75ml p.P.) Sahne und einen deutlich kleineren Schuss (~3EL) Tomatenpüree dazu geben. Ich habe noch einen halben TL Demiglace untergezogen, ein guter Ersatz wäre ein bisschen Fond – beides ist aber optional, das Fleisch bringt auch von sich aus kräftig Geschmack für die Sauce mit. Etwas gehackten Rosmarin und Thymian dazu geben. Reduzieren lassen. Wenn es in die Bereiche der gewünschten Sämigkeit kommt, Gnocchi ins kochende und gesalzene Pastawasser geben. Wenn sie oben schwimmen, mit etwas Pastawasser in die Pfanne geben. Salzen, pfeffern, Petersilie dazu und schwenken. Abschmecken. Dieses Gericht war so lecker, dass ich es drei mal nacheinander gemacht habe. Ich musste zwischendurch sogar losfahren und neues Fleisch kaufen…

Die letzten hundertundeinbisschen Gramm Rinderherz habe ich dann als Tatare zu Abend gegessen. Einfach wie hier beschrieben zubereitet – vom Geschmack her kaum anders als ein kräftiges Fleisch aus dem Roastbeef, aber von der Textur ein bisschen anders. Wird ebenfalls auf jeden Fall wiederholt.

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