Gambrinus Premiumbier

Posted in ... weiter nichts als Bier on 15. Februar 2010 by hoegi

Art: Gambrinus wird in Pilsen gebraut und ist demnach auch ein echtes Pilsener, jedoch wird es auf der Flasche eben nicht „Pils“ genannt. Angesichts der Inhaltsstoffe verwunderlich. Aber das tut dem Bier keinen Abbruch.

Geschmack (85%): 7 Punkte
Ich würde mehr geben, wenn ich nicht wüsste, dass da noch Luft nach oben ist in der Skala. Das Bier ist sehr gut trinkbar, mit einer leckeren Hopfennote.. süffig… allerdings hinterlässt es bei mir mittelfristig einen leicht blechernen Nachgeschmack der mir nicht so ganz gefällt.

Preis (10%): 7 Punkte
Ich habe das Bier jetzt zu einem Sonderpreis von 35 Cent erstanden, im Regelfall kostet eine Kiste aber schon über 10€. Von den gängigen tschechischen Bieren ist es aber definitiv eines der Günstigeren. Im Vergleich mit normalen „Premiumbieren“ im Regelfall aber günstiger, daher 7 Punkte.

Flasche (5%): 7 Punkte
Das Bier kommt in einer braunen Flasche, was ich schonmal präferiere, jedoch stört besonders beim direkten Genuss aus der Flasche diese Goldfolie am Kronkorken. Das kann auch das recht gelungene Design des Etikettes nicht wettmachen.

Fazit: 7 Punkte
Beim einarmigen Banditen hätte das Bier jetzt voll abgeräumt; hier reichts nur für einen Platz im gehobenen Mittelfeld. Ich würde das Bier allerdings jederzeit den typischen deutschen „Premiumbieren“ wie Krombacher, Veltins, Bitburger etc. vorziehen wenn ich denn die Wahl hätte. Leider bekommt man das Bier längst nicht überall. Für Neulinge ein guter Einstieg in die tschechischen Biere. Pilstrinker werden das Bier definitiv mögen. Kaufempfehlung definitiv erteilt.

Hacker-Pschorr Sternweiße

Posted in ... weiter nichts als Bier on 15. Februar 2010 by Herr Grau

Art:

Weizenbier zwischen hell und dunkel, 5,5% Alkohol, 12% Stammwürze

Geschmack (85%): 9 Punkte

Malzig, ganz leicht süßlich, subtile Noten von säuerlicher Fruchtigkeit, samtig, umfänglich, aber nicht zu gehaltvoll. Ein hochgradig leckeres Bier.

Preis (10%): 5 Punkte

0,74€ pro Flasche / 14,70€ pro Kasten – schon teuer, aber für das Geleistete nicht zu viel

Flasche (5%): 5 Punkte

Bügelverschlussflaschen sind super, das Etikett dagegen wirklich furchtbar. Aber das ist zum Glück nicht allzu wichtig.


Fazit: 8,4 Punkte

Hinter einer Flasche, die mehr nach dem Behältnis für das von einem outgesourcten sowjetischen Zulieferer produzierte Öl der Enterprise als nach Bier aussieht, versteckt sich eine Schönheit, die im bernsteinfarbenen Kleid auf das Verlangen des Trinkers wartet. Der Geschmack überzeugt umfänglich, die Kombination aus hellem und dunklem Malz ergibt im beschwingten Tanz mit dem Braugeschick Hacker-Pschorrs eines meiner Lieblingsbiere. Wie jedes wirklich gute Weizen ist es nicht allzu günstig, aber ich bin völlig überzeugt, dass das Bier diesen Preis wert ist.

Unbedingte Empfehlung.

„Ich will nur Bier, Bier, Bier, weiter nichts als Bier, Bier, Bier…“

Posted in ... weiter nichts als Bier on 15. Februar 2010 by hoegi

Freunde der gepflegten Gerstenkaltschale und Alle, die es mal werden wollen!
Ihr kennt das: Ihr geht zum Getränkefachhändler eures Vertrauens, um euch mit diversen Behältnissen Bier einzudecken. Oft steht man vor der mannigfaltigen Auswahl und bei einigen Geschäften wird man förmlich von der Biervielfalt erschlagen. Doch was tun? Einfach mal auf Verdacht ein Bier zu kaufen geht in 70% der Fälle schief (ich verweise auf bekannte Studien aus dem Jahre 2006, genauer gesagt aus dem Jahresbericht der Grauland Industries Inc.). Alle Biere zu kaufen und zu verkosten bedarf Ausdauer, unbändigen Willen, sowie viel Geld. Fällt für den Einzelnen also auch flach. Konventionell bliebe noch eine Möglichkeit: Verlass dich auf Empfehlungen von Bekannten, Verwandten, oder geübten Hobbyalkoholikern (letzteres muss kein Ausschlusskriterium für die ersten beiden Möglichkeiten sein). Doch nicht Jeder hat die Möglichkeit einen Biertrinker seines Vertrauens um Rat zu bitten.
Hier kommen wir (Herr Grau sowie meine Wenigkeit) nun ins Spiel.
Wir werden in unregelmäßigen und völlig willkürlichen Abständen „zufällige“ Biere verkosten und die Testergebnisse hier zum Besten geben.
Der Testschlüssel wurde in einer hitzigen, langen, qualvollen Diskussion erarbeitet und ergibt sich zu

85% Geschmack
Unbestritten der wichtigste Aspekt des Bierkonsums (neben den gewünschten Nebenwirkungen versteht sich). Natürlich ist Geschmack eine sehr subjektive Angelegenheit, doch sollten sich Strittigkeiten um die Bewertung eines Bieres ergeben werden wir möglicherweise auch 2 Bewertungen zu einem Bier publizieren um eine möglichst große Bandbreite an Eindrücken zu schildern. Oft sind Biere aber einfach unbestritten widerlich oder unbestritten lecker. Zur allgemeinen Orientierung: Unsere geschmackliche Herkunft ist Westfalen. „Biere“ wie Kölsch oder Alt liegen eher an den äußeren Grenzen unseres Geschmacksempfindens und werden daher eher nicht bewertet werden. Hauptaugenmerk werden wir auf Pils, Weizen sowie Land- oder Spezialbiere legen.
In der Bewertung des Geschmacks findet sich unter Umständen auch der Geruch wieder. Sollte dieser extrem gut oder schlecht sein beeinflusst das den Genuss ungemein und sollte nicht unerwähnt bleiben

10% Preis
Der Preis macht nur ein Zehntel der Gesamtnote aus? Man mag denken, dass das wenig ist, aaaber: Für ein sehr leckeres Bier muss man gegebenenfalls halt auch mal tiefer in die Tasche greifen. Das darf nicht das ausschlaggebende Kriterium sein.

5% Design/Haptik/Verarbeitung
Ähnlich wie schon unter „Geschmack“ beschrieben macht das „Gefühl“ der Flasche einen kleinen Anteil am Gesamtbild aus. Es ist wie mit Menschen: Man sagt, es zählen nur die inneren Werte. Aber mal ehrlich: Wer achtet nicht auf die Verpackung?

Pro Kategorie gibt es 10 Punkte, die Punkte werden über das arithmetische Mittel berechnet, heißt also (Geschmackspunkte*0,85+Preispunkte*0,1+Sonstige Punkte*0,05 = Ergebnis). Um Störfaktoren zu beseitigen werden wir die Biere aus Gläsern trinken.

Sodann, zum Wohle!

Wohnen: Gerne, aber wie?

Posted in smile and look alive on 15. Februar 2010 by hoegi

Obwohl ich kürzlich erst die dritte Dekade meines Lebens angeschnitten habe, habe ich schon einiges durchlebt. Damit meine ich natürlich nicht Vietnam, Stalingrad oder eine vierstündige Wurzelbehandlung; nein, ich meine Wohnungen beziehungsweise deren Nutzungsarten. Im Folgenden werde ich die 4 Arten des „juvenilen Lebens“ kurz ansprechen und etwaige Vor- sowie Nachteile darstellen.

„Zu Hause bei Muttern“
Fangen wir chronologisch an. Wie fast jeder Mensch wuchs auch ich bei meinen Eltern auf. Doppelhaushälfte am Stadtrand. Ziemlich deutsch irgendwie. In der Altersklasse von 0 bis 16 Jahren ist diese Wohnweise jedem unbedingt nahezulegen. Die Vorteile liegen klar auf der Hand: Sichergestellte Versorgung mit lebenswichtigen Gütern, wenig bis kein Arbeitsaufwand gefordert, alles wird erledigt. Mit zunehmendem Alter emanzipiert sich Mann im Regelfall jedoch auch weitestgehend von der Familie und es regt sich der Drang auszuziehen. Ist auch alles ganz natürlich, also nennen wir das mal „flügge werden“.

Doch wohin? Eigenständig wohnen hat in erster Linie immer ein riesiges Manko: Es kostet Geld. Nicht unerhebliche Summen um genau zu sein. So steht man nun vor der Wahl und muss abwägen. Möchte ich günstig wohnen? Wohnheim/WG wären angebracht. Möchte ich alleine wohnen? Apartement ist das Mittel der Wahl. Doch dafür benötigt es wieder Geld. Ein Teufelskreis. Ich persönlich habe bislang 2 Wohnformen durchgemacht: Zum Einen wäre die „Zweck-WG“ zu nennen, zum Anderen die „Kumpel-WG“

Die Zweck-WG
Studienplatz und -ort sind gefunden, zum Oktober gehts los, doch wo wohnen? Im Internet stieß ich schnell auf einen WG-Zimmer-Marktplatz im Internet und gleich das erste ausgesuchte Zimmer wurde genommen und bezogen. Ich („damals“ zarte 18) wohnte mit einem Medizinstudenten (25) zusammen. Wir kamen miteinander aus, wir respektierten die Wünsche des Anderen, haben in einem Jahr 2-3 Mal ein Bierchen zusammen getrunken, das wars dann aber auch. Wir waren keine Freunde, wir waren halt rücksichtsvolle Mitbewohner. Das Leben war auszuhalten, beide hielten in den Gemeinschaftsräumen Ordnung, doch irgendwie fehlte es an dem Teenspirit, den ich zu Studienbeginn suchte. Dazu gleich mehr. Die Zweck-WG erfüllt den Zweck des Nicht-mehr-zuhause-Wohnens, aber auch nicht viel mehr. Ausschweifende Partys sowie nackt durch die Wohnung rennen ist im Regelfall nicht möglich.

Die Kumpel-WG
Teenspirit, der. Den nämlich, den ich eigentlich suchte. Was käme also gelegener, als mit einem Schulkameraden zusammenzuziehen? Die Vorstellung ist super: Jeden Abend Bier trinken bis zum Morgengrauen, laute Musik hören, tun und lassen was man will… Je nach Personenkonstellation kann das auch gut funktionieren! Ich kenne solche Menschen. Wenn man allerdings das „tun und lassen was man will“ etwas zu übertrieben treibt und die Wohnung im Chaos und Siff endet, ist das auch nicht so das Wahre. Das Grundproblem besteht nämlich in der Aufgabenteilung. Während man in einer Zweck-WG seinen Arbeitsteil erfüllt, weil es eben einfach zweckmäßig ist, so ist in einer Kumpel-WG die Fragestellung eine andere: Warum soll ich ständig deinen Siff beseitigen? So etwas schaukelt sich dann halt hoch, bis sich doch mal jemand erbarmt und eine Grundreinigung durchführt. Die Etappen zwischen den Reinigungen sind allerdings nie so angenehm.
Fazit hier: Mit den richtigen Menschen und der richtigen Einstellung (das Bier wächst nämlich nicht auf Bäumen und es kommen auch keine Elfen, die die leeren Flaschen wegbringen!) kann das ganze auch supertoll funktionieren und man kann Jahre damit glücklich werden.

Das Single-Apartement
Habe ich noch nicht durchlebt, daher:
[fantastische Vorstellungen]Die Bastion der Glückseligkeit heißt „Alleine wohnen!“. Kostet je nach Ansprüchen meist mehr als ein WG-Zimmer, aber wer sich räumlich etwas einschränken kann, kann durchaus auch günstiger in Einraumwohnungen leben. Wenn man alleine lebt gibt es nur noch eine Person, der man Rechenschaft schuldet: Sich selbst. „Scheiße, schon wieder kein Geschirr mehr. Wer hat das alles benutzt? Ich. Muss ich wohl spülen.“ Wohnt man alleine geht der Geschirrnutzungsspülkoeffizient nämlich gegen 1. Die Formel lautet GNSK = (Geschirrteile benutzt)/(Teile gespült). In einer WG lautet die Faustformel: 1/Bewohner=GNSK. Allerdings verlängert sich im Idealfall auch der Zyklus, der den Abstand der Spülvorgänge bezeichnet. Ideal halt Spülvorgänge*Mitbewohner=Spülpflichtabstand. Beim Alleine-wohnen ist dieser natürlich 1. Man ist immer dran. Dafür kann man für sich selber entscheiden, wie sauber das Geschirr denn werden soll. Bei Mitbewohnern muss man abwägen: Wie sauber bekomme ich das Geschirr vorgesetzt? Wie sauber habe ich es also zu machen?
Ich drifte ab. Allerdings kann man diesen Spülcalculus auch auf andere Haushaltstätigkeiten übertragen: Bad putzen, saugen, Küche saubermachen, Müll rausbringen, blabla. Ich denke man sieht, worauf ich hinauswill. Man hat nicht mehr zu beseitigen, als man selber auch verursacht hat. Eine perfekte Balance aus Kosten und Nutzen.
Außerdem kann man ungehemmt nackt durch die Wohnung laufen (es sei denn, das Bad ist übern Hausflur), rauchen, furzen, Musik hören (bis die Nachbarn kommen), Dreck verursachen, heizen oder lüften wie es einem beliebt.. Es ist also ein Raum des beinahe freien Willens. Ein kleines Utopia für jeden Egozentriker. Ich freue mich drauf.[/fantastische Vorstellungen]

De-Sade’scher Widerstand

Posted in Probleme des Lebens, smile and look alive on 11. Februar 2010 by Herr Grau

Gerade ist mir ein schönes Wort eingefallen für ein Phänomen, das ich immer und immer wieder erklären muss:

Inhalt und Struktur der Studiengänge ist neben der Lehre vor allem darauf ausgerichtet, dass es weh tut, damit es nicht jeder Depp macht. Dieses sozialakademische Zugangsbegrenzungsglied zu privilegierten Berufen baut auf Schmerz – es ist ein De-Sade’scher Widerstand.

Antwort auf die Frage: „Welches Messer soll ich kaufen?“

Posted in Scharfe Messer, smile and look alive on 10. Februar 2010 by Herr Grau

15. Revision, 13.09.2015

Lieber Leser,
wenn man wie ich in Foren aktiv ist und Menschen gerne hilft, trifft man ab und zu auf wiederkehrende Fragestellungen. Keine Frage wird dabei so oft gestellt wie:
„Welches Messer soll ich mir kaufen?“
Nicht, dass diese Frage nicht bereits hundertfach beantwortet worden wäre – die Antworten liegen nur in unzähligen Posts versteckt. Und auch wenn dieser Versuch, diese Frage ein für alle mal zu beantworten, vielleicht hie und da zu kurz greift, so mag er doch zumindest helfen, die Beratungen einfacher und fokussierter zu machen.

An erster Stelle steht eine einfache Einsicht: Auch die besten Messer werden stumpf. Wer sich nicht um das Schärfen kümmert, hat auch von den besten Messern nach ein paar Wochen nichts mehr. Messer in Härtebereichen bis etwa 60° HRC kann man zwar mit einem Wetzstahl relativ lange scharf halten, aber auch sie müssen irgendwann nachgeschliffen werden. Wer also lange Freude an seinen Messern haben will, sollte sich den richtigen Gebrauch eines Wetzstahls und das Schärfen aneignen, ansonsten sind neue Messer unsinnig.
( → Einleitung Schärfen, Wahl des Schleifsteins, Schärfvorgang)
Und nur um noch mal die Grundregeln zu wiederholen:
Nie auf Glas, Keramik, Metall oder Stein schneiden! Klinge von Knochen fernhalten! Messer gehören nicht in die Spülmaschine!

Genug der Vorrede. Es ist erstaunlich, wie sehr die Beantwortung weniger grundsätzlicher Fragen die Auswahl von „unüberschaubar“ auf „ein paar wenige“ reduziert. Diese Fragen lauten:

1. Welcher Aufgabenbereich?
Es gibt eine Vielzahl spezialisierter Messer, Messersätze enthalten häufig zehn Messer oder mehr. Das meiste ist überflüssig. Ein Kochmesser, ein Schälmesser und ein Brotmesser sind die Austattung, die man braucht. Wenn dann wirklich etwas fehlen sollte, kann man es noch nachkaufen. Das ist aber erfahrungsgemäß unwahrscheinlich. Es gilt: Weniger kaufen, dafür gut. Als Schälmesser haben sich die dünngeschliffenen kleinen Herdermesser bewährt. Mit etwa 10€ kosten sie nicht die Welt und sind im Prinzip die ideale Lösung für diese Aufgabe. herderBrotmesser sind Sägen. Ist der Wellenschliff stumpf, kann er nur von einem Fachmann nachgeschliffen werden. Die scharfen Zähne reißen mehr als dass sie schneiden, daher tut es für diese Aufgabe im Prinzip jedes Messer. Hier zählen vor allem ästhetische und haptische Vorlieben. Persönliche Empfehlungen sind die Victorinox Konditorsäge im günstigen Bereich und für etwas mehr Geld das Herder Grandmoulin oder das MAC Superior Brotmesser. Aber auch jedes andere Messer erfüllt den Zweck wenigstens zufriedenstellend. Im Folgenden geht es also nur noch um das große Kochmesser. Guck an, das ging schnell.

2. Welche Form?
Dies ist einfach eine Frage von Erfahrungen und Vorlieben. Die klassischen europäischen Formen sind für den Wiegeschnitt ausgelegt. Man differenziert die deutsche Form mit hochgezogener Spitze und großem Bauch und die französische Form mit in die Mitte oder sogar tiefer gezogener Spitze und häufig insgesamt schmalerer Klinge:messerformenDie Japaner kennen mehr als eine Universalmesserform. Das Gyuto ist die jüngste Form und entspricht dem europäischen Kochmesser zumeist französischer Form:

suien

Das Santoku ist tendentiell kürzer und höher: Die Frage, ob man lieber ein Kochmesser/Gyuto oder ein Santoku möchte, ist eine des persönlichen Geschmacks. Ich empfehle dem, der diese Erfahrung nicht hat, die klassische Kochmesserform. Sie eignet sich besser für den Wiegeschnitt, durch die ausgeprägtere Spitze besser zum Parieren von Fleisch und durch ihre größere Länge auch besser zum Zerteilen von Fleisch und Fisch.

Abseits dessen gibt es noch einige „Exotenformen“: Die Kenyo-Form, vor allem durch Sirou Kamo in Europa bekannt, die ich für zu schmal für ein Universalmesser halte, und das auf George W. Sears Outdoormesser zurückgehende Nessmuk, das aber keine festgelegte Form darstellt. Messer dieses Formenkreises sind selten. Ausnahmen mit dieser Kontur bilden das Tosa Bunkaboocho, das weiter unten abgehandelt wird, und das Nesmuk® von Lars Scheidler, das man getrost als gut gelaufenes Marketingkonzept abhaken kann. Und schließlich hat es noch das traditionelle chinesische Hackmesser. Gerade für Leute, die viel Gemüse verarbeiten und denen andere Messerformen zu schmal sind, sind diese Messer eine ernsthafte Überlegung wert. Es handelt sich um sehr dünne Messer, die ihr martialisches Auftreten Lügen strafen. Beste Wahl: Suien oder Sugimoto.

3. Wie viel Geld will ich ausgeben?
Diese Frage muss man sich natürlich auch stellen. Zu einem traditionellen Japanmesser gehört zumindest ein Schleifstein oder, wenn ein Stein absolut nicht Frage kommt, ein Schleifsystem (Spyderco, Lansky, Edge Pro Clone). Zu allen anderen Messern kommt zusätzlich mindestens ein günstiger Keramikwetzstab, das sollte immer berücksichtigt werden.

4. „Rostfrei“ oder Carbonstahl? Was ist Geometrie?
Rostträger Stahl („Edelstahl“, „Rostfrei“) bildet große Chromkarbide. Man kann sich das wie große, widerstandsfähige Körner im Stahl vorstellen. Ein gröberes Korn heißt eine geringere mögliche Schärfe. Dafür sind rostträge Stähle tendenziell zäher und haben bei gleicher Härte eine längere Standzeit, sind aber auch schwerer zu schärfen. Carbonstähle dagegen werden dank ihres feinen Korns schärfer und sind auch einfacher zu schärfen, halten diese Schärfe dafür bei gleicher Härte weniger lange. Es gibt exzellente Messer aus Carbonstahl, aber durchaus auch viele großartige Klingen aus rostträgem Stahl. Solange dieser richtig ausgewählt und wärmebehandelt wird, ist das fraglos möglich. Wichtiger als der Stahl ist das Messer als Ganzes. Entscheidender als der Stahl und dessen Härte ist nämlich die Geometrie der Klinge. Ein dickes fettes Messer will einfach nicht leger durch die Karotte. Der Großteil des subjektiven Gefühls eines guten Messers entsteht durch leichtes Schneiden auf Grund einer dünnen Klinge – und zwar vor allem dünn direkt über der Schneide. Ich bin der festen Überzeugung, dass Stahl, Wärmebehandlung und Härte auf eine möglichst ideale Geometrie hin gewählt werden sollten und keinstenfalls anders herum. Macht man die Messer zu dünn oder zu hart für ihre Dünne, werden sie zu empfindlich. Die Balance zu treffen und dann handwerklich makellos auszuführen, ist alles andere als trivial. Schleifautomaten können bis heute nicht das, was ein Schleifer von Hand tut. Daher sind gute handgemachte Messer industriell hergestellter Ware tatsächlich merklich überlegen.

Ein kurzes Wort zu der Pflege von Carbonstählen: Ich arbeite seit Jahren mit solchen Messern; nach dem Schneiden einmal kurz mit dem feuchten Spüllappen abwischen, am Geschirrtuch abtrocknen, das kostet ein paar Sekunden. Dass sich saures Schneidgut verfärbt, passiert auch nur, bis die Klinge vernünftig Patina angenommen hat.

5. Härte als Organisationsfaktor – Systematik, Härten und Schaubild erklärt
Der Messerkauf ist vor allem deshalb ein solches Problem, weil es schwierig ist, den Markt zu überschauen und dann in eine sinnvolle Systematik zu bringen. Nach reiflicher Überlegung habe ich mich dazu entschieden, den Weg über die Härte des Schneidenstahls zu gehen, denn diese hat die größte Relevanz, um verschiedene Gruppen zu trennen. Ich habe den Markt – soweit er mir bekannt ist – nach dieser Systematik in ein Schaubild gegossen, in dem jedes Messer mit einem kurzen Kommentar versehen ist. Weiter habe ich die Messer nach Preis sortiert, in die Kategorien empfehlenswert, bedingt empfehlenswert und nicht empfehlenswert gegliedert – farblich gekennzeichnet natürlich -, persönliche Favoriten markiert und die Messer mit Fünf-Blickwinkel-Reviews kenntlich gemacht und diese verlinkt. Außerdem werden Carbonstahl und rostträge unterschieden. Bei allen Messern, die dies nötig haben, wurden Bezugsquellen angefügt. Ich habe alle Preise von Importmessern als deutsche Endpreise nach Versand und Zoll ausgerechnet.

Im Folgenden werde ich kurz die Vor- und Nachteile der einzelnen Kategorien darlegen, weitere Informationen zu den Messern sowie die Legende finden sich in dem Schaubild.

Sehr weicher Stahl (~ 53 – 54° HRC) findet sich traditionell bei den französischen Sabatier-Kochmessern aus der Messerstadt Thiers. Diese müssen häufig auf dem Stahl gewetzt werden, da sie die Schärfe nicht lange halten. Dafür sind sie auch bei dünnen Geometrien sehr unempfindlich und werden sehr schnell wieder sehr scharf.
Die nächst härtere Kategorie (~ 55-56° HRC) bilden die deutschen Kochmesser. Diese sind ebenfalls sehr unempfindlich und können auf dem Wetzstahl lange scharf gehalten werden, allerdings sind die meisten dieser Messer dank Maschinenschliff so dick, dass sie wenig Freude bereiten.
Die inzwischen größte und beliebteste Kategorie bilden die Messer mittelhoher Härte (~ 58 – 61° HRC). Diese Messer sind hart genug, um eine gute Standzeit zu gewährleisten, aber noch nicht so hart, dass ihre Sprödigkeit sehr dünne Schneiden unmöglich macht, weshalb viele – ich auch – sie als goldene Mitte ansehen. Diese Kategorie wird primär von den japanischen Firmen bedient, die sie auch erschlossen haben, es gibt aber einige Ausnahmen. Hier kommen verschiedene Stahlgüten zum Einsatz. Das untere Ende des Spektrums bildet der Chrom-Molybdän-Standardstahl. Er kommt bei den meisten günstigeren Messern zum Einsatz und hat die geringste Standzeit. Vergleichbar sind günstige Carbonstähle wie bspw. SK4, die aber fast allesamt aufgrund ihrer hohen Reaktivität nicht zu empfehlen sind. Besser sind Messer aus weniger hoch gehärteten Papierstählen (hauptsächlich Weißpapierstahl) und schwedischen rostträgen Stählen von Sandvik und Uddeholm. Diese werden bei richtiger Wärmebehandlung erstaunlich scharf und haben eine sehr gute Standzeit. Auch am Markt aber zunehmend weniger genutzt sind die Takefu Goldstähle (VG), die häufig in Mehrlagenmaterialen vorkommen. Vor allem VG10 ist auf Grund seiner schweren Schärfbarkeit und Sensitivität auf falsche Wärmebehandlung mit Vorsicht zu genießen. Der Großteil der Messer dieser Kategorie kann auch auf dem Wetzstahl scharf gehalten werden.
Schließlich bilden die traditionellen japanischen Messer aus Weiß- oder Blaupapierstahl die härteste Kategorie (~ 62 – 65° HRC) konventioneller Stähle. Sie werden extrem scharf und halten diese Schärfe auch lange, dafür sind dünne Geometrien schwierig zu realisieren, da mit der Härte auch die Sprödigkeit steigt, wodurch die Schneiden ab einer bestimmten Dünne zu empfindlich werden. Es gibt Dreilagenkonstruktionen, entweder aus fertigem Walzlaminat (günstiger) oder von Hand verschweißt (Warikomi, teurer), und komplett aus Papierstahl gefertigte und dann im Lehmmantel differenziell gehärtete (Honyaki, sehr teuer) Messer. Alle Messer müssen auf Steinen scharf gehalten werden, Wetzstähle richten hier Schaden an.
Die höchste Härtekategorie (>63° HRC) bilden Messer aus pulvermetallurgischem Stahl. PM-Stahl ist sehr schwer zu schärfen und nur wenige Firmen haben das Know-How, den richtigen Stahl so zu verarbeiten, dass er nicht grauenvoll zum Ausbrechen neigt. Ich habe alle diese Messer als bedingt empfehlenswert markiert, da ich niemandem ein solches Messer ans Herz legen würde, der nicht genau weiß, worauf er sich einlässt.

Hier ist das Schaubild:
(Anmerkung: Da die Bilddatei über hundert mal so groß ist, habe ich das PDF-Format gewählt. Es wird daher ein PDF-Reader benötigt.)

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So, das ist es. Wer Fragen hat, kann mich gerne anschreiben. Im Messerforum wird auch noch jedem geholfen. Wer nichts gefunden hat, dem kann glaube ich auch nicht mehr geholfen werden.

Bau eines endgültigen Röhrenverstärkers – 4 – Gehäusebau

Posted in Angewandte Wissenschaft, Röhrenverstärker, smile and look alive on 9. Februar 2010 by Herr Grau

Wie auch immer das individuelle Gehäuse aussieht, die wenigsten Menschen werden in den Genuss kommen, für ihr Projekt bereits vergebohrte Chassis bekommen zu können. Daher gilt es, nachdem man sich ein Layout überlegt hat (worauf man dabei achten sollte, werde ich im nächsten Kapitel erklären), die entsprechenden Löcher für Fassungen und Buchsen zu schaffen. Dabei kann einem das Wissen um wenige grundsätzliche Dinge viel Leid ersparen.

Löcher sollte man generell auf einer Standbohrmaschine mit einem Schälbohrer machen. Normale Bohrer schaffen nie so saubere Löcher wie ein Schälbohrer, desweiteren braucht es häufig Löcher in seltsamen Größen, für die es nicht einmal Bohrer gäbe. Schälbohrer sind konisch und können damit jede beliebige Lochgröße schaffen. Gebohrt wird immer von der Seite, die am Ende zu sehen ist. Leider sind Blechschälbohrer mit ~40€ nicht unbedingt günstige Werkzeuge.

Eckige Aussparungen kann man am besten mit einem Dremel machen. Meine Löcher sind vergleichsweise hässlich, weil ich seit Jahren schon nicht mehr mit diesem Werkzeug gearbeitet habe. Ein paar Minuten Übung und sie wären wesentlich besser geworden. Ein Dremel findet sich fast in jedem Bekanntenkreis, die Schneidscheiben kosten nicht viel.

Eine Regel, die ich auch jedes Mal vernachlässige und immer den Preis bezahle, ist, dass man beim Arbeiten stets alle Flächen mit Malerkrepp abkleben sollte. Auf den Bildern sind wieder einige Kratzer zu sehen, die durch unvermeidliche Unvorsichtigkeiten entstanden sind. Diese werde ich mit Lackreiniger auspolieren müssen.

Anzeichnen kann man am besten mit einem sehr weichen Bleistift. (Ein Talkumstift, wie ihn Schmiede benutzen, wäre ideal, aber wer hat sowas schon im Haus…)

Als ewiges Opfer meiner Umstände musste ich mich mit dem abgeben, was gerade greifbar war, in diesem Fall in Form einer Wolfcraft-Bohrmaschinen-Einspannung (sollte man vermeiden, wenn es nur irgend geht). Dieses großartigen Geräts wegen sind die Löcher auch auf wenige Zentimeter genau zentriert:

Ein Dremel ist für die meisten Gehäusearbeiten unverzichtbar:

Die Kanten der Ausschnitte sieht man zum Glück am Ende nicht. Die Kaltgerätebuchsen werden zum besseren Halt sowieso eingeklebt:

Die eigentliche Montage geht recht flott. Schrauben sind aus Messing, da Schwarz und Gold zusammen einfach schick aussieht. Messing ist sehr empfindlich, die Löcher müssen also sehr sauber entgratet sein. Die Senkkopfschrauben für die Neutrik-Cinchterminals fehlen noch:

Wer Angst vor diesen Arbeiten hat, den kann ich schon verstehen. Allerdings sollte sich in jedem Bekanntenkreis jemand finden, der die handwerklichen Fähigkeiten dazu mitbringt und sich für eine Kiste Bier dazu bereit erklärt. Insgesamt ist sowas bei konzentrierter Arbeit (…wo wächst das eigentlich?) in einer Stunde zu schaffen.

Update:

Bleche sind eingetrudelt. Ein großes, um das Chassis zu verstärken und die Transformatoren voreinander zu schützen und drei kleinere als Schirmbleche, damit das Netzteil, also vor allem Versorgungstransformator und Drossel, nicht blöd in die Signalwege einstreuen. Der ganze Bumms wurde mittels Uhu Endfest 300, Stuhlwinkeln, Hammerit und viel gutem Willen zusammengedengelt. Unter dem Transformator ist eine vibrationsdämpfende Schicht Schaumstoff platziert.

Gute Bilder von den Trennblechen habe ich nur zusammen mit dem halbwegs fertigen Netzteil:

Die Schirmbleche müssen natürlich vernünftig geerdet sein (Schutzleiter, nicht Signalmasse!), damit das ganze Sinn macht. Ich habe das durch *hust* fachgerechten *hust* Aufbau versucht, sicherzustellen.

Lecker Biergulasch

Posted in Essen & Trinken on 8. Februar 2010 by Herr Grau

Ich bin gar nicht da. Eigentlich bin ich gerade lernen. Aber im Dunkeln lassen kann ich euch trotzdem nicht über mein einfaches und extrem schmackhaftes Gulasch-Rezept:

500g Fleisch (hier tut es wirklich alles, selbst marginal fleischdurchsetzter Sehnenbraten für 1,99€/kg wird absolut zart) werden gewürfelt und in zwei Esslöffeln Butter scharf angebraten und dann sehr flott mit einer Flasche dunklem Bier abgelöscht (dunkles Weizen hat sich bei mir bewährt). Dazu kommen zwei große Zwiebeln, die grob zerkleinert wurden, Salz, Pfeffer und ordentlich süßes und scharfes Paprikapulver (mindestens 1EL von beidem, eher mehr). Deckel druff und 20 Minuten auf mittelkleiner Flamme köcheln lassen (die Kochzeit ist eine Mindestangabe, je länger man kocht, desto weicher wird das Fleisch). Zwei in Streifen geschnittene rote Paprika dazu geben. Noch mal 40 Minuten köcheln lassen. Mit Mehl binden (wenn es eine Sauce werden soll und keine Suppe) und noch einmal final abschmecken – fertig.

Wichtige Worte: Schillers Tell #5

Posted in smile and look alive on 5. Februar 2010 by Herr Grau

Ihr seid auch Männer, wisset eure Axt
Zu führen, und dem Mutigen hilft Gott!

DIY-Lautsprecher – ADW Duetta – oder: Wie man es nicht macht.

Posted in Angewandte Wissenschaft, smile and look alive on 2. Februar 2010 by Herr Grau

Man könnte es eine Neurose nennen, dass ich lieber lange auf das Beste spare, als irgendetwas Halbgares zu kaufen – ich halte es für eine wichtige Art von Konsequenz. Gerade für einen Studenten ist das ein episches Vorhaben und wenn sich dazu auch noch der Wunsch nach einer Hifi-Anlage gesellt, dann kann es enorm flott extrem teuer werden. Schnell liegen die Preise der Komponenten hinter der Grenze des Bezahlbaren, durch die Traumwiesen hindurch noch hinter den Bergen, im Land des schlechten Geschmacks. Fakt ist, dass die Komponenten ab einem gewissen Punkt nicht mehr besser werden. Etwas anderes als Mundorf-Kondensatoren und Eton-Chassis bekommt man auch im hohen Dukatensegment nicht und auch Boxen sind nach wie vor aus Holz, das mit dem Holz im Baumarkt recht eng verwandt ist. Viele „Verbesserungen“, die im Premiumsegment eingeführt werden, dienen einzig und allein dem Zweck, dass sowohl Verkäufer als auch Käufer des Nachts besser schlafen. Letzterer, weil ihn keine Zweifel mehr plagen und ersterer, weil sein Kissen so gut gepolstert ist. Diese .. ich nenne sie jetzt mal Ende-Der-Fahnenstange-Kompontenen kann aber auch ein Du und ein Ich beim Elektronikfred unseres gemeinsamen Vertrauens käuflich erwerben. Zum hochgradig kostensparenden Selbstbau fehlt (nur) noch das essentielle Bindeglied, jene sphärisch-unfassbare Kraft, deren Quelle selten gestreute Fachleute sind und die vom Vorsitzenden des Elite-Sachen-gebacken-Krieger-Weltverbands Hannibal Smith mit einem Wort zusammengefasst wird: Plan.

Im Selbstbau von Boxen kommt man an ein paar Wahrheiten nicht vorbei. Eine davon ist, dass man früher oder später bei Udo Wohlgemuth (Acoustic Design Wohlgemuth) landet. Er vereint Kompetenz, Kundenbetreuung, Freundlichkeit und gutes Aussehen auf ein Weise, dass man sich wünscht, es gäbe eine Art ihn in anderen Branchen ebenfalls. Dazu kommt, dass die Erfolge seiner Produkte für sich sprechen. Wer sich nicht auf Internetzgeblöke verlassen will, der spannt den Karren an und greift auf Qualität 2 und 3 von Udo zurück, in diesem Fall in der Form der Möglichkeit, ihn nach kurzer Absprache im Prinzip zu jeder unmöglichen Zeit zum Probehören besuchen kommen zu können. Hier setzt meine kleine Geschichte auch an. Wurde auch Zeit, werden Sie sagen, nach so vielen Buchstaben. Also los.

Ich sitze also in dem kleinen Tüftlerkabuff in Bochum auf einer abgewetzten Couch und versuche, in kurzer Zeit so viel Wohlgemuth wie möglich aufzusaugen. Er hat nicht alles parat, aber einen soliden Querschnitt seines Sortiments kann man probehören. Stoisch erträgt er meiner CD- und Plattensammlung, wechselt die Lautsprecher, lässt mich weiter hören. Nebenbei lässt er wie nebensächlich wichtige Ratschläge und lustige Anekdoten fallen. Interessiert begutachtet er Incubus und Audiovent, sowie Ray LaMontagne und merkt schließlich bescheiden an, dass ihm in dieser Musik die Dynamik fehle (nicht wirklich verwunderlich, muss die Abmischung doch auch ihrer Verwendung als Disko-Musik Rechnung tragen). Ich wechsle also auf Led Zep und Dusty in Memphis, was sein Gemüt schon etwas erhellt, schließlich kann er aber doch nicht umhin, bei der Präsentation seines Meisterstücks, der Duetta, auch selber noch mal in die Kiste zu greifen und Monty Alexander in Montreaux und Ella & Louis aufzulegen – beide musste ich mir übrigens dringend sofort auch zulegen, wobei letztere schon länger auf meinem Wunschzettel stand. Die Boxen faszinierten mich dabei so derartig, dass ich sie vom Fleck weg kaufe, das heißt: Ich kaufte die Bausätze.

An dieser Stelle vielleicht ein paar kleine Details zur Duetta für alle, die die Box nicht kennen. Zu aller erst gibt einen Artikel dazu in Udos Magazin (hier). Es handelt sich um eine zweiteilige Standbox, die komplett mit Chassis von Eton/Ulm bestückt ist. Diese gehören mit zu dem Besten, was es überhaupt für Geld und gute Worte zu kaufen gibt. Zumindest aber den – zugegebenermaßen nicht gerade günstigen – Hochtöner ER4 halte ich für den besten im Moment verfügbaren Vertreter seiner Zunft überhaupt. Und auch der 7-360/37 Hex und der 11-581/50 Hex brauchen sich vor keinem ihrer Mitbewerber verstecken. Der Aufbau erfolgte bei mir aus 22er MDF, wie von Udo vorgeschlagen. Hier ist der Bauplan (klick zum Vergrößern):

(Es finden sich noch einige Echos zu der Box, eine kleine Auswahl hier: #1, #2. #3, #4, #5, #6, #7. Wenn man noch etwas sucht, findet man sicher noch mehr.)

Seit dem Abend in Bochum sind einige Monate vergangen. Kommen wir zum Gehäusebau, den man auch eine Aneinanderreihung von Fehlern nennen könnte:

Erster Fehler: Ich kaufte mein MDF beim lokalen Baumarkt zu überteuerten Preisen und stellte zuhause fest, dass der Zuschnitt nicht präzise war. Für das Geld hätte ich es auch vom Tischler holen können, dafür aber richtig zugesägt.

Zweiter Fehler: Ich kaufte die Schallwände CNC-gefräst zu, da ich Schiss vor dem Ausfräsen der Löcher für den ER4 hatte. Merke: Will man furnieren, dann tut man das erst und fräst dann. Löcher überzufurnieren und dann auszuschneiden ist Masochisten-R&R und wird nie gut, wieviel Mühe man sich auch gibt.

Fehler Nummer 3: Ich kaufte mein Furnier bei Schorn&Groh. Das war eine ziemlich blöde Idee, aber das konnte ich nicht wissen. Die Furniere sind aus sehr schmalen Streifen zusammengesetzt, was auf größeren Flächen (Duettaseiten) wirklich bescheuert aussieht. Die Lieferung dauerte ewig und dann war die Hälfte der gelieferten Furniere falsch. Was ich merkte, als mein Tischler sie aufgeklebt hatte.

Fehler 4: Ich vergaß, die Gehäuse innen mit Dämpfungsmaterial zu bekleben, was schon zu empfehlen ist. Als sie zusammengeklebt waren, wollte ich mir das gynäkologische Gemache dann auch nicht mehr antun und habe es einfach sein gelassen.

Womit wir beim finalen Fehler wären: Ich hatte Angst, das teure Furnier zu ruinieren und gab die Boxen daher zu einem Tischler. Ich übersah die Möglichkeit, dass ein Mensch, der super nett ist und sonst spitzen Arbeiten macht, möglicherweise keine Ahnung vom Furnieren haben könnte. Jetzt wirft das Furnier überall Blasen, so genannte „Kürschner“, ein so gut wie nicht zu korrigierender Fehler. Derart große Flächen sollte man nicht mit Kontaktkleber zu furnieren versuchen, da man eh nicht so flächig gleichmäßig genug Druck aufbringen kann, sondern beide Teile einleimen, den Leim trocknen lassen und dann das Furnier mit einem Bügeleisen aufbügeln.

Man könnte sagen, ich habe eine teure Lektion gelernt. Einer der werten Autorenkollegen meinte in Anlehnung an gängige Euphemismen, ich hätte eben „besondere“ Gehäuse. Ich versuche das Beste daraus zu machen, denn ich habe weder Zeit, noch Geld oder Nerven, das ganze noch einmal von vorne anzufangen. Solange es klingt, werde ich mich jetzt darüber freuen.

Die Weichen waren schnell zusammengedübelt. Ich sollte vielleicht an dieser Stelle einen kleinen Dankesgruß an meinen Vater in den Äther beten, der Tatsache bezüglich, dass ich bereits mit zehn Jahren löten gelernt habe. Aber ein Weichenbau ist wirklich keine große Übung: Wer die Glühbirne in der Klospülung wechseln kann und weiß, wie man Kolbenrückholfedern nachspannt, hat mit sowas auch keine Probleme.

Die Gehäuse werden mit Ausnahme des Bereichs über den Reflexkanälen locker mit Dämmstoff gefüllt, auf die Hinterwand der Kammer des ER4 wird jeweils eine Moosgummiplatte geklebt. Die Löcher für die Kabel des Hochtöners werden mit Wachs verschlossen. Die Löcher für die Schrauben werden vorgebort.

Dann stehen sie irgendwann und spielen.

Tja, was soll ich sagen? Hat sich das viele Geld, die Mühe und der Ärger gelohnt?

Definitiv. Nach etwa fünfzig Stunden Einspielzeit verschwindet die anfängliche Schärfe aus den Höhen und es bleibt ein wunderbares Klangbild übrig, das schön die Musik projiziert, nichts überartikuliert, knackig trockene Bässe und glasklare, nie nervige Höhen liefert. Desweiteren ist die Dynamik wahnsinnig und die Auflösung haarscharf. Man hört Dinge, die man vorher noch nie wahrgenommen hat. Man ‚hört‘ den Lautsprecher überhaupt kaum, was ich sehr großartig finde.

Ich will die Klangbeschreibung nicht ausdehnen, sowas wird doch sehr schnell zur Floskelschlacht: Man weiß spätestens, wenn man beim ersten Weinen einer Les Paul Gänsehaut bekommt, dass alles an der richtigen Stelle sitzt.

Ich habe viele Lautsprecher gehört, davon einige im fünfstelligen Eurosegment, wovon ich keinen der Duetta unbedingt vorziehen würde.