Subway, Stamps und die Subcard

Posted in smile and look alive on 18. Dezember 2011 by hoegi

Seit jetzt fast zwei Wochen haben die Stamps (altdeutsch: Bonusmarken) bei Subway in Deutschland ausgedient und wurden durch die sogenannte Subcard ersetzt. Grund genug für mich mal nachzurechnen, wer davon überhaupt Vorteile hat.

Früher gab es bei Subway bekanntlich diese Stamps. Man bekam eine leere Karte mit 8 Feldern, die widerum jeweils Platz für einen Stamp boten. Einen Stamp bekam man für ein reguläres halbes Sub (ausgenommen beispielsweise „Sub des Tages“ oder Schülermenü). Wenn man also 8 halbe Subs (entsprechend 4 ganzen Subs) verzehrt hatte, gab es beim Kauf eines großen Getränks ein halbes Sub nach Wahl dazu. Eine Beispielrechnung:
Ich kaufe 8 halbe Subs zum Preis von jeweils 3,99€ (im Durchschnitt). Dann habe ich 31,92€ bezahlt und bekomme, wenn ich nochmal 1,99€ für ein Getränk investiere ein Sub im Gegenwert von maximal 4,49€. Kosten von 33,91€ stehen ein Nutzen von 4,49€ gegenüber. Das entspricht einem Rabattwert von rund 13 Prozent. Noch besser wäre die Quote, wenn ich 4 ganze Subs bestellen täte. Zu den 3,99€ kommen dann noch 2,50€ für das Verdoppeln obendrauf, also sind wir bei 6,49€ für ein großes Sub. Derer vier kösteten dann 25,96€. Plus den obligatorischen Softdrink und wir sind bei 27,95€. Hier liegt der Rabattwert sogar bei 16%.

Jetzt die Subcard:
Pro 0,15€ Einkaufswert erhält man bei Subway jetzt einen Punkt. Ich gehe davon aus, dass diese Punkte nicht nur auf Subs, sondern das gesamte Sortiment angerechnet werden können. Also auch den Kaffee zwischendurch, die Cookies oder die Getränke.
Für 500 gesammelte Punkte erhält man ein halbes Sub nach Wahl. Aber wieviel muss ich bei Subway kaufen, um so weit zu kommen?
Pro bezahltem Euro, erhält der Kunde 6,666 Punkte. 500 Punkte geteilt durch 6 2/3 Punkte entsprechen 75€, die aus meiner Tasche zu Subway wandern müssen! Meine Herren. Der Rabattwert ist auf satte 6% gesunken!

Das Resumee der Zahlen: Nicht so gut.

Ich versuche es dennoch zähneknirschend positiv zu sehen. Die Stamps gingen bei mir regelmäßig verloren, oder ich bekam einfach nie welche, weil ich irgendwelche Rabattaktionen genutzt habe. Ergo hatte ich kaum Chancen, das alte System zu nutzen. Das neue System funktioniert z.B. auch auf Smartphones, welches, wenn man denn eines besitzt, immer am Mann ist. Wenn ich also daran denken sollte mein Handy zu zücken und, und das ist noch viel wichtiger, jetzt auf jeden Betrag den ich bei Subway loswerde auch Punkte bekomme, unabhängig davon, ob durch eine Rabattaktion bedingt oder nicht, dann habe ich etwa den gleichen Nutzen wie von der alten Stempelkarte. Immerhin.

Damast, Wootz, Tamahagane und ihre Verwendung für Schneidwaren

Posted in Scharfe Messer on 8. Dezember 2011 by Herr Grau

Dieser Artikel ist vermutlich schon länger überfällig. Kaum einen Sachverhalt erörtere ich noch so oft, wie die Frage nach dem Sinn von Damast als Messermaterial.
Jetzt stelle ma uns mal janz dumm und frare: Wadd isene Damast?
Wenn diese Frage einfach zu beantworten wäre, hätte ich nicht vor Schreibbeginn laut gestöhnt und mich ausgiebig gestreckt. Der Leser sei gebeten, noch einmal aufs Klo zu gehen, sich einen heißen Kakao zu holen und sich zurück zu lehnen – das könnte jetzt ein bisschen dauern. Oder anders gesagt: Der alte Mann packt seine schon zu Sagen gereichende Strukturlosigkeit aus.

Schmelzdamast

Der eigentliche Damaststahl wird heute Wootz oder Bulat genannt und bezeichnet einen Stahl, der bis in 18te Jahrhundert im Orient hergestellt worden ist. Warum das Geheimnis seiner Herstellung verloren ging, ist nur zu erklären, wenn man einen kurzen Exkurs in die Metallurgie überstanden hat: Wootz wird zu einem „König“ genannten Barren aus Eisen, Sorel, Kohle, Blättern und Glas erschmolzen. Im Gegensatz zu der in Europa üblichen Stahlgewinnung im Rennofen findet hier also eine echte Schmelze statt. Das Glas schwimmt in der Schmelze auf und verhindert, dass Luftsauerstoff daran kommt und den Kohlenstoff verbrennt. Das Ziel der Schmelze ist, das Eisen aufzukohlen, um einen härtbaren Stahl zu erhalten und das berühmte Damastmuster zu erzeugen, das den fast mystischen Ruf der orientalischen Waffen über Jahrhunderte auszeichnete. Das Geheimnis dieses Musters ist das Sorel-Eisen, das im Prinzip als Träger von bestimmten notwendigen „Verunreingungen“, v.A. Vanadium, Niob, Molybdän und Mangan, fungiert. Diese Legierungselemente bilden die Kristallisationskeime, an denen sich die Austenitnadeln bilden (Austenit ist eine der Kristallkonfigurationen von Eisenlegierungen), die am Ende für das Muster des Stahls verantwortlich zeichnen. Man geht davon aus, dass die Erschöpfung bestimmter Minenstätten im Orient dazu geführt hat, dass im Ausgangserz die notwendigen Verunreinigungen nicht mehr vorhanden waren. Trotz richtiger Schmelz- und Schmiedetechnik erhielten die Handwerker also plötzlich keinen Wootz mehr. Dass das Geheimnis um die Herstellung danach verloren ging, ist mehr als plausibel. Erst vor etwa einem Jahrzehnt gelang es Schmieden aus Deutschland und Russland, die Geheimnisse um die Herstellung zu entschlüsseln. Sie forschten öffentlich, sodass es jetzt wieder eine Handvoll Schmiede gibt, die dieses Material herstellen und verarbeiten können. Wootz muss allerdings sehr kalt und hart geschmiedet werden, wird er zu hoch erhitzt, geht das erarbeitete Gefüge kaputt. Die Arbeit ist also sehr konzentrationsintensiv, schwierig und anstrengend. Obgleich die Leistungseigenschaften des Stahls schlecht untersucht sind, handelt es sich um ein Material für Liebhaber. Der nötige Aufwand für guten Wootz ergibt einen heftigen Preis für den Endverbraucher, ohne dass von Vorteilen bei der Schneidleistung berichtet wird. Die legendäre Qualität der mittelalterlichen Damastwaffen ist immer im Verhältnis zu den Werkstoffen der Zeit zu sehen. Wer aber von den faszinierenden Mustern des Stahls gebannt ist und das Kunsthandwerk unterstützen möchte, den kann ich natürlich nur darin bestärken, sich eine Wootzklinge zuzulegen.

Schweißdamast

Der Versuch der europäischen Schmiede, die Musterung des Damaszenerstahls nachzuahmen, resultierte in dem, was wir heute als Damast kennen, was aber korrekterweise Schweißverbundstahl oder Schweißdamast heißen müsste: Nimmt man mehrere Stähle, die, wenn man sie ätzt, unterschiedlich hell zeichnen, und verschweißt und faltet sie immer wieder, so kann man ein Stahlbild erzeugen, das dem Vorbild zumindest ein wenig ähnelt. Liest man diese Theorie bei Wikipedia nach, so wird man auf die Behauptung stoßen, sie sei unwahrscheinlich, da „damaszierte“ Klingen schon lange vorher hier bekannt waren. Bei solchen Sätzen muss ich natürlich einmal lang und tief durchatmen. Stahl wurde in Europa wie in Japan noch bis die Neuzeit im Rennofenverfahren gewonnen. Dabei wird Eisenerz (in Europa häufig Rasenerz, in Japan Eisensand) mit Nadelholzkohle zu Renneisen verhüttet. Es tritt hierbei keine Schmelze, sondern eine Reduktion des Eisens mit Ausschlackung der Verunreinigungen ein, das Ergebnis wäre sonst viel zu hoch aufgekohltes Gusseisen. Das Ergebnis, die s.g. „Luppe“, ist ein sehr inhomogener Stahlschwamm, der jetzt „gegärbt“ werden muss, also im Feuer gereinigt und homogenisiert. Zu diesem Zweck wird er im Feuer immer wieder verschweißt und gefaltet. Klingelt was? Das haben wir schon mal gehört. Als die Schmiede hierzulande versuchten, die Damastklingen aus dem Orient nachzubilden, bedienten sie sich natürlich der Techniken, die sie kannten. Der Sinn ist aber genau entgegengesetzt: Während das Gärben das Ziel hat, einen möglichst homogenen Raffinierstahl zu erzeugen, hat das Damaszieren den Sinn, mehrere homogene Stähle zu einem kalkuliert inhomogenen Werkstoff zu vereinen. Der Unterschied ist vor allem die Zahl der Faltungen. Ein Raffinierstahl wird öfter gefaltet und wird dadurch überall sehr gleich; bei einem Damaststahl wäre an dem Punkt die völlige Sinnlosigkeit erreicht.
Es gibt mehrere Möglichkeiten, wie man Damast erzeugen kann. Immer beliebter wird die Herstellung von pulvermetallurgischem Stahl (Damasteel™), wobei die Muster durch Metallstaubschichtungen erzeugt werden, die dann zusammengesintert werden. Als Vorteil ist anzuführen, dass sehr komplexe Muster erzeugt und auch rostträge Stähle verarbeitet werden können. Gerade für Schmuckstücke und rostfreie Damastmesser wird das Material daher gerne genommen. Rostträge Stähle sind deshalb schwer von Hand zu damaszieren, weil das enthaltene Chrom eine Chromoxid-Schutzschicht (genau das, was auch vor Rost schützt) ausbildet, die Schweißungen verhindert. Es ist fertigungstechnisch aber möglich und wird sowohl industriell in der Walzlaminatherstellung gemacht, wie auch von erfahrenen Damastschmieden wie Markus Balbach oder Achim Wirtz von Hand. Generell ist das Merkmal „rostfrei“ in Kombination mit dem Wort „Damast“ immer das Signal, dass alle Warnlampen angehen müssen, einen einfacheren Weg, billige Massenware als solche zu erkennen, gibt es selten. Ausnahmen werden sich mit der zertifizierten Herkunft ihres Stahls schmücken (also entweder der Schmied oder Damasteel), denn das Material ist sehr teuer.

Die wichtigste Trennung, die sich hier aber findet, ist die zwischen Zier- und Leistungsdamast. In den allermeisten Fällen, wenn ich von „Damastmessern“ höre, ist die Klinge aus fertigem Walzlaminat hergestellt, wobei die Randlagen aus industriellem Zierdamast bestehen, in dessen Mitte eine Schneidlage aus Monostahl eingelegt ist. Dass diese Klingen keinen Vorteil gegenüber einer normalen Dreilagenklinge haben, ist denke ich selbsterklärend. Da dieses Standardmaterial rostträge ist, hat es sogar massive metallurgische Nachteile gegenüber dem von den günstigeren japanischen Schmieden verwandten industriell hergestellten Dreilagenstahl, der als Schneidstahl gediegenen Papierstahl mitbringt. Auch etliche hochpreisige Messer haben nur Zierlagen aus Damast, dann aber teilweise von Hand geschmiedet; in Japan zB findet man so gut wie keine Messer, deren Schneidlage aus Damast besteht. Hier ist der handwerkliche und ästhetische Mehrwert sicherlich höher, für die Qualität der Schneide tut das aber nichts. Wirklich interessant wird es erst, wenn wir uns dem Damast als Schneidenstahl zuwenden.

Leistungsdamast entspringt dem ebenfalls früh in der Damastherstellung präsenten Gedanken, die guten Eigenschaften mehrerer Stähle miteinander zu kombinieren. Es werden unterschiedlich legierte Stähle eingesetzt, um die Schneide mit dem besten aus den beiden Welten hart und zäh zu versehen. Art der Faltung und Zahl der Lagen, vor allem aber Auswahl des Ausgangsstahls ist eine Frage der Erfahrung des Damastschmieds und nicht unbedingt alltäglich. Einen prüfenden Blick in Richtung Balbach, Stienen oder Wirtz zu werfen, ist daher mehr als empfehlenswert. Tatsächlich zeigen die wenigen Untersuchungen, die es zu dem Thema gibt, dass Damast eine erstaunliche Festigkeit und Schärfe bietet. Hierbei spielt aber wohl auch ein Faktor eine Rolle, an den vorher wenig gedacht worden ist: Die Schweißgrenzen zwischen den Lagen bilden eine Kristallisationsgrenze, sodass das Gefüge potentiell feiner werden kann, als bei einem Monostahl. Ein guter Leistungsdamast mit feiner Struktur hat also tatsächlich das Potential, bessere Schneideigenschaften zu haben, als sein homogenes Äquivalent ( – es ist übrigens sehr fraglich, ob dieser Effekt bei gesinterten Stählen ebenfall auftritt). Der Preis für solche Messer ist aber sehr hoch. Güde hat eine Serie mit Balbach aufgelegt, dort kann man sich mal preislich orientieren.

Raffinierstahl

Als letztes gilt es jetzt noch, den Raffinierstahl abhandeln, der auch immer wieder Punkt von Diskussion (und Habenwollen-Reflexen) ist: Dieser Stahl, vor allem im Fokus steht der japanische, in dem Tatara genannten Rennofen gewonnene Tamahagane (Juwelenstahl), zeichnet sich durch ein sehr feines Faltungsmuster aus, hat aber technisch gesehen keine Vorteile gegenüber hochreinen Schneidstählen.
Hitachi entwickelte die traditionelle Stahlherstellung zu einem industriellen Prozess weiter, das Ergebnis ist der s.g. „Papierstahl“ (depperterweise tatsächlich nach dem Packpapier benannt, in dem er geliefert wird…), der auch heute noch als bester Schneidstahl der Welt gelten kann, auch wenn hiesige Stähle (z.B. Kugellager- oder Feilenstahl) ebenfalls von extrem hoher Qualität und Reinheit sind. Gängig sind Weißpapierstahl (Shirogami) und Blaupapierstahl (Aogami), wobei letzterer mit Wolfram, Chrom und Mangan legiert ist, dadurch etwas zäher, aber weniger scharf ist. Der Stahl kann als dem Tamahagane ebenbürtig angesehen werden. Es ist zwar überaus bemerkenswert, dass die japanischen Schmiede schon vor hunderten von Jahren einen Stahl herzustellen wussten, der auch von heutigen Produkten in seiner Qualität kaum geschlagen werden kann; der gewaltige Aufwand, den Stahl von Hand zu erschmelzen, die Luppe zu brechen, sortieren, binden und zu dann zu gärben, steht aber in keinem Verhältnis zu dem Ergebnis. Ein Messer oder Schwert aus Tamahagane oder europäischem Raffinierstahl besitzen zu wollen, ist also ein reines Haben-um-des-Habenwollens.
Nicht dass das schlecht wäre…

Fazit

Um das Ganze jetzt mal kurz und gut abzuschließen: Wootz (Schmelzdamast) und Raffinierstahl (z.B. Tamahagane) sind etwas für den Liebhaber, das von technischer Seite her keinen Mehrwert bringt. Zierdamast ist häufig billigster, industriell erwalzter Kitsch, aber auch wenn er aus Handarbeit kommt, ist er nur etwas für’s Auge. Ein gut gemachter Leistungsdamast (also ein Damast, der wirklich die Schneide bildet) zeigt tatsächlich sehr gute Eigenschaften und hat das Potential, besser als ein Monostahl zu sein. Der Preis dafür ist aber ebenfalls sehr hoch, sodass der Mehrwert zum Aufpreis in keinem Verhältnis steht. Schneidwaren aus Damast oder Raffinierstahl sind – mit Ausnahme der billigen Augenwischerei durch Walzlaminattapeten – eine Sache für den Liebhaber oder Kunsthandwerksmäzen.

Probleme des Lebens #15

Posted in Probleme des Lebens on 27. November 2011 by Herr Grau

Jung, intelligent und voller Ernst:

Das Internet wird sich nicht durchsetzen.

Einbecker Dunkel (Update)

Posted in ... weiter nichts als Bier on 9. November 2011 by Herr Grau

Nachdem meine Kamera leider gerade ohne Vorwarnung einfach den Dienst quittiert hat, um in der Tschecheslowakei Quitten anzubauen, muss es leider heute vermittels Beispielfoto von statten gehen. Wie ein Dunkelbier aussieht, weiß aber denke ich sowieso jeder. Dunkel. Dabei ist das Einbecker Dunkel gar kein so richtiges Dunkelbier, zumindest was den Geschmack angeht. Es steht meiner bescheidenen Meinung nach viel näher am Landbier, als an einem Schwarzbier. Ebenfalls jener demütigen Meinung meinerseits entspringt das Urteil: Was für ein Glück!

Aber von vorn, wie so oft presche ich vor, ohne auf meinen werten Leser und dessen Konfusionszustand Rücksicht zu nehmen. Ich hatte vor einer Woche das Glück, an einer Brauereiführung in Einbeck teilnehmen zu dürfen. Neben der Erkenntnis, dass dieses kleine niedersächsische Städtchen im Mittelalter wohl für Bier das gewesen sein muss, was Salzburg für Salz und Kiel für den harten Schanker war, entdeckte ich bei der sich an die Führung anschließende Verkostung im Braukeller (nebenbei: Fünf Euro für die Führung, Schnittchen und zwei Stunden lang so viel Bier wie man trinken kann – das ist schon ein Angebot!…) neben etlichen Bieren, die in Ordnung, aber keine Kracher waren, das Einbecker Dunkel. Es kam in großen Steinzeugkrügen und direkt vom Fass, ich hatte also schon die begründete Befürchtung, dass der hervoragende Geschmack und das Trinkgefühl dem Weingut-Phänomen unterliegen könnte – aber! Geirrt!

Art:
Untergäriges Dunkelbier, 4,9% Alkohol, 11,5% Stammwürze

Geschmack: 9 Punkte
Ich vergebe einfach kalt neun Punkte, da kenn ich nichts. Das Bier ist lecker. Sehr. Es ist hat das Grundgefühl eines guten Pilses, ist dabei aber lecker malzig und etwas brotig, nicht zu herb und bringt vor allem eine enorme Süffigkeit ins Spiel. Alles in allem erinnert es in seinem Charakter stark an das von mir auch hochgeliebte Bayreuther Aktien Landbier, was niemand ernsthaft schlecht finden kann. Es ist eher noch einen Tick süffiger. Auf jeden Fall bringt es keine übertriebene Bitterkeit von zu viel Dunkelmalz mit, sondern bringt die Ausgewogenheit genau auf den Punkt. Wirklich überlegen ist das Aktien Landbier nur noch dadurch, dass es keinerlei Kater macht, wogegen das Einbecker „nur“ auf dem Niveau eines guten Premiumbieres liegt.

Preis:  8 Punkte
Wer jetzt denkt, dass es einem für diesen Genuss Dukaten aus den Ärmeln regnen muss, der liegt glückerlicherweise völlig daneben. Hier in Göttingen liegt die 20er (Achtung! In Worten: Zwanzig) 0,33er Kiste zwischen 9 und 10€! Ich weiß nicht, in welchem Umkreis das Bier zu haben ist und wie teuer es dann wird, aber hier – und nur darauf kommt’s mir natürlich an – ist es ein Preis-Leistungs-Kracher.

Flasche:  6 Punkte
An und für sich habe ich gar nichts gegen die Flasche, das Design ist einfach und hübsch. Leider gibt es das Dunkel ausschließlich im 0,33er Hohlglas. Das macht ein kleines bisschen wehmütig.

Fazit:  8,75 Punkte
Ich musste die Wertung im Nachhinein etwas korrigieren, als mir die 20er-Kistengröße klar wurde. Trotzdem ist das Bier sehr lecker und günstig, oder um es kurz zu sagen: Einbecker Dunkel ist mein neues Hausbier. Punktum.

Unbedingte Empfehlung

Pasta alla Cozze

Posted in Essen & Trinken on 1. November 2011 by Herr Grau

Nachdem wir glücklich festgestellt haben, dass keiner unser infantiles Gekicher anhand des Titels mitbekommen hat, kann der erste Seefrucht-Artikel überhaupt in diesem Blog seinen Lauf nehmen. Eigentlich wollte ich Venusmuscheln (Vongole), konnte aber nichts finden, als ein alleinstehendenfreundliches 1kg-Paket Miesmuscheln. Nun denn, die Zubereitung ist die selbe, ich kenne um genau zu sein nur eine Umgangsform mit Muscheln: Zwiebelwürfel in Olivenöl anschwitzen, etwas Knoblauch und Chili dazu und die Muscheln hinein. Weißwein angießen, Hitze auf, Deckel druff. Die Muscheln sollten vorher gut abgespült werden, sonst knirscht es später schön zwischen den Zähnen undoder schmeckt fischig-abgestanden. Muscheln, die bereits geöffnet sind, haben ihr Leben hinter sich und sind zu nichts mehr zu gebrauchen. Wer nicht auf Muschelvergiftung steht, wirft sie weg. Man möge sich nicht davon abschrecken lassen, dass die Miesmuschelzubereitung erst riecht, als würde man frisch geernteten Urinstein aufkochen. Gewöhnungsbedürftig, aber der olfaktorische Obulus vergeht auch wieder. Ich persönlich gebe dann noch ein bisschen Sahne dazu und lasse es einkochen, man könnte die Sauce aber auch mit kalter Butter montieren. Salz, Pfeffer und gehackte Petersilie runden das Ganze ab. Pasta mit etwas Pastawasser dazu geben, zuende ziehen lassen. Wie immer spielt das Muschelfleisch gar keine so tragende Rolle, der Sud aus den Muscheln ist viel wichtiger. Ich mag es trotzdem, sodass gerne mal die Nudeln ein bisschen kalt werden, während ich die Schalentiere nach Waidmannssitte aufbreche und dann genieße, was einige Leute sicher angeekelt als radioaktives Weltraumgemüse verschmähen.
Ist aber lecker.

Geld gegen Essen – Landgasthof Wilhelmer (Münster)

Posted in Geld gegen Essen - Restaurantnörgeleien on 31. Oktober 2011 by Herr Grau

(aus Übersichtsgründen vorgezogenes) Prädikat: Schon irgendwie nett

Eins kann man mit Sicherheit sagen: Zufallskundschaft hat der Landgasthof Wilhelmer vermutlich wenig. Er liegt außerhalb und ziemlich versteckt, man muss also wissen, was man sich vorgenommen hat. Aus der Verlegenheit heraus, dass wir uns doch immer wieder durch die selben vier Restaurants tingeln fanden, befragte ich das mächtige Internetz™ nach Lösungen und es deutete mit einem nicht zu übersehenden Leuchtpfeil auf den Landgasthof und spielte dazu eine nette Melodie. They had me at the jingle.

Nachdem also alle drei Parteien ihre Navigationssysteme derart mit stumpfen Hiebwaffen kollimetriert hatten, dass sie tatsächlich zur Wegführung zum Haus im Walde in der Lage waren, stellten wir als erstes fest, dass das Landgasthaus tatsächlich recht schön im Grünen liegt, die Begrüßung ist freundlich, die Karte westfälisch. Die Preise liegen mit etwa zehn bis sechszehn Euro pro Gericht auf einem noch vertretbaren, wenn auch gefühlt einen Tick zu hohen Niveau. Das Essen kommt  in einer vertretbaren Zeit, aber auch hier gibt es Spiel nach oben, dank der angenehmen Atmosphäre ist die Bereitschaft, sich zu ärgern, aber mittelstark gedämpft. Ich kann mich erinnern, von meinem Geschnetzelten mit Äpfeln und Spätzle nicht unbedingt angetan gewesen zu sein: Die Sauce war dünn und geschmacklos, die Äpfel wirkten etwas deplaziert. Andere am Tisch waren aber durchaus zufrieden, hatten sich aber in ihrer Auswahl auch noch etwas bodenständiger orientiert.

Trotz der insgesamt leicht getrübten Erfahrung würde ich einer erneuten Einladung ins Landgasthaus nicht ungern folgen.

Wertung:
Essen: 7 /10
Service: 9 /10
Sauberkeit: 9 /10
Preisgestaltung: 7 /10
Ambiente: 8 /10

Gesamtergebnis: von 4 von 5 Vanilleeiskugeln mit Senf und Gürkchen

Wilhelmer – Landgasthof & Café
Gasselstiege 631
48159 Münster
Telefon: 0049 – 251 – 213937
antoniusniemeyer@hotmail.com

Öffnungszeiten: Dienstag – Sonntag 11:30 – 23Uhr

Review – Reischer Santoku

Posted in Getestet, Scharfe Messer on 24. Oktober 2011 by Herr Grau

Durch eine Passaround-Aktion im Messerforum bekam ich die Möglichkeit, eine Woche lang das neue Santoku von Christoph Reischer, einem österreichischen Mokume Gane- und Messermacher, zu testen. Es ist ein Messer, das aus gewalztem 1.2235 (also einem rostenden) Stahl herausgeschliffen wird. Es ist als Versuch anzusehen, für einen mit 66€ doch sehr bezahlbaren Preis ein gutes, handgemachtes Messer von einem lokalen Messermacher bekommen zu können.

Anmerkung: Meine Kamera war leider leer und das Ladegerät unauffindbar. Daher kann ich nur mit einem Photo von Christoph dienen.

Technische Daten:
Klingenlänge: 165 mm
Klingenhöhe: 40 mm
Klingenoberfläche: satiniert & walzroh
Gesamtlänge: 295 mm
Gewicht: ca. 140 g
Griffmaterial: Räuchereiche
Griffform: rechteckig, leicht Oval
Griffoberfläche: gebürstet
Preis: 66,- Euro

Testergebnis:
So sehr ich wollte, dass das Messer nicht ist, was die vorigen Tester im Forum schon festgestellt hatten, so wenig konnte ich mich gegen die Realität wehren: Das Messer ist an zu vielen Stellen unausgegoren, als dass ich es guten Gewissens empfehlen könnte. Der Griff ist unpraktisch, sowohl für kleine, als auch für meine großen Hände schlecht zu greifen und in Verbindung mit der nicht sehr hohen Klinge dafür verantwortlich, dass die Hand zwischen Schneidbrett und Griff kaum Platz hat. Ich finde ihn auch zu leicht. Die Geometrie der Klinge ist nicht ideal, da der Schliff recht tief ansetzt und somit einen ungünstig stumpfen Winkel produziert, was sich gerade beim Schneiden von hartem Gemüse bemerkbar macht. Der größte Kritikpunkt an dem sonst handwerklich sehr sauber verarbeiteten Messer ist aber der Stahl selbst: Die durch den Carbonstahl verhießene Klingenqualität ist einfach nicht vorhanden. Zu weich ist der Stahl, sodass er zwar schnell scharf wird, aber die Schärfe nicht nur auch schnell wieder verliert, sondern sogar zum Umknicken der Schneidfase führt. Die nicht sehr hohe erreichbare Maximalschärfe suggeriert kein gutes Gefüge. Das als Testvergleich herhaltende Herder 1922 Carbonstahl schlug das Reischer Santoku derartig klar in allen Disziplinen, dass es mich wirklich traurig stimmte.

Fazit:
Eine sehr gute Idee von Christoph Reischer, die er unbedingt weiter verfolgen sollte. Im jetzigen Zustand aber klar keine Empfehlung.

Geld gegen Essen – Gasthaus Niemann (Münster)

Posted in Geld gegen Essen - Restaurantnörgeleien on 21. Oktober 2011 by Herr Grau

(aus Übersichtsgründen vorgezogenes) Prädikat: Unterspektakulär

Das Gasthaus Niemann ist eines dieser Restaurants, die man schnell wieder vergisst. Es liegt .. äh.. am Horstmarer Landweg .. glaube ich. Es ist außen unspektakulär und präsentiert dem willigen Gast innen einen Versuch des bürgerlichen Wohnzimmers, der aber an pragmatischen Aspekten ein bisschen gescheitert ist. Samt Personal, denn die anderen Gäste waren allesamt regionale Senioren, die sich die Teller aus den angedienten Warmhaltetheken füllten. Wir dagegen bestellten von der Karte, die vielleicht ein kleines bisschen inkohärent ist, aber weitestgehend geradlinig bodenständige deutsche Küche verspricht. Das Gesamtbild dagegen ist schlüssig: Es ist weder teuer, noch günstig, weder besonders gut, noch besonders schlecht, der Service freundlich, aber nicht erinnerungswürdig – kurz: Das totale Mittelmaß. Kann man hingehen, muss aber wirklich nicht.

Wertung:
Essen: 6 /10
Service: 6 /10
Sauberkeit: 8 /10
Preisgestaltung: 6 /10
Ambiente: 4 /10

Gesamtergebnis: von 3 von 5 Vanilleeiskugeln mit Senf und Gürkchen


Gasthaus Niemann
Horstmarer Landweg 126
48149 Münster

Telefon: +49 (0)2 51 / 82 82 8
Telefax: +49 (0)2 51 / 88 80 0
e-mail: info@haus-niemann.de
Internet: www.haus-niemann.de

Öffnungszeiten: täglich 16:30 bis 24 Uhr, Sa., So. und Feiertags von 11 bis 14 Uhr und 16:30 bis 24 Uhr
Warme Küche jeweils von 11:30 bis 14 Uhr und 18 bis 22:30 Uhr.

Worte und Dinge #12

Posted in German Heaven on 18. Oktober 2011 by hoegi

Die bayrische Lebensmittelverordnung (BayLebVo 1994) besagt in §14 Abs. 1:

„Wurstsalat darf nur als solcher bezeichnet werden, wenn der Fleischanteil der fertig zubereiteten Speise nicht kleiner gleich 95 v.H. (in Masse) beträgt.“

Weitere Infos hierzu auch im Urteil des Landgerichts München zum AZ 1996/312/140.2.

Worte und Dinge #11

Posted in smile and look alive on 14. Oktober 2011 by Herr Grau

Der Hartmann-Bund ist nicht die elitäre Herrenliga,
die der Name verheißt.